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Autor Thema: James Meek - Die einsamen Schrecken der Liebe  (Gelesen 471 mal)

kaluma

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Re: James Meek - Die einsamen Schrecken der Liebe
« Antwort #30 am: 25. November 2011, 13:22:23 »

Leider hatte ich gestern keine Gelegenheit, an den PC zu kommen, daher habe ich die Zeit zum Lesen genutzt und bin nun auch mit dem Buch fertig!
Hier kommt schonmal der erste Teil meiner Kommentare, der Rest (aus Zeitmangel) folgt später.

Draußen

Jetzt wissen wir also, was in dem Päckchen ist, das Samarin anfangs weggeworfen hat.  :entsetzt:

Offenbar hat er dem toten Soldaten die Hand abgeschnitten, um den Eindruck zu erwecken, der (hypothetische?) Mohikaner hätte diese gegessen. So ganz klar ist mir das allerdings trotzdem nicht geworden: Wäre es nicht viel naheliegender gewesen, die Pferde zu essen?

Doch jemand hat diese Pläne durchkreuzt - der Albino-Gehilfe des Schamanen ist hier unterwegs. Offenbar hat er Samarin beobachtet und die Hand wieder ausgegraben.

Mutz, Nekovář und Brouček sind ja nun ein eine ziemlich auswegslose Situation geraten. Brouček und Nekovář erweisen sich als sehr kameradschaftlich.


Höhere Ziele

Höhere Ziele
Ich glaube, hier hat Samarin sich selbst verraten. Das was er hier faselt, klingt wie eine Selbstrechtfertigung.
Das sehe ich auch so. Samarin will sich rechtfertigen, und zeigt dabei erheblichen Größenwahn: er als Revolutionär, dessen Wirken eine bessere Welt schaffen wird, und dafür soll dieser eine Mensch, der gegessen wird, geopfert werden... :vogelzeigen: Nur, dass man diese beiden Dinge nicht so kausal miteinander verknüpfen kann.

Auch Samarin weiß sehr gut, wie man Menschen manipuliert.

Sein Einwand, dass es auch nicht besser als Kannibalismus ist, wenn man Menschen als Kanonenfutter in den Krieg schickt, wohl wissend, dass sie getötet werden, ist allerdings zumindest bedenkenswert. Hier blitzt mal ganz kurz etwas mehr Tiefe im Buch auf, die Annäherung an wirklich philosophische Fragen. Leider wird das gleich wieder abgetan und nicht weiter ausdiskutiert.

Der Moment, als Anna plötzlich hinter Samarins Fassade schauen konnte, war schon gänsehauterzeugend. :entsetzt: Nur schade, dass sie die Warnung ignoriert hat.


Der Awachi

Tja hier haben wir nun den Beweis -
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Die Aussage des Albinos glaube ich sofort, denn er hat gar keinen Grund  zu lügen.


Gesänge

Auch ich fand es sehr aufschlußreich, hier etwas mehr über Mutz zu erfahren. Das weitet den Blick und gibt der Figur und dem Buch Tiefe. Ich muß zugeben, dass das Buch mir inzwischen wesentlich besser gefällt als am Anfang.

Die Roten

Mutz will also mit den Roten verhandeln. Zum Glück ist er intelligent genug, zu erkennen, dass die Tschechen sich in Jasyk in einer aussichtslosen Lage befinden und dies die einzige Möglichkeit ist, ein Blutvergießen zu verhindern, das Mutz und die Vernünftigen unter den Tschechen nicht wollen.

Nur leider sind die Roten ziemlich stur und am Ende des Kapitels sieht es für Mutz und Nekovář recht aussichtslos aus...

Kannibalen

Endlich reden Anna und Samarin mal wieder etwas tiefgründigere Dinge! Annas Sichtweise auf die Kastration unterscheidet sich erheblich von der der Kastraten selbst. Und Samarin will nun
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gewesen sein, und das gefällt Anna besser als die politische Variante?? Finde ich persönlich ziemlich absurd. Die Frau, die er unbedingt wiedersehen wollte, ist dann wohl Katja.


Im dunklen Himmel

Balaschow hat eine Vision von einem brennenden Schwert, das ihm von Jesus überreicht wird. Was das sollte, konnte ich zunächst wieder gar nicht zuordnen.

Die Kastraten haben 2478 Rinder im Wald versteckt?  Wie haben sie das denn geschafft, ohne dass es den Tschechen aufgefallen ist.

Und Balaschow versteckt ein Pferd. Interessant. Hat er also doch noch etwas aus seinem alten Leben herübergerettet - die Liebe zu Pferden.


Bei Mutzens Hinrichtung

Bei dieser Überschrift standen mir erst mal die Haare zu Berge! :entsetzt: Doch dann findet Nekovář in letzter Sekunde einen Ausweg und verhält sich wieder sehr kameradschaftlich  :knuddel:- er repariert den Telegraphen nur, wenn die Russen auch Mutz am Leben lassen... Mutz scheint doch unter den Soldaten anerkannt zu sein, zumindest unter einigen.

Ich muß weiter vorne noch mal nachlesen, was es mit den Ereignissen in Staraja Krepost auf sich hat. Ich weiß nur noch, dass Mutz Matula dabei durch einen Luftröhrenschnitt das Leben gerettet hat... Wenn  es einen Film darüber gibt, muß das ja eine größere Sache gewesen sein.

Die Information  über die Frolow-Expedition und die wahren Zusammenhänge um den Weißen Garten war ja wirklich sehr aufschlußreich! So langsam fügt sich einiges zusammen.

Wie schnell die Handlung von sehr bedrohlich zu witzig umschlagen kann! Der Vorname Melort - darüber mußte ich wirklich grinsen.  :breitgrins: Und dann ist es doch ein Mädel... Welch Glück für das Kind.  :zwinker:

Und wieder herrscht Willkür: in letzter Sekunde kommt das Telegramm,
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kaluma

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Re: James Meek - Die einsamen Schrecken der Liebe
« Antwort #31 am: 25. November 2011, 13:31:49 »

Am Ende wird es noch mal etwas spannend, es gibt einige Antworten auf ungelöste Fragen, trotzdem bin ich nicht restlos überzeugt.
Geht mir ähnlich!

Ein wenig seltsam fand ich, dass die Russen schon das Massaker von Staraja Krepost verfilmt haben. Das ist doch noch gar nicht so lang her und schon gibt es einen Film darüber? :gruebel:
Ach, ein Propangandafilm ist in der Regel schnell gedreht... Vielleicht muß man sich das so wochenschauartig vorstellen, einen Bericht vom Schauplatz, mit ein paar nachgespielten Szenen. Und ganz sicher lief der Film nicht im Kino, sondern wurde nur in den entsprechenden Militärkompanien gezeigt.



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yanni

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Re: James Meek - Die einsamen Schrecken der Liebe
« Antwort #32 am: 25. November 2011, 23:44:22 »

Ich bin auch durch damit.

Gesänge
Einerseits fand ich es schön etwas mehr über Mutz zu erfahren, andererseits hat es mich doch gestört, dass Anna Samarin so bereitwillig alles erzählt.

Die Roten
Ein Satz in diesem Kapitel hat sich regelrecht in meinem Kopf festgesetzt.
Zitat
Soweit Mutz informiert war, stritten die, die einmal die Idee besessen hatten, immer noch über das Wesen der Idee, und das würde sich die Idee, nachdem sie nun selbst Menschen, Panzerzüge und Land gesaß, wohl nicht lange bieten lassen.
Das lässt die Schrecken erahnen, die die Idee noch über ihre Anhänger bringen wird.

Dazu passt dann auch der bereits zitierte Satz, dass die Revolution keine Verwendung für die beiden Tschechen hatte, die bereits erschossen worden waren.

Dass Mutz immer schon ein Stück weiterdenkt, zeigt sich darin, dass er statt die anderen vor dem Ansturm der Roten zu warnen, versucht mit ihnen zu verhandeln, um so viele Leben wie möglich zu retten. Im Moment sieht es allerdings nicht so rosig aus.

Kannibalen
Hier nimmt Anna klar Stellung zu den Kastraten. Dass sie Samarins Meinung die Kastraten seien ein Zeichen der Hoffnung nicht teilt, ist gut zu verstehen.
Dass sie diese Art des Kannibalismus aus Gründen der Liebe eher gutheißt als aus politischen geht mir nicht recht in den Kopf. Sie erscheint mir immer egoistischer in ihrer Handlungsweise.

Im dunklen Himmel
Balaschow ist von Selbstzweifel geplagt. Er hat also eingesehen, dass man mit einem Messerstreich die Liebe nicht töten kann. Es ist halt doch nicht so leicht ein Engel zu sein.
Was diese Vision zu bedeuten hatte, kann man nur erahnen. Will sein Unterbewußtsein ihm mitteilen, dass er seine Frau und seinen Sohn gegen die Feinde verteidigen soll?

Dass sie so viele Tiere im Wald versteckt haben sollen, hat mich recht überrascht. 2478 sind keine kleine Herde. Das kann ich mir gar nicht vorstellen. Allerdings frage ich mich, ob alle von Balaschows Pferd wissen. Die Tschechen sicher nicht. Also ist er doch nicht so ganz seinem alten Leben entwachsen.

Bei Mutzens Hinrichtung
Ein paar Momente glaubte ich echt, dass Mutz und seine Begleiter hier ihr Ende finden. Da habe ich die Rechnung ohne den begabten Heimwerker gemacht!  :smile:
Dass die Russen bereits einen Film über das Morden in Staraja Krepost gedreht haben sollen, klingt schon etwas unwahrscheinlich. Ich war mir nicht bewußt, dass dieses Massaker schon länger her war. Auch dass man Mutz positiv darstellte, verwunderte mich. So viel Objektivität hätte ich den Roten gar nicht zugetraut. Schließlich sind die Tschechen ihre Feinde und Trotzki will sie alle tot sehen.

Was Bondarenko über den Weißen Garten zu erzählen hat, deckt sich nun gar nicht mit den Erzählungen Samarins.

Warum Filonow den Arzt wegen seiner Bemerkung über den Namen eines möglichen Enkel schlug habe ich leider nicht verstanden. Was ist denn an den Namen Melort Melortowitsch nicht in Ordnung?

Nun ist es sogar amtlich wer der Mohikaner ist.
Jetzt muss Mutz seinen Vorschlag in die Tat umsetzen.

Die Lokomotive
Warum Samarin mit Aljoscha die Lokomotive ansehen wollte, musste einen Grund haben. Aber dass er das Kind sogar alles mitansehen ließ, fand ich grausam. Vielleicht wäre für den Jungen alles ganz glimpflich abgegangen, wenn er gesprungen wäre, allerdings war es verständlich, dass er sich vor lauter Angst nicht rühren konnte.

Die Natur der Bürde
Annas Wehgeschrei kommt etwas zu spät. Ihre Selbstsucht hat ihr ihr Kind entrissen und nun würde sie alles tun um die ungeschehen zu machen. Matula nutzt dies gehörig aus. Der Mann ist ein Schwein.

Als Samarin mit Aljoscha zurückkam, traute ich meinen Augen nicht. Ich hätte eher damit gerechnet, dass er in die Wälder flieht. Ob er in dem Jungen ein wenig sich selbst sieht?

Erklärungen
Ob der Albino wirklich so sehr auf die Anweisungen des Schamanen angewiesen gewesen wäre, oder ob er der Russin einfach nicht von sich aus helfen wollte?

Als Anna sich Josef so anbiederte, hätte ich ihr den Hals umdrehen können. Dass Mutz überhaupt auf ihr Gerede eingeht, wo er sich doch ebenfalls im Klaren ist, dass ihre Versprechungen von heute morgen Schnee von gestern sind.

Samarins Bitte
Alles hätte ich erwartet, aber nicht DAS!

Aber wenn man genauer darüber nachdenkt, passt es zu Samarins Vorstellung. Er sieht sich als einsamen Kämpfer, Sturm, der für die Zukunft des Volkes kämpft und dabei von keiner persönlichen Regung gestört werden möchte. Damit glaubt er sich die Gefühle aus dem Leib schneiden zu können. Da ist er aber bei Gleb an der völlig falschen Adresse, denn der hat selbst erst erkannt, dass dies nicht vereinbar ist. Liebe sitzt im Herzen und nicht in den verdammten Höllenschlüsseln.

Hat Samarin Gleb darin bestärkt zu tun, was nötig ist, oder kam diesem die Erkenntnis, dass er endlich das brennende Schwert ergreifen muss erst in diesem Moment?

Stolperseil für Dämonen
Balaschow besucht Aljoscha. Auch wenn der Junge nie erfahren wird, wer da an seinem Bett sitzt und mit ihm spricht, tut es ihm sicher gut.

Das geschenkte Pferd
Wenn die Gemeinde gewußt hätte was Balaschow wirklich vor hat, wären sie brav zu Hause geblieben.
Ich konnte gar nicht glauben, dass er Matula mit seinem geliebten Omar davon reiten lassen wollte. Wie wollte er die Sache bewerkstelligen, wenn Matula einfach aufgesessen und weggeritten wäre?

Da ist der alte Husar noch einmal in ihm erwacht.

Inmitten der Welten
Anna hat also die erstbeste Gelegenheit ergriffen um ihre Versprechungen zu vergessen. Diese Frau ist mir einfach zuwider.
Mutz hat sicher damit gerechnet, aber getroffen hat es ihn dennoch.

Immerhin erweisen sie Balaschow einen letzten Dienst. Für seine Gemeinde bleibt er nur als gefallener Engel in Erinnerung.

Und Mutz? Welcher Zukunft wird er entgegen gehen? Vorerst bleibt ihm noch die Kameradschaft auf dem langen Weg nach Hause.
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kaluma

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Re: James Meek - Die einsamen Schrecken der Liebe
« Antwort #33 am: 26. November 2011, 00:41:42 »

Die Lokomotive

Hier habe ich gleich am Anfang des Kapitels einen Schreck bekommen und mein erster Gedanke war:. Jetzt will Samarin Aljoscha entführen! :entsetzt: Was ja auch wirklich fast so war.

Nur dass er am Ende
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Die Natur der Bürde

Hier schiebt Anna nun die Schuld dafür, dass sie Samarin zu sehr vertraut und nicht genug auf Aljoscha aufgepaßt hat, auf ihr sexuelles Verlangen. Seltsame Sichtweise, meiner Meinung nach. Aber genau so sehen es wohl die Kastraten, die sich deswegen von dieser Bürde befreien.


Erklärungen

Anna zeigt sich hier reichlich zickig. Wie übel sie den Albino behandelt, der eigentlich im Moment der einzige Medizinkundige ist, bleibt für mich trotz ihres inneren Aufruhrs unverständlich. Anna gefällt mir immer weniger, Mutz dagegen wird mir immer sympathischer. Er gibt eine gute Zusammenfassung von Samarins Reisen der letzten Monate. Und sogar der Rindenbrief findet seine Erklärung.
Offenbar kann Mutz auch Anna sehr gut einschätzen: er glaubt nicht, dass sie mit ihm kommen will... :sauer:


Samarins Bitte

Samarins Bitte hat mich überrascht. Tatsächlich scheint ihm an Anna und Aljoscha etwas gelegen zu haben, und es fällt ihm schwer, der unerbittliche Revolutionär zu sein, der alles seinen hehren Zielen unterordnet... (Genau wie er auch schon, statt seinen Auftrag in Georgien zu erfüllen, in die Arktis zu Katja gereist ist.) Zumal Samarin für mich eigentlich sowieso als Terrorist, Anarchist und Bankräuber nicht das Musterbeispiel eines Revolutionärs ist, sondern eher fehlgeleitet.

Als (kurzschlußartige) Konsequenz will er
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- ein verzweifelter, und nicht funktionierender Ausweg. Gut, daß Balaschow ihm die Bitte nicht erfüllt, weil er schon erfahrener ist und weitergedacht hat: er hat inzwischen erkannt, daß nicht alle menschlichen Beziehungen und Gefühle sterben, wenn “die Höllenschlüssel ins Feuer geworfen werden”. (S. 396)


Stolperseil für Dämonen

Das las sich wirklich schon wie ein richtiger Abschied, was Balaschow da an Aljoschas Bett zu dem Jungen sagte.  :herz:  :heul:


Das geschenkte Pferd


Jetzt stellt sich das Problem, wie kommt man an Matula heran. Ein seltsames Bild, wie die drei da auf dem Dach hocken, gehalten vom Seil! :breitgrins:
Nekovářs Tod finde ich freilich bedauerlich.  :sauer:

Mit der Wendung, daß es am Ende
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ist es dem Autor tatsächlich gelungen, mich überraschen. Das hätte wohl niemand erwartet und genau deshalb gelingt es. Schade nur, dass er selber glaubt, dadurch in die Hölle zu kommen. In meiner Achtung ist er dadurch im Gegenteil ein ganzes Stückchen nach oben gerutscht.


Inmitten der Welten

Schön, daß alles sich zufriedenstellend auflöst und die Tschechen abziehen können. Etwas gewundert hat mich, daß Samarin so einfach sang- und klanglos verschwinden konnte... Anna arbeitet nun also für die Roten, und ja, mir ist das auch unsympathisch, aber ich finde Anna ist dem Autor einfach nicht als nachvollziehbare Person gelungen.
Und hier ändert sich nun die Welt, ohne daß die Menschen sich ändern, wie es in dem vorangestellten Zitat heißt.

_________

Alles in allem wurde das Buch gegen Ende besser, und es ging tatsächlich um die Liebe: darum, was verschiedene Leute für Liebe halten, und was sie im Namen der Liebe zu tun bereit sind, oder als wie quälend sie sie empfinden. Leider war das alles jedoch nicht besonders tiefgründig. Also nicht zu vergleichen mit den echten russischen Schriftstellern! Ich will mich nicht als Kennerin der russischen Literatur bezeichnen, das bin ich wahrhaftig nicht, aber in meiner Jugend zu DDR-Zeiten habe ich so einiges gelesen von Tolstoi, Dostojewski, Gorki, über Bulgakow, Scholochow, Tendrjakow, Schukschin, Granin, bis hin zu Aitmatow, und natürlich die Strugazkis. Und das liest sich doch ziemlich anders. Ein klein wenig russisches Feeling kann James Meek zwar erzeugen, aber mit den echten Russen kann man ihn denn doch bei weitem nicht vergleichen. Auch im Klappentext wurde meiner Ansicht nach zuviel versprochen.

Und wer ein richtig gutes Buch über Sibirien lesen will, der greife zu Jewgeni Jewtuschenko: “Beerenreiche Gegenden”.

Ich lasse das Ganze noch ein bißchen sacken und schreibe dann eine Rezi.



« Letzte Änderung: 26. November 2011, 00:48:36 von kaluma »
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yanni

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Re: James Meek - Die einsamen Schrecken der Liebe
« Antwort #34 am: 26. November 2011, 11:47:19 »

Die Natur der Bürde

Hier schiebt Anna nun die Schuld dafür, dass sie Samarin zu sehr vertraut und nicht genug auf Aljoscha aufgepaßt hat, auf ihr sexuelles Verlangen. Seltsame Sichtweise, meiner Meinung nach. Aber genau so sehen es wohl die Kastraten, die sich deswegen von dieser Bürde befreien.

Dass sie Samarin vertraut, glaube ich gar nicht. Im Kapitel Kannibalen steht auf Seite 322:
Zitat
Samarin, der Anna sympathische Samarin, verschwand zusehends, und weil Anna ihn wiederhaben wollte, war sie bereit, ihm zu folgen.
Sie hat bewußt alles ausgeblendet, was nicht zu dem Bild passte, das sie sich vorstellte. Mag sein, dass der daraus entstehende Nervenkitzel sie noch zusätzlich animierte.

Erschreckend fand ich, dass die meisten Liebe hauptsächlich auf die sexuelle Ebene reduzierten. Liebe, die man sich ab- oder herausschneiden kann.  :vogelzeigen:
Alle Personen in diesem Roman erscheinen fehlgeleitet, bis auf Mutz, der schon fast etwas zu gut abschneidet. Aber wahrscheinlich war dieser Gegenpol notwendig, um etwas Normalität aufkommen zu lassen.

Anna, die anfangs noch so bemitleidenswert und sympathisch rüber kam, wurde von Kapitel zu Kapitel abstossender, während Balaschow letztlich eine positive Entwicklung durchmachte.

Die Nebenperson, die mir am meisten auffiel, war die Frau, die Adler genannt wurde, ihr Name fing mit D an. Sie war diejenige, die stets gegen die Witwe war und ihre Abreise wünschte. Diese Dame gehörte sicher nicht in die Abteilung Engel, da mir ihr Verhalten sehr verdächtig nach Eifersucht aussah.
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Re: James Meek - Die einsamen Schrecken der Liebe
« Antwort #35 am: 28. November 2011, 01:03:24 »

Dass sie Samarin vertraut, glaube ich gar nicht. Im Kapitel Kannibalen steht auf Seite 322:
Zitat
Samarin, der Anna sympathische Samarin, verschwand zusehends, und weil Anna ihn wiederhaben wollte, war sie bereit, ihm zu folgen.
Sie hat bewußt alles ausgeblendet, was nicht zu dem Bild passte, das sie sich vorstellte. Mag sein, dass der daraus entstehende Nervenkitzel sie noch zusätzlich animierte.
Ja, das meinte ich ja ungefähr - besser sollte man vielleicht sagen, sie hat ihm nicht genug mißtraut. Sonst hätte sie niemals ihren Sohn in seinem Zimmer allein schlafen lassen, während Samarin im Haus war, um dann selber auf dem Sofa einzuschlafen.
Daß sie Nervenkitzel gesucht hat, glaube ich nun wiederum nicht. Ich denke sie war einfach zu blauäugig. Außerdem ist man hinterher immer schlauer.

Erschreckend fand ich, dass die meisten Liebe hauptsächlich auf die sexuelle Ebene reduzierten. Liebe, die man sich ab- oder herausschneiden kann.  :vogelzeigen:
Alle Personen in diesem Roman erscheinen fehlgeleitet, bis auf Mutz, der schon fast etwas zu gut abschneidet. Aber wahrscheinlich war dieser Gegenpol notwendig, um etwas Normalität aufkommen zu lassen.
Mit Mutz hast du recht.
Daß Liebe von den meisten auf Sex reduziert wird, fand ich nicht so vordergründig. Balaschow z.B. tut das nicht, oder...?? Muß ich mir nochmal durch den Kopf gehen lassen.
Eher habe ich es so empfunden, daß die meisten Personen des Buches Sex nicht als normalen Bestandteil einer Liebesbeziehung sehen, sondern als etwas Böses, Schmutziges, als eine Sünde sehen und als etwas, das einen Menschen zu üblen Taten bringt. Als könnte man das nicht selber steuern.

Annas Verhalten kann ich im Nachhinein gar nicht nachvollziehen.
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Re: James Meek - Die einsamen Schrecken der Liebe
« Antwort #36 am: 28. November 2011, 10:19:01 »

Warum Filonow den Arzt wegen seiner Bemerkung über den Namen eines möglichen Enkel schlug habe ich leider nicht verstanden. Was ist denn an den Namen Melort Melortowitsch nicht in Ordnung?
Na, daß es überhaupt kein Name ist, sondern zusammengesetzt aus den Anfangsbuchstaben von Marx, Engels, Lenin, Oktoberrevolution, und Trotzki.  :breitgrins:
Wer möchte schon so heißen, und sozusagen ein wandelndes Parteibuch sein... :breitgrins: :sauer:

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Re: James Meek - Die einsamen Schrecken der Liebe
« Antwort #37 am: 28. November 2011, 11:05:08 »

Na, daß es überhaupt kein Name ist, sondern zusammengesetzt aus den Anfangsbuchstaben von Marx, Engels, Lenin, Oktoberrevolution, und Trotzki.  :breitgrins:
Wer möchte schon so heißen, und sozusagen ein wandelndes Parteibuch sein... :breitgrins: :sauer:
Wurde das im Text erklärt? Ich finde die Stelle gerade nicht. Dann hab ich wohl nicht aufmerksam genug gelesen.  :redface:
Danke für die Erklärung, kaluma!
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Re: James Meek - Die einsamen Schrecken der Liebe
« Antwort #38 am: 28. November 2011, 11:08:13 »

Ja, das wurde so im Text erklärt. Solche Sachen fallen mir halt auf.
Aber ansonsten habe ich ja auch dies und jenes überlesen, dafür ist so eine Leserunde immer ganz nützlich.

P.S.: steht auf Seite 347.
« Letzte Änderung: 28. November 2011, 11:10:01 von kaluma »
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Re: James Meek - Die einsamen Schrecken der Liebe
« Antwort #39 am: 28. November 2011, 11:11:17 »

Ja, das wurde so im Text erklärt. Solche Sachen fallen mir halt auf.
Aber ansonsten habe ich ja auch dies und jenes überlesen, dafür ist so eine Leserunde immer ganz nützlich.

P.S.: steht auf Seite 347.

Danke! Ich werd es gleich mal nachlesen.
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Re: James Meek - Die einsamen Schrecken der Liebe
« Antwort #40 am: 28. November 2011, 11:22:53 »

Jetzt wo ich die Stelle nochmal lese, fällt mir auf, daß ich das auch beim ersten Mal nicht richtig verstanden habe.
Filonow scheint das nämlich durchaus ernst zu meinen mit dem Melort, aber der Arzt nimmt es nicht ernst  - dafür bekommt er von Filonow die Ohrfeige.
Ich dachte nämlich erst, Filonow und Bondarenko würden auch nur spötteln, aber so ist es nicht.
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Re: James Meek - Die einsamen Schrecken der Liebe
« Antwort #41 am: 28. November 2011, 11:27:46 »

Daß sie Nervenkitzel gesucht hat, glaube ich nun wiederum nicht. Ich denke sie war einfach zu blauäugig. Außerdem ist man hinterher immer schlauer.

Annas Verhalten in dem Punkt kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Warum geht man so ein hohes Risiko ein, um endlich mal wieder Sex zu haben? Das fand ich auch sehr blauäugig von ihr. Am Anfang war sie mir noch sympathisch, aber gegen Ende konnte ich mich gar nicht mehr mit ihr identifizieren.

Eher habe ich es so empfunden, daß die meisten Personen des Buches Sex nicht als normalen Bestandteil einer Liebesbeziehung sehen, sondern als etwas Böses, Schmutziges, als eine Sünde sehen und als etwas, das einen Menschen zu üblen Taten bringt. Als könnte man das nicht selber steuern.

Das habe ich auch so empfunden. Es ist schon erschreckend, wie viele Sex als etwas Schmutziges/Böses empfinden und nicht als natürlichen Bestandteil des menschlichen Lebens.