Tatsächlich habe ich es geschafft, heute den
ersten Teil zu beenden. Die kleinen Leseeinheiten, die ich jeweils schaffe, erscheinen mir nicht vorteilhaft, denn ich habe Schwierigkeiten die Ereignisse immer in die richtige chronologische Abfolge zu bringen. Wirklich verwirrend war das zwar noch nicht, aber schon ein wenig ärgerlich.
Ich habe Solema anfangs auch überhaupt nicht verstanden und tue mich noch schwer mit ihr. Aber natürlich muß man dabei immer bedenken, daß das Buch selbst schon 40 Jahre auf dem Buckel hat, da sah auch hierzulande noch vieles anders aus, und die Gesellschaft auf Curaçao „tickt“ wohl auch ganz anders. Und man darf sicher nicht unterschätzen, daß sie ihre Kinder nicht mit einem Skandal belasten will, das kann doch eine starke Triebfeder sein.
Auch mit meinem jetzigen Wissen verstehe ich sie nicht besser. Hilfreich war ihre eigene Erkenntnis, dass sie wohl viel konservativer ist, als sie selbst dachte. Die Tatsache, dass sie ihre Kinder schützen möchte, erklärt natürlich auch, weshalb sie kurz nach ihrer Rückkehr aus Europa - ohne Kinder - noch politisch aktiver war als sie es inzwischen ist. Allerdings verstehe ich angesichts Manchis entwürdigender Behandlung, die aus dem Seitensprung resultiert, noch weniger, was sie bei ihm hält. Außerdem kann doch die Gemeinschaft, in der die Dominospieler und ihre Familien leben, nicht all zu groß sein. Wenn sie nun also weiterhin mit anderen Männern schläft, wird das doch bestimmt irgendwann publik werden. Eigentlich doch noch schneller, als die notgedrungenen Seitensprünge Noras, da sie als so unglaublich anbetungswürdig und moralisch rein gilt.
Chamon Nicolas gefällt mir auch irgendwie. Er scheint ein recht gutmütiger Typ zu sein. Man könnte ihm zwar vorwerfen, daß er Bubu Fiels Frau Nora ausnutzt, aber beide scheinen mit dem Arrangement ganz zufrieden, und Nora kann so wenigstens die elementarsten Bedürfnisse ihrer Familie decken.
Chamon erscheint mir bisher am "normalsten", falls man diesen Begrff auf eine Person dieser illustren Runde anwenden kann. Sein Verhältnis mit Nora entwickelte sich immerhin auch aus den Umständen und nicht, weil er eine Gegenleistung für seine finanzielle Unterstützung verlangte. Außerdem gefällt mir, dass er sich nicht, wie anscheinend die meisten anderen Inselbewohner, treiben lässt, sondern sogar vorausschauend lebt. Angesichts dieser Gemeinschaft ist es nur folgerichtig, dass er nicht möchte, dass sein Reichtum bekannt wird.

Bubu Fiel dagegen ist ein Mann mit hochfliegenden Träumen, leicht zu entflammender Begeisterung, aber irgendetwas Dauerhaftes und Handfestes wird daraus nicht. Seine Verantwortungslosigkeit gerade auch im Hinblick auf seine Familie und sein Machismo stören mich doch.
Herrje, Bubu Fiel möchte ich ständig schütteln. Und ich hoffe, Noras Vorhaltungen in Verbindung mit seinen Katerkopfschmerzen lassen ihn richtig leiden.

Da das aber vielleicht doch ein bißchen zu einfach nach Sympathie sortiert ist, gehe ich davon aus, daß Arion ein anderes Ende gefunden hat. Und vielleicht ändert sich an der ein oder anderen Wahrnehmung ja auch noch etwas im nächsten Teil.
Vielleicht bin ich nun etwas gehäßig, aber kunstvoll komponiert erscheint mir die Geschichte nicht gerade.

Meine Favoriten sind übrigens ebenfalls Janchi und Chamon, aber das wird Dich wahrscheinlich nicht verwundern.
Ach ja, der kleine Exkurs zum Domino hat mir gefallen, nicht unbedingt, weil die Regeln erklärt werden, sondern vielmehr weil die Bedeutung des Spiels hervorgehoben wird. Diese sozialen und kulturellen Vernüpfungen und dieses Aufladen mit Bedeutung war schön zusammengefasst und ist im weiteren Verlauf bestimmt noch hilfreich. Ansonsten ziehe ich mir in erster Linie Informationen zum Leben auf Curaçao vor vierzig Jahren aus dem Text. Die verschiedenen Blickwinkel ergeben ein rundes Bild.