Wie bereits vermutet, erzählt in diesem Mittelabschnitt Rogelio selbst. Er stammt, wie seine Kameraden in dem Säuberungskommando, nicht aus der Gegend, mit Ausnahme von Pedro Alberto. Dieser gehört der Oberschicht an und hätte daher auch einiges zu verlieren gehabt, wenn sich die Gegenseite durchgesetzt hätte. Erschreckend ist, wie festgefügt in ihren Ansichten und Reaktionen diese Falangisten sind. Sie sind selbstverständlich der Überzeugung, im Recht zu sein, wenn sie einfach andere Leute erschießen, weil sie (tatsächlich oder vermutet) einer anderen Partei angehören. „Die Roten“ haben fast immer jemanden aus ihrer Familie auf dem Gewissen und das reicht als Rechtfertigung, völlig unbeteiligte Leute abzuknallen.
Der letzte Nachteinsatz war für Rogelio allerdings schwierig. Zunächst schien alles wie immer, aber der zehnjährge Sohn der Garcías starrt ihn so merkwürdig an, daß Rogelio den Jungen auch zur Erschießung mitnehmen will und nur mit Mühe von seinen Kameraden daran gehindert werden kann. Er fühlt sich von dem Kleinen und seinem starren Blick regelrecht bedroht. Als dann auch noch Pedro Albertos jüngerer Bruder, im gleichen Alter, ihn ähnlich anstarrt, wenn auch aus anderen Gründen, bricht in Rogelio etwas auseinander. Die ganze Truppe wird bei dem Überläufer-Bürgermeister einquartiert und dessen Frau, Cipriana, ist offensichtlich mit der falangistischen Haltung ihres Mannes, die auch schon auf die beiden Söhne abgefärbt hat, nicht einverstanden. Sie unterstützt Rogelio dabei, sich krank zu stellen, um die nächsten Nachteinsätze nicht mitmachen zu müssen. Stattdessen geht Rogelio drei Abende in Folge an den Platz, wo sie Simón und Antonio García erschossen haben. Am ersten Abend ist er überrascht, ein sauber gearbeitetes Grab vorzufinden, obwohl außer seinen eigenen frischen Stiefelspuren nur eine weitere Spur von sehr kleinen Abdrücken existiert. Zwei Abende reißt er den mitten auf das Grab gesetzten Schößling heraus, als er es am dritten wieder tun will, steht der kleine Gabino mit der Gießkanne neben ihm und zwingt ihn, wortlos, diesen Schößling stecken zu lassen und sogar zu gießen. Rogelio bildet sich ein, in den Augen des Jungen, der ihn nach wie vor ohne zu blinzeln anstarrt, sein Todesurteil zu lesen.
Pinillas Stil gefällt mir gut. Weder drückt er auf die Tränendrüse, noch ist er pathetisch oder sonstwie überzogen. Rogelio ist einfach ein junger Mann, der – vielleicht sogar wirklich aus Überzeugung, vielleicht aber auch mangels Alternativen – in diese Truppe gerutscht ist und sich langsam unbehaglich fühlt, ob der regelmäßigen Exekutionen. Er würde das natürlich nie offen vor seinen Kameraden zugeben, dann stünde er schließlich als Schwächling da, aber an der Art, wie er die Hilfe Ciprianas Hilfe annimmt, zeigt das sehr deutlich. Er ist innerlich nicht gefestigt in seinen Ansichten, er braucht zumindest die anderen um sich herum, um sich mitziehen zu lassen, aber damit war er einigermaßen sorglos. Nachdem er nun einmal Angst bekommen hat, kann er in diesen bequemen Zustand aber nicht mehr zurück, fast könnte man es ein Paulus-Erlebnis nennen. Ich bin gespannt, wie er sich unter diesen Umständen weiter schlägt und wie er zu dem Typen wird, der in Mercedes' Einführung „vorgestellt“ wurde.