Inhalt:Daggorhorn ist ein düsterer Ort, der in ständiger Angst vor dem Wolf lebt.
Die Schwestern Valerie und Lucie könnten unterschiedlicher nicht sein, dennoch hängen die Beiden sehr aneinander. Doch dann färbt der Vollmond sich blutrot und Lucie fällt dem Wolf zum Opfer.
War es etwa Peter, Valeries Jugendfreund, der nach zehn Jahren wieder ins Dorf zurückgekehrt ist? Und wieso vermag Valerie mit dem Wolf zu sprechen?
Meine Meinung:"Red Riding Hood - Unter dem Wolfsmond" von Sarah Blakley-Cartwright basiert auf dem Drehbuch von David Leslie Johnson zum gleichnamigen Film. Es ist eine düstere und freie Erzählung des Rotkäppchen-Märchens.
Der Beginn des Buches ist vielversprechend und richtig spannend. Man lernt das Leben in Daggorhorn kennen, die Bewohner und wie sie sich vor dem Werwolf schützen, der das Dorf jeweils zum Vollmond heimsucht. Ebenfalls treffen wir auf die Schwestern Lucie und Valerie. Lucie scheint ein Überwesen zu sein, jung, hübsch und gutherzig. Valerie dagegen ist wild und kann sich nur schlecht in die Dorfgemeinschaft einfügen.
Als die Ménage à troi zwischen Peter, Valerie und Henry beginnt, verlor das Buch für mich etwas an Spannung. Valerie weiss nicht, für wen sie sich entscheiden soll und wem sie trauen kann. Zwar trauert sie um ihre Schwester, aber seltsamerweise griffen ihre Gefühle nicht auf mich über. Es geht mehr darum, wer jetzt das Mädchen bekommt. Die Zielgruppe des Buches mag dies interessieren, für mich persönlich war es aber eher belanglos.
Faszinierend fand ich jedoch das Thema des religiösen Fanatismus, der im Buch zum Vorschein kommt. Vater Solomon wird gerufen, um dem Werwolf den Garaus zum machen. Solomon ist, wie Valerie rasch erkennt, ein Mensch, der nur in Schubladen denkt: gut oder böse. Böses wird gnadenlos zerstört.
Dabei fragte ich mich allerdings, ob dieses Gemetzel und Blutvergiessen in einem Jugendbuch wirklich nötig ist oder ob man jugendliche Leser nicht auch auf andere Arten faszinieren und packen kann. Zwar störten mich die blutigen Szenen nicht, aber ab und an fand ich sie etwas übertrieben.
An einigen Stellen merkt man, dass das Buch auf einem Drehbuch basiert. Manche Bilder, die aufgezeigt werden, sind definitiv leinwandreif: Die weissen Blüten, das schwarze Pferd, das durch die Flammen rennt etc.
Auf diese Weise werden von der Autorin Bilder beschrieben, die im Kopf bleiben. Leider fehlte mir trotzdem etwas in der Geschichte. Ich kann nicht genau sagen was, aber wirklich gepackt hat es mich nicht. Bis zum Schluss blieb ich relativ teilnahmslos und betrachtete Valerie bloss, wie sie dies tut und jenes geschieht.
Fazit: "Red Riding Hood - Unter dem Wolfsmond" ist eine flüssig erzählte Geschichte, die sich gut für Zwischendurch eignet. Das Buch liest sich flott, ist aber teilweise sehr blutig.
Wer Neuerzählungen von Märchen mag, kann sich das Buch sicherlich mal ansehen. Jedoch reicht es meiner Ansicht nach nicht an Broms "Der Kinderdieb" o.ä. heran. Es ist eine Geschichte vor allem für jugendliche Leser, die eine düstere Liebesgeschichte mit Fantasy-Elementen zu schätzen wissen.
Ich meinerseits wurde zwar gut unterhalten, jedoch lässt mich die Geschichte bloss mit einem Schulterzucken zurück.

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