Ein Bernhardiner in Alaska? Warum auch nicht 
Definitiv! Warum nicht?!
Inhalt:Buck führt ein angenehmes Leben auf einem amerikanischen Anwesen. Als Mischung zwischen Bernhardiner und einer Schäferhündin ist er eine stattliche Erscheinung, gesegnet mit Intelligenz und List. Auf dem Anwesen besteht sein Tagesablauf jedoch mehr daraus, faul in der Sonne zu liegen als etwas anderem.
Was Buck nicht weiss, ist dass in einem fernen und kalten Teil Amerikas Gold gefunden wurde und die jungen Leute in Strömen dorthin ziehen, um ihr Glück zu machen. Genau das wird Buck zum Verhängnis, das und die Spielsucht des Gärtners, der Buck nach Alaska verscherbelt.
Dort muss Buck lernen, dass das Leben auch hart sein kann. Muss realisieren, dass sein gemütliches und anschauliches Leben ein für alle mal vorbei ist. Buck akzeptiert dies und beschliesst, zu überleben. Alles zu überleben.
Meine Meinung:Wer bereits bei den Kampfkätzchen hart schlucken muss, der sollte die Finger von Jack Londons "Ruf der Wildnis" lassen. Denn während bei den Kampfkätzchen alles irgendwie erdacht ist und die Protagonisten vermenschlicht sind, so ist bei Jack London alles pure Realität. Das Leben, das Sterben. Vor allem das Sterben.
Die Geschichte wird auktorial erzählt, so wird Buck nicht vermenschlicht und dennoch erhalten wir einen guten Einblick in seine Sichtweise der Dinge. Buck lernt schnell, lernt, zu kämpfen, sich zu verteidigen, zu überleben. Das Leben in Alaska ist hart und wer zu schwach ist, der stirbt. Der stirbt schnell und auf brutale Weise.
Keine Sekunde zweifelte ich daran, dass das Leben eines Hundes zur Zeit des amerikanischen Goldrausches nicht so hätte sein können. Erst wurde Buck bloss als Ware behandelt, doch er findet fähige Führer, ein Team, arbeitet - nein, kämpft - sich hoch. Doch genauso schnell ist das Team ein anderes, die Führer nicht mehr fähig. Wird Buck ein letztes Mal Glück haben?
Während des Lesens und den lebhaften Beschreibungen Londons war ich wirklich oft den Tränen nahe. Das Leiden der Tiere und auch der Menschen, die sich die Kälte Alaskas antun, ist so plastisch beschrieben, dass ich Gänsehaut bekam. Gleichzeitig war ich von Bucks Stärke, seinem Mut, seinem unzerbrechlichen Willen beeindruckt. Welch ein Hund! Welch ein Held! Ein Held, der eigentlich gar keiner ist, weil er einfach nur ein Hund ist, der überleben will und seine Ziele gnadenlos verfolgt.
Obwohl ich es während des Lesens oft kaum aushalten konnte, wollte ich mich keine Sekunde von Jack Londons Erzählung trennen. Das Buch ist bloss 130 Seiten lang, ist jedoch so eindrücklich, dass man das Buch unmöglich einfach zuschlagen und vergessen kann. Noch immer denke ich an Buck uns seine Abenteuer zurück.
Es muss wohl stimmen, was über ihn gesagt wurde: Als Buck geschaffen wurde, ist die Form zersprungen.
Fazit: Jack Londons "Ruf der Wildnis" ist ein einzigartiges Leseerlebnis, das jedoch nicht für jeden Tierfreund geeignet ist. Das hier ist knallharte Wildnis, knallhartes Überleben, knallharte Realität.
Ich muss London lassen, dass er ein wahnsinnig talentierter Erzähler ist und man sich seinem Sog nicht entziehen kann. Jack London ist ein Autor, dessen andere Bücher ist definitiv auch noch lesen muss!


