Maria Lang - Ofärd i huset bor ("Unheil im Hause wohnt")
Maria Lang war das Pseudonym, unter dem
Dagmar Lange über 40 Jahre hinweg Krimis schrieb und viel dazu beitrug, das Krimigenre in Schweden populär zu machen. Dieses Buch war ihr elfter und erschien 1959.
In einem in den 1880ern gebauten, pompösen Haus in Östermalm, der schicksten Wohngegend in Stockholm, leben die verschiedensten Leute aus unterschiedlichen sozialen Schichten. Da sind z. B. die Besitzerin des Hauses, eine vermögende Witwe mit Sohn, zwei Lehrer, das Portierspaar und eine Sängerin und zudem gibt es dort einen Frisiersalon und ein Rechtsanwaltsbüro, in dem das Unheil ganz klein beginnt: Dort wird eingebrochen. Nur kurz darauf wird eine Leiche gefunden und die Polizei alarmiert.
Praktischerweise ist der ermittelnde Detektiv, Christer Wijk, schon mit dem Haus vertraut, da er mit einer der Bewohnerinnen ein Techtelmechtel hat. Eigentlich gehört er ja zur Staatlichen Mordkommission und der Fall müsste von der Stockholmer Polizei bearbeitet werden, aber da die Stockholmer total überlastet sind, darf er dran.
Nachdem die Möglichkeit eines Selbstmordes ausgeschlossen wurde, was passenderweise in einem Kapitel mit dem eindeutigen Titel "Es war Mord!" geschieht, muss Wijk herausfinden, was wirklich geschehen ist.
Ich war anfangs angenehm überrascht von dem Buch. Schreibtechnisch ist es von guter Qualität, aber besonders spannend finde ich den Einblick in das Stockholmer Leben vor gut 50 Jahren. Das war einige Zeit vor der Du-Reform, man ist also noch "herr X" und "fru Y", die Standesunterschiede sind noch deutlicher als heutzutage (ich möchte wirklich nicht behaupten, sie existierten nicht mehr, aber im Vergleich...), man ist sich des Unterschiedes zwischen "folk und folk" sehr wohl bewusst und lässt es deutlich raushängen, dass man was besseres ist und das Verhältnis zwischen den Geschlechtern...
Der Krimi war nicht schlecht, aber auch nicht richtig gut. Ein gut geschriebener und aufgebauter klassischer "Verschlossenes-Zimmer"-Krimi mit sehr begrenztem Personal. Selbstverständlich waren alle Hausbewohner verdächtig mit Ausnahme des wirklichen Mörders, was die Ursache dafür war, dass ich schon recht früh besagte Person verdächtigte. Lang hat mir bewiesen, dass sie schreiben konnte und einige gelungene Szenen lassen es mich bedauern, dass sie keine gehaltvollere Literatur verfasst hat. Das Zeug dazu hatte sie, will mir scheinen.
Der in seinem Satzbau ungewöhnliche Titel entpuppte sich als Zitat. Wagner, die Walküre. Sieglinde singt im 1. Akt in einer amüsanten und vermutlich sehr treffenden Beschreibung einer typischen Opernpremiere:
Nicht bringst du Unheil dahin,
wo Unheil im Hause wohnt!
Insgesamt vergebe ich für ein paar unterhaltsame Stunden
