Hallo ihr Lieben!
Wer die Leserunde mitgemacht oder -verfolgt hat, weiß ja, was jetzt kommt. Ich möchte vorausschicken, dass es mir wirklich sehr, sehr Leid tut. Ich habe Splitterherz so gerne gelesen und fand es eine außergewöhnlich gute Geschichte, die wunderschön erzählt wurde. Dass in Scherbenmond schon kaum mehr etwas davon zu sehen war, konnte ich noch verkfraten, hat mich doch die Hoffnung getrieben, dass der letzte Band und somit Abschluss dieser Nachtmahr-Trilogie, alles wieder wettmacht. Leider wurde es nur noch schlimmer.
Die Ich-Erzählerin Ellie ist das gesamte Buch über unerträglich. Sie zickt, sie ist unreif, sie entwickelt sich sogar zurück. Da hat sie doch am Ende von Band 1 ihre Angst überwunden und ist ein Stückchen erwachsener geworden, aber davon merkt man hier gar nichts mehr. Im Gegenteil. Ihr Benehmen mag Gründe haben, aber so etwas kann man auch anders schreiben. Nämlich so, dass man als Leser - ohne die Lösung zu kennen - mit der Protagonistin mitfühlt. Bei Ich-Erzählern ist es nochmal wichtiger, dass man zumindest eine kleine Beziehung zur Heldin aufbaut. Sonst kann man sich das ganze Buch sparen, wenn einem egal ist, was mit Ellie passiert und wie es ihr geht. Leider ging es mir 780 von diesen 800 Seiten so.
Der Schreibstil selbst hat auch arg nachgelassen. Während in Band 1 noch schöne, blumige aber nicht kitschige Sprache verwendet wurde und ich das Gefühl hatte, Bettina Belitz kann schreiben, sie weiß was sie macht, hat man auch hier schon den Verfall in Band 2 gespürt. Band 3 ist ein wahres Wrack. Wenn Gefühle beschrieben werden, artet das meist in endlos langem, zähen Kitsch aus. Die Autorin versucht, ihre Charaktere jugendlicher oder frischer wirken zu lassen, indem sie sie seltsame Wortkonstruktionen verwenden lässt. Wenn Ellie von "chilliger" Musik spricht, dann kann man sich das vielleicht gut in der echten Welt vorstellen, aber die Charaktere in diesem Buch reden sonst nicht wie echte Menschen. Es ist ein Roman. Und diese eingesträuten, wanna-be-modernen (jetzt tu ich's auch!) Wörter haben mich jedesmal gestoppt und gestört. Es muss schon eine gewisse Kontinuität geben.
Womit wir auch beim dritten Punkt wären: Kontinuität. Ich glaube nicht - egal, was Frau Belitz behauptet - dass von vornherein geplant war, eine Trilogie zu schreiben. Dazu ist Band 1 viel zu unabhängig von allem, was danach kommt. Band 2 und 3 haben eine gemeinsame Handlung, einen Bogen (wenn auch nicht sonderlich spannend). Es wurden aus Band 1 einfach nur die Charaktere übernommen. An Handlung ist in den Folgebänden generell nicht viel vorhanden, Dornenkuss aber beeindruckt fast mit einer Handlung, die vermutlich auf 70 Seiten Platz gefunden hätte.

Die Charaktere - sofern sie überhautp erwähnt werden in diesem Ellie-Egomanietrip - treten nur kurz auf, sagen klischeehafte Dinge oder treten nur am Rande als stille Beobachter auf. So spricht Paul im gesamten Buch vielleicht 15 Sätze. Tillmann ist schweigsam und mit ihm pappt uns Frau Belitz auch noch eine riesige Moralpredigt aufs Auge, dass meine Augen so lange rollen ließ, dass ich Angst hatte, sie würden mir stecken bleiben.

Wie in Band 2 die "Schwuletten"-Aussage, so kommt hier wieder die Drogenpredigt (die ja auch in Scherbenmond schon erwähnt wurde) zum Einsatz. Wenn man so eine Message rüberbringen möchte, muss man auch gut schreiben können. Hier winkt leider nur der überdimensionale Zeigefinger. Schade.
Für mich war dieses Buch fast nur gezeichnet von Langeweile, Charakteren, um die ich mich nicht mehr schere und keinerlei Handlung, Spannung oder Zusammenhang zu irgendetwas, das in Splitterherz begonnen hätte. Die paar offenen Fragen und Pläne werden so schnell abgehandelt, dass man sich fragt, wieso sich die Autorin überhaupt die Mühe gemacht hat ein Buch zu schreiben. Eine Twitter-Nachricht hätte es auch getan. Und bei gewissen Fragen machte sie es sich so leicht, dass ich persönlich (zu diesem Zeitpunkt eh schon sehr, sehr voreingenommen) es für billig und faul hielt, sich so aus der Affäre zu ziehen. Wenn man eine Idee anfängt und dann nicht mehr weiterweiß, kann man sich als Autor doch nicht einfach so rausschummeln!

Ich meine die Sache mit Leo. Das ging über 2 Bücher und dann kommt einfach raus: Oh ja, der ist längst tot. Ups! Brauch ich nix mehr zu schreiben, mir keine spannenden Dinge auszudenken, ist halt so. Jetzt lassen wir Ellie 100 Seiten lang in Schmerzen ihrem Gefühlsfluss nachgehen.
Allein das Schreiben dieser Rezi hat mich gerade total wütend gemacht. Was für eine Zeitverschwendung.
Ich sage es nochmal: Ich möchte niemandem auf die Füße treten, der das Buch mochte. Ich bin halt mit gewissen Erwartungen herangegangen und habe vor allem im letzten Jahr (auch wegen Schatz, der viel übers Schreiben liest) ganz andere Arten gelernt, ein Buch zu lesen. ich kann über vieles hinwegsehen, wenn mich das Buch unterhält. Dann dürfen gerne auch die Charaktere mal doof sein oder sich komisch benehmen. Aber dieses Buch war eine Qual.
Fazit: Ich bin unglaublich enttäuscht und werde nie wieder ein Buch von Bettina Belitz anfassen.
gibt's für das Ende, das doch noch eine kleine Überraschung bereithielt und bei dem gaaaanz sachte die alte Bettina Belitz von Scherbenmond durchgeglitzert hat.
Liebe Grüße,
Wendy