Hallo ihr Lieben,
ich muss ja gestehen, dass ich sehr hin- und hergerissen mit diesem Buch bin. Ich finde einige Beschreibungen wunderschön: Wenn Midas mit seiner Kamera loszieht, ist das immer super oder auch der nächtliche Ausflug von Midas und Ida zum Beobachten der Quallen, fand ich wunderbar und so richtig zum Träumen.
Leider ist es so, dass die Natur einfach wunderschön ist, die Menschen selber aber total unfähig sind, sich zu äußern, ihre Gefühle auszudrücken oder einfach nur normal miteinander zu kommunizieren.
Die Angst bei Midas vor Berührungen, kann ich ehrlich gesagt nicht so ganz nachvollziehen: Einerseits will er so unbedingt nicht wie sein Vater sein und verhält sich dann doch genauso! Unfähig gegen das, was er bei seinem Vater beobachtet hat, vorzugehen. Die Überlegung von Midas, dass es von seinem Vater vielleicht sogar wirklich das Mutigste war, einen Sohn in die Welt zu setzen, fand ich dabei wieder total traurig. Das würde dann heißen, dass sein Vater schon immer Angst vor Berührungen hatte? Aber warum hat die Mutter sich dann so einen Mann angetan???

Dass niemand Emiliana die richtige Frage stellt, hat mich ganz verrückt gemacht! Und das, wo Midas sogar das Gefühl hatte, dass Saffron nicht mehr lebt.
Da hätte ich auch schreien können. Dabei hatte ich auch von Anfang an so ein schlechtes Gefühl, dass das Mädchen die Behandlung entweder nicht überlebt hat oder irgendetwas schlimmes passiert ist. Dass Emiliana bei Ida mit der Behandlung beginnt, obwohl sie weiß, dass Saffron sich selbst umgebracht hat? Die Erklärung ihrer Beziehung zu Carl dafür, fand ich etwas weit hergeholt. Die Affäre, die die beiden mal hatten, ist doch mittlerweile vorbei, oder? So habe ich das zumindest verstanden?

Davon abgesehen, dass sie auch wieder einen Mann hat, der keinen
Sex wollte??? Auf dieser Insel sind sie wirklich alle nicht ganz normal und normale Beziehungen gibt es gleich gar nicht!

Vielleicht ist die Glaskrankheit aber auch eine Metapher für Krebs - wenn man eure Gedanken zur Krankheit und der "Therapie" mal ohne was dazwischen liest, erinnert das ganz stark an Krebstherapien, die den Tod nur hinauszögern, sehr schmerzhaft und nebenwirkungsreich sind und letztendlich keine Heilung bringen ...
Den Gedanken finde ich interessant, hört sich für mich auch alles sehr passend an.
Diesen Gedanken hatte ich auch schon, dass die "Glaskrankheit" einfach allgemein für eine schwere unheilbare Krankheit steht und das Buch einen zum Nachdenken anregen möchte. Ich kann auch sehr gut Ida's Gedankengänge nachvollziehen, dass sie sich einfach wünscht, dass Midas schneller ist und sie noch ein bisschen ihre Liebe genießen können, bis sie komplett in Glas verwandelt ist.
Die Prügelei zwischen Gustav und Midas ist mir völlig unverständlich
Das muss wohl ein Männerding sein. Wenn mich jemand verdrischt, dann kündige ich ihm meine Freundschaft und setze ihn vor die Tür. Das finde ich unverzeihlich. Aber Männer gehen ja nach einer "gelungenen" Schlägerei auch gerne zusammen einen Trinken 
Die Prügelei habe ich auch nicht so ganz verstanden! Da schlagen sie sich und danach hat Midas keine Angst mehr vor Berührungen???

Das habe ich ja gar nicht verstanden. Es würde vielleicht Sinn machen, wenn Midas' Vater ihn andauernd geschlagen hätte, aber das hat er ja nicht.
Was mich hier nur so richtig als Buchliebhaberin geärgert hat, dass Midas' Vater seinem Sohn jede Freude an Büchern genommen hat, in dem er sie ihm aufgezwungen hat. Gerade diese Szene am Strand fand ich ja furchtbar, als Midas irgendwas lesen musste und nicht fotografieren bzw. das tun durfte, was er möchte.

Sein Vater ist und bleibt mir weiterhin ein Rätsel. Ich verstehe ja die Gefühlskälte bedingt durch sein Glas aus Herz, aber warum war er so übervorsichtig mit seinem Sohn zum einen und so abweisend zum anderen? Warum durfte Midas nicht schwimmen lernen? Ich verstehe das alles nicht!
Ach ja, und als die schlimmste Person überhaupt wird Carl installiert. Ich finde auch, dass das total plump gemacht wird. Es ist doch wohl für jeden offensichtlich, dass Carl Midas vertreiben möchte. Aber Midas lässt das natürlich auch noch zu und Ida wehrt sich auch nicht richtig!

Denver ist der Knaller.
Obwohl sie viel zu erwachsen wirkt, bringt sie doch ordentlich Schwung in die Geschichte und vorallem Midas zum nachdenken. Ich mag sie. Sie hat Gustav und Midas sehr gut im Griff! Auch die Prügelei der beiden war köstlich und scheinbar erfüllt sie doch ihren Zweck.
Denver finde ich auch total klasse! Die einzige Figur, die halbwegs normal erscheint und für gute Stimmung sorgt! Auch wenn sie kein einfaches Los hat, geht sie am souveränsten damit um. Ob der Autor wohl damit eine Botschaft senden möchte: Dass wir öfters auf Kinder hören sollten, da die teilweise mit schlimmen Schicksalen viel besser umgehen können, als wir Erwachsene?

Ich bin ja jetzt gespannt, wie das Buch endet!

Liebe Grüße
Tammy
