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Autor Thema: Hanns-Josef Ortheil - Die große Liebe  (Gelesen 301 mal)

MacOss

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Hanns-Josef Ortheil - Die große Liebe
« am: 30. Dezember 2011, 11:35:52 »

  Hanns-Josef-Ortheil (geb. 1951)
Die große Liebe
Erstveröffentlichung: 2003
Verlag: btb
Taschenbuch
320 Seiten

In dem Roman Die große Liebe erzählt Hanns-Josef Ortheil davon, wie ein deutscher Fernsehreporter, der gerade an der italienischen Adriaküste unterwegs ist und für einen Dokumentarfilm über das Meer recherchiert, und eine italienische Meeresbiologin und Leiterin eines kleinen Meeresmuseums einander kennenlernen. Beide stellen schnell fest, dass sie sich für die gleichen Dinge begeistern: das Meer und seine Bewohner, die Kunst und das Leben im sonnigen Italien. Und bald bemerken sie, dass da mehr ist zwischen ihnen, dass sie füreinender geschaffen sind und sie möglicherweise die große Liebe gefunden haben...

Keine große Sache für einen Roman also, könnte man meinen. Und das stimmt auch. In diesem Buch gibt es keine vertrackte Handlung, keinen großartigen Spannungsbogen, keine unerwarteten Wendungen. Nein, es handelt sich um eine schlichte Liebesgeschichte, in der vieles stark geschönt ist. Hier gibt es keinen Kummer, keine großen Sorgen, keine tiefe Verzweiflung, keine unglückliche Liebe. Die beiden Protagonisten finden sich, verlieben sich, kreisen zwar noch ein wenig umeinander herum, müssen auch noch den einen oder anderen dunklen Punkt in der Vergangenheit der Signora erhellen. Aber schließlich werden alle Unwägbarkeiten ausgeräumt und die beiden finden zueinander. Darf ich das hier verraten? Doch, ich denke schon. Das ganze Buch steuert schließlich darauf zu, und ich wäre enttäuscht gewesen, wenn's anders gewesen wäre.

Das klingt fast wie ein Märchen, und wenn ich ehrlich bin, ist es eigentlich auch eins. Ach, sagt man sich so manches Mal beim Lesen - ach, wenn's doch im wirklichen Leben auch so wär'. Ja, ich muss es zugeben, es ist ein fast schon kitschiger Liebesroman, und er hat mir unheimlich gut gefallen. :breitgrins: Naja, ich wusste ja schon immer, dass ich ein verkappter Romantiker bin.

Hinzu kommt die schöne und klare Sprache, in der Ortheil die Geschichte erzählt. Man merkt ihm an, dass er ein Sprachbesessener ist. Und wenn man sich seine Biografie anschaut (vgl. seinen halb-autobiografischen Roman Die Erfindung des Lebens), kann man auch verstehen, warum. Darüber hinaus ist Ortheil Professor für Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim und Herausgeber einiger Ratgeber rund ums Schreiben.

Außerdem hat Hanns-Josef Orheil als junger Mann einige Jahre in Italien verbracht. Er versteht es, das Land und die Leute glaubhaft und lebendig  darzustellen. Und auch für das italienische Essen muss Ortheil ein Faible haben, denn die Schilderungen der Szenen, in denen die Protagonisten essen - und das tun sie recht häufig - sind so farbig und lebensecht, dass mir so manches Mal beim Lesen das Wasser im Munde zusammengelaufen ist und ich spontan Lust verspürte, sofort eine Packung Spaghetti in den Topf zu werfen. :breitgrins:

Trotz, nein, wegen der schlichten aber schönen Geschichte gibt's von mir 4ratten
« Letzte Änderung: 30. Dezember 2011, 12:33:53 von MacOss »
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Mira

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Re: Hanns-Josef Ortheil - Die große Liebe
« Antwort #1 am: 02. Januar 2012, 00:57:55 »

Danke für die schöne Rezi, MacOss!

Du hast das Buch ziemlich gut zusammengefasst. Es stimmt, es passiert nichts Aufregendes oder Unerwartetes in dem Buch und trotzdem habe ich es wahnsinnig gerne gelesen. Als zu kitschig habe ich es allerdings beim Lesen nicht empfunden, auch wenn man es anhand der Geschichte irgendwie meinen könnte und der Plot es anmutet. Vielleicht weil es keine extreme Tiefen und Brüche gab, sondern alles gleichsam auf das Ende hinarbeitete.
Auf jeden Fall, wie du schon sagtest, wunderschön geschrieben und obwohl die Lektüre bei mir schon mindestens ein halbes Jahr zurück liegt, kann ich mich an die Essensszenen (und Gerichte!) noch sehr lebhaft erinnern.
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Saltanah

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Re: Hanns-Josef Ortheil - Die große Liebe
« Antwort #2 am: 19. Januar 2012, 13:49:32 »

Wieso ist das Buch eigentlich nicht bei den Liebesromanen eingeordnet? Sollte ich den Thread nicht besser dorthin verschieben?
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Klassikfreund

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Re: Hanns-Josef Ortheil - Die große Liebe
« Antwort #3 am: 19. Januar 2012, 14:23:41 »

Wieso ist das Buch eigentlich nicht bei den Liebesromanen eingeordnet? Sollte ich den Thread nicht besser dorthin verschieben?

Nein.
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Heimfinderin

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Re: Hanns-Josef Ortheil - Die große Liebe
« Antwort #4 am: 19. Januar 2012, 16:25:20 »

Nein.

Warum nicht? Eine Erklärung zu dem einfachen "Nein" wäre ganz nett.  Ich selbst habe das Buch auch gelesen und hätte kein Problem, es unter den Liebesromanen einzusortieren. Liebesromane müssen ja nicht zwangsweise kitschig sein, um so definiert zu werden.
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Re: Hanns-Josef Ortheil - Die große Liebe
« Antwort #5 am: 19. Januar 2012, 18:34:43 »

Der Autor schreibt genrefreie Literatur. Unter "Liebesromanen" sind hier im Forum doch eher die Werke vertreten, die nicht der "Hochliteratur" zuzurechnen sind. Ansonsten müsste man auch die Klassiker der Liebesromane umsortieren. Oder ein Werk wie von Siegfried Lenz: Schweigeminute.

Gruß, Thomas
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MacOss

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Re: Hanns-Josef Ortheil - Die große Liebe
« Antwort #6 am: 20. Januar 2012, 09:50:28 »

Ich weiß, dass solche Dünkel hier nicht gut ankommen, aber ich habe mich ehrlich gesträubt, dieses Buch bei den Liebesromanen einzusortieren, auch wenn das Thema Liebe im Vordergrund steht. Aber unter "Liebesromanen" verstehe ich wie Thomas eher Werke der Trivialliteratur, und Ortheil zwischen irgendwelche Nackenbeißer zu stellen, das habe ich nicht über mich gebracht. :breitgrins:

Damit sich keiner angegriffen fühlt: Ich habe nichts gegen Trivialliteratur, ich lese auch ab und zu mal einen Schmöker oder einen meiner geliebten Heftromane (z.B. Perry Rhodan). Das erzähle ich hier bloß nicht. :zwinker:
« Letzte Änderung: 20. Januar 2012, 12:43:18 von MacOss »
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Re: Hanns-Josef Ortheil - Die große Liebe
« Antwort #7 am: 20. Januar 2012, 12:50:11 »

und Ortheil zwischen irgendwelche Nackenbeißer zu stellen, das habe ich nicht über mich gebracht. :breitgrins:

Ja, ok. Da würde er sich sicher etwas fremd fühlen.  :breitgrins:

Liebe ist eben ein großer Begriff.  :zwinker:  Aus den von euch genannten Gründen und weil es überwiegend so gehandhabt wird, hätte ich es wohl auch hier eingeordnet, auch wenn ich Liebesromane nicht gleich mit Trivialliteratur in Verbindung setze. Aber ich  verstehe was ihr meint.

Wenn ich nach meinem Gefühl gehen würde, würde ich dieses Buch aber am liebsten trotzdem in eine Rubrik einordnen, die den Titel Liebesromane trägt, da es eben ein Buch über die Liebe ist.  :smile:
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nimue

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Re: Hanns-Josef Ortheil - Die große Liebe
« Antwort #8 am: 20. Januar 2012, 12:53:46 »

Wenn ich nach meinem Gefühl gehen würde, würde ich dieses Buch aber am liebsten trotzdem in eine Rubrik einordnen, die den Titel Liebesromane trägt, da es eben ein Buch über die Liebe ist.  :smile:

Da unser Unterforum "Liebesromane - Auch Männer sind in dem Forum jederzeit willkommen!" heißt, ist das Buch dort mit Sicherheit korrekt. Weder das Buch noch das Unterforum können was für die nicht passende Definition von Klassikfreund und MacOss  :breitgrins:
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Wenn Du keinen Menschen töten kannst - gut; kannst Du kein Vieh und keine Vögel töten - noch besser; keine Fische und Insekten - noch besser. Bemüh Dich, soweit wie möglich zu kommen. Grüble nicht, was möglich ist und was nicht. Tu, was Du mit Deinen Kräften zustande bringst. Darauf kommt alles an. (Leo Tolstoi)

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Re: Hanns-Josef Ortheil - Die große Liebe
« Antwort #9 am: 20. Januar 2012, 13:03:57 »

Das wäre doch das Ende der "Sonstigen Belletristik". Welches Buch handelt nicht von der Liebe? Da gäbe es eine Menge Arbeit zum Umsortieren.

Gruß, Thomas
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nimue

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Re: Hanns-Josef Ortheil - Die große Liebe
« Antwort #10 am: 20. Januar 2012, 13:14:11 »

Ich kenne das Buch nicht: Ist das zentrale Thema des Buches "Liebe"? Ja oder nein?
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Re: Hanns-Josef Ortheil - Die große Liebe
« Antwort #11 am: 20. Januar 2012, 13:56:02 »

Das ist genrefreie Literatur.

Gruß, Thomas
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nimue

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Re: Hanns-Josef Ortheil - Die große Liebe
« Antwort #12 am: 20. Januar 2012, 14:00:38 »

Was war nicht die Frage: Was ist das zentrale Thema dieses Buches?
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Re: Hanns-Josef Ortheil - Die große Liebe
« Antwort #13 am: 20. Januar 2012, 14:08:22 »

Was war nicht die Frage: Was ist das zentrale Thema dieses Buches?

Das ist bei genrefreier Literatur eben schwer zu sagen: Es geht um den Menschen und sein Leben.

Gruß, Thomas
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MacOss

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Re: Hanns-Josef Ortheil - Die große Liebe
« Antwort #14 am: 20. Januar 2012, 15:50:31 »

Ich habe mich jetzt mal auf die Suche begeben, was Ortheil denn selbst zu diesem und seinen anderen Romanen der sog. Liebestrilogie sagt. Und da bin ich auf zwei ganz interessante Aussagen gestoßen:

In einem Gespräch mit dem Rheinischen Merkur spricht er selbst zwar ebenfalls von "seinen Liebesromanen", schränkt diese Typisierung aber gleich wieder ein:

»Meine Liebesromane sind sehr versteckte Verweise auf Formen und Sprachen der Liebes-Mystik. Ich schreibe über ›Liebe‹ überhaupt nur in diesem Sinn, mit Liebesromanen im zeittypischen Sinn, der Beschäftigung mit Konflikten, hat meine Liebesapologetik rein gar nichts zu tun.«

Ihm geht  es also insbesondere in seinem letzten Buch Liebesnähe um die Kommunikation zwischen zwei Menschen, darum, wie sie sich mittels stummer und sprachlicher Verständigung aufeinander zubewegen.
(Quelle: Leseland Hessen)

Dann bin ich auf eine Leseprobe von Stephanie Catanis Buch Kunst der Erinnerung, Poetik der Liebe: Das erzählerische Werk Hanns-Josef Ortheils gestoßen, in dem Ortheil in einem Interview sagt:

»Natürlich ist Die große Liebe nach den drei historischen Romanen und dem Familienroman Lo und Lu der Beginn von etwas wiederum Neuem, also von  etwas Drittem. Zum ersten Mal habe ich einen lupenreinen Liebesroman geschrieben.«

Etwas später gibt er eine ausführliche Erklärung, wie er zu diesem Roman gelangt ist und was ihn dazu bewogen hat, eine derartige Liebesgeschichte zu schreiben, aber auch, was seine Liebesgeschichte von "modernen" Liebesgeschichten abgrenzt.


Stephanie Catani: Kunst der Erinnerung, Poetik der Liebe: Das erzählerische Werk Hanns-Josef Ortheils
Link zur Leseprobe: klick. Sehr interessant, die Leseprobe. Ich sollte mir das Buch mal zulegen.

Also unterm Strich bin ich ebenfalls unschlüssig, was die Zuordnung dieses Buches betrifft, denn zum einen ist die Liebe und ihre Entstehung durchaus zentrales Thema, andererseits kann ich aber auch Thomas' Argumentation folgen, denn ein typischer Liebesroman, also das, was man (oder ich) landläufig darunter versteht, ist es nicht, weil so vieles andere drumherum noch eine Rolle spielt.
« Letzte Änderung: 20. Januar 2012, 15:56:03 von MacOss »
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