Hallo yanni und Cuddles,
ich kam gestern nicht mehr zum Lesen und habe deswegen eben erst die ersten beiden Kapitel (
Samarin und
Beerensammler und Barbier) gelesen.
Ich bin gelinde gesagt, geschockt und habe die Augen voller Fragezeichen.
Der vorangestellte Ausspruch von Andrej Platonow zusammen mit dem Klappentext haben ganz andere Erwartungen bei mir geweckt, als durch die ersten beiden Kapitel erfüllt wurden.
Schon auf der ersten Seite kam Samarin höchst unsympathisch rüber. Seinen Vatersnamen ablegen, weil der Vater tot ist! Sehr merkwürdig.
Dieser
Revolutionskatechismus war zwar etwas übertrieben, aber nun nicht so ungewöhnlich. Zeitlich konnte ich die Geschenisse von Anfang an gut einordnen, es wird implizit gut klar, daß das erste Kapitel zur ausgehenden Zarenzeit spielt (es wurde ja auch das Jahr 1910 genannt) und das zweite neun Jahre später, also 1919, da weiß man sofort woran man ist: die Oktoberrevolution ist zwei Jahre her und der Bürgerkrieg ist im Gange.
Katja ist mir jetzt nicht direkt unsympathisch, sondern eher neutral. Gewundert habe ich mich, wieso Katja, nachdem sie mit dem Sprengstoffpäckchen davonrennt, erst zwei Wochen später festgenommen wird. Offenbar wollte sie es doch nicht benutzen, wenn sie es so lange bei sich trägt??
In zweiten Kapitel gruselte ich mich gleich mal bei der Szene mit dem Mann und den Pferden, die aus dem Waggon stürzen.

Weiterhin gruslig: wie Samarin dem Toten die Hand abschneidet und sie im Wald vergräbt

- ich frage mich wie ihr, was das soll. Und wieso wirft er das Päckchen in den Fluß? Erst dachte ich, er wollte die Brücke sprengen, aber das geht im Wasser ja ganz schlecht.

Wenn er nicht wollte, daß das Päckchen bei ihm gefunden wurde, hätte er sich doch vor dem Zug nur im Wald zu verstecken brauchen. Und wieso findet er es dann nicht wieder? Wurde es weggespült? Aber der Fluß war doch so flach und er hat einen Stein dran befestigt?

Balaschow kommt mir reichlich naiv vor. Religiöse Sekte war auch mein Gedanke, ich hätte ihn tatsächlich für einen Barbier/Arzt/Chirurgen gehalten,nachdem er sagt, er ist Barbier und ein blutiges Tuch in der Tasche hat. Auf Kastration wäre ich ohne euch nicht gekommen.

So macht aber die Bemerkung über die fehlenden Kinder Sinn. Aber was genau hat er jetzt in Werchi Luk gemacht, wenn die Kastraten alle in Jasyk leben?

Was Samarin Balaschow über sich erzählt, ist auch nicht stimmig. Es war doch Katja, die das Sprengstoffpaket zuletzt hatte, und nicht Samarin. Außerdem war das alles vor 9 Jahren und in dem Arbeitslager war er erst seit 5 Jahren.?? Ich sehe noch nicht, wie das zusammenpaßt.
Und dieser Mohikaner ist mit ihm zusammen aus dem Lager geflohen, und er hat ihn abgehängt? Mal sehen, ob das stimmt.
Wieso trödeln die beiden eigentlich so lange an der Bücke herum, wenn es gerade Abend wird und der Weg nach Jasyk nur noch eine Stunde dauert? Und sie den dunklen Eisenbahntunnel noch vor sich haben? Da würde ich mich doch sputen.
Ich frage mich auch, waum das Dorf "Jasyk" heißt, also "Sprache". Mal sehen, ob das eine Bedeutung hat.
Die Erzählweise erinnert mich jedoch stark an die russischen Schriftsteller.
Auf mich wirkt die Erzählweise wie
nachgeahmte russische Schriftsteller. Bei denen wird wenigstens alles klar. Hier aber ist alles bewußt so gehalten, daß man als Leser erstmal nix rafft. Gefällt mir nicht...

Im Gegensatz dazu stehen die Beschreibungen, die bildhaft und originell sind.
Aufgrund der Beschreibung des Mannes, zwei Paar Hosen und zwei Mäntel übereinander und natürlich spielte auch das Bild auf dem Cover eine Rolle, nahm ich an, dass es Winter sei und rechnete dauernd damit, dass meterhoher Schnee auftauchen würde.
Seltsam, für mich wirkte das Geschehen, als wäre Sommer, obwohl ja im ersten Satz "Mitte Oktober" steht.
Ach je, bis jetzt ist alles so ungereimt, daß mir das Lesen gar keinen Spaß macht...
