Wenn die Negativrezension nicht beleidigend ist – schon gar nicht gegenüber der Person des Autors – dann finde ich auch negative Kritik völlig in Ordnung und berechtigt.
Beleidigende oder nicht näher begründete negative Meinungen können natürlich verletzend für den Autor sein, und das finde ich auch nicht okay. Andererseits können die Schriftsteller solche sinnlosen Ein-Satz-Verrisse auch getrost ignorieren, sowas muss man nicht unbedingt ernst nehmen.
Was konstruktive, gut begründete negative Kritik betrifft, so finde ich (und erwarte ich), dass ein Schriftsteller imstande sein sollte, damit umzugehen. Und wenn er das nicht kann, so sollte er es schnellstmöglich lernen, denn Kritikfähigkeit ist für diesen (Neben-)Beruf einfach zwingend notwendig. Ansonsten sollte er seine Berufswahl überdenken, wobei es wohl kaum einen Beruf geben dürfte, bei dem man nie (auch mal grob) kritisiert wird.
Im Stillen dürfen Schriftsteller natürlich auch mal beleidigt und enttäuscht sein, das ist menschlich, zumal es doch um ihr Werk, um ihr „Baby“ geht.
Aber wenn jemand dann meint, öffentlich zurückschießen zu müssen, macht er sich damit wohl nur lächerlich. Besonders wenn er dann auch noch einen Ton anschlägt, der jenseits von Gut und Böse ist. Damit zeigt er Unreife und erweist sich als ungeeignet, Bücher zu veröffentlichen.
Ich selbst habe in letzter Zeit ziemliches Glück mit der Bücherauswahl (wobei dieses Forum hier natürlich nicht ganz unbeteiligt ist

), und deshalb kaum Anlass zu Verrissen und negativen Meinungen. Auch kann ich den meisten Büchern wenigstens ein paar positive Punkte abgewinnen, so dass ich bisher noch nie null Ratten vergeben musste. Toi, toi, toi, dass das auch so bleibt!

Aber wenn ich mal das Bedürfnis habe, Kritik zu äußern, dann tue ich das auch. Konstruktiv und begründet, aber möglichst ehrlich. Und ich suche immer auch gezielt nach ein paar positiven Punkten, denn auch das gehört für mich zu einer konstruktiven Kritik.
Aber wenn es wirklich, wirklich grottenschlecht ist, dann darf man natürlich auch das mitteilen. Wofür gibt es denn bitte die Meinungsfreiheit?
@Myriel: Danke für den Link, der Text ist toll geschrieben; genauso sehe ich das auch.
Die jüngste Erfahrung auf meinem Blog ("Strafanzeige wegen Wirtschaftskriminalität, weil ich das Buch boykottieren würde" *hust*) hatte auch keine ernsteren Folgen für mich, als dass die Zahl der Seitenzugriffe zwischenzeitlich auf ein Rekordhoch gestiegen ist und ich seitdem viel mehr Abonnenten für meinen Blog habe.

Genau solche Leute meine ich mit dem, was ich oben geschrieben habe.
"Wirtschaftskriminalität" - bevor sie mit solchen Begriffen um sich werfen, sollten sie sich vielleicht erstmal informieren, was das überhaupt ist. Peinlich für den Verlag, peinlich für den Autor!