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Autor Thema: Karla Schmidt - Die rote Halle  (Gelesen 160 mal)

Annabas

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Karla Schmidt - Die rote Halle
« am: 17. Januar 2012, 21:21:42 »


Karla Schmidt – Die rote Halle



Inhaltsangabe:

Josef Rost will sich mit seiner letzten Ballettinszenierung ein Denkmal setzen, denn er spürt, dass sein Körper und auch sein Verstand ihm nicht mehr lange gehorchen wird. In einer umgebauten Flugzeughalle des ehemaligen Flughafen Tempelhof finden die Proben für „Reading Red Shoes“ statt, doch sie stehen unter einem Unglücksstern: Dave, die männliche Hauptfigur, weigert sich, mit DeeDee, seiner geplanten Partnerin, zu tanzen. Rost führt sich wie ein Besessener auf und muss zeitweise ins Krankenhaus gebracht werden, ein fremder Junge wird tot auf dem Flugplatzgelände gefunden und schließlich verschwindet Simon, der Sohn der Kostümbildnerin Janina Zöllner. Und bisher weiß nur Janina, dass Dave in Wirklichkeit Simons Vater ist. Oder weiß es doch noch jemand anderes?

Der erste Satz:

„Dave rennt, rennt zum Rhythmus der Worte in seinem Kopf, ein scheppernder Leierkastenwalzer, Maul-hal-ten, Maul-hal-ten, stolpert, fängt sich, rennt weiter, riecht Erde und faulendes Laub, links fliegt die Kleingartenanlage vorbei.“

Meine Meinung zum Buch:

Besonders gut hat mir an diesem Thriller der Einblick in die Theaterarbeit gefallen. Auch wenn die Besessenheit und Hingabe, mit der in dieser Geschichte an dem Ballettstück gearbeitet wird, vielleicht überzeichnet ist, so hat es mich doch fasziniert, wie die einzelnen Personen Hand in Hand das Stück zur Aufführung bringen wollen.

Am Anfang erschienen mir manche Charaktere auch etwas überzogen, ich denke insbesondere an Josef Rost und die Musikerin bzw. Tänzerin DeeDee, aber im Lauf der Geschichte gewannen sie an Glaubwürdigkeit, so dass mich das exaltierte, sprunghafte und manchmal sehr rüpelhafte Benehmen nicht weiter gestört hat. Ich konnte nachvollziehen, warum sie gerade dieses Stück auf die Bühne bringen wollten und was ihnen daran so wichtig war.

Sympathisch waren die Personen mir dabei trotzdem nicht, und zwar keine von ihnen. Auch die Kostümbildnerin Janina blieb mir etwas fremd und bei ihr konnte ich auch nicht immer verstehen, warum sie was tut oder unterlässt. Trotzdem waren die verschiedenen Künstlernaturen faszinierend dargestellt und ihr Aufeinandertreffen war spannend zu beobachten.

Die Geschichte springt manchmal in zwei verschiedenen Zeitebenen hin und her, das hat mich am Anfang irritiert, aber daran gewöhnte ich mich schnell. Es gibt einmal die Handlung, die im Heute spielt und einen Handlungsstrang in 1996, der in kurzen Einschüben mitläuft und Hintergrundinfos zu den Geschehnissen bei den Proben bringt und Beziehungen zwischen den Protagonisten erklärt. Das fand ich spannend gemacht.

Die Spannung ist von Anfang an da und steigert sich im Lauf der Geschichte immer weiter. Ich habe das Buch in relativ kurzer Zeit gelesen – das ist immer ein Zeichen, dass die Geschichte mich fesseln kann.

Meine Bewertung: 4ratten

Viele Grüße von Annabas    :winken:
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Spatzi79

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Karla Schmidt - Die rote Halle
« Antwort #1 am: 09. Februar 2012, 10:16:33 »



Zum Inhalt:
Janina Zöllner ist Kostümbildnerin beim Theater. Die letzten Jahre hat sie mit ihrem Sohn Simon in Kanada gelebt, nun kehrt sie für eine Inszenierung ihres früheren Maestros Joseph Rost nach Berlin zurück. Nicht nur das Stück hat es in sich: eine Adaption des grausamen Märchens "Die roten Schuhe". Auch der Ort der Inszenierung ist passend gewählt, die Handlung spielt in den Anlagen des stillgelegten Berliner Flughafens Tempelhof. Und zu allem Überfluss für Janina ist der männliche Hauptdarsteller Dave Warschauer genau der Mann, den sie nie wiedersehen wollte, der Vater ihres Sohnes, der allerdings nichts von Simon weiß, da er sich damals mit einer anderen Frau verlobt hat, bevor Janina ihm von ihrer Schwangerschaft erzählen konnte.
Als wäre das alles noch nicht genug, stellt sich schnell heraus, dass Rost kurz vor dem geistigen und körperlichen Zusammenbruch steht und eigentlich gar nicht mehr in der Lage ist, eine derartige Inszenierung auf die Beine zu stellen. Und dann ist da noch DeeDee, die verkrüppelte Tänzerin und Komponistin der Musik für das Stück, die auch bei den Ereignissen von 16 Jahren schon dabei war.

Meine Meinung:
Das erste Buch der Autorin "Das Kind auf der Treppe" fand ich schon ziemlich grausig und hart an der Grenze dessen, was ich überhaupt lesen möchte.
Dementsprechend bin ich mit eher gemischten Gefühlen an diese neue Lektüre gegangen.
Zeitweise hatte ich beim Lesen ein Gefühl wie bei einem schrecklichen Verkehrsunfall: Eigentlich will man nicht gucken, will die grausigen Details nicht sehen - aber man schaut doch und ist irgendwie abgestoßen und neugierig zugleich.
Missbrauch von Jugendlichen, Selbstverstümmelung, Mord, Wahnsinn - all das findet man auf den gerade mal 300 Seiten des Buches. Vielleicht etwas zu viel, aber auf jeden Fall kan man sich nicht über fehlendes Tempo in der Geschichte beschweren.
Die Charaktere sind größtenteils ziemlich kaputte Gestalten, die einzeln für sich irgendwie funktionieren, beim Zusammentreffen mit den anderen ahnt man aber von vornherein die kommende Katastrophe.
Der Handlungsort, der alte Flughafen Tempelhof, passt wunderbar zur Geschichte und hat durch die Beschreibung seinen ganz eigenen Gruselfaktor.
Mir persönlich nicht so gut gefallen haben die Zeitsprünge in der Geschichte, allerdings neige ich auch dazu, Überschriften zu überlesen, so dass ich bei einigen Kapitel anfangs immer erst etwas verwirrt war.

 3ratten
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Kirsten

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Re: Karla Schmidt - Die rote Halle
« Antwort #2 am: 09. Februar 2012, 11:24:28 »

Hallo!

Kommt es nur mir so vor oder gibt es bei vielen frisch erschienenen Krimis eine neue Stufe der Grausamkeit? Deine Rezi hat eigentlich nur das bestätigt, was ich in einigen meiner letzten Krímis gelesen habe. Besonders Gewalt gegen Kinder und Jugendliche ist ein Thema, das offensichtlich vorkommen "muss". Ich weiß noch nicht, ob mir dieser Trend gefällt.

Liebe Grüße
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Spatzi79

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Re: Karla Schmidt - Die rote Halle
« Antwort #3 am: 09. Februar 2012, 11:43:55 »

Oder ich greife dummerweise immer zu derartigen Büchern?
Bei den Krimis, die ich in letzter Zeit gelesen habe, war es schon verstärkt so, das stimmt.

Ich bin da normalerweise nicht allzu empfindlich, aber in diesem Buch haben sich mir schon ein paarmal die Fußnägel hochgerollt, z.B.

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Heimfinderin

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Re: Karla Schmidt - Die rote Halle
« Antwort #4 am: 09. Februar 2012, 11:44:06 »

@Kirsten
Ich habe auch den Eindruck und finde das auch schlimm. Ich mag solche Sachen seit einiger Zeit gar nicht mehr lesen. Ich will nicht mehr so viel grausamen, kranken und blutigen Psycho- und Sadistenkram mehr haben. Ich bin das echt satt oder vielleicht auch mit der Zeit empfindlicher geworden, ich weiß es nicht. Aber ich mache um jedes Buch, das vom Klappentext her so klingt oder alleine schon vom Cover her wie eines solcher Thriller wirkt einen großen Bogen, es sein denn, ich kenne die Autoren und weiß, dass sie ihre Taten dezenter schildern. Ich bin mittlerweile schon jedem Autor dankbar, der mir zu viele blutige Bilder und perverse Gedanken von Tätern erspart und es bei kurzen Bildern belässt. Ich lese mittlerweile schon viel lieber Krimis, die als Schwerpunkt die Ermittlungen haben und nicht die grausamen Taten.  :rollen:
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Kirsten

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Re: Karla Schmidt - Die rote Halle
« Antwort #5 am: 09. Februar 2012, 11:55:44 »

Hallo!

Danke für Eure Antworten :winken: Ich dachte schon dass es mein persönliches Problem ist, weil ich als Mama doch ein bisschen empfindlicher geworden bin. Aber Eure Aussagen bestätigen mein Gefühl. Ich glaube, deshalb mag ich auch die Krimis von Elizabeth George so sehr weil sie im Vergleich zu vielen anderen sehr ruhig sind und es hauptsächlich um die Tat und die Ermittler geht.

Liebe Grüße
Kirsten
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Re: Karla Schmidt - Die rote Halle
« Antwort #6 am: 09. Februar 2012, 12:41:37 »

@Kirsten
Ich habe auch den Eindruck und finde das auch schlimm. Ich mag solche Sachen seit einiger Zeit gar nicht mehr lesen. Ich will nicht mehr so viel grausamen, kranken und blutigen Psycho- und Sadistenkram mehr haben. Ich bin das echt satt oder vielleicht auch mit der Zeit empfindlicher geworden, ich weiß es nicht.

Mir geht das inzwischen auch gegen den Strich. Ich bin per se nicht empfindlich, was "blood & guts" angeht, aber ich habe bei vielen Autoren das Gefühl, dass sie immer noch eins draufsetzen wollen, weil alle ekeligen Abartigkeiten irgendwie schon mal da waren :kotz:
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The best piety is to enjoy--when you can. You are doing the most then to save the earth's character as an agreeable planet. And enjoyment radiates. It is of no use to try and take care of all the world; that is being taken care of when you feel delight--in art or in anything else. Would you turn all the youth of the world into a tragic chorus, wailing and moralising over misery?
George Eliot: Middlemarch

Annabas

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Re: Karla Schmidt - Die rote Halle
« Antwort #7 am: 09. Februar 2012, 13:50:15 »

Dazu gibts schon einen Thread: Klick!
(Mir war doch so, als hätte ich eine Rezi geschrieben ....  :zwinker: )
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Spatzi79

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Re: Karla Schmidt - Die rote Halle
« Antwort #8 am: 09. Februar 2012, 14:23:25 »

Sorry, mein Fehler - hatte nicht gesucht  :redface:
Danke fürs Zusammenlegen!
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Kirsten

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Re: Karla Schmidt - Die rote Halle
« Antwort #9 am: 09. Februar 2012, 14:30:31 »

Hallo!

Ich bin per se nicht empfindlich, was "blood & guts" angeht, aber ich habe bei vielen Autoren das Gefühl, dass sie immer noch eins draufsetzen wollen, weil alle ekeligen Abartigkeiten irgendwie schon mal da waren :kotz:

So geht es mir auch. Ich frage mich ab und zu, wohin das noch führen soll. Irgendwann gibt es keine Steigerung mehr. Ich hätte lieber mehr Krimis, die "nur" spannend sind. Auf zuviel Blut kann ich gut verzichten (es sei denn, es trifft die Bösen).

Liebe Grüße
Kirsten
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NiliBine70

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Re: Karla Schmidt - Die rote Halle
« Antwort #10 am: 18. März 2012, 21:34:15 »

Inhalt:
Von Vancouver zurück nach Berlin – so sieht die Route für Janina und ihren Sohn Simon aus, denn Janina hat sich breit schlagen lassen, für die Abschiedsvorstellung des exzentrischen und berühmten Choreografen Josef Rost für die Gestaltung der Kostüme verantwortlich zu sein. Doch konnte sie nicht ahnen, was sie in Berlin erwartet. Schon der Schauplatz, der alte still gelegte Flughafenkomplex Berlin-Tempelhof soll der Ort sein, an dem der furiose Abschluss der unvergleichlichen Karriere von Rost inszeniert wird. Blut soll eine zentrale Rolle spielen, die Tänzer sollen in Schweinehäute eingenäht werden und es soll alles noch viel kurioser werden.

Dann treten erste Probleme auf, Janina sieht sich mit dem Vater ihres Sohnes Simon, Dave, konfrontiert, sie wusste nicht, dass er als Tänzer für diese Abschiedsshow engagiert wurde und versucht krampfhaft, einer Begegnung aus dem Weg zu gehen. Doch kann sie es wirklich verhindern, dass ihr Sohn und sein Vater sich begegnen, dass sie herausfinden, in welcher Beziehung sie zueinander stehen?

Hinzu kommt, dass urplötzlich eine Tänzerin verschwindet und ihre zerschundene Leiche taucht in den Tiefen des Flughafens wieder auf. Grund genug für Janina an den Rand des Wahnsinns zu geraten, verschwindet doch Simon kurz darauf ebenfalls spurlos und der Entführer spielt ein perfides Spiel mit ihr, verlangt einen Mord von ihr. Was wird Janina tun? Kann sie auch ohne diesen Schritt zu gehen, den Mörder entlarven?

Und welches Spiel spielt DeeDee, einstmals selbst eine gute Tänzerin, nach einem „Unfall“ jedoch verstümmelt und nun Komponistin des furiosen Schlusspunktes, den Rost für sich und sein Lebenswerk gewählt hat?

Ist alles nur Theater? Oder steckt noch weitaus mehr dahinter?

Meine Meinung:

Let´s Dance!
Das Buch fängt mit dem Ende an – das mag zunächst wundern, doch im Verlauf macht es doch sehr viel Sinn! Und schürt noch das Grauen, die Gänsehaut, die atemlosen Momente.

Das Künstlermilieu wird einem genauso geschildert, wie man es sich denkt: Lauter merkwürdige Exzentriker, die alle nur sich selbst im Vordergrund sehen wollen, extreme Dinge tun, extreme Wünsche haben. Und ja, auch Drogen sind im Spiel, zur Schau gestellte Homosexualität, Pädophilie, ja sogar Kinderprostitution, Alkohol…das volle Programm! So abschreckend und doch so faszinierend!

Und all das transportiert nach Berlin, in diesen riesigen, verlassenen Flughafenkomplex, mit geheimnisvollen Räumen, Hallen, Gängen. Man kann sich gut ausmalen, dass es sehr wohl möglich ist, dort heimlich finsteren Machenschaften nachzugehen, ohne dass jemand davon etwas merkt, im Dunklen kann man Menschen verstecken, gefangen halten, Vorlieben befriedigen, von denen die Gesellschaft keine Kenntnis haben soll.

Das Gefühl, die Beklemmung, die mich beschlichen hat, beim Lesen noch angeheizt durch den Irrsinn einiger Personen, der sich immer mehr steigerte in dieser Location, war so real, dass ich nur die Augen schließen brauchte und ich war da!

Karla Schmidt hat mit sehr subtilen Methoden, mit viel Gespür für die menschlichen Abgründe und ebenso viel Gespür für das Ausmalen, das Gestalten einer Szenerie einen wirklich tiefgründigen Thriller geschaffen, der seinesgleichen sucht! Ich war begeistert, wie sehr mich die ganze Geschichte mitgenommen hat, wie schockiert ich war und wie tief ich mich habe in die Geschichte fallen lassen können. Das war ein echtes Highlight am Thriller-Himmel!

Fazit:
Intelligenter, teilweise verstörender Thriller aus deutschen Landen, der im Künstlermilieu spielt und von dem man gern mehr haben möchte und hoffentlich bald bekommt! Wer bisher Karla Schmidt ignoriert hat, der begeht wirklich einen Fehler!


 5ratten
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Liebste Grüße
die NiliBine

Mein SuB Stand JETZT: 270

Ich lese: Chris Carter "Der Knochenbrecher"/Marcel Feige "Kalte Haut"