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Autor Thema: [Singapur] Catherine Lim – Das Amulett aus Jade  (Gelesen 42 mal)

Aldawen

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[Singapur] Catherine Lim – Das Amulett aus Jade
« am: 13. Januar 2012, 16:29:52 »



Inhalt: Die kleine Han ist gerade vier Jahre alt, als ihre Mutter sie in schöne neue Kleider steckt, ihr ein kleines Jadeamulett umbindet und mit ihr zu einem großen Haus geht, wo sie Han als Dienstmädchen verkauft. Han läßt zunächst niemanden an sich heran und verweigert auch das Essen, bis der Sohn des Hauses Wu, nur knapp zwei Jahre älter als sie, ihr seinen Reisbrei anbietet. Die Kinder freunden sich an und treiben allerlei Unfug. Mit zunehmendem Alter wachsen aber Hans Aufgaben im Haushalt und die gesellschaftliche Kluft zwischen ihr und Wu wird immer größer. Als Wu für ein paar Jahre ins Ausland geht, um dort zu studieren, klammert sich Han an ihre Liebe zu ihm, aber als er zurückkommt, interessiert er sich für andere Dinge als ein Dienstmädchen. Zwar nimmt er sie durchaus Schutz, wenn jemand versucht, sie herabzusetzen, aber zu mehr kann er sich nicht durchringen. Während Han immer noch versucht, seine Aufmerksamkeit zu erregen, um ihm endlich ihre Liebe zu zeigen, muß sie sich gleichzeitig der Nachstellungen anderer Männer erwehren, die Dienstmädchen grundsätzlich als verfügbar betrachten. Wu heiratet standesgemäß, seine Frau aber sieht in Han nur eine Rivalin und tut alles, um sie sich und vor allem Wu aus den Augen zu schaffen. Aber die Göttin, deren heruntergekommenen Schrein Han wieder etwas herrichtet, hat andere Pläne ...


Meine Meinung: Eine unglückliche Liebesgeschichte, die an der unterschiedlichen Herkunft der beiden Liebenden scheitert. Wu liebt Han zwar auch, kann aber diesbezüglich nicht über seinen Schatten springen. Selbst als Zweitfrau wäre Han angesichts seiner Position bzw. der seiner Familie ein Mißgriff. Und in einer derart ausgeformten Gesellschaft mit so vielen expliziten und impliziten Regeln, Normen und Zwängen ist es auch nicht leicht, sich darüber hinwegzusetzen. Aber angesichts dessen, daß es sich hier nicht um eine Geschichte aus dem 19. Jahrhundert sondern aus der Mitte des 20. handelt, hätte ich von Wu doch etwas mehr Initiative erwartet. So kann man am Ende nur sagen: Wer zu spät kommt, den bestraft tatsächlich das Leben, und er hat es sich selbst zuzuschreiben.

Lim hat sich viel Mühe gegeben, vor allem Wu als sympathischen Menschen zu zeichnen, verständnisvoll und gutherzig. Nur leider nutzt es relativ wenig, solche Eigenschaften zu behaupten, wenn derjenige in den entscheidenden Episoden völlig anders handelt. Güte kann man sich problemlos leisten, wenn sie einen nichts kostet und keine besonderen Handlungen oder Entscheidungen fordert. Hier versagt Wu eigentlich auf ganzer Linie, und daher war er als Charakter für mich extrem unglaubwürdig. Für Han galt das zum Glück nicht. Ich hätte sie zwar gerne mal schütteln mögen, für ihren bedingungslosen Glauben an ihren Freund aus Kindertagen und die Perspektiven ihrer Beziehung, aber unrealistisch fand ich ihr Verhalten nicht, nur unsinnig und von Beginn an zum Scheitern verurteilt. Die übrigen Personen blieben, mit ein, zwei Ausnahmen Staffage und da die Fronten relativ klar verteilt waren, gab es hier auch keine Überraschungen.

Das Interessanteste war für mich noch der Blick in die Lebensbedingungen in einem chinesischen Patrizierhaus in Singapur zu jener Zeit, das vermittelt doch ein exotisches Flair. Ein paar Anmerkungen oder ein Nachwort zu religiösen Vorstellungen und Riten, die im Roman Eingang gefunden haben, wären allerdings hilfreich gewesen. Und auf Hans Träume, die ich meist erst als solche erkannt habe, wenn sie vorbei waren, hätte ich auch verzichten können, da mir die Symbolik darin nicht geläufig ist und ich sie daher auch nur bedingt mit der Geschichte in Verbindung bringen konnte.

 2ratten

Schönen Gruß
Aldawen
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Kinywa ni jumba la maneno.
Der Mund ist der Palast der Worte. – Sprichwort aus Ostafrika