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Autor Thema: [Botsuana] Unity Dow – Die Beichte  (Gelesen 41 mal)

Aldawen

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[Botsuana] Unity Dow – Die Beichte
« am: 10. Dezember 2011, 13:11:46 »

   Autor: Unity Dow
Titel: Die Beichte
Originaltitel, Jahr: The Screaming of the Innocent, 2002
Übersetzung aus dem Englischen: Berthold Radke
Verlag: btb
ISBN: 3-442-73139-9
Ausgabe: Taschenbuch
Seiten: 283

Inhalt: Drei Männer, ein erfolgreicher Geschäftsmann, ein Häuptling und ein stellvertretender Schuldirekter schmieden einen Plan, der etwas mit dem Mädchen Neo zu tun hat, das sie als „Lamm ohne Fell“ bezeichnen. Fünf Jahre später kommt Amantle Bokaa im Rahmen eines Regierungspraktikums an die Krankenstation von Gaphala. Beim Aufräumen eines Lagerraums findet sie einen Karton mit blutgetränkten Mädchenkleidern. Schnell ist klar, daß diese der vor fünf Jahren spurlos verschwundenen Neo Kakang gehört haben. Die Suche nach dem Mädchen hatte damls nichts ergeben, die Polizei hatte den Fall abgeschlossen und das Kind zum Opfer von Löwen erklärt. Die Bewohner des Dorfes waren sich immer schon sicher, daß ein Ritualmord hinter der Sache steckte. Amantle schlägt sich auf die Seite der Dorfbewohner und überzeugt eine Freundin, die als Anwältin arbeitet, sich gleichfalls zu engagieren. Nervosität breitet sich nicht nur bei der örtlichen Polizei aus, denn einen Aufruhr kann niemand gebrauchen, der mit den Ereignissen von damals in Verbindung steht ...


Meine Meinung: Auch wenn Unity Dow, übrigens erste weibliche Bundesrichterin Botsuanas und selbst sehr in der Verbesserung der Frauenrechte in ihrer Heimat engagiert, hier die vordergründige Form eines Kriminalromans gewählt hat, so erzählt sie doch viel mehr von Machtstrukturen, von Traditionen, die nicht so ohne weiteres abgelegt werden, von Aberglauben, der in einer teilweise analphabetischen Gesellschaft mit den sich daraus ergebenden Informationsdefiziten, leichter Opfer findet. Daß Ritualmorde zur Gewinnung von traditioneller „Medizin“ (dipheko) passieren, weiß hier im Grunde jeder. Aber aus Angst, selbst verhext zu werden, gehen die Polizeibeamten dem praktisch nie nach, denn man legt sich einfach nicht mit mächtigen Männern an, die durch dipheko geschützt sind. Auch die Dorfbewohner, die zwar mit der Mutter mitleiden, wissen nicht, wie sie eine Ermittlung durchsetzen können, die diesen Namen auch verdient. Die Kleidungsstücke waren ein paar Tage nach dem Verschwinden von Neo von einem Dörfler gefunden und bei der Polizei abgegeben worden, dort aber schon kurz darauf aus dem Safe für die Beweisstücke ihrerseits verschwunden. Daß die Kleider wieder auftauchen, bringt dementsprechend eine ganze Reihe Männer ins Schwitzen.

Unity Dow zeichnet hier kein sehr schönes Bild von Botsuana und insbesondere nicht von den herrschenden Männercliquen, die sich gegenseitig schützen und Frauen und Kindern nach Belieben glauben benutzen zu können. Nicht umsonst ist es mit Amantle eine junge, engagierte und gut ausgebildete Frau, die nach dem obligatorischen Praktikum ein Medizinstudium anstrebt, die hier die Führungsrolle in der Auseinandersetzung zwischen Dorfbewohnern sowie Polizei und Staatsmacht einnimmt. Sachkundige Unterstützung erhält sie von anderen Frauen gleicher Art: ihre Freundin Boitumelo, die Rechtsanwältin, Nancy, eine englische Praktikantin in Boitumelos Kanzlei, und Naledi, die ihre Karriere bei der Staatsanwaltschaft für diese Angelegenheit opfert. Dows Botschaft ist damit eigentlich sehr klar, trotzdem wirkt sie im Gesamtkontext der Erzählung weder aufgesetzt noch holzhammermäßig, sondern einfach folgerichtig: Wenn Männer nicht willens oder in der Lage sind, an diesen Zuständen etwas zu ändern, dann müssen es eben die Frauen tun. Das Ende mag unbefriedigend sein, ist aber unter diesen Bedingungen das einzig konsequente: Den vier Frauen wird in einer Beichte enthüllt, was vor fünf Jahren passierte und wer daran beteiligt war – Gerechtigkeit folgt daraus noch lange nicht.

  5ratten + :tipp:

Schönen Gruß
Aldawen
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Kinywa ni jumba la maneno.
Der Mund ist der Palast der Worte. – Sprichwort aus Ostafrika