Hab mir vorhin gedacht, ob man die Erzählung auch als Metapher für die "Gefahren" der gleichgeschlechtlichen Liebe lesen kann. Gerade die Beschreibungen, wie sie Carmillas körperliche Annäherungen einerseits positiv aufgeregt haben, aber andererseits abgestoßen, klingt wie so eine Verwirrung bezügl. sexueller Orientierung. Oder anders gefragt: Wieso ist Carmilla kein junger Mann?
Letzteres konnten sich bestimmt auch Vampire nicht aussuchen. Ich denke schon, dass die Erzählerin sehr verwirrt wegen ihrer Gefühle ist. Sexualität wurde damals in diesen Kreisen nicht so offen thematisiert und eine behütete Achtzehnjährige dürfte wenig Ahnung davon gehabt haben. Sie fühlt sich ganz offensichtlich angezogen von Carmilla, aber sie weiß nicht damit umzugehen. Ich glaube aber nicht, zumindest nicht zum jetzigen Zeitpunkt, dass es eine Metapher sein soll. Mal sehen, wie die Geschichte ausgeht, dann können wir den Gedanken ja nochmals aufgreifen. Vampirgeschichten waren zum Zeitpunkt des Erscheinens von
Carmilla ja schon nichts Neues mehr. Vielleicht wollte Le Fanu mit der gleichgeschlechtlichen Liebe mal frisches Blut

reinbringen. Eine spannende Mischung ist es allemal.
Im
5. Kapitel werden restaurierte Gemälde zurückgebracht und dabei wird ein Porträt von Carmilla entdeckt. Das ist schon seltsam, es würde bedeuten, dass sie früher ein Familienmitglied gewesen sein muss, das total in Vergessenheit geraten ist, was ich mit meinen Vorstellungen nicht ganz in Einklang kriege.
In einem Gespräch bemerkt die Erzählerin (wie heißt sie denn nun eigentlich?), dass sie glaube, Carmilla sei verliebt, worauf diese eine eindeutige Erklärung macht. So weit wären die Fronten eigentlich geklärt, fraglich nur, ob das unsere Erzählerin und ihr Vater auch so verstehen. In dem Zusammenhang stand der Satz "I started from her." Leider verstehe ich ihn nicht ganz. Kann jemand ihn übersetzen?
Im
6. Kapitel macht es Carmilla spannend, als sie ankündigt, bald ihre Geschichte preiszugeben. Als Leser weiß man ja schon mehr, aber ich bin trotzdem sehr neugierig, was sie berichten wird. Ist sie selbst ein Opfer, das sich seinem Schicksal ergeben muss oder genießt sie ihre Macht?
Die Erzählerin hat einen weiteren Traum, der sehr real erscheint. Ich vermute, sie wurde in den Club der Vampire aufgenommen. Warum macht sich eigentlich niemand wirklich Gedanken über die Todesfälle in der Umgebung? In der informationsarmen Zeit damals müssen doch schnell Gerüchte entstanden sein und die Runde gemacht haben. In Kombination mit dem scheinbar unerklärlichen Porträt sollte doch irgendjemand misstrauisch werden? Es kann mir keiner erzählen, dass wirklich niemand über das Leben der früheren Burgbewohner Bescheid weiß.