 
| | Ian McEwan (geb. 1948) Abbitte Originaltitel: Atonement Erstveröffentlichung: 2001 aus dem Englischen von Bernhard Robben Verlag: Diogenes gebundene Ausgabe 533 Seiten
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Wie unterschiedlich die Meinungen sind. Und hier kommt meine...
Nachdem ich die vielen begeisterten Rezensionen hier gelesen habe und mir eine Kollegin ihr Exemplar von "Abbitte" mit den Worten "Das musst Du unbedingt lesen!" in die Hand drückte, war ich natürlich gespannt auf das Buch.
Eines vorneweg: Es fiel mir sehr leicht, das Buch zu lesen. Es ist verständlich und in einer klaren Sprache geschrieben, und ich hatte es innerhalb weniger Tage ausgelesen. Nur - und das ist mein Kritikpunkt trotz aller Klarheit und Verständlichkeit: Mir war die Sprache teilweise zu nüchtern, zu sachlich und vor allem zu distanziert von den Personen, deren Gedankenwelt ja vielfach geschildert wird. Ich konnte keine richtige Beziehung zu den Personen aufbauen, weil ich mich sehr oft gefragt habe: Denkt der oder die wirklich so? Insbesondere bei der dreizehnjährigen Briony hatte ich häufig das Gefühl, hier versucht jemand, die Gedanken eines Mädchens wiederzugeben, von dem er glaubt, wie es denken müsse. Ich weiß nicht, wie es in 13jährigen Mädchen aussieht - aber ich hege die Befürchtung, dass McEwan es ebensowenig weiß. Mir kamen die Schilderungen von Brionys Gedankenwelt doch ein wenig zu analytisch, zu sachlich, zu "erwachsen" vor. So mag sich ein Mann mittleren Alters vorstellen, wie ein 13jähriges Mädchen tickt, aber tickt es wirklich so?
Was mir ganz gut gefallen hat, waren die Ereignisse und Verwicklungen im ersten Teil, all' die Verwechslungen, Vertuschungen, die kleinen Lügen und Missverständnisse, die sich langsam zu dem Höhepunkt hochschrauben, welcher der Geschichte die tragische Wendung gibt. Danach jedoch fällt das Buch wieder ab und hat für mich einige Längen. Insbesondere die Schilderung von Robbies Kriegserlebnissen im zweiten Teil ist für mich eindeutig zu lang geraten, zumal sie die Handlung nicht wirklich voranbringen.
Der dritte Teil, der einen Einblick in Brionys weiteren Lebensweg nach dem folgenschweren Ereignis im ersten Teil gibt, ist schon wieder etwas packender, und auch ihre Innenwelt, das Erkennen der eigenen Schuld und ihr schlechtes Gewissen und das was sie tut, um ihre Schuld zu begleichen, wirkten da für mich schon wesentlich nachvollziehbarer.
Dann allerdings der Schlussteil,
in dem alles Vorangegangene seit dem verhängnisvollen Ereignis von der "Erzählerin" Briony widerrufen und als erfunden dargestellt wird, also die Wiedervereinigung von Cecilia und Robbie sowie - wenn schon keine Versöhnung mit den beiden - Brionys Geständnis vor ihnen und der Versuch der Tilgung der eigenen Schuld, was alles so nie stattgefunden haben soll, weil Cecilia und Robbie nie wieder zusammenkamen und während des Krieges gestorben sind und somit auch nicht mehr mit Briony zusammentreffen konnten,
wirft für mein Empfinden das ganze Buch über den Haufen. Klar, man könnte sagen, dass McEwan seiner Geschichte doch die aberwitzigsten Wendungen geben kann, ganz wie er möchte, er ist schließlich der "Herr" der Geschichte.
Aber weil am Ende ein großer Teil der Geschichte, die ich zuvor gelesen habe und an der ich teilgenommen habe, widerrufen wird, habe ich mich plötzlich in gewisser Weise betrogen gefühlt. Betrogen um die Geschehnisse und Handlungen der Personen, von denen ich bis dahin glaubte, an ihnen teilzuhaben. Ich kann gar nicht genau schildern, was in diesem Moment in mir vorging, aber ich fühlte mich, als hätte man mir diese Geschichte weggenommen, geraubt.
Alles in allem, und obwohl ich das Buch eigentlich gar nicht so schlecht fand, vergebe ich dennoch "nur"
