Huhu ihr Lieben!

Bei mir hat es länger gedauert als erwartet, aber inzwischen habe ich die über 500 Seiten durch. Und zum Ende hat das Buch nochmal ordentlich Punkte aufgeholt.

Inhalt:Es ist 1962: Aibileen und Minny sind Hausmädchen in Jackson, Mississippi. Wie fast jede andere schwarze Frau der Stadt arbeiten sie für weiße Damen, halten den Haushalt in Schach, ziehen deren Kinder groß und sorgen dafür, dass die Ehemänner etwas zu essen haben, wenn sie abends von der Arbeit nachhause kommen. Ein Leben ohne "help" ist für eine respektable weiße Dame undenkbar. Und doch sieht kaum jemand die andere Seite der Medaille, die Seite der Haushaltshilfen. Bis Eugenia "Skeeter" Phelan genug von den oberflächlichen Dummchen hat und beginnt, mit Aibileen einen Plan zu schmieden...
Meine Meinung:Diese Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht der älteren Aibileen, der dicken, vorlauten Minny und der weißen Skeeter Phelan erzählt, jeweils in der Ich-Form. Dank Stocketts Stil sind aber alle Stimmen leicht auseinander zu halten. Aibileen sticht besonders durch mangelnde Grammatik heraus und die "typische" Sprechweise, wie ich sie z.B. aus Filmen wie
Vom Winde verweht kenne. Ob das in der deutschen Version so rüberkommt, kann ich nicht sagen, ebensowenig ob das ein arges Klischee ist oder ob wirklich so gesprochen wurde. Für mich wirkte es jedenfalls authentisch und hat Aibileen Charakter verliehen. Minny - auch eindeutig zu erkennen - spricht zwar ordentlicheres Englisch, sticht aber durch ihre Wortwahl heraus. Sie ist aufbrausend, hält ihre Arbeitgeberin für einen Narren und schlägt sich mit einem Haufen Kindern und einem schlagenden Ehemann herum.
Skeeter, die einzige weiße Protagonistin, ist zwar dadurch sympathisch, dass sie modernere Sichtweisen hat, was die Segregation betrifft, ihre Handlungen sind nachvollziehbar und ihre Entwicklung interessant zu verfolgen.
Die Geschichten, die Minny und Aibileen (und die anderen Dienstmädchen) in diesem Buch zu erzählen haben, sind schockierend, berührend, herzzerreißend schön und traurig zugleich.
Abgesehen davon, dass uns die Autorin zeigt, wie es war, zu dieser Zeit als schwarze Frau in Mississippi zu leben, verstecken sich in diesem Buch auch ein paar kleine Mysterien. So wundert sich Minny etwa über ihre neue Arbeitgeberin, Miss Celia Foote, die das Haus nie verlässt und generell geheimniskrämerisch tut. Minny selbst hat auch ein Geheimnis, etwas "Furchtbar Schreckliches", wie sie es nennt, das die Leser sehr lange bei Laune hält. Die Auflösung hier fand ich besonders befriedigend! Alleine dafür lohnt es sich, dieses Buch zu lesen.

Kathryn Stockett schreibt alle drei Perspektiven in einem Stil, der gefangen nimmt. Kaum hat man zwei Zeilen gelesen, steckt man mit der Nase im Buch fest und vergisst die Zeit. Was auch immer sie als nächstes schreibt, ich werde es lesen.
Aber einiges hat mich doch gestört: So dümpelt die Geschichte - zwar qualitativ hochwertig - im Mittelteil extrem lange dahin, ohne dass etwas weitergeht. Die Charaktere und ich warten ewig darauf, dass sich etwas entwickelt. Stattdessen geht es so weiter wie am Anfang, wir lesen kleine Geschichten aus dem Alltag der Charaktere und eine - meiner Meinung nach völlig unnötige - Romanze, die sich in Skeeters Leben anbahnt. Diese hat zwar thematisch in Skeeters Leben gepasst, war für mich aber eher mühsam zu lesen.
Ebenso hatte ich mir mehr erwartet. Der rote Faden wird zwar irgendwann wieder aufgegriffen, führt dann aber nur ein Stückchen weit, wo ich gerne mehr über die Entwicklung gelesen hätte. Wir verbringen etwas über 2 Jahre mit den Charakteren und erst kurz vor dem Ende des Buches passiert das, worauf man die ganze Zeit wartet.
Diese negativen Punkte gehen aber im fantastischen Schreibstil und den lebendigen Charakteren völlig unter. Sicher, man hätte noch mehr aus diesem Buch herausholen können, aber auch wenn ein paar Klischees hineingerutscht sind, war dieses eine wunderbare Geschichte, die es sich zu lesen lohnt. Kein Wunder, dass dieses Buch in amerikanischen Lesegruppen so beliebt ist. Denn die Denkanstöße und Erinnerung an eine Zeit, in der man nicht annähernd so aufgeschlossen dachte wie jetzt, sind wichtig. Mein (bisher) liebstes Buch zu diesem Thema -
Sue Monk Kidd - Die Bienenhüterin - wird allerdings nicht von seinem Thron gestoßen.


Liebe Grüße,
Wendy