Ich hatte das Buch damals gleich recht schnell nach Erscheinen gelesen und sogar resenziert. Da muss ich doch glatt über mich staunen.

Meine Meinung:
Zuerst einmal muss sich der potenzielle Leser vor Augen halten, dass es sich hier um ein Sachbuch und keinen Roman handelt. Die Autorin führt sämtliche überlieferten Fakten zu diesem wahren Mordfall an, so wie sie sich zugetragen haben, zitiert etliche Zeitungs- und Ermittlungsberichte. Es gibt jede Menge Fußnoten, einen umfangreichen Anhang und ein ausführliches Quellenverzeichnis. Wobei es mir lieber war, erst im Anschluss an den eigentlichen Lektürentext im Anhang zu stöbern, denn das Buch wartet auch so schon mit sehr vielen Details auf.
So erfährt der Leser eine Menge über die Arbeit der ersten Kriminalbeamten von Scotland Yard, über das Leben im England des 19. Jahrhunderts und über die weitreichenden Auswirkungen auf die Kriminalliteratur jener Zeit. Z.B. werden viele Begriffe aufgeführt (etwa der Ursprung des Ausdrucks "Cop") und immer wieder wird analysiert, welche wahren Begebenheiten in welchen Kriminalroman Eingang fanden (sehr oft genannt wird u.a. "Der Monddiamant" von Wilkie Collins). Ergänzt wird der Text durch einen Grundriss des Hauses, Fotos der Familie und einige zeitgenössische Abbildungen.
Mir hat das Buch über weite Strecken sehr gut gefallen, weil die vielen Details es dem Leser einfach machen, sich ins viktorianische England zu versetzen. Außerdem ist es ein prima Anreiz sich mit Autoren wie Collins, Dickens, Poe, etc... eingehender zu beschäftigen, wenn man dies nicht bereits getan hat.
Allerdings hat das Buch auch ein paar Längen. Während zu Anfang die Ereignisse um das Auffinden des toten Kindes und die einsetzende Ermittlungsarbeit den Leser in den Bann ziehen, wirkt es in der Mitte ein wenig ermüdend. Der bis dahin unaufgeklärte Fall ruht, Whicher ist in der Öffentlichkeit in Ungnade gefallen und es geht einige Seiten lang hauptsächlich um Literaturverweise und die weiteren Lebenswege der handelnden Personen. Mir wurden besonders die Literaturverweise dann doch etwas zu viel.
Wie eingangs bereits erwähnt: Man hat es hier mit einem Sachbuch zu tun und die Wirklichkeit ist nun einmal meist nicht so stringent und spannend wie ein durchkonstruierter Roman. Zweifel an der Täterschaft der für den Mord verurteilten Person bleiben bis heute bestehen.
Wertung:
