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Autor Thema: Pierre Boulle – Die Brücke am Kwai  (Gelesen 65 mal)

Aldawen

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Pierre Boulle – Die Brücke am Kwai
« am: 03. Dezember 2011, 12:42:42 »



Inhalt: Im Zweiten Weltkrieg lassen die Japaner u.a. von alliierten Kriegsgefangenen eine Eisenbahnlinie durch Thailand und Burma bauen. Im Arbeitslager am Kwai-Fluß kommt es zu einer Auseinandersetzung zwischen Lagerkommandant Oberst Saito und dem britischen Oberst Nicholson, denn letzterer besteht auf der Einhaltung kriegsrechtlicher Vereinbarungen, die die Offiziere von körperlicher Arbeit freistellen. Saito versucht, die Offiziere zur Mitarbeit zu zwingen, aber diese weigern sich und die Mannschaften sabotieren derweil den Bau, so gut sie können. Um sein Gesicht nicht zu verlieren und den Bau der Brücke nicht zu gefährden, lenkt Saito schließlich ein. Nicholson und seine Offiziere übernehmen die Leitung über die Bautrupps und konstruieren mit den Soldaten eine sehr viel bessere Brücke, als die Japaner erwartet hätten. Alle setzen ihren Ehrgeiz darein, den Japaner ihre Leistungsfähigkeit und technische Überlegenheit zu beweisen, Nicholson selbst betrachtet das Projekt zudem als nützlich zur Aufrechterhaltung von Disziplin und Moral. Währenddessen bereitet ein Kommando einer britischen Spezialeinheit die Sprengung der strategisch wichtigen Brücke vor ...


Meine Meinung: Lange habe ich jetzt überlegt, in welche Kategorie ich es überhaupt einsortieren soll. Mit einiger Berechtigung könnte man es als historischen Roman betrachten, denn die zugrundeliegenden Ereignisse sind es, auch wenn Boulle hier, besonders im Hinblick auf das Ende des Romans, stark fiktionalisiert. Legt man den Schwerpunkt der eigenen Betrachtung eher auf die Vorbereitungen zur Sprengung der Brücke, dann ist es in dieser Abenteuerkategorie sicher gut aufgehoben, denn was der Drei-Mann-Trupp des Sprengkommandos auf sich nimmt, paßt gut unter dieses Motto. Wegen dieser verschiedenen Aspekte hatte ich tatsächlich auch überlegt, es gleich in die Sonstige Belletristik zu packen, aber letztlich gefällt es mir hier dann zwar nicht wirklich gut, aber immer noch am besten. Und für diejenigen, die den Film kennen, gleich noch ein Hinweis: Es gibt erhebliche Unterschiede zwischen beiden, so daß die Lektüre durchaus zu überraschen vermag.

Die vorrangige Handlungsebene sowohl des Brückenbaus wie auch der parallel betriebenen Sprengung laufen auf einen spannenden Höhepunkt zu, was sich zum einen aus der schlichten zeitlichen Koordination ergibt, zum anderen aus der Personenkonstellation. Oberst Nicholson ist sehr stolz darauf, wie es ihm gelungen ist, nicht nur seine Leute, soweit das Klima, mangelhafte Ernährung und Hygiene und allgemeine Belastung zulassen, bei der Stange zu halten, sondern dabei zugleich auch noch ein Beispiel für die, wie er es sieht, überlegene Moral und Arbeitskraft sowie den „zivilisatorischen Vorsprung“ Europas gegenüber Japan zu liefern. Die Brücke wird damit zu einem sehr persönlichen Symbol des Erfolges und weit mehr als ein Produkt von Zwangsarbeit. Daß ausgerechnet dieses Wunderwerk britischer Arbeitsleistung durch die eigenen Leute aus taktischen Gründen zerstört werden soll, entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie und diese trägt maßgeblich zum Showdown bei.

Gerade die Haltung von Oberst Nicholson gegenüber seinen Untergebenen wie auch der Umgang mit der Aufgabe ziehen eine weitere Ebene in den Roman ein, denn man muß sich schon fragen, ob militärische Pflichterfüllung, wie Nicholson sie hier vorlebt, nicht ad absurdum geführt wird. Kann und soll man von einem hohen Offizier nicht mehr Denken außerhalb dieser Kategorien erwarten? Und was wäre die Konsequenz davon gewesen – sowohl im Hinblick auf das Projekt selbst als auch auf die Mannschaften? Die Entscheidung ist sicher schwierig, gerade auch wegen der extremen äußeren Bedingungen, die ohnehin nur wenig Spielraum lassen, und ich bin froh, daß ich vor einer solchen nicht stehe. Argumente kann ich mir sowohl für Nicholsons Verhalten, wie es hier dargestellt wird, wie auch für das Gegenteil zurechtlegen. Gerade daraus bezog die Lektüre auch einigen Reiz. Es hätte aber für meinen Geschmack gerne entweder ausführlicher um die psychologische Komponente bei allen Beteiligten gehen dürfen (dann wäre es aber sicher nicht mehr unter Abenteuer gelandet) oder der abenteuerliche Anteil hätte ausgiebiger ausfallen dürfen (hier bleibt doch vieles kurz und nüchtern), so daß es für die richtige Begeisterung an keiner Front reicht.

 3ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:

Schönen Gruß
Aldawen
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Kinywa ni jumba la maneno.
Der Mund ist der Palast der Worte. – Sprichwort aus Ostafrika