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Autor Thema: [Curaçao] Frank Martinus Arion – Doppeltes Spiel  (Gelesen 193 mal)

Aldawen

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[Curaçao] Frank Martinus Arion – Doppeltes Spiel
« am: 01. Januar 2012, 22:14:16 »



An einem Sonntag auf Curaçao treffen sich im Garten von Bubu Fiel, dem Taxifahrer, vier Männer zu einer Partie Domino. Sie entstammen verschiedenen Schichten der Bevölkerung, Manchi Sanantonio hat sich als Schwarzer zum Gerichtsvollzieher hochgedient und schaut zu den Weißen auf. Er hat die schönste Frau der Insel. Janchi arbeitet bei den Ölgesellschaften, Chamon hat das Geld, das er dort verdient hat, angelegt und läßt es als Kleinunternehmer für sich arbeiten, Bubu Fiel kann mit seinem Verdienst kaum seine siebenköpfige Familie über Wasser halten und flüchtet sich oft in den Alkohol. Die vier Männer verbinden durch ihre Frauen konfliktreiche Beziehungen. So betrügt Solema, die Frau Manchis, ihren Mann regelmäßig mit Janchi, mit dem sie auch politische Überzeugungen verbinden, und Nora, die Frau Bubu Fiels, versucht, das kärgliche Einkommen der Familie dadurch aufzubessern, daß sie für Geld mit anderen Männern schläft, auch mit Chamon. Die Dominopartie wird in ihrem Verlauf zu einem Symbol dieser Beziehungen. Am Abend sind zwei der Kontrahenten tot.



Im Rahmen des diesjährigen SLW lesen Breña und ich diesen Roman als gemeinsames Buch unserer Lesepartnerliste und gemäß den SLW-Regeln werden wir uns hier also schon mal ein bißchen darüber austauschen.

Ich bin jetzt gerade in Teil 1 bis einschließlich Kapitel 16 gekommen. Passiert ist bislang noch nicht viel, aber zwei der vier Teilnehmer der Domino-Runde, die jeden Sonntag nachmittag stattfindet, wurden schon ausführlicher vorgestellt. Manchi ist mir dabei nicht sonderlich sympathisch. So bewundernswert es ist, daß er sich aus ärmlichen Verhältnissen hochgearbeitet hat und nun sogar ein großes Haus sein eigen nennt, so sehr krankt er an Überheblichkeit. Dabei ist diese vielfach schlecht begründet. Solema hat nämlich in Europa studiert und ist Lehrerin, aber Manchi hat sich ein Weltbild zurechtgezimmert, in dem sie als dämlich dasteht, während er selbst der einzige ist, der irgendwas versteht. Dabei beweisen die meisten seiner Gedanken, daß er genau das nicht tut. Irgendjemand müßte ihm mal den Kopf gehörig zurechtsetzen.

Janchi dagegen wird recht positiv dargestellt. Zwar ist er, wenn man auf das Materielle schaut, eher ein Versager, der mit seinem Leben nichts anzufangen gewußt hat, aber Solema scheint ihm doch sehr viel Halt zu geben – wie umgekehrt auch. Und hier setzt auch das an, was mich bislang am meisten interessiert: Manchi hat Solema mal bei einem Seitensprung ertappt. Wie er genau darauf reagiert hat, wurde noch nicht gesagt, aber es hat offensichtlich mit viel psychischem Druck auf Solema zu tun. Ich hoffe, daß diese Einzelheiten noch zur Sprache kommen. Janchi scheint hier Zusammenhänge zu verstehen, die man als Leser noch nicht kennt, denn er hat wohl Solema davor gewarnt, sich selbst in die Gosse zu werfen, weil sie sich damit letztlich nicht an Manchi rächen, sondern nur selbst zerstören würde. Und beide Männer denken schon daran, bewaffnet zur Domino-Partie zu gehen, weil eine Auseinandersetzung in der Luft liegt. Da ist es wohl kein Wunder, daß der Klappentext schon von zwei Toten am Abend am spricht ...
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Aldawen

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Re: [Curaçao] Frank Martinus Arion – Doppeltes Spiel
« Antwort #1 am: 02. Januar 2012, 22:16:36 »

Bis zum Ende des ersten Teils sind nun alle Teilnehmer der Dominorunde vorgestellt worden. Chamon Nicolas gefällt mir auch irgendwie. Er scheint ein recht gutmütiger Typ zu sein. Man könnte ihm zwar vorwerfen, daß er Bubu Fiels Frau Nora ausnutzt, aber beide scheinen mit dem Arrangement ganz zufrieden, und Nora kann so wenigstens die elementarsten Bedürfnisse ihrer Familie decken. Bubu Fiel dagegen ist ein Mann mit hochfliegenden Träumen, leicht zu entflammender Begeisterung, aber irgendetwas Dauerhaftes und Handfestes wird daraus nicht. Seine Verantwortungslosigkeit gerade auch im Hinblick auf seine Familie und sein Machismo stören mich doch.

So ungefähr ist jetzt auch klar, was Manchi damals angestellt hat, als er seine Frau Solema mit dem anderen Mann erwischt hat. Die Rache, die er sich ausgedacht hat, ist extrem entwürdigend, und eigentlich wundere ich mich, daß Solema ihn nicht längst verlassen hat, Kinder hin oder her. Unter solchen Bedingungen mit einem Mann zusammenzuleben ist für mich schlicht unvorstellbar.

Da im Klappentext schon die Rede von zwei Toten war, frage ich mich jetzt natürlich schon immer, welche Hälfte der Dominorunde es treffen wird. Ich hoffe ja ein bißchen auf Manchi, den ich von der Gruppe wirklich am wenigsten leiden kann. Zumal das dann vermutlich auch bedeutet, daß Janchi, der mir am sympathischsten ist, überleben wird und mit Solema und ihren Kindern eine neue glückliche Familie aufmachen kann. Bei dem anderen Pärchen habe ich nicht so starke Präferenzen, auch wenn Bubu Fiel nicht gerade jemand ist, den ich schätzen kann, aber Chamon kann ich dafür letztlich doch auch zu wenig einschätzen. Wenn ich mich partout auf einen von beiden als mein „Wunschopfer“ festlegen müßte, dann wäre es wohl eher Bubu. Da das aber vielleicht doch ein bißchen zu einfach nach Sympathie sortiert ist, gehe ich davon aus, daß Arion ein anderes Ende gefunden hat. Und vielleicht ändert sich an der ein oder anderen Wahrnehmung ja auch noch etwas im nächsten Teil.

Auffällig finde ich bislang die Frauen. Sowohl Solema als auch Nora sind durchaus starke Persönlichkeiten, aber sie kommen nicht recht zur Entfaltung, nicht nur was ihren unmittelbaren Anteil an der Handlung des Romans angeht, sondern auch, wenn man sich ihre Beziehungen anschaut. Sie betrügen ihre Männer, aber nicht aus dieser Stärke heraus, sondern weil der Frust sie dazu treibt. Ich könnte mir gut vorstellen, daß sie an diesem Tag noch eine aktive Rolle bei der Reduzierung der Dominorunde spielen und das gar nicht eine männerinterne Angelegenheit wird ...
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Breña

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Re: [Curaçao] Frank Martinus Arion – Doppeltes Spiel
« Antwort #2 am: 03. Januar 2012, 00:29:29 »

Das neue Jahr beginnt mit nur unwesentlich mehr Lesezeit, so dass ich bisher nur bis einschließlich Kapitel 13 lesen konnte. Ich tue mich etwas schwer mit Arions Stil und bin mir nicht sicher, ob ich es auf die Übersetzung schieben kann, es an der Entstehungszeit liegt oder es einfach unter "karibisch" abzulegen ist. Es liest sich aber tatsächlich etwas angestaubt (das Original ist von 1973, die Übersetzung von 1982) und die verworrenen Satzstellungen hemmen meinen Lesefluss. Dass nicht viel passiert ist gar nicht schlimm, ich bin froh ausreichend Zeit zu haben, mir einen Überblick über die Personen verschaffen zu können.

Manchi ist mir dabei nicht sonderlich sympathisch. [...] Irgendjemand müßte ihm mal den Kopf gehörig zurechtsetzen.

Dafür! Der Typ war mir auch von Beginn an unsympathisch in seiner Selbstgefälligkeit, ganz vorbei war es, als sein Bild von Solema deutlich wurde. Ich frage mich nur, wie er es geschafft hat, sich hochzuarbeiten, immerhin hat er es auch geschafft, sämtliche Parteien innerhalb kurzer Zeit gegen sich aufzubringen. :rollen: Es ist vielleicht noch nachvollziehbar, wie er es schafft, sich von anderen armen Familien abzugrenzen, aber dadurch kann er nicht automatisch den nächsten Schritt auf der gesellschaftlichen Leiter tun.

Solemas Handeln leuchtet mir leider nicht ein, besonders, weil sie durch ihr Studium in Europa tatsächlich progressive Ideen zu vertreten scheint. Wie sie sich einerseits politisch engagieren kann und somit ihr Ansehen in der Gesellschaft auf's Spiel setzt, aber andererseits von Manchi so behandeln lässt, verstehe ich nicht. Auch ihre Flucht in erotische Abenteuer bleibt für mich nicht ganz nachvollziehbar, aber vielleicht wird dieser Punkt noch deutlicher. Ich bin auf jeden Fall auch neugierig auf Manchis Bestrafung - ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass er tatsächlich etwas großartiges getan hat, aber ich lasse mich gerne überraschen.

Janchi dagegen wird recht positiv dargestellt. Zwar ist er, wenn man auf das Materielle schaut, eher ein Versager, der mit seinem Leben nichts anzufangen gewußt hat, aber Solema scheint ihm doch sehr viel Halt zu geben – wie umgekehrt auch.

Janchi ist mir auch nicht sonderlich sympathisch. Diese Resignation, mit der er dem Leben gegenübertritt, finde ich schrecklich. Nur weil seine Mutter gestorben ist, bevor er das Haus für sie fertig stellen konnte, und er es nicht für eine andere, fremde Frau beenden wollte, haust er in einer Bruchbude? Das klingt nicht sehr reif und irgendwie auch nicht sehr gesund. Immerhin scheint seine Beziehung zu Solema und sein Wille, sie zu schützen, ihn aus seiner Lethargie zu locken.

Und beide Männer denken schon daran, bewaffnet zur Domino-Partie zu gehen, weil eine Auseinandersetzung in der Luft liegt. Da ist es wohl kein Wunder, daß der Klappentext schon von zwei Toten am Abend am spricht ...

Ganz so weit habe ich zwar noch nicht gelesen, aber dass die vier Herren beim Domino keinen Spaß verstehen und obendrein eine eher kurze Lunte zu haben, habe ich schon festgestellt. Das kann ja noch lustig werden. Ach ja - die Geschichte mit den Damenschuhen habe ich nicht wirklich verstanden, wird die noch relevant oder kann ich die vergessen?

Viele Grüße
Breña
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Re: [Curaçao] Frank Martinus Arion – Doppeltes Spiel
« Antwort #3 am: 03. Januar 2012, 07:37:58 »

Das neue Jahr beginnt mit nur unwesentlich mehr Lesezeit, so dass ich bisher nur bis einschließlich Kapitel 13 lesen konnte. Ich tue mich etwas schwer mit Arions Stil und bin mir nicht sicher, ob ich es auf die Übersetzung schieben kann, es an der Entstehungszeit liegt oder es einfach unter "karibisch" abzulegen ist.

Ich hatte mit dem Einstieg auch meine Schwierigkeiten, hatte das aber darauf geschoben, daß ich in der Silvesternacht zu wenig geschlafen und direkt vor Beginn der Lektüre ein opulentes Mittagsmahl zu mir genommen hatte. Das ist für eine konzentrierte Lektüre selten förderlich  :breitgrins:  Inzwischen geht es aber, auch wenn es unter sprachlichen Gesichtspunkten sicher kein Jahreshighlight werden wird, dessen bin ich jetzt schon sicher.

Ich frage mich nur, wie er es geschafft hat, sich hochzuarbeiten, immerhin hat er es auch geschafft, sämtliche Parteien innerhalb kurzer Zeit gegen sich aufzubringen. :rollen: Es ist vielleicht noch nachvollziehbar, wie er es schafft, sich von anderen armen Familien abzugrenzen, aber dadurch kann er nicht automatisch den nächsten Schritt auf der gesellschaftlichen Leiter tun.

In seinem Viertel ist er alleine schon wegen seines Hauses eine Klasse für sich. Wie er sich hocharbeiten konnte? Seine Verehrung für Richter ist nahezu grenzenlos, das wird später noch deutlicher. Ich denke, daß er sich an seinem Arbeitsplatz einfach völlig anders verhält und dadurch Karriere gemacht hat. Wobei das ja auch relativ ist, Gerichtsdiener ist schließlich nichts so überwältigendes, aber im Vergleich zu Taxifahrern oder herumgammelnden Leute wie Janchi fällt er natürlich aus dem Rahmen.

Solemas Handeln leuchtet mir leider nicht ein, besonders, weil sie durch ihr Studium in Europa tatsächlich progressive Ideen zu vertreten scheint. Wie sie sich einerseits politisch engagieren kann und somit ihr Ansehen in der Gesellschaft auf's Spiel setzt, aber andererseits von Manchi so behandeln lässt, verstehe ich nicht. Auch ihre Flucht in erotische Abenteuer bleibt für mich nicht ganz nachvollziehbar, aber vielleicht wird dieser Punkt noch deutlicher. Ich bin auf jeden Fall auch neugierig auf Manchis Bestrafung - ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass er tatsächlich etwas großartiges getan hat, aber ich lasse mich gerne überraschen.

Dazu kommt einiges bis zum Ende des ersten Teils. Ich habe Solema anfangs auch überhaupt nicht verstanden und tue mich noch schwer mit ihr. Aber natürlich muß man dabei immer bedenken, daß das Buch selbst schon 40 Jahre auf dem Buckel hat, da sah auch hierzulande noch vieles anders aus, und die Gesellschaft auf Curaçao „tickt“ wohl auch ganz anders. Und man darf sicher nicht unterschätzen, daß sie ihre Kinder nicht mit einem Skandal belasten will, das kann doch eine starke Triebfeder sein.

Janchi ist mir auch nicht sonderlich sympathisch. Diese Resignation, mit der er dem Leben gegenübertritt, finde ich schrecklich. Nur weil seine Mutter gestorben ist, bevor er das Haus für sie fertig stellen konnte, und er es nicht für eine andere, fremde Frau beenden wollte, haust er in einer Bruchbude?

Er hat als Seemann ein unstetes Leben geführt, seine Mutter auf der Insel war der Fixpunkt, auf den er sich konzentriert hat. Nach ihrem Tod hat er keinen Grund mehr, weil ihm selbst Haus und andere materielle Güter einfach nicht wichtig sind, er konnte ja auf seinen Fahrten auch keinen ganzen Hausstand mitschleppen und ist an wenig gewöhnt. Da kann ich schon verstehen, daß sein Elan gelitten hat.

Ach ja - die Geschichte mit den Damenschuhen habe ich nicht wirklich verstanden, wird die noch relevant oder kann ich die vergessen?

Wie wichtig sie noch werden, kann ich Dir auch noch nicht sagen, aber zumindest wird im ersten Teil noch erklärt, was sie mit den Dingern überhaupt grundsätzlich tun.
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Re: [Curaçao] Frank Martinus Arion – Doppeltes Spiel
« Antwort #4 am: 06. Januar 2012, 20:01:08 »

In der Hoffnung, daß Breña am Wochenende Zeit findet, aufzuschließen, habe ich jedenfalls schon mal etwas weitergelesen und zwar im zweiten Teil bis einschließlich Kapitel 17.

Jetzt wird es ernst mit dem Dominospiel. Wenn ich das richtig sehe, dann sitzen zwei Männer, nämlich Janchi und Chamon bewaffnet am Tisch. Manchi hat sich kurzfristig doch entschlossen, den auffälligen Revolver zu Hause zu lassen. Für Bubu wäre es wohl grundsätzlich kein Problem, sich zu bewaffnen, schließlich spielt man bei ihm zu Hause. Trotzdem spricht die Waffenverteilung ja für bestimmte Opfer, aber mal sehen. Ganz gut gefällt mir gerade, wie sich die emotionale Verfassung der Männer auf ihr Dominospiel auswirkt. Am auffälligsten ist das natürlich bei Bubu, der von der vorangegangenen Nacht noch auf Wolke sieben schwebt und sich gar nicht auf das Spiel konzentrieren kann. Manchi tritt hier (bislang) etwas zurück, er ist einfach sauer auf seinen Spielpartner Bubu, weil der manches Spiel vergeigt. Im Gegenzug wird Chamon immer besser und nähert sich den Spielqualitäten Janchis, so daß sie ihre Gegner gerade ziemlich niedermachen. Auch ohne die Spannungen, die sowieso zwischen den Männern bestehen, könnte das zu einem heftigen Streit führen. Ich denke, da wird noch einiges gesagt werden, was besser ungesagt bleiben würde. Ich hätte allerdings nichts dagegen, wenn all das mit etwas Dominoregeln und Analysen darüber, wer welchen Stein warum haben muß und wann spielt, einherginge, auch wenn jetzt endgültig klar wird, was es mit den ominösen Schuhen auf sich hat  :breitgrins: 

Ein bißchen bemüht fand ich die politische Diskussion, in die sich die Truppe anfänglich verrannte. Hier merkte man für meinen Geschmack zu deutlich, daß Arion sicher auch eine „erzieherische“ Absicht verfolgte. Dabei geht es gar nicht einmal um die grundsätzlichen Feststellungen, die in der Tendenz vermutlich zur Entstehungszeit des Romans nicht einmal falsch waren und vielleicht bis heute nicht sind. Aber so, wie die Vorgeschichte der Dominonachmittage geschildert wurde, paßte diese plötzlich aufflackernde Diskussion einfach nicht zu den vier Männern.
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Re: [Curaçao] Frank Martinus Arion – Doppeltes Spiel
« Antwort #5 am: 08. Januar 2012, 22:06:18 »

Tatsächlich habe ich es geschafft, heute den ersten Teil zu beenden. Die kleinen Leseeinheiten, die ich jeweils schaffe, erscheinen mir nicht vorteilhaft, denn ich habe Schwierigkeiten die Ereignisse immer in die richtige chronologische Abfolge zu bringen. Wirklich verwirrend war das zwar noch nicht, aber schon ein wenig ärgerlich.

Ich habe Solema anfangs auch überhaupt nicht verstanden und tue mich noch schwer mit ihr. Aber natürlich muß man dabei immer bedenken, daß das Buch selbst schon 40 Jahre auf dem Buckel hat, da sah auch hierzulande noch vieles anders aus, und die Gesellschaft auf Curaçao „tickt“ wohl auch ganz anders. Und man darf sicher nicht unterschätzen, daß sie ihre Kinder nicht mit einem Skandal belasten will, das kann doch eine starke Triebfeder sein.

Auch mit meinem jetzigen Wissen verstehe ich sie nicht besser. Hilfreich war ihre eigene Erkenntnis, dass sie wohl viel konservativer ist, als sie selbst dachte. Die Tatsache, dass sie ihre Kinder schützen möchte, erklärt natürlich auch, weshalb sie kurz nach ihrer Rückkehr aus Europa - ohne Kinder - noch politisch aktiver war als sie es inzwischen ist. Allerdings verstehe ich angesichts Manchis entwürdigender Behandlung, die aus dem Seitensprung resultiert, noch weniger, was sie bei ihm hält. Außerdem kann doch die Gemeinschaft, in der die Dominospieler und ihre Familien leben, nicht all zu groß sein. Wenn sie nun also weiterhin mit anderen Männern schläft, wird das doch bestimmt irgendwann publik werden. Eigentlich doch noch schneller, als die notgedrungenen Seitensprünge Noras, da sie als so unglaublich anbetungswürdig und moralisch rein gilt.

Chamon Nicolas gefällt mir auch irgendwie. Er scheint ein recht gutmütiger Typ zu sein. Man könnte ihm zwar vorwerfen, daß er Bubu Fiels Frau Nora ausnutzt, aber beide scheinen mit dem Arrangement ganz zufrieden, und Nora kann so wenigstens die elementarsten Bedürfnisse ihrer Familie decken.

Chamon erscheint mir bisher am "normalsten", falls man diesen Begrff auf eine Person dieser illustren Runde anwenden kann. Sein Verhältnis mit Nora entwickelte sich immerhin auch aus den Umständen und nicht, weil er eine Gegenleistung für seine finanzielle Unterstützung verlangte. Außerdem gefällt mir, dass er sich nicht, wie anscheinend die meisten anderen Inselbewohner, treiben lässt, sondern sogar vorausschauend lebt. Angesichts dieser Gemeinschaft ist es nur folgerichtig, dass er nicht möchte, dass sein Reichtum bekannt wird. :breitgrins:

Bubu Fiel dagegen ist ein Mann mit hochfliegenden Träumen, leicht zu entflammender Begeisterung, aber irgendetwas Dauerhaftes und Handfestes wird daraus nicht. Seine Verantwortungslosigkeit gerade auch im Hinblick auf seine Familie und sein Machismo stören mich doch.

Herrje, Bubu Fiel möchte ich ständig schütteln. Und ich hoffe, Noras Vorhaltungen in Verbindung mit seinen Katerkopfschmerzen lassen ihn richtig leiden. :breitgrins:

Da das aber vielleicht doch ein bißchen zu einfach nach Sympathie sortiert ist, gehe ich davon aus, daß Arion ein anderes Ende gefunden hat. Und vielleicht ändert sich an der ein oder anderen Wahrnehmung ja auch noch etwas im nächsten Teil.

Vielleicht bin ich nun etwas gehäßig, aber kunstvoll komponiert erscheint mir die Geschichte nicht gerade. ;) Meine Favoriten sind übrigens ebenfalls Janchi und Chamon, aber das wird Dich wahrscheinlich nicht verwundern.

Ach ja, der kleine Exkurs zum Domino hat mir gefallen, nicht unbedingt, weil die Regeln erklärt werden, sondern vielmehr weil die Bedeutung des Spiels hervorgehoben wird. Diese sozialen und kulturellen Vernüpfungen und dieses Aufladen mit Bedeutung war schön zusammengefasst und ist im weiteren Verlauf bestimmt noch hilfreich. Ansonsten ziehe ich mir in erster Linie Informationen zum Leben auf Curaçao vor vierzig Jahren aus dem Text. Die verschiedenen Blickwinkel ergeben ein rundes Bild.
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Re: [Curaçao] Frank Martinus Arion – Doppeltes Spiel
« Antwort #6 am: 09. Januar 2012, 09:09:52 »

Allerdings verstehe ich angesichts Manchis entwürdigender Behandlung, die aus dem Seitensprung resultiert, noch weniger, was sie bei ihm hält.

Selbstverleugnung? Angst? Wenn sie sich von Manchi trennt: Wohin soll sie dann? Und wo bleiben die Kinder? Würde sie sie mitnehmen können oder müßte sie sie zurücklassen? Doch, ich kann das schon verstehen, auch wenn es mir nicht gefällt.

Außerdem kann doch die Gemeinschaft, in der die Dominospieler und ihre Familien leben, nicht all zu groß sein. Wenn sie nun also weiterhin mit anderen Männern schläft, wird das doch bestimmt irgendwann publik werden. Eigentlich doch noch schneller, als die notgedrungenen Seitensprünge Noras, da sie als so unglaublich anbetungswürdig und moralisch rein gilt.

Die Gesellschaft scheint mir sehr stark abgegrenzt und geschichtet. Wenn sie sich ihre Liebhaber nicht bevorzugt aus dem unmittelbaren (Wohn-)Umfeld holt, ist gar nicht gesagt, daß das so schnell auffällt. Und es ist immerhin auch noch die Frage, wie häufig sie es macht.

Außerdem gefällt mir, dass er sich nicht, wie anscheinend die meisten anderen Inselbewohner, treiben lässt, sondern sogar vorausschauend lebt. Angesichts dieser Gemeinschaft ist es nur folgerichtig, dass er nicht möchte, dass sein Reichtum bekannt wird. :breitgrins:

Ja, er fällt damit eindeutig aus dem Rahmen, das stimmt wohl. Und seine Geheimhaltung ist sicher auch eine gute Taktik. Wenn man sich Nora anschaut, dann kann man ein bißchen ahnen, was Chamon mitmachen würde, wäre seine finanzielle Situation allgemein bekannt. Von dem Geld wäre dann vermutlich bald nichts mehr übrig.

Vielleicht bin ich nun etwas gehäßig, aber kunstvoll komponiert erscheint mir die Geschichte nicht gerade. ;)

Nein, das ist sie wohl nicht, aber trotzdem wären die Gleichungen halbwegs sympathische Figuren = am Ende lebendig und unsympathische Figuren = am Ende tot vielleicht doch ein bißchen zu einfach. Solange ich das nicht so lese, will ich noch nicht glauben, daß Arion es sich so leicht gemacht hat.

Ach ja, der kleine Exkurs zum Domino hat mir gefallen, nicht unbedingt, weil die Regeln erklärt werden, sondern vielmehr weil die Bedeutung des Spiels hervorgehoben wird.

Stimmt, das fand ich auch sehr hilfreich, weil das Spiel hierzulande ja doch nicht diese Bedeutung hat, da müßte man für diese Zeit wohl eher auf eine Skatrunde zurückgreifen.
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Re: [Curaçao] Frank Martinus Arion – Doppeltes Spiel
« Antwort #7 am: 14. Januar 2012, 16:38:10 »

Hallo,

... schon mal etwas weitergelesen und zwar im zweiten Teil bis einschließlich Kapitel 17.

Bis dahin habe ich nun ebenfalls gelesen.

Jetzt wird es ernst mit dem Dominospiel.

In mehrfachem Sinn, ja. Ich habe Domino nie als so taktisches und kniffeliges Spiel gesehen, wahrscheinlich weil es für mich ein Kinderspiel ist, bei dem man eben passende Steine aneinanderlegt. Unsere Herrschaften gebärden sich hingegen zum Teil wie Schachgroßmeister. :zwinker: Ich muss allerdings gestehen, dass ich die Spielzüge eher überfliege. Mir reicht die allgemeine Aussage, dass Chamon immer besser wird und gemeinsam mit Janchi die beiden Gegenspieler in Grund und Boden und um deren guten Ruf spielen.  Dass Bubu dabei unter den Auswirkungen der letzten Nacht leidet bzw. in Erinnerungen daran schwelgt, macht seine Situation nicht besser. Dass Manchi das Ruder nicht rumreißen kann, beweißt mir, dass er ein Großmaul ist, der wahrscheinlich auch sonst nicht so überragend gut spielt, wie er es von sich selbst glaubt. Interessant finde ich die Beobachtung, dass die beiden Junggesellen den beiden Ehemännern diesmal zeigen, wo's lang geht.

Wenn ich das richtig sehe, dann sitzen zwei Männer, nämlich Janchi und Chamon bewaffnet am Tisch.

Allerdings habe ich im Moment noch nicht den Eindruck, dass die Waffen sich auf das Verhalten der Männer auswirken, das wird eher von anderen Faktoren bestimmt. Dennoch bin ich gespannt, wann das unterdrückte Konkurrenzdenken in offene Aggressivität umschlagen wird. Und ob der Auslöser im Spiel selbst zu finden sein wird, oder doch eher die Frauen/ eine Frau sind/ ist.

Bubu, der von der vorangegangenen Nacht noch auf Wolke sieben schwebt

Diese Passagen, in denen es um "erotische Abenteuer" geht, nerven mich zunehmend. Die plumpen Formulierungen und das frauenverachtende Weltbild, das hier zum Tragen kommt, verleiden mir das Lesen mehr und mehr. Entstehungszeit hin oder her, sich mit dem Begrabschen von Mädchen oder Frauen zu profilieren und sie ganz allgemein als Mittel zum Zweck zu sehen, nervt. Da schaffen es auch Janchis verliebte Gedanken nicht, einen Ausgleich zu schaffen.

Ein bißchen bemüht fand ich die politische Diskussion, in die sich die Truppe anfänglich verrannte.

Stimmt, der mahnende Zeigefinger war mir auch zu deutlich, dennoch war ich nicht böse um diesen zusätzlichen Blickwinkel, der ja auch im ersten Teil schon da war.

Nun bin ich gespannt, ob Solema im zweiten Abschnitt noch mal zu Wort kommen oder ob dieser Fokus auf den Hinterhof beibehalten wird (irgendwie muss ich an ein Kammerspiel denken, bin mir aber gar nicht sicher, ob diese Assoziation überhaupt richtig ist). Und natürlich darauf, wie sich die Emotionen weiter aufschaukeln.

Voiele Grüße
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Re: [Curaçao] Frank Martinus Arion – Doppeltes Spiel
« Antwort #8 am: 14. Januar 2012, 20:27:23 »

In mehrfachem Sinn, ja. Ich habe Domino nie als so taktisches und kniffeliges Spiel gesehen, wahrscheinlich weil es für mich ein Kinderspiel ist, bei dem man eben passende Steine aneinanderlegt. Unsere Herrschaften gebärden sich hingegen zum Teil wie Schachgroßmeister. :zwinker:

Stimmt schon. Ich finde es aber ganz interessant zu verfolgen, daß man Domino tatsächlich wohl auch taktisch spielen kann. Vielleicht wäre ich drauf gekommen, wenn ich ernsthaft darüber nachgedacht hätte, aber meine letzte Begegnung mit Dominosteinen dürfte über 30 Jahre zurückliegen und da hat mich das noch nicht interessiert  :breitgrins:

Allerdings habe ich im Moment noch nicht den Eindruck, dass die Waffen sich auf das Verhalten der Männer auswirken, das wird eher von anderen Faktoren bestimmt.

Das ist zwar richtig, aber im Hinblick auf die im Klappentext angekündigten Toten würde ich einfach mal vermuten, daß diejenigen mit den Waffen die bessere Überlebenschance haben. Zumindest Janchi traue ich zu, mit dem Messer auch umgehen zu können. Bei Chamon bin ich da nicht ganz so sicher, ob er gegen Bubu bestehen könnte. Vielleicht, aber dann wohl eher, weil der an diesem Tag nicht völlig zurechnungsfähig und reaktionsschnell ist.

Diese Passagen, in denen es um "erotische Abenteuer" geht, nerven mich zunehmend. Die plumpen Formulierungen und das frauenverachtende Weltbild, das hier zum Tragen kommt, verleiden mir das Lesen mehr und mehr. Entstehungszeit hin oder her, sich mit dem Begrabschen von Mädchen oder Frauen zu profilieren und sie ganz allgemein als Mittel zum Zweck zu sehen, nervt. Da schaffen es auch Janchis verliebte Gedanken nicht, einen Ausgleich zu schaffen.

Ich finde es auch nicht prickelnd, kann mir aber gut vorstellen, daß die Gespräche in einer solchen Runde genauso ablaufen. Und dadurch, daß Arion sie so lange darauf herumreiten läßt, zeigt er ja auch gerade, wie beschränkt und abstoßend diese Geisteshaltung ist. Ich habe jedenfalls nicht den Eindruck, daß er es als wünschenswertes Verhalten betrachtet, so wie gerade Bubu bei seinem Gesabbel rüberkommt.

Nun bin ich gespannt, ob Solema im zweiten Abschnitt noch mal zu Wort kommen oder ob dieser Fokus auf den Hinterhof beibehalten wird (irgendwie muss ich an ein Kammerspiel denken, bin mir aber gar nicht sicher, ob diese Assoziation überhaupt richtig ist). Und natürlich darauf, wie sich die Emotionen weiter aufschaukeln.

Ich will doch hoffen, daß die Frauen noch mal ein Wörtchen zu sagen haben!

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Re: [Curaçao] Frank Martinus Arion – Doppeltes Spiel
« Antwort #9 am: 15. Januar 2012, 12:24:30 »

Ich habe den Roman gestern abend noch beendet. Zum Inhalt möchte ich über den Klappentext und unsere Kommentare hier nichts weiter sagen, da dies wohl umfangreich genug ist.

Meine Meinung: Die eigentliche Handlung umfaßt nur einen Sonntag, an dem sich vier Männer wie jeden Sonntag nachmittag zum Dominospiel treffen, nachdem sie vormittags noch ihren je eigenen Tätigkeiten nachgegangen sind. Sehr schnell wird schon aus der Beschreibung des Vormittags deutlich, daß am Spieltisch eine explosive Stimmung herrschen wird, die unter anderem daraus resultiert, daß die beiden Junggesellen Janchi und Chamon, die auch eine Spielpartei bilden, Verhältnisse mit den Frauen von Manchi und Bubu, Solema und Nora, unterhalten. Aus den Gedanken und Handlungen dieser sechs Personen entwickelt sich für den Leser nicht nur ein Bild dieser speziellen Figurenkonstellation, so daß man nachvollziehen kann, wie das Mißtrauen überhaupt eine Grundlage gefunden hat, auf der es während dieser Partie anschwellen kann, sondern man bekommt auch einen ganz guten Einblick in die curaçaoische Gesellschaft. Das Bild, das sich dabei offenbart, ist nicht besonders hübsch, Arion hält seinen Landleuten eine ganze Menge Fehler vor, von – nennen wir es mal noch halbwegs neutral – Trägheit bis zu einem demütigenden Frauenbild. Es wird nicht von ungefähr kommen, daß Solema und Nora hier, auch wenn sie vergleichsweise Nebenrolle innehaben, eher die starken Figuren sind, was auch durch die Widmung Frauen mit Mut gewidmet unterstrichen wird.

Interessant fand ich die Verknüpfung mit einem Dominospiel. Ich habe Domino nie als besonders taktisches Spiel betrachtet, was daran liegen mag, daß ich es nur als Kind und auch dann nur selten gespielt habe. Aber der Stellenwert, den das Spiel auf Curaçao zu haben scheint (vielleicht auch auf „benachbarten“ Inseln), hat mich doch verblüfft. Es ist gut, daß Arion für den wenig mit den örtlichen Verhältnissen vertrauten Leser im ersten Teil ein paar Ausführungen dazu einfließen läßt, sonst würde man sich nämlich vermutlich fragen, warum eine so deutliche Niederlage, wie Bubu und Manchi sie hier kassieren, schon derart ans Ehrgefühl geht. Klar, niemand verliert gerne, und wenn man an halbwegs ausgeglichene Ergebnisse in einer solchen Runde gewohnt ist, dann ist das sicher nicht angenehm, rechtfertigt aber doch nicht, durchzudrehen, da nicht einmal um Geld o.ä. gespielt wird. Dafür wirkten die Einschübe über politische oder sozioökonomische Aspekte einigermaßen bemüht, wie auch insgesamt der Roman nicht gerade als sprachliches oder stilistisches Highlight zu werten ist. Und der (kurze) dritte Teil, der einen Ausblick nach dem entscheidenden Tag beinhaltet, paßte für mich gar nicht zum Rest des Romans, was auch an der veränderten Erzählperspektive liegen mag.

 3ratten

Schönen Gruß
Aldawen
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Re: [Curaçao] Frank Martinus Arion – Doppeltes Spiel
« Antwort #10 am: 15. Januar 2012, 13:59:42 »

Allerdings habe ich im Moment noch nicht den Eindruck, dass die Waffen sich auf das Verhalten der Männer auswirken, das wird eher von anderen Faktoren bestimmt.

Das ist zwar richtig, aber im Hinblick auf die im Klappentext angekündigten Toten würde ich einfach mal vermuten, daß diejenigen mit den Waffen die bessere Überlebenschance haben.

Allerdings kann so ein Messer in einem Handgemenge auch ganz schnell gegen den ursprünglichen Träger gerichtet werden. Gerade weil Manchi seinen Revolver zu Hause gelassen hat (wobei ich nicht abschätzen kann, wie schnell er den im Zweifel holen könnte), sind die Chancen doch relativ offen.

Ich habe nun den zweiten Teil beendet und das erste Mal das Gefühl gehabt, wirklich weiterlesen zu wollen. Die Emotionen am Tisch kochen zwischenzeitlich richtig hoch und die ersten Anzeichen von Wahnsinn bei Manchi waren mir ein inneres Fest, auch wenn sie für seine Tischnachbarn eher beängstigend waren (oder sein sollten, wirklich einordnen konnten sie sein Verhalten ja nicht).

Was mich etwas irritiert hat, war der Auflauf gegen Ende dieses Abschnitts. Dass plötzlich so eine Mischung aus Volksfest und politischer Veranstaltung rund um das Dominospiel entsteht, ist zwar erklärbar, aber deswegen nicht weniger befremdlich. Außerdem ging Solemas Entscheidung und tatsächliches Handeln darin leider etwas unter. Aber wer weiß, vielleicht ist es auch ganz gut, dass so viel Brimborium herrscht ... immerhin hat Manchi so auch den Namen von Janchis geplanter Möbelfirma nicht mitbekommen.

Nun bin ich gespannt, wie all die Spannungen zu einem Ende finden werden. Die Zahl der verbleibenden Seiten lässt vermuten, dass Arion hier sehr konsequent vorgeht. ;)
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Breña

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Re: [Curaçao] Frank Martinus Arion – Doppeltes Spiel
« Antwort #11 am: 15. Januar 2012, 18:07:13 »

Meine Meinung
Doppeltes Spiel hätte ich ohne seine Tauglichkeit für die Weltreise-Liste bestimmt nicht gelesen. Es ist eines dieser Bücher, die man ohne solch eine Liste nicht gelesen haben muss, hinterlässt aber auch nicht das Gefühl, Lesezeit vertrödelt zu haben. Allerdings habe ich ganz schön lang gebraucht, um mit der Geschichte warm zu werden, und die Neugier hat mich erst irgendwann in der zweiten Hälfte gepackt. Bis dahin war es zwar ganz interessant, einen Blick auf die Inselgesellschaft und die Bedeutung des Dominospiels zu werfen, aber es zog mich nicht zum Buch. Die sechs Protagonisten und ihre Beziehungen untereinander haben dann aber doch für eine gewisse Spannung gesorgt, so dass die letzten 130 Seiten schnell gelesen waren.

Erschwerend kam leider hinzu, dass Arion wahrlich kein Meister seines Fachs ist. Zu häufig charakterisiert er seine Figuren nicht durch ihre Taten oder Aussagen, sondern drückt ihnen einfach einen Stempel auf. Die über Politik geführten Diskussionen wirken aufgesetzt und mit erhobenem Zeigefinger geschrieben. Außerdem ist meine Ausgabe voller Tippfehler, wofür zwar der Autor nichts kann, was aber das Lesevergnügen doch manchmal einschränkt.

Insgesamt lohnt Doppeltes Spiel sich vor allem als Blick über den Tellerrand, auch wenn das Bild, das von Curaçao gezeichnet wird, schon etwas angestaubt ist.

2ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:

Und der (kurze) dritte Teil, der einen Ausblick nach dem entscheidenden Tag beinhaltet, paßte für mich gar nicht zum Rest des Romans, was auch an der veränderten Erzählperspektive liegen mag.

Du meinst die paar Seiten Nachspiel, oder? Die hätte sich Arion meiner Meinung ganz sparen können ... :rollen:

Übrigens bin ich mit dem Ausgang durchaus zufrieden, vor allem, dass
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Aldawen

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Re: [Curaçao] Frank Martinus Arion – Doppeltes Spiel
« Antwort #12 am: 15. Januar 2012, 18:24:04 »

Du meinst die paar Seiten Nachspiel, oder? Die hätte sich Arion meiner Meinung ganz sparen können ... :rollen:

Ja, genau die. Die waren für mich definitiv ein überflüssiger Fremdkörper im Buch.

Übrigens bin ich mit dem Ausgang durchaus zufrieden, vor allem, dass
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Ja, das hat mich dann doch auch sehr gefreut.
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Kinywa ni jumba la maneno.
Der Mund ist der Palast der Worte. – Sprichwort aus Ostafrika