Gestolpert bin ich bereits bei der Widmung. Meinen Bonussöhnen ... Ich leb wahrscheinlich mal wieder hinterm Mond. Sind Bonussöhne, ähm es gibt sicher auch Bonustöchter, Stiefsöhne oder Pflegesöhne oder nicht eigene Kinder in Patchworkfamilien oder wie?
Das sind seine Stiefsöhne. Und nein, du lebst nicht hinter dem Mond, das ist nur die typische Sprache des Autors.

Also ich bin bis und mit Kapitel 12 durch.
Das fängt ja schon so toll an, den Prolog finde ich wieder einmal absolut genial. Da führt er uns in allem Detail diese friedliche, erwartungsvolle Stimmung vor Augen, erklärt dabei, dass unter keinen Umständen irgendetwas passieren darf, nur um dann beiläufig zu erwähnen, dass gleich etwas passieren
wird.

Ich weiss nicht, wie dieser unglaubliche Spannungseffekt dabei entsteht, aber es funktioniert. Wie ich den Autor zu kennen glaube, werden wir wohl auch bis am Schluss auf die Auflösung warten müssen.
Dasselbe tut er übrigens bei der Geschichte um Jerry. Er erzählt uns, was passiert und erwähnt dabei immer wieder, dass es hätte anders kommen können. Und am Ende heisst es: Aber so ist es nunmal und vielleicht hätte es gar nicht anders kommen können. Das wird einem so lange vorgegaukelt, bis man es glaubt und dann wird man mit einem Schlag auf den Boden der Realität zurückgeholt und es wird einem wieder bewusst, dass es eben nicht anders gekommen ist.
Überhaupt bin ich jetzt schon völlig hin und weg. Ich dachte ja bisher bei jedem Buch von ihm, besser ginge es nicht mehr, und was macht der Gott Ajvide Lindqvist dann? Er legt noch einen drauf!

Ich muss schon sagen, das ist ganz schön schwere Kost, was da in Lennarts Familie abgeht, da wirkt der Horror-Faktor singendes Baby gleich wie eine Auflockerung. Besonders eingefahren ist mir die Szene als
Lennart Laila das Knie zertrümmert.
Wäh, ich konnte fast nicht einschlafen, weil ich Angst hatte, dass da gleich jemand in meine Wohnung spaziert kommt.
Schlimm finde ich auch, dass ich Lennart trotz allem, was er da so tut, immer noch sympathisch finde. Irgendwie kann ich mich ein bisschen mit ihm identifizieren. Laila finde ich auch ganz furchtbar, aber dann wiederum, wenn man ihre Geschichte kennt, kann man sie eigentlich nur bemitleiden. Und dieser Jerry.

Was mir auch auffällt, ist, dass wir schon wieder völlig Ajvide Lindqvists typischen Stil vor uns haben.

Er porträtiert Menschen, die Macken haben, sich absolut daneben benehmen, denen es auf Deutsch gesagt beschissen geht und die jeden Tag mit ihren Problemen kämpfen müssen. Ganz normale Leute also. Er beschönigt nichts und zeigt die Schattenseiten unsererer Existenz auf. Dies wird meiner Meinung nach besonders deutlich an der Stelle, an der erklärt wird, warum Laila und Lennart überhaupt noch zusammen sind. Das hat so etwas Bedrückendes an sich, weil das ja auch vorkommt. Es ist nicht immer alles schön und perfekt und die Charaktere im Buch widerspiegeln das. Und dann das Baby, das diese neue Chance darstellt...
Ich frage mich, wer das Kind entsorgt hat und ob das eine Bewandtnis hat oder ob das wieder so ein ungreifbares "es ist jetzt einfach so"-Ding ist.