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Autor Thema: Ferdinand von Schirach - Der Fall Collini  (Gelesen 169 mal)

Muertia

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Ferdinand von Schirach - Der Fall Collini
« am: 02. Januar 2012, 17:11:01 »

Ich bin unsicher, ob dieses Buch nicht doch eher unter "sonstige Belletristik" gehört, da es eigentlich kein Krimi ist. Ein anderes Buch des Autors ist allerdings auch hier gelandet, also schließe ich mich an.

Im Übrigen ist es gefühlte 10 Jahre her, seit ich meine letzte Rezi geschrieben habe, also übt Nachsicht.  :redface:

Titel: Der Fall Collini
Autor: Ferdinand von Schirach
Seiten: 193
Verlag: Piper (2. Auflage 2011)




Über den Autor:
Ferdinand von Schirach, geboren 1964 in München, arbeitet seit 1994 als Strafverteidiger in Berlin. Seine Erzählungsbände "Verbrechen" und "Schuld" wurden zu internationalen Bestsellern. In mehr als dreißig Ländern erschienen Übersetzungen. Die Erzählungen werden zurzeit verfilmt.

Inhalt: (laut Umschlag)
Was treibt einen Menschen, der sich ein Leben lang nichts hat zuschulden kommen lassen, zu einem Mord?

Der erste Satz:
Später würden sich alle daran erinnern, der Etagenkellner, die beiden älteren Damen im Aufzug, das Ehepaar auf dem Flur im vierten Stock.

Meine Meinung:
Dieses kleine Büchlein, dass in wenigen Stunden gelesen ist, hat mich absolut in seinen Bann gezogen. Die Idee zu diesem Buch bekam ich durch Christine Westermann (www.christine-westermann.de), die es auf ihrer Homepage rezensiert hat. Meine Schwägerin hat mir Westermanns Tipps ans Herz gelegt und "der Fall Collini" war der erste Test um herauszufinden, ob ich weitere Tipps von ihr annehmen werde. Das Ergebnis ist eindeutig: jaaa! Zudem mag ich Geschichten, die auf wahren Begebenheiten beruhen, auch wenn von Schirach hier noch einiges dazugedichtet hat, um einen Roman daraus zu machen.

Die Geschichte beginnt als Krimi, nämlich so, dass der unbescholtene Fabrizio Collini einen alten Mann tötet. Fortan widmet sich der Autor der Frage, warum hat er diese Tat begangen? Denn eines ist klar, er war es. Allerdings schweigt er verbissen, will sich eigentlich auch gar nicht verteidigen lassen. Aber so leicht lässt sich der gerade ins Berufsleben getretene Anwalt nicht abwimmeln. Hartnäckig hängt er sich in die Ermittlungen.

Ich bin verzaubert von der wirklich schönen Sprache von Schirachs. Kurz, prägnant und völlig schnörkellos zeichnet er mir Bilder in den Kopf, sodass ich über die kompletten 193 Seiten einen Film habe ablaufen sehen. Immer wieder driftet die Geschichte von der Haupthandlung hin zu Nebenschauplätzen wie zum Beispiel den Kindheitserinnerungen des Anwalts oder aber die Liebe zweier Menschen (ohne Kitsch). So flogen die Seiten bei mir nur so dahin, obwohl man nicht behaupten kann, dass es eine wirklich spannende Handlung sei, die Schirach erzeugt. Schließlich ist der Täter bereits auf den ersten Seiten sozusagen entlarvt. Aber ich wollte unbedingt wissen, wie es dazu kam und so entblätterte ich Stück für Stück die Wahrheit. Gemeinsam mit Collinis Anwalt, der wohl auch nie mit einem solchen Verlauf seines ersten Mordprozesses gerechnet hat. Die Auflösung möchte ich natürlich hier nicht verraten. Nur so viel: egal wie klar und sachlich die Sprache gehalten war, mir hat es die Tränen in die Augen getrieben.

Fazit: Ich möchte jedem dieses schöne Buch ans Herz legen. Falls es euch nicht gefällt, habt ihr höchstens 3 Stunden eurer Zeit vergeudet. Aber falls ihr es mögt, ...

Für alle, die die Rattenwertung noch gerne sehen wollen, klare  5ratten oder 10 von 10 Punkten

Viele Grüße
Muertia
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Jari

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Re: Ferdinand von Schirach - Der Fall Collini
« Antwort #1 am: 02. Januar 2012, 17:16:06 »

Ich glaube, das Buch muss auf meine Wunschliste... :rollen: Auch wenn ich den "richtigen" Fall Collini nicht kenne.
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Muertia

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Re: Ferdinand von Schirach - Der Fall Collini
« Antwort #2 am: 02. Januar 2012, 18:19:33 »

Ich glaube, das Buch muss auf meine Wunschliste... :rollen: Auch wenn ich den "richtigen" Fall Collini nicht kenne.

Dann bin ich ja mal gespannt, ob wir diesmal den gleichen Buchgeschmack haben.  :zwinker:

Im Übrigen ist es viel besser, vorher nichts über den "richtigen" Fall Collini zu lesen. Sonst braucht man das Buch auch nicht. Lieber erst hinterher.

Viele Grüße
Muertia
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Annabas

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Re: Ferdinand von Schirach - Der Fall Collini
« Antwort #3 am: 02. Januar 2012, 19:15:42 »

Ich mochte "Verbrechen" und "Schuld" sehr, allerdings waren das Sammlungen von kurzen Geschichten.
Es wäre interessant zu lesen, wie mal eine längere Erzählung des Autors ausfällt. Ich denke, ich werde mir das Buch auch mal kaufen.  :smile:

Grüße von Annabas  :winken:
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Jari

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Re: Ferdinand von Schirach - Der Fall Collini
« Antwort #4 am: 02. Januar 2012, 19:44:41 »

Ich glaube, das Buch muss auf meine Wunschliste... :rollen: Auch wenn ich den "richtigen" Fall Collini nicht kenne.

Dann bin ich ja mal gespannt, ob wir diesmal den gleichen Buchgeschmack haben.  :zwinker:

Im Übrigen ist es viel besser, vorher nichts über den "richtigen" Fall Collini zu lesen. Sonst braucht man das Buch auch nicht. Lieber erst hinterher.

Wirklich? Interessant. Gut, ich werde deinen Rat beherzigen, Tante Google bleibt erstmal ungefragt :breitgrins:
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Avila

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Re: Ferdinand von Schirach - Der Fall Collini
« Antwort #5 am: 13. Januar 2012, 13:06:18 »

Ich hab den Fall Collini vorher auch  nicht gekannt, Jari, und ich denke, es ist wirklich besser, so ist alles neu und spannend.

Nachdem ich "Verbrechen" von Schirach so toll fand, wurde jetzt in meinem Lesezirkel "Der Fall Collini" vorgestellt. Ich war gespannt, ein ganzes Buch von ihm zu lesen und muss sagen, bin begeistert.
Ich würde Schirachs Schreibstil jetzt nicht als "schön" bezeichnen, sondern eher als besonders, weil - wie Muertia schon schrieb - es alles so schnörkellos und einfach ist. Zu einemm Buch dieser Art passt es wirklich ganz gut. Also, der Stil ist genauso wie bei seinen Kurzgeschichten. So liest man das Buch auch ruckzuck durch. Der Fall ist auch ähnlich auch aufgebaut wie die Kurzgeschichten. Es geht nicht, um irgendwelche Wendungen. Es ist kein Krimi mit zehn Verdächtigen und auf jeder Seite denkt man, wer anders wäre es. Hier geht darum, dass Motiv herauszufinden und wie schon in den kleinen Kurzgeschichten ist die Geschichte hinter der Tat, die Schirach beschreibt. Und diese ist hier jetzt viel ausführlicher beschrieben, vielleicht weil sie auch komplexer ist. Aber es gefällt, man liest es schnell, aber viel länger hätte es auch nicht sein dürfen.

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bella*

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Re: Ferdinand von Schirach - Der Fall Collini
« Antwort #6 am: 02. Februar 2012, 10:41:05 »

Für den Wiener SLW 2012 habe ich mir vorgenommen "Der Fall Collini" zu lesen und was soll ich sagen? Ich bin natürlich mal wieder total begeistert gewesen. Nachdem mich sowohl "Verbrechen" als auch "Schuld" von Ferdinand von Schirach schon total begeistert haben, konnte er mich mit dieser Geschichte auch mal wieder vollkommen überzeugen.

Anfangs war ich etwas skeptisch, ob es ihm gelingt eine ganze Geschichte, genauso gut zu erzählen/erklären, wie er es bereits in seinen Kurzgeschichten geschafft hat und ja, es ist ihm eindeutig gelungen. Von Schirach beschreibt in einer sachlichen, aber keinesfalls langweiligen Sprache die Geschichte von Collini und baut indirekt Spannung auf, ohne dabei besondere Stilmittel zu verwenden. Die Geschichte kann man schnell lesen, es ist kurz "Kapitel" und obwohl es keine so einfache Geschichte ist, wirkt sie nicht kompliziert, sodass man ewig über die einzelnen Stellen nachdenken muss, bis man sie verstanden hat!

Mir hat auch "Der Fall Collini" wieder einmal sehr gut gefallen und deswegen erhält er von mir

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P.S.: Wann erscheint sein nächstes Buch? ;)
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Andreas Altmann - Unterwegs auf einem einsamen Kontinent
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Kirsten

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Re: Ferdinand von Schirach - Der Fall Collini
« Antwort #7 am: 13. April 2012, 11:03:08 »

Hallo!

Ein Mann kommt in ein Hotelzimmer und erschiesst den Bewohner.... auch wenn Ferdinand von Schirach sich beim Erzählen aufs Notwendigste beschränkt und keine großen Worte macht erkennt man, dass viel mehr dahinter steckt. Nicht nur hinter der Tat, sondern auch hinter allen Beteiligten. Sei es, wenn er von der Jugend des Anwalts erzählt oder von dessen Gesprächen mit dem Bäcker vor seinem Haus: selten haben mich so knappe Sätze so berührt. Auch wenn die Geschichte eigentlich nicht neu ist, macht der schnörkellose Stil des Autors sie zu etwas Besonderem. Es bleibt kein Raum für Beschönigungen, so ist es eben. Der Fall Collini ist mit nicht einmal 200 Seiten ein eher dünnes Buch, aber es erzählt mehr als maches dicke.
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Liebe Grüße
Kirsten
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