Prinzipiell hast du Recht, MacOss: Wenn man sich mit etwas schlecht auskennt, sollte man lieber die Finger davon lassen. Hierbei erachte ich die Situation doch als anders. ACTA betrifft uns alle und deswegen sollten sich auch alle darüber nach Möglichkeit informieren und mitreden.
Alles, was ich bisher von Anonymous gesehen habe, ist überspitzt dargestellt. Wenn ich von irgendeinem neuen Gesetzesentwurf irgendwo gehört hätte, der irgendwas bewirkt, was ohnehin nach nichts Großem aussieht, wäre mir das wahrscheinlich ziemlich egal gewesen. Ziel des Videos ist es vordergründig mal zu schockieren, damit sich die Leute informieren. Hätte ich einen der vielen geschriebenen Links online gestellt, würde wahrscheinlich kaum jemand reagieren.
Und das Tofuhühnchen... Ja, ein lustiges, aber nicht wirklich realistisches
Beispiel.

Das Problem an ACTA ist nicht die von dir angesprochene Verschärfung der Patentierung geistigen Eigentums, sondern vielmehr, dass die Definition dessen im Unklaren gelassen wird und somit großen Patentfirmen und weiteren eine Lücke gewährleistet wird, durch die sie ganz legal schlüpfen können um zu ahnden, was sie gerade stört.
Dann sind auch die Maßnahmen, die man ergreifen darf (und muss) um geistiges Eigentum zu schützen, grenzwertig: Nach dreimaligen Verstoß jemanden den Kontakt zum Internet abschneiden. Internetdienstanbieter haben die Pflicht den Datenverkehr ihrer User zu überwachen und Verstöße weiter zu melden, weil es sonst für sie Konsequenzen nach sich ziehen würde.
Wenn ACTA in Kraft tritt, kann das 20 Jahre gut gehen, oder 30, oder 4. Auf alle Fälle ändert sich die Beschaffenheit des Internets dadurch gewaltig. (Hinweis: Dass wir das Internet heute einfach so nutzen können, haben wir Tim Berners-Lee zu verdanken, der auf sein Patentrecht verzichtete - zu unserem Wohl. Sonst würde es vielleicht immer noch wie sein Vorläufer (der allerdings nichts mit Berners-Lee zu tun hat) zur US-militärischen Datenspeicherung eingesetzt werden und die Öffentlichkeit hätte keinen Zugang dazu.)
Wikipedia würde dadurch aus dem Netz verschwinden - denn es beherbergt fast nur urheberrechtlich geschütztes Wissen. Allgemeinwissen wird so definiert: Wissen, das der Durchschnittsbürger besitzt. Da bleibt dann auch herzlich wenig für Wissensportale übrig und das gefährdet die freie Bildung, die sowieso schon auf gewisse Gesellschaftsschichten beschränkt ist. (Das Argument "dann geht doch in die Bibliothek" fände ich an dieser Stelle unpassend, weil sogenannte bildungsferne Schichten oft schon von der Schulbildung her Nachteile haben und das Internet, als Medium, das in Mitteleuropa für jeden zugänglich ist, wie geschaffen dafür wäre einen Ausgleich zu schaffen. (Und wenn ich da jetzt weiter schreibe, verzettele ich mich in ein gänzlich anderes Thema.^^))
Youtube wäre damit auch dahin - denn die Möglichkeit zur Bereitstellung von Ressourcen für die Verbreitung von geschütztem Material ist laut ACTA illegal. (EDIT: Bei diesem Punkt bin ich mir nicht ganz sicher. Wer weiß was dazu? Es ist wirklich ungut, wie viel ACTA im Unklaren lässt und wie viel Freiheit damit zur Interpretation ganz nach Belieben gelassen wird. Das kann man schnell ausnutzen.)
Weiters wird, wie auch im Film gezeigt, jedes Datenpaket fortan durchleuchtet werden - schlecht für die Piraterie, gegen die es u.a. wirken soll. Aber wie gesagt: ACTA zieht keine klaren Grenzen. Geahndet werden kann nahezu alles, was Patentrecht hat. Und dazu gibt es Dank Überwachung ja die Möglichkeit.
Aus dem von dir reingestellten Spiegel-Artikel (den ich mir nur zur Hälfte durchgelesen habe, ich finde auch, dass er zu allgemein gehalten ist):
Hat das heutige Urheberrecht nicht einige grundsätzliche Probleme?
Das stimmt, finde ich. Wenn eine Forschergruppe etwas entdeckt und sie dies im Auftrag einer Firma getan hat, dann patentiert sich die Firma dieses (die Entdecker können dabei sehr schlecht mit einer minimalen Abfindung aussteigen, wenn sie in entsprechenden Verträgen stecken oder die Rechtsprechung nicht auf ihrer Seite ist). Ein solches Patent blockiert dann die weitere Forschung, weil Inhaber anderer Konzerne erst die Rechte am Patent kaufen müssten um legal an derselben Sache weiter zu forschen, wenn sie nicht auf andere Art zu ähnlichen Ergebnissen kommen.
Wie gesagt, mich stören die zu setzenden Maßnahmen, die ACTA vorschreibt, und die Unklarheit der darin enthaltenen Definitionen, in welchem Rahmen man geschütztes Eigentum "verteidigen" kann. Das lässt zu viel Spielraum übrig in einem Patentrechtsystem, das an sich schon seine Mängel aufweist. (Wenn wir kurz mal in die Bioethik abtauchen würden, stellten sich noch ganz andere Fragen zum Thema Patent. Aber das steht hier nicht zur Debatte.)
So, und jetzt wieder die Meinungen anderer, bevor ich zu viel weiter schreibe.