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Autor Thema: [Ruanda] Barassa - Remote Dawn  (Gelesen 50 mal)

Saltanah

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[Ruanda] Barassa - Remote Dawn
« am: 23. November 2011, 21:06:08 »

Buchvorstellung durch den Verlag

Die junge Ruanderin Bwiza hatte keinen leichten Start ins Leben. Innerhalb kurzer Zeit verliert sie als Kind erst den Vater und dann die Mutter. Zwar würden Nachbarn sich gerne um sie und ihren kleinen Bruder kümmern, aber da sie selbst 5 Kinder haben, reicht das Geld nicht, um zwei weitere Mägen zu füllen - geschweige denn den Schulgang zu finanzieren - und so landen die beiden Geschwister im Waisenhaus. Nicht der schlechteste Ort, stellt sich heraus, denn dort kümmern sich "Mütter" liebevoll um ihre Zöglinge, bis sie an Adoptiveltern vermittelt werden können.
Bwiza ist dort also glücklich, stimmt einer Adoption aber doch zu, unter der Voraussetzung, dass ihre neuen Eltern ein wenig später auch den Bruder mit aufnehmen. Dieses Versprechen halten sie aber nicht und als Bwiza nach 2 Wochen zum Waisenhaus zurückkehrt, findet sie den Bruder schwerkrank vor. Vor Kummer, glaubt sie, aber auch nach ihrer Rückkehr genest er nicht, sondern stirbt schließlich.
Trauer und schlechtes Gewissen lassen Bwiza in eine tiefe Depression und einen völlig apathischen Zustand verfallen, aus dem sie erst nach Monaten wieder auftaucht. Nur, um einem neuen Schicksalsschlag versetzt zu bekommen: Ihre Adoptiveltern behandeln sie wie eine Aussätzige und die aufmerksame Leserin vermutet schon, wieso.
Bwiza selbst erfährt den Grund erst, nachdem sie ins Waisenhaus zurückgeschickt wird: Sie ist HIV-positiv, vermutlich schon im Mutterleib angesteckt, und an AIDS sind Eltern und Bruder gestorben. Noch einmal wird sie adoptiert, von einem älteren, wohlhabenden Ehepaar, das Kinder und Enkel während des Genozids 1994 verloren hatte. Sie kümmern sich liebevoll um Bwiza, tun alles für ihr körperliches wie auch seelisches Wohlbefinden, aber trotzdem hat Bwiza Schwierigkeiten, sich mit ihrer Erkrankung abzufinden. "Warum gerade ich? Wieso kann ich kein normales Leben wie alle anderen führen?" Richtig akut werden diese Fragen, als sie sich Hals über Kopf in Wilson, einen sehr netten jungen Mann, verliebt und auch dieser Gefallen an ihr findet. Aber wie soll sie ihm es sagen, und wie wird er darauf reagieren? Hat Bwiza eine Chance auf ein glückliches Zusammenleben mit ihm?

Dieser 125 Seiten kurze Roman der jungen ruandischen Autorin Barassa ist schon ihr drittes Buch, das bei dem schwedisch-ruandischen Verlag Real Africa Books erschienen ist. Sie nimmt sich schwieriger Themen an, die aber von großer Relevanz in ihrem Heimatland sind. "Victory - a Story about a Young Boy" handelte von dem Völkermord an den Tutsi, sowie der folgenden Jahre und hier geht es also um die grassierende AIDS-Epidemie mit ihren Folgen. Kinder verwaisen früh, sind vielleicht gar selbst infiziert und müssen so unter schwierigen Bedingungen ein eigenes Leben aufbauen.
Leicht ist das wirklich nicht, und Barassa beschreibt deutlich die Probleme mit denen ihre Protagonistin konfrontiert wird. Dabei lässt sie ihr aber immer wieder auch Hilfe zukommen und genau hier setzt ein Teil meiner Kritik am Buch an: Es gibt einfach zu viele Menschen, die sich als "Schutzengel" aufopferungsvoll um Bwiza kümmern, die wiederum selbst für andere zu einem solchen wird. Die unvorstellbare psychische Belastung, der Bwiza ausgesetzt wird, wird zu einfach überwunden und das Ende ist einfach zu zuckersüß. Das ist natürlich von Barassa so gewollt - in einem Interview sprach sie davon, mit ihren Romanen Hoffnung machen zu wollen - es endet mir aber doch ein wenig zu sehr in einer "heilen Welt", obwohl die Welt ja gerade alles andere als heile ist.
Auch sprachlich bin ich nicht hundertprozentig von dem Buch überzeugt. Das Englisch ist doch sehr einfach und nicht immer völlig korrekt - was aber auch auf einen anderen, afrikanischen Sprachgebrauch zurückzuführen sein kann.
Positiv zu Buche schlagen aber die offene Auseinandersetzung mit schwierigen Themen und die Darstellung mir ganz fremder Lebensbedingungen, denen Menschen anderswo ausgesetzt sind. Das machte die Lektüre interessant und mit ein wenig Nachsicht dem Happy End gegenüber kann ich doch starke
3ratten vergeben.
« Letzte Änderung: 24. November 2011, 21:27:26 von Saltanah »
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