Willkommen Gast. Bitte einloggen oder registrieren.

E-Mail: Passwort:

Autor Thema: Umberto Eco - Der Friedhof in Prag  (Gelesen 502 mal)

Tammy1982

  • TAMKA-Vorstandsmitglied
  • Rezensententeam
  • *
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 1353
  • Leserunden-Junkie
Re: Umberto Eco - Der Friedhof in Prag
« Antwort #30 am: 15. Januar 2012, 18:29:07 »

Hallo Ihr Lieben,

ich bin mittlerweile bis einschließlich Kapitel 21 gekommen - habe ich nicht gesagt, dass du mich noch überholen wirst, kaluma :zwinker: und kann diesem Kommentar nur zustimmen:

Ich habe bis Kapitel 22 weitergelesen und bin zunehmend gelangweilt. Das Buch ist ein einziges Aneinanderreihen von Fakten, Legenden, Anekdoten und ich sehe den Zusammenhang nicht. All diese Intrigen, Komplotte usw. kann ich kaum erfassen. Lese ich hier etwa schon den Buchflop des Jahres?  :sauer:

Ich bin im Moment schon versucht nur noch quer zu lesen, da ich diese Aneinanderreihung von Fakten, Daten, irgendwelchen Kämpfen so langweilig finde, dass ich mich echt zwingen muss, das alles zu lesen!  :rollen: :schnarch: Bin im Moment auch sehr enttäuscht von dem Buch!

Die Pariser Kommune (Kap. 17) dient Simonini mal wieder nur dazu, sich als Verräter zu beweisen. Was anderes erwartet man schon gar nicht mehr von ihm.

Das war echt klar, dass Simonini v. a. wieder daran interessiert ist, seine eigene Haut zu retten. Ganz ehrlich, weiß ich nicht, inwiefern dieses Kapitel die Geschichte weitergebracht hat, außer um wieder zu verdeutlichen was für ein unmöglicher Mensch Simonini ist.

Als Pater Bergamaschi in Kapitel 18 auftaucht, habe ich mich schon auf den nächsten Mord vorbereitet, aber anscheinend arbeitet Simonini erstmal mit ihm zusammen. Aber ich vermute auch, dass der Pater die Zusammenarbeit langfristig nicht überleben wird...
Das Schlimme ist, dass durch dieses Aneinanderreihen von Informationen ich mir gar nicht merken kann, welche Person wann in welchem Zusammenhang schon mal aufgetaucht ist. Auch bei dem Pater war ich zuerst total verwirrt und musste erst zurück blättern, um wieder halbwegs zu wissen, wer das nochmal war. Sehr anstrengend!  :sauer:

Kap. 19. Hier wird wieder mal eine neue Person eingeführt: Osman Bey, und ich weiß nicht was von ihm zu halten ist. Von Endlösung ist hier schon die Rede. Der Neid und Haß, der dem Leser hier entgegenschlägt, ist schon gewaltig.  :entsetzt:

Die Erwähnung der Endlösung hat mir auch erstmal die Haare zu Berge stehen lassen. Wie tina auch schon geschrieben hat, merkt man ganz deutlich den Neid und Hass, der hier schön genährt wird und nur eine Gruppe gesucht wird, der man die Schuld an allem Übel geben kann. Furchtbar! Das Schlimme ist wirklich, dass das ja alles wirklich so passiert ist, aber irgendwie mag ich es schon gar nicht mehr lesen!

Ich spekuliere übrigens, dass der Abbe alias Simonini in Kapitel 20 Osman Bey erschießt. Die Beschreibung der Person passt irgendwie dazu, oder?  :gruebel: Nur wer die anderen beiden Leichen sind, ist mir noch ein Rätsel, aber das wird sich wohl bis zum Ende noch aufklären!

Nach Kapitel 21 musste ich jetzt erstmal eine Pause machen, weil mich das so verwirrt hat und ich irgendwann nur noch kopfschüttelnd weiter gelesen habe: Irre Rituale, die die Freimaurer angeblich durchführen sollen, irgendwie muss das Ganze noch mit den Juden verbunden werden und für mich hört sich das alles nur nach einer zu irren Fanasie an und ich verstehe nicht, wieso Leute das überhaupt ernst nehmen!  :rollen:

Ich bin ja gespannt, ob Eco auf den letzten reichlich hundert Seiten die Kurve noch kriegt. Ich bin fest entschlossen, diese letzten Seiten heute noch zu lesen. Ich will es hinter mich bringen. Das Buch hat mich schon zuviel meiner Lesezeit gekostet.

Da kann ich richtig gut nachfühlen. Möchte das Buch auch endlich beenden, weiß nur nicht, ob ich das heute wirklich schaffe! Es ist einfach so zäh!  :sauer:

Liebe Grüße
Tammy  :winken:
Gespeichert
"Jeder der sich die Fähigkeit erhält, Schönheit zu erkennen, wird nie alt werden." (Franz Kafka)

kaluma

  • Leserin & Vorleserin
  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 1390
  • Laxness-Fan
Re: Umberto Eco - Der Friedhof in Prag
« Antwort #31 am: 17. Januar 2012, 15:34:20 »

Ich habe das Buch am Sonntag noch zuendegelesen. Im Wesentlichen ergab sich nicht mehr viel Neues. Zwar erfährt der Leser nun endlich das, worauf er die ganze Zeit gewartet hat, nämlich wie die Protokolle der Weisen von Zion geschrieben und "an den Mann gebracht" werden. Verglichen mit der Länge des Buches wurde das allerdings unangemessen kurz und beiläufig abgehandelt.

Genauso habe ich mich gewundert, daß die Dreyfus-Affäre viel zu kurz abgehandelt wurde, wenn man die Bedeutung bedenkt, die sie für Frankreich hatte und angesichts der Akribie, mit der Eco all die anderen politischen Gegebenheiten beschreibt und wie er z.B. die Kapitel über die Freimaurer mit Details vollgestopft hat... Als wäre Eco auf den letzten 50-100 Seiten die Luft ausgegangen.

Für Simonini wird der Boden unter den Füßen nun zunehmend heiß und er bekommt (verdientermaßen) schließlich seine Strafe und sein passendes Ende.

In Anbetracht des Klappentextes fand ich es übrigens sehr merkwürdig, dass dieser geplante Anschlag auf die Pariser Metro erst im letzten Kapitel zur Sprache kommt. DA kommt mir wiederum der Verdacht, dass man versucht hat mit einem reisenden Plot mehr Leser zu ködern, denn ich habe mir unter dem Klappentext definitiv ein völlig anderes Buch vorgestellt.
Ich habe den Klappentext jetzt gerade erst gelesen. Er paßt definitiv nicht zu diesem Buch.

Ich hatte mir von dem Buch auch etwas anderes erwartet. Mir war nicht ganz klar, daß es hier nur um die Vorgeschichte der Protokolle der Weisen von Zion geht und gar nicht mehr darum, wie sie sich verbreiten werden und trotz erwiesener Unechtehit nicht totzukriegen sind... was natürlich auch auf die vorangegangenenn Publikationen zutrifft.

Vielleicht könnte man dem Buch beim zweiten Lesen noch mehr entnehmen, und wenn man sich die Zeit nimmt, über alle realen Personen und Zusammenhänge mal ganz genau nachzulesen. Es steckt eine Menge Interessantes drin. Trotzdem werde ich es kein zweites Mal lesen und finde auch nicht, daß es ein gutes Buch ist. Es hat zu sehr den Charakter einer reinen Aufzählung von Fakten, Legenden, Verschwörungstheorien, ohne daß ein innerer Zusammenhang, ein roter Faden entsteht. Ich hoffe ich kann mich verständlich machen. Mein Kommentar im Buchthread folgt demnächst.
« Letzte Änderung: 17. Januar 2012, 15:39:29 von kaluma »
Gespeichert
Ich lese gerade: Fred Vargas "Die Nacht des Zorns"

SLW 2012 Cover: 3/10 (gelesen 6/10)
SLW 2012 Brandaktuell: 4/5     Dick+dünn: 3/5 

Tammy1982

  • TAMKA-Vorstandsmitglied
  • Rezensententeam
  • *
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 1353
  • Leserunden-Junkie
Re: Umberto Eco - Der Friedhof in Prag
« Antwort #32 am: 17. Januar 2012, 23:23:26 »

Ich habe das Buch am Sonntag noch zuendegelesen.

Respekt!  :anbet: Ich hänge immer noch an dem Buch... Aber ich hoffe, ich schaffe es das Buch am Wochenende zu beenden!  :ohnmacht:

Liebe Grüße
Tammy  :winken:
Gespeichert
"Jeder der sich die Fähigkeit erhält, Schönheit zu erkennen, wird nie alt werden." (Franz Kafka)

Tammy1982

  • TAMKA-Vorstandsmitglied
  • Rezensententeam
  • *
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 1353
  • Leserunden-Junkie
Re: Umberto Eco - Der Friedhof in Prag
« Antwort #33 am: 22. Januar 2012, 14:11:53 »

Hallo Ihr Lieben,

man glaubt es nicht: ICH HABE ES GESCHAFFT!  :ohnmacht:

Ich tue mich wirklich schwer, hier meine abschließenden Worte zu verfassen und muss mir noch gut überlegen, wie meine Rezi aussehen wird. Interessant fand ich im Nachgang, dass mir klar geworden ist, dass das gesamte Buch die Entstehung der Protokolle von Zion behandelt. Irgendwie wäre dieser Punkt für mich auch besser gewesen, wenn der im Klappentext stehen würde.

Nach Beendigung des Buches habe ich mich dann erstmal über die Protokolle und die Dreyfuss-Affäre informiert und bin zum einen überrascht, wie detailliert Eco die Informationen zusammengefahren hat, andererseits aber auch enttäuscht, dass er so viele Seiten dieses Buches mit irgendwelchen Schauermärchen über die Freimaurer gefüllt hat, anstatt gerade die Affäre um Dreyfuss interessanter auszubauen.

Insgesamt bemängel ich auch, dass die Idee von Eco zwar gut ist, er sie aber sehr umständlich und anstrengend umgesetzt hat. Anstatt eine Aneinanderreihung von Fakten zu fabrizieren, hätte man den geschichtlichen Hintergrund doch interessanter und spannender gestalten können. Auch die Hauptfigur hat überhaupt gar nicht dazu beigetragen, dass mir das Buch besser gefallen hätte. Simonini bleibt bis zum Ende ein unaussprechliches A...loch und dass er am Ende wohl stirbt, hat mich persönlich nur erleichtert!

Alles in allem interessanter Stoff, aber die Umsetzung ist einfach miserabel! Daher bin ich einfach nur froh, dass ich das Buch endlich beendet habe.  :rollen:

Liebe Grüße
Tammy  :winken:
Gespeichert
"Jeder der sich die Fähigkeit erhält, Schönheit zu erkennen, wird nie alt werden." (Franz Kafka)

kaluma

  • Leserin & Vorleserin
  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 1390
  • Laxness-Fan
Re: Umberto Eco - Der Friedhof in Prag
« Antwort #34 am: 25. Januar 2012, 17:05:31 »

Hallo Ihr Lieben,

man glaubt es nicht: ICH HABE ES GESCHAFFT!  :ohnmacht:

Glückwunsch Tammy! Schön daß du es auch noch beendet hast!  :klatschen: :daumen:
Manchmal muß man einfach dran bleiben, auch wenn es schwierig ist, und ein Buch zuende lesen (vor allem wenn man einen Kommentar dazu abgeben will.  :zwinker: :breitgrins:)

Ich habe meine abschließende Meinung inzwischen auch endlich mal formuliert und die fällt ähnlich wie deine aus, Tammy.
Gespeichert
Ich lese gerade: Fred Vargas "Die Nacht des Zorns"

SLW 2012 Cover: 3/10 (gelesen 6/10)
SLW 2012 Brandaktuell: 4/5     Dick+dünn: 3/5 

tina

  • Hardcover-Fetischist und LukeDanesDADAistin
  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 3283
Re: Umberto Eco - Der Friedhof in Prag
« Antwort #35 am: 25. Januar 2012, 20:35:40 »

Schön, dass ihr es auch beendet habt. Ich kann Eure Meinung schon verstehen, denn ich muss gestehen, auch wenn ich das Buch sehr gut fand, so war ich doch erleichtert, als ich es zu Ende gelesen hatte. Es ist schwer zu verstehen und noch schwerer zu erklären, aber es keine einfache Lektüre.

Viele Grüße Tina
Gespeichert
Ein Optimist ist ein Mensch, der weiß, wie kompliziert die Welt sein kann - ein Pessimist entdeckt das jeden Morgen aufs neue
Sir Peter Ustinov

 :buecherstapel: Mein SUB

:leser:
Erenst Cline - Ready Player One
Doris Lessing - Und wieder die Liebe

Tammy1982

  • TAMKA-Vorstandsmitglied
  • Rezensententeam
  • *
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 1353
  • Leserunden-Junkie
Re: Umberto Eco - Der Friedhof in Prag
« Antwort #36 am: 26. Januar 2012, 18:08:47 »

Manchmal muß man einfach dran bleiben, auch wenn es schwierig ist, und ein Buch zuende lesen (vor allem wenn man einen Kommentar dazu abgeben will.  :zwinker: :breitgrins:)

 :breitgrins: Na, zum Glück hetzt uns Herr Eco nicht gleich einen Anwalt auf den Hals!  :elch:

Schön, dass ihr es auch beendet habt. Ich kann Eure Meinung schon verstehen, denn ich muss gestehen, auch wenn ich das Buch sehr gut fand, so war ich doch erleichtert, als ich es zu Ende gelesen hatte. Es ist schwer zu verstehen und noch schwerer zu erklären, aber es keine einfache Lektüre.

Nein, einfache Lektüre auf keinen Fall und ich denke, dass dem schwierigen Thema eine andere Umsetzung - vielleicht mit einer positiveren Hauptperson, mit der man eher mitleidet, als man sie einfach nur unmöglich findet  :rollen: - gut getan hätte. Aber das ist alles natürlich Geschmackssache!

Bin auf jeden Fall sehr froh, dass wir das Buch gemeinsam in einer Leserunde gelesen haben! Alleine hätte ich es wohl eher nicht beendet! :bussi:

Liebe Grüße
Tammy  :winken:
Gespeichert
"Jeder der sich die Fähigkeit erhält, Schönheit zu erkennen, wird nie alt werden." (Franz Kafka)

tina

  • Hardcover-Fetischist und LukeDanesDADAistin
  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 3283
Re: Umberto Eco - Der Friedhof in Prag
« Antwort #37 am: 26. Januar 2012, 19:19:51 »

Nein, einfache Lektüre auf keinen Fall und ich denke, dass dem schwierigen Thema eine andere Umsetzung - vielleicht mit einer positiveren Hauptperson, mit der man eher mitleidet, als man sie einfach nur unmöglich findet  :rollen: - gut getan hätte. Aber das ist alles natürlich Geschmackssache!

Ich weiß nicht. Ich habe das Gefühl, dass die Hauptperson genau so sein musste. Sie durfte keinerlei sympathische Eigenschaften haben, denn gerade durch Simonini und seine völlig emotionslose, egoistische Art, ist ansatzweise zu erklären, wie Rassisten geschaffen sind. Hätte er nur eine gute Eigenschaft, dann bekäme er Zweifel an seinem Handeln, aber Rassisten emfpinden kein Mitleid, sind egoistisch, engstirnig, arrogant und emotional unterentwickelt. Durch Simonini zeigt Ecco das Gesicht des Rassenhasses. So zumindest kam es mir vor.

Viele Grüße Tina
Gespeichert
Ein Optimist ist ein Mensch, der weiß, wie kompliziert die Welt sein kann - ein Pessimist entdeckt das jeden Morgen aufs neue
Sir Peter Ustinov

 :buecherstapel: Mein SUB

:leser:
Erenst Cline - Ready Player One
Doris Lessing - Und wieder die Liebe