Zwei Tage und das Buch war ausgelesen. Warum: Weil Marie Curies Leben spannend und einzigartig ist.
Barbara Goldsmith erzählt in ihrer Biogrpahie trocken, aber dennoch einfühlsam wie Marie gelebt hat. Von der Kindheit in Polen, die geprägt war von einem Vater der seinen Kindern nur das Beste geben wollte und sie daher zu Höchstleistungen anspornte. Der zweitbeste der ganzen Schule war der erste Verlierer und um den Vater nicht zu enttäuschen hängten sich die Kinder ganz schön rein und lernten schon damals bis zum Umfallen.
Da Maries Mutter sehr krank war und ihre Kinder daher nicht umarmen durfte wuchsen sie eher glücklos auf und diese Distanz gab Marie dann auch an ihre Kinder weiter. Gesten der Zuneigung konnte sie nie zeigen.
Besonders beeindruckt hat mich dann der Part nachdem sie Pierre Curie, ihren Mann, kennen gelernt hat und beide mit ihren Experimenten begannen. Und obwohl Marie nur als die Assistentin an der Seite ihres Mannes angesehen wurde, forschte sie eifrig weiter. Den ersten Nobelpreis 1903 für ihre Forschung bekam dann aber fast nur Pierre. Aber durch Interventionen bei der Akademie wurde sie in letzter Sekunde auch noch als Preisträgerin dazu geschrieben. Preisgeld bekam sie allerdings keines. Sie war ja nur eine Frau.
Und genau dieses "Nur Frausein" zieht sich durch ihr ganzes Leben. Keiner konnte sich vorstellen, dass diese Frau ein neues Element, Radium, entdeckt hatte. Nach dem Tod Pierres, der übrigens nicht in Zusammenhang mit seiner Forschung gebracht wurde, forschte sie allein weiter.
Und weil sie eine Frau war, wurde ihr eine Affäre mit einem verheirateten Mann fast zum Verhängnis. Man forderte sie sogar auf das Land zu verlassen und verweigerte ihr fast den zweiten Nobelpreis für Chemie 1911. Damit war sie die erste Person weltweit der zweimal der Preis zuerkannt wurde und die erste Frau sowieso. Der Mann übrigens, mit dem sie die Affäre hatte, wurde nie öffentlich angeprangert.
Zudem war mir bis dato nicht klar wie viele Wisssenschaftler damals an der Erforschung neuer Elemente beteiligt waren. Und auch die Curies traten in ständigem Wettstreit mit anderem um die ersten zu sein, die etwas Neues entdeckten.
Bevor ich mit dem Buch begonnen habe, machte ich mir Sorgen ob ich das ganze physikalische und chemische Zeugs verstehen würde, aber Goldsmith beschreibt es dermaßen einfach, dass sogar ein absoluter Laie versteht was sie meint. Aus heutiger Sicht erschreckend ist der Umgang mit dem neuen Element.
Marie und Pierre hatten an ihrem Bett ein Röhrchen mit Radiumsalzen stehen weil es so schön leuchtet. Und nachdem ein Freund ein Röhrchen mit der gefährlichen Substanz in seiner Westentasche herumtrug, bildete sich 15 Tage später genau an der Stelle ein Abdruck des Gefässes. Um zu sehen ob das stimmt, hielt Pierre seine Hand stundenlang unter Radium um dann zu sehen, dass es stimmt. Ihre beiden Finger wurden schwarz und taub, beide magerten extrem ab, aber keiner führte es auf diese Substanz zurück.
Woran das liegt weiß Goldsmith nicht. Gibt es doch Berichte darüber, dass sogar schon Pierre über die Gefährlichkeit von Radium referiert hat. Dennoch hielten es beide nicht für notwendig Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, ja nicht einmal Handschuhe hatten sie bei der Arbeit an.
Alles in allem denke ich, dass man erkennt, wie fasziniert ich vom Leben dieser Frau bin. Ich könnte noch stundenlang schreiben. Aber ich empfehle jedem, der mehr über diese Frau wissen will, dieses Buch zu lesen.
Katrin