Kerstin Pflieger – Der Krähenturm
Inhaltsangabe:Ein neuer Auftrag des
Ordo Occulto führt Icherios Ceihn von Karlsruhe nach Heidelberg. Dort soll er die Machenschaften des ansässigen Ordensoberhauptes beobachten und seinem Mentor in Karlsruhe darüber berichten. Die Tarnung dafür überzeugt Icherios davon, dass er diesen Auftrag annehmen muss, denn um unerkannt beobachten zu können, soll sich Icherios an der Universität für ein Medizinstudium einschreiben – und damit erfüllt sich für den jungen Wissenschaftler ein Traum, an dessen Erfüllung er aus Geldmangel niemals geglaubt hatte. Icherios hat insgeheim noch einen weiteren Grund, um nach Heidelberg zu reisen: er glaubt, dort Informationen über den gewaltsamen Tod seines besten Freundes Vallentin zu bekommen. An seinem Reiseziel angekommen merkt Icherios bald, dass ein weit größeres Verbrechen im Gange ist – und sind die, die ihm als „böse“ beschrieben wurden, nicht in Wirklichkeit doch „gut“? Außerdem trifft er auf weitere magische Wesen, die sein Weltbild ständig ins Wanken bringen. Und welche Rolle spielt der Hexenjäger Silas, der ebenfalls in Heidelberg etwas zu suchen scheint?
Die Geschichte spielt im Jahr 1771.
Es gibt einen Band, der diesem Buch voraus geht:
Die Alchemie der UnsterblichkeitDer erste Satz:„Tötet die Hexe!“
Meine Meinung zum Buch:Das Buch ist eine gelungene Fortsetzung von „Die Alchemie der Unsterblichkeit“, allerdings kommt es nicht in allen Punkten an seinen Vorgänger heran.
Zuerst: Man muss das erste Buch nicht gelesen haben, um an dieser Geschichte Gefallen zu finden. Außer Icherios tauchen aus dem Personenkreis des ersten Buches nur (kurz) sein Mentor Anselm von Freyberg und (etwas ausführlicher, aber nicht als Hauptfigur) Carissima auf – alle anderen Personen sind neu in dieser Geschichte. Icherios Ratte Maleficium ist natürlich auch wieder dabei. Damit sind auch die Bezüge zum ersten Buch aber wenig ausgeprägt und es handelt sich um eine in sich geschlossene, neue Geschichte.
Wieder bin ich ganz platt von der Phantasie der Autorin. Nachdem mich das Gewimmel der magischen Wesen im ersten Buch schon erstaunt hatte, fährt Kerstin Pflieger hier noch weitere, völlig andere, unerwartete und verblüffende Wesen auf. Im Mittelpunkt stehen diesmal die Hexen, aber Icherios muss sich auch mit Nixen, Schattengeistern, Werratten, Wargen etc. herumplagen bzw. sie um Hilfe bitten, bis er in seinen Ermittlungen weiter kommt.
Nun aber zu meinen Kritikpunkten: Die Autorin erzählt die Geschichte diesmal mit zwei Handlungssträngen. Auf der einen Seite haben wir Icherios mit seinem Auftrag, auf der anderen Seite den Hexenjäger Silas, der seine eigenen Ziele verfolgt. Diese beiden Handlungsstränge laufen lange Zeit etwas zusammenhanglos nebeneinander her – hier hätte ich mir schon früher eine Verknüpfung gewünscht. DASS die beiden Handlungsstränge irgendwie und irgendwann zusammengehören, ist dem Leser ja von Anfang an klar und das Warten auf die Lösung zieht sich doch etwas arg hin.
Durch die beiden Handlungsstränge verliert die Geschichte auch an Charme, denn eigentlich ist Icherios die Hauptfigur und auch der Sympathieträger, der diesmal öfters für mehrere Seiten „ausgeblendet“ wird. Mit Silas bin ich bis zum Schluss nicht ganz warm geworden, vermutlich weil ich lange Zeit nicht wusste, was er in der Geschichte denn nun genau soll. Icherios Geschichte fand ich wesentlich mitreißender, sie weckte mehr Emotionen und hatte Witz, was ich alles in Silas Anteil vermisst habe.
Trotzdem: Ein tolles Buch, das ich sehr gerne gelesen habe. Einen Hinweis auf eine Fortsetzung habe ich diesmal nicht gefunden – mal sehen, ob die Autorin Icherios Ceihn noch weitere Abenteuer erleben lässt.
Meine Bewertung:

Viele Grüße von Annabas
