Willkommen Gast. Bitte einloggen oder registrieren.

E-Mail: Passwort:

Autor Thema: Pedro Antonio de Alarcón – Der Freund des Todes  (Gelesen 42 mal)

Aldawen

  • Msomaji mkubwa
  • Administrator
  • *
  • Offline Offline
  • Beiträge: 11655
Pedro Antonio de Alarcón – Der Freund des Todes
« am: 21. Januar 2012, 11:41:01 »



In diesem ersten Band von Borges' Bibliothek von Babel sind zwei Erzählungen Alarcóns enthalten, nämlich das titelgebende Der Freund des Todes und Die große Frau. In der ersten Erzählung geht es um den jungen Gil Gil, der aus einer Familie von Flickschustern stammt. Als er als Waise zurückbleibt, nimmt sich Graf Ríonuevo gegen den Willen seiner Frau des Jungen an. Gil Gil findet sich am gräflichen Hof gut zurecht und verliebt sich schließlich in Elena, Tochter des Herzogs von Monteclaro, der ein Freund des Grafen ist. Dem Glück scheint nichts entgegenzustehen, aber der Graf stirbt überraschend und Gil Gil wird aus dem Haus gejagt. Er schlägt sich wiederum als Flickschuster durch, verliert aber auch in dieser ärmlichen Position nochmals seine Vertrauten und sinnt so darüber nach, daß sterben eigentlich seine beste Perspektive sei. Als er gerade ein Fläschchen Vitriolöl in sich hineinschütten will, hält ihn der Tod selbst zurück. Dieser hat mit Gott eine Vereinbarung über Gil Gil getroffen und verspricht dem jungen Mann das Glück dieser Welt und seine Freundschaft. Aber der Tod wäre nicht er selbst, wenn zwischen Schein und Sein nicht eine Lücke klaffte. In Die große Frau berichtet der Forstmeister Gabriel seinen Kollegen von seinem Freund Telesforo, der sich von einem häßlichen Mannweib verfolgt sah und nach diesen Begegnungen jeweils mit einer Todesnachricht konfrontiert zu werden.

Da in beiden Erzählungen der Tod eine große Rolle spielt, passen sie inhaltlich gut zusammen. Ob sie nach heutigen Maßstäben noch als Gruselgeschichten durchgehen, wie Alarcón zumindest letztere untertitelt hat, möchte ich bezweifeln, aber sie strahlen einen gewissen altmodischen Charme aus, der gut zu ihrer Entstehungszeit paßt. Ich hatte auch den Eindruck, daß die 30 Jahre, die zwischen beiden Erzählungen liegen (Der Freund des Todes ist aus dem Jahr 1852, die andere von 1881) sich auf die Komposition und erzählerische Umsetzung positiv ausgewirkt haben. Die große Frau ist sehr viel stringenter in der Anlage und trotz der geschachtelten Erzählweise klar und präzise. In Der Freund des Todes tritt der Erzähler immer wieder mit Kommentaren, die mit der eigentlichen Geschichte nichts zu tun haben, aus dieser heraus, was ich als Stilmittel nur in Ausnahmefällen schätze, zumal die Erzählung dadurch auch unnötig in die Länge gezogen wird. Hier war es mir entschieden zu übertrieben, egal, ob es sich um Andeutungen zu Ereignissen außerhalb der Geschichte handelte oder gar um Wertungen des Erzählers. Gerade letztere sind durch diese äußere Form zwar ohne weiteres als solches zu erkennen, störten mich aber bei der Lektüre doch ziemlich. Gelungen fand ich aber, das gebe ich gerne zu, in beiden Fällen das Ende. Auch wenn das Auftreten des Todes keinen grundsätzlichen Zweifel am Ausgang aufkommen läßt, so fand ich das Wie vor allem in Der Freund des Todes durchaus überraschend und konsequent.

 3ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:

Schönen Gruß
Aldawen
Gespeichert
Kinywa ni jumba la maneno.
Der Mund ist der Palast der Worte. – Sprichwort aus Ostafrika