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Autor Thema: Kathryn Stockett - Gute Geister (The Help)  (Gelesen 266 mal)

Aeria

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Kathryn Stockett - Gute Geister (The Help)
« am: 30. Januar 2012, 23:45:07 »



"Gute Geister" von Kathryn Stockett
(Originaltitel: "The Help")


Kurzbeschreibung lt. Amazon:

Nur wer Grenzen überschreitet, kann die Welt verändern

Jackson, Mississippi, 1962: Die junge Skeeter ist frustriert. Nach dem Studium verbringt sie die Tage auf der elterlichen Baumwollfarm, als einzige ihrer Freundinnen ohne einen Ring am Finger. Sehr zum Missfallen der Mutter. Doch der Mann, mit dem ihre Freundinnen sie verkuppeln wollen, ist ein hochnäsiger Snob. Und dann ist auch noch ihr schwarzes Kindermädchen, bei dem sie stets Trost fand, spurlos verschwunden. Skeeter wünscht sich nur eins: Sie will weg aus dem engen Jackson und als Journalistin in New York leben. Und um diesem Ziel näher zu kommen, verbündet sie sich mit zwei Dienstmädchen, die ebenso unzufrieden sind wie sie: Aibileen zieht inzwischen das siebzehnte weiße Kind auf. Doch nach dem Unfalltod ihres einzigen Sohnes ist etwas in ihr zerbrochen. Und Minny ist auf der Suche nach einer neuen Stelle. Sie ist bekannt für ihre Kochkünste, aber sie ist auch gefürchtet: Denn Minny trägt das Herz auf der Zunge. Und gemeinsam beschließen die drei außergewöhnlichen Frauen, gegen die Konventionen ihrer Zeit zu verstoßen und etwas zu wagen. Denn sie alle haben das Gefühl zu ersticken und wollen etwas verändern – in ihrer Stadt und in ihrem eigenen Leben.

Meine Meinung:

Als ich vor langer Zeit dieses Buch im Club-Katalog sah, hat es bei mir sofort "klick" gemacht. Ich weiß auch nicht, warum. Ist gar nicht mein Beuteschema. Bin monatelang um das Buch herumgeschlichen und als ich dann hörte, dass der die Verfilmung in die Kinos kommt, habe ich es mir endlich gekauft und bin jetzt etwa in der Mitte angekommen.

Bislang kann ich nur sagen - wow! Ich kann nicht aufhören, so gut liest es sich. Die Figuren sind sehr schön gezeichnet, besonders gut gefällt mir Minny, die einfach nicht ihren Mund halten kann und deshalb regelmäßig Schwierigkeiten mit ihren Arbeitgeberinnen bekommt.
Ich bin so tief in diese Geschichte eingetaucht, dass ich mir allmählich die Gefahr vorstellen kann, in der die drei Buchfiguren schweben. Über die Zeit, in der das Buch spielt, habe ich mir noch nie viele Gedanken gemacht, um so erschreckender wirkt die Geschichte stellenweise auf mich.

Hat hier schon jemand den Roman gelesen? Ich habe keinen entsprechenden Thread gefunden, dabei ist das Buch schon seit einer Weile auf dem Markt.

***
Aeria

P. S.
Weltbild bietet eine Taschenbuchausgabe für 12,99 € an.
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Wendy

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Re: Kathryn Stockett - Gute Geister (The Help)
« Antwort #1 am: 31. Januar 2012, 00:20:46 »

Ich bin gerade bei der Hälfte. Wenn du mir noch eine Woche gibst, kommt natürlich auch von mir eine Rezi. Bisher ist es aber empfehlenswert, wenn ich auch etwas falsche Vorstellungen hatte.

Minny mag ich auch. Mir sind aber alle drei Protagonistinnen sehr sympathisch, jede auf ihre Weise. Mit Skeeter kann ich mich am ehesten identifizieren - vermutlich schlicht, weil ich es mir nicht vorstellen kann, wie es sein muss, als schwarze und noch dazu Putzkraft bzw. Mädchen für alles zu leben. :entsetzt: Das geht schon sehr nahe. Aber Genaueres erzähle ich dann, wenn ich fertig bin.  :zwinker:
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Aeria

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Re: Kathryn Stockett - Gute Geister (The Help)
« Antwort #2 am: 01. Februar 2012, 16:47:44 »

Fertig.
Das ist mit Sicherheit eines der besten Bücher, die ich in den letzten Monaten gelesen habe.

Im Sommer 1962 hat Eugenia Phelan, genannt Skeeter, nichts zu tun. Sie ist vor ein paar Monaten mit dem College fertiggeworden und möchte Schriftstellerin werden. Bei der örtlichen Zeitung findet sie einen Job als Kolumnistin. In der Kolumne geht es ausgerechnet um Haushaltstips und davon hat Skeeter keinen blassen Schimmer. Hilfesuchend wendet sie sich an das schwarze Dienstmädchen ihrer Freundin, Aibileen.
Aibileen war schon immer Dienstmädchen, wie schon ihre Mutter vor ihr. Sie hat 17 weiße Kinder großgezogen, ihr eigener Sohn ist gestorben. Nach seinem Tod ist sie nicht mehr dieselbe wie früher, sie beginnt auch ihr Leben zu hinterfragen. Als Skeeter sie für ein Buch über farbige Dienstmädchen interviewen will, willig Aibileen ein, obwohl sie weiß, wie gefährlich das ist.
Minny hat fünf Kinder, einen prügelnden Ehemann und ein freches Mundwerk. Sie kann außerdem sehr gut kochen. Nachdem ihre Arbeitgeberin sie des Diebstahls beschuldigt und entlassen hat, findet sie Arbeit bei einer etwas seltsamen reichen Frau. Die ganze Zeit aber hat sie Angst, dass ihre neue "weiße Lady" die Gerüchte über sie, Minny, hört und sie ebenfalls entlässt. Ihre Freundin Aibileen überredet sie, Skeeter bei dem Buch über Dienstmädchen zu helfen.

Die Geschichten der drei Frauen, eng miteinander verwoben, wird jeweils aus der Ich-Perspektive erzählt, so dass man sich gut in die einzelne Figur hineinversetzen kann. Aber auch die anderen Figuren kann man so richtig vor sich sehen, ob es nun Skeeters Mutter, Stuart, Miss Celia oder die berüchtigte Miss Hilly ist.

Das Thema geht einem unter die Haut. Manchmal habe ich mich während des Lesens ungläubig gefragt, wie es so etwas Absurdes wie rassengetrennte Toiletten überhaupt hatte geben können. So richtig vorstellen kann ich mir das im Buch dargestellte Leben der farbigen Mensche nicht, auch wenn Kathryn Stockett ihre Sache gut macht. Sie beschreibt die Angst der Dienstmädchen vor ihren weißen Arbeitgeberinnen, die beim kleinsten Vergehen dafür sorgen könnten, dass man nie wieder Arbeit bekommt. Andererseits sind auch die Haushaltshilfen im Buch nicht ganz wehrlos. Jede versucht auf ihre Weise, mit der Diskriminierung fertig zu werden. Aibileen erzählt ihrem Zögling die Geschichte vom Marsmann Luther King, der grüne Haut hat und zu dem die Leute nur aus diesem einen Grund gemein sind. Minny backt Kuchen :teufel: .

Ich glaube, man könnte über dieses Buch ein ganzes Buch schreiben. Lest es einfach, es lohnt sich.

Fazit: Wunderschön, warmherzig und wichtig.

5ratten:tipp:

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Re: Kathryn Stockett - Gute Geister (The Help)
« Antwort #3 am: 02. Februar 2012, 10:36:26 »

Hallo Aeria,

wow, vielen lieben Dank für die wunderbare Rezi! Ich habe das Buch bereits seit letztem Jahr auf meinem SUB liegen und habe es immer noch nicht geschafft es zu lesen, aber nach dieser begeisterten Rezi, muss ich das Buch jetzt so bald wie möglich endlich lesen!  :klatschen:

Hat jemand von euch eigentlich letztes Jahr den Film dazu im Kino gesehen? Und wenn ja, wie fandet ihr ihn?

Liebe Grüße
Tammy  :winken:
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"Jeder der sich die Fähigkeit erhält, Schönheit zu erkennen, wird nie alt werden." (Franz Kafka)

Aeria

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Re: Kathryn Stockett - Gute Geister (The Help)
« Antwort #4 am: 02. Februar 2012, 13:10:00 »

@Tammy
Bei uns kommt der Film erst am 15.02. im Kino. Ich freue mich schon darauf. Der Trailer lässt zumindest mich vermuten, dass der Film um einiges "leichter" ist als das Buch. Ich glaube fast, bei der Verfilmung wurde mehr Wert auf Unterhaltung gelegt.

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Re: Kathryn Stockett - Gute Geister (The Help)
« Antwort #5 am: 02. Februar 2012, 13:16:29 »

Ich glaube fast, bei der Verfilmung wurde mehr Wert auf Unterhaltung gelegt.

Etwas ganz Neues in Hollywood. :teufel:
Eine der schwarzen Schauspielerinnen (ich glaube, es war die, die Minny spielt) hat übrigens einen Golden Globe für die Rolle abgeräumt und der Film war auch sonst recht häufig nominiert. Ich bin jedenfalls auch gespannt.

Obwohl ich sagen muss, dass ich nicht so uneingeschränkt begeistert bin wie du, Aeria. Aber jetzt lese ich das Ding erstmal zu Ende, bevor ich hier so vage vor mich hin schwafele.
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Aeria

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Re: Kathryn Stockett - Gute Geister (The Help)
« Antwort #6 am: 03. Februar 2012, 15:30:39 »

Obwohl ich sagen muss, dass ich nicht so uneingeschränkt begeistert bin wie du, Aeria.

So etwas soll vorkommen  :zwinker:

Ich habe schon Meinungen gelesen, in denen u. a. Skeetes Naivität kritisiert wurde. Für mich aber passte einfach alles  :smile: .

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Re: Kathryn Stockett - Gute Geister (The Help)
« Antwort #7 am: 03. Februar 2012, 16:51:00 »

Ich habe schon Meinungen gelesen, in denen u. a. Skeetes Naivität kritisiert wurde. Für mich aber passte einfach alles  :smile: .

Hm, das finde ich eigentlich auch sehr passend. Man sieht ja in dem Roman auch, womit sich die Damen in Skeeters Alter sonst die Zeit vertreiben. Lauter verzogene Gören! :elch: Und so viel Erfahrung konnte man damals glaube ich auch nicht sammeln, noch dazu wenn man wie Skeeter brav studiert und nicht die ganze Zeit Partys feiert.
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Re: Kathryn Stockett - Gute Geister (The Help)
« Antwort #8 am: 26. Februar 2012, 12:29:06 »

Huhu ihr Lieben!  :winken:

Bei mir hat es länger gedauert als erwartet, aber inzwischen habe ich die über 500 Seiten durch. Und zum Ende hat das Buch nochmal ordentlich Punkte aufgeholt.



Inhalt:
Es ist 1962: Aibileen und Minny sind Hausmädchen in Jackson, Mississippi. Wie fast jede andere schwarze Frau der Stadt arbeiten sie für weiße Damen, halten den Haushalt in Schach, ziehen deren Kinder groß und sorgen dafür, dass die Ehemänner etwas zu essen haben, wenn sie abends von der Arbeit nachhause kommen. Ein Leben ohne "help" ist für eine respektable weiße Dame undenkbar. Und doch sieht kaum jemand die andere Seite der Medaille, die Seite der Haushaltshilfen. Bis Eugenia "Skeeter" Phelan genug von den oberflächlichen Dummchen hat und beginnt, mit Aibileen einen Plan zu schmieden...

Meine Meinung:
Diese Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht der älteren Aibileen, der dicken, vorlauten Minny und der weißen Skeeter Phelan erzählt, jeweils in der Ich-Form. Dank Stocketts Stil sind aber alle Stimmen leicht auseinander zu halten. Aibileen sticht besonders durch mangelnde Grammatik heraus und die "typische" Sprechweise, wie ich sie z.B. aus Filmen wie Vom Winde verweht kenne. Ob das in der deutschen Version so rüberkommt, kann ich nicht sagen, ebensowenig ob das ein arges Klischee ist oder ob wirklich so gesprochen wurde. Für mich wirkte es jedenfalls authentisch und hat Aibileen Charakter verliehen. Minny - auch eindeutig zu erkennen - spricht zwar ordentlicheres Englisch, sticht aber durch ihre Wortwahl heraus. Sie ist aufbrausend, hält ihre Arbeitgeberin für einen Narren und schlägt sich mit einem Haufen Kindern und einem schlagenden Ehemann herum.
Skeeter, die einzige weiße Protagonistin, ist zwar dadurch sympathisch, dass sie modernere Sichtweisen hat, was die Segregation betrifft, ihre Handlungen sind nachvollziehbar und ihre Entwicklung interessant zu verfolgen.

Die Geschichten, die Minny und Aibileen (und die anderen Dienstmädchen) in diesem Buch zu erzählen haben, sind schockierend, berührend, herzzerreißend schön und traurig zugleich.

Abgesehen davon, dass uns die Autorin zeigt, wie es war, zu dieser Zeit als schwarze Frau in Mississippi zu leben, verstecken sich in diesem Buch auch ein paar kleine Mysterien. So wundert sich Minny etwa über ihre neue Arbeitgeberin, Miss Celia Foote, die das Haus nie verlässt und generell geheimniskrämerisch tut. Minny selbst hat auch ein Geheimnis, etwas "Furchtbar Schreckliches", wie sie es nennt, das die Leser sehr lange bei Laune hält. Die Auflösung hier fand ich besonders befriedigend! Alleine dafür lohnt es sich, dieses Buch zu lesen. :breitgrins:

Kathryn Stockett schreibt alle drei Perspektiven in einem Stil, der gefangen nimmt. Kaum hat man zwei Zeilen gelesen, steckt man mit der Nase im Buch fest und vergisst die Zeit. Was auch immer sie als nächstes schreibt, ich werde es lesen.

Aber einiges hat mich doch gestört: So dümpelt die Geschichte - zwar qualitativ hochwertig - im Mittelteil extrem lange dahin, ohne dass etwas weitergeht. Die Charaktere und ich warten ewig darauf, dass sich etwas entwickelt. Stattdessen geht es so weiter wie am Anfang, wir lesen kleine Geschichten aus dem Alltag der Charaktere und eine - meiner Meinung nach völlig unnötige - Romanze, die sich in Skeeters Leben anbahnt. Diese hat zwar thematisch in Skeeters Leben gepasst, war für mich aber eher mühsam zu lesen.
Ebenso hatte ich mir mehr erwartet. Der rote Faden wird zwar irgendwann wieder aufgegriffen, führt dann aber nur ein Stückchen weit, wo ich gerne mehr über die Entwicklung gelesen hätte. Wir verbringen etwas über 2 Jahre mit den Charakteren und erst kurz vor dem Ende des Buches passiert das, worauf man die ganze Zeit wartet.

Diese negativen Punkte gehen aber im fantastischen Schreibstil und den lebendigen Charakteren völlig unter. Sicher, man hätte noch mehr aus diesem Buch herausholen können, aber auch wenn ein paar Klischees hineingerutscht sind, war dieses eine wunderbare Geschichte, die es sich zu lesen lohnt. Kein Wunder, dass dieses Buch in amerikanischen Lesegruppen so beliebt ist. Denn die Denkanstöße und Erinnerung an eine Zeit, in der man nicht annähernd so aufgeschlossen dachte wie jetzt, sind wichtig. Mein (bisher) liebstes Buch zu diesem Thema - Sue Monk Kidd - Die Bienenhüterin - wird allerdings nicht von seinem Thron gestoßen.  :zwinker:

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Wendy
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illy

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Re: Kathryn Stockett - Gute Geister (The Help)
« Antwort #9 am: 29. April 2012, 08:14:04 »



„The Help“ spielt zu Beginn der 1960er Jahre in Mississippi, die Bürgerrechtsbewegung nimmt gerade erst ihren Anfang, die Damen der Gesellschaft leben größtenteils noch das typische Südstaatenleben und ignorieren sie problemlos völlig. Das Buch ist aus mehreren wechselnden Perspektiven geschrieben, zum einen ist da Abileen, die seit über 40 Jahren als Haushaltshilfe bei weißen Familien arbeitet und ihre Kinder betreut. Sie hat fast alle diese Kinder in ihr Herz geschlossen und die noch unvoreingenommene Liebe, die die Kleinkinder ihr zurückgaben, hat ihr die schwere und dabei größtenteils als selbstverständlich betrachtete Arbeit erträglich gemacht. Ihre Kollegin Minnie hat keinen so guten Ruf als Haushaltshilfe, sie ist zwar eine hervorragende Köchin, aber ihr fehlt es an der für ihren Beruf und ihre Hautfarbe notwendigen Fähigkeit Demütigungen stumm zu ertragen. Ihre letzte Stelle hatte sie nur so lange, weil die Hausherrin schon praktisch taub war und Minnies Kommentare ins Leere abgegeben wurden. Die dritte Hauptfigur ist weiß: Skeeter hat das College nicht als Eheanbahnungsinstitut betrachtet, sondern würde gerne als Journalistin Karriere machen. Doch zunächst ist sie nach Hause zurückgekehrt, dort kommt sie auf die Idee, Interviews mit den schwarzen Haushaltshilfen zu führen und über ihr Leben zu berichten. Ihr ist klar, dass das wohl nur anonym veröffentlicht werden kann, doch wie riskant die ganze Angelegenheit ist, ist ihr nicht bewusst und das Vertrauen zwischen den Frauen baut sich nur ganz langsam auf.

Das hat zur Folge, dass sich das Buch an einigen Stellen ein wenig zieht, es passiert einfach nichts Besonderes und zu diesem Zeitpunkt hat man sich an den alltäglichen Rassismus in gewisser Weise bereits gewöhnt und erwartet ihn von bestimmten Personen bzw. in bestimmten Situationen bereits. Die Hauptfiguren waren durchweg sympathisch und einige der (weißen) Nebenfiguren entwickeln am Ende ein überraschendes Eigenleben und zeigen, dass sich zumindest ihre Gedanken nicht nur in den voreingenommenen Pfaden des gesellschaftlich akzeptierten bewegen, sondern sie zumindest bei einigen Schwarzen über die Hauptfarbe hinwegsehen und sie als gleichwertige Menschen annehmen.

Insgesamt entwickelte „The Help“ allerdings zumindest für mich nicht die Tiefe an Bestürzung über die Verhältnisse, wie andere Südstaatenromane es geschafft haben, dazu überwogen die Anteile, in denen Skeeter einfach nur eine junge Frau der Gesellschaft ist, dann vermutlich doch zu sehr.

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Re: Kathryn Stockett - Gute Geister (The Help)
« Antwort #10 am: 29. April 2012, 09:11:50 »

Der Roman begegnet einem ja momentan überall weil die DVD gerade erschienen ist. Ich vermute Mal das The Help bald auf meinem SUB landet und ich dann auch etwas zu berichten habe :breitgrins:
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Re: Kathryn Stockett - Gute Geister (The Help)
« Antwort #11 am: 09. Mai 2012, 11:17:35 »

Dieses Jahr gelesen und gerne gelesen!
Die vielfältigen Menschen, die Geschichten und zwischenmenschlichen Beziehungen die vor dem Hintergrund der Rassentrennung beschrieben wurden waren sehr berührend. Gerade die Beziehung der Kinder zu ihren zweiten und manchmal gefühsmäßig sogar einzigen "Müttern", die doch für die Erwachsenen nur minderwertige Menschen zweiter Klasse waren und was später daraus wurde, hat mich bewegt. Man denkt darüber nach warum aus Kindern die noch mit dem Herzen denken, dann doch oft Erwachsene werden die ihre Gefühle vergessen und sich in die vorgegebenen Normen und die erwünschte Meinung fügen.  Wie Abileen mit Mae-Mobley spricht, wie sie versucht dem Kind zu helfen in der Kälte ihrer leiblichen Mutter nicht zugrundezugehen, hat mich mehr als einmal zu Tränen gerührt.
Jeder einzelne Person die beschreiben wurde war spannend und interessant, in ihrer Eigenart, im guten wie im schlechten. Ich wollte wissen wie es Minnie ergeht und all den anderen, welche Erlebnsise hinter den kurz angerissenen Geschichten stehen und ich war traurig als das Buch zu Ende war und man so vieles nie mehr erfahren würde. Gerade im Kleinen, in diesen alltäglichen Geschichten,  wird die Schizophrenie dieses Systems drastisch erkennbar. Man gibt sein Liebstes (sein Kind) in die Hände  und die Betreung von angeblich ja so minderwertigen, schmutzigen Wesen die Krankheiten übertragen, wenn man mit ihnen die selbe Toilette teilt.  Man läßt das Essen von ihnen kochen und das Haus sauber halten, will aber nicht, daß man von ihnen angefasst wird oder daß sie aus den selben gespülten Gläsern trinken wie man selbst. Das ist sowas von komplett bescheuert und man sitzt beim Lesen da und kann nur den Kopf schüttelt und doch war es damals völlig normal für viele Menschen, viele haben es wohl wirklich geglaubt.
Ich bin ein emotionaler Leser und dieses Buch hat viele Empfindungen hervorgerufen, aber auch nachdenklich gemacht, ohne aber permanent in dieser abgrundtiefen Bestürzung über die Rassendiskriminierung zu landen. Es wurde mehr aus der Perspektive der aktuelle Situation berichtet , es wurde die (natürlich schreckliche, aber doch alltägliche) Normalität der Farbigen und Weißen in dieser Zeit und diesem Ort  erzählt, in der es hin und wieder auch menschlich schöne Erlebnisse gab. Gerade Minnie, die entrüstet war, daß ihre neue Dienstherrin sich eben nicht um die vorgegebenen Verhaltensweisen zwischen Weißen und Schwarzen schert, zeigte auf wie man sich arrangiert hatte diesem Leben und gleichzeitig wurde diese "Normalität" immer wieder aufgebrochen, kamen die wahren Gefühle und die Unterdrückung brodelnd  an die Oberfläche.

Ich glaub ich mochte das Buch genau deswegen. Es klagte nicht ständig global von oben herab auf jeder einzelen Seite an, es zeigte auch daß es auch im Kleinen hin und wieder Verständigung gab und daß beide Seiten manchmal nicht aus ihren Zwängen konnte, selbst wenn sie es vereinzelt gewollt hätten und daß manche es völlig unerwartet, ganz still und ohne Aufhebens doch die festzementierten Grenzen überschritten.  Das große Ganze kennen wir ja, die traurige historische Geschichte der Unterdrückung; hier wird es auf andere, privatere und eher frauendominierte Art erzählt, denn was erzählt wird spielt hauptsächlich in der damaligen Frauenwelt - Kinder, Küche und ein bisschen Kirche. Auch das Frauenbild generell spielt eine Rolle in dem Buch und wie sich nicht nur das Leben der Farbigen allmählich änderte sondern auch das Leben oder zumindest  das Selbstbild der Frauen.

Auch von mir eine klare Leseempfehlung sich dem Thema von einer etwas anderen Seite zu nähern.



@Wendy
.. deinen Buch-Tip zum Thema "Die Bienenhüterin" hab ich mir eingemerkt. Könnte sein daß es bald in meinem Regal landet  :)
 
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„Von den Sternen kommen wir, zu den Sternen gehen wir.
Das Leben ist nur eine Reise in die Fremde.“