Ursula Poznanski – Saeculum 
Inhaltsangabe:Um seine neue Freundin Sandra zu beeindrucken, nimmt der Medizinstudent Bastian einiges auf sich – sogar die Teilnahme an einem mittelalterlichen Live-Rollenspiel der Spielergruppe Saeculum. Der dafür ausgesuchte Ort sorgt unter seinen Mitspielern für Unruhe, denn der Wald bzw. die Lichtung darin soll der Sage nach (die natürlich allen genüsslich erzählt wird) mit einem Fluch belegt sein. Für Bastian ist das aber alles nur Teil des Spiels – bis plötzlich Mitspieler spurlos verschwinden, geheimnisvolle Botschaften auftauchen und auch der Kontakt zur Welt „draußen“ abreißt. Während der darauf folgenden Ereignisse schließt Bastian Freundschaft mit der Lautenspielerin Iris, die einen sehr konkreten Verdacht hat, wer das Spiel stören will. Doch einige Mitspieler sind sicher, den Fluch auf sich geladen zu haben und glauben auch zu wissen, wie sie ihn wieder los werden können ...
Der erste Satz:„Bastian hörte das Klirren der Schwerter schon von Weitem.“
Meine Meinung zum Buch:Das wird für mich eine schwierige Rezension, denn das Buch hat viele gute Seiten, aber auch starke Schwächen.
Ich bin selbst keine Rollenspielerin, daher war mir die Figur des Bastian am nächsten und seine spontanen Heiterkeitsausbrüche in Bezug auf manche Spielvorgaben konnte ich gut verstehen. Bastian scheint aber merkwürdigerweise einer der wenigen in seiner Gruppe zu sein, der erkennt, dass alle Vorkommnisse für das Spiel inszeniert sein müssen – denn es ist ja ein Spiel! Die teilweise panischen Reaktionen seiner in solchen Rollenspielen wesentlich erfahreneren Mitspieler konnte ich daher überhaupt nicht nachvollziehen – eigentlich müssten sie so reagieren wie Bastian und Bastian müsste der unsichere Spieler sein.
Das war dann auch der Grund, warum die wunderbar gruselig geschilderten Orte und Ereignisse bei mir nicht so richtig für Spannung sorgen konnten – es war doch nur ein Spiel. Nur sehr weit gegen Ende der Geschichte, als sie sich „dreht“ und die echten Gründe für die Störungen im Spiel offen werden, kommt Tempo auf.
Zu lesen ist das Buch sehr schön. Als Leser erhält man einen guten Einblick in die Mittelalter-Szene und in die Welt der Rollenspiele. Bastian als Neuling in diesem Thema darf alles fragen und lernen, und wir Leser machen das mit. Interessant waren auch die kleinen Dialogstücke zwischen Unbekannten, die hin und wieder in die Geschichte eingestreut werden. Diese Teile haben mich sehr neugierig gemacht.
Tief charakterisiert war in meinen Augen aber nur Bastian, ihn lernen wir sehr gut kennen. Die Lautenspielerin Iris bekommt zumindest gegen Ende mehr Kontur, doch die übrigen Charaktere bleiben eher blass und wir erfahren kaum etwas aus ihrer Vergangenheit oder wie sie zu ihrem mittelalterlichen Steckenpferd gekommen sind. Das fand ich teilweise sehr schade, denn einige Figuren wären es durchaus wert gewesen, sie dem Leser noch ein bisschen näher zu bringen.
Am meisten hat mich aber der Schluss geärgert und der ist auch der Grund für einen dicken Abzug bei den Ratten:
Ich fand Pauls Grund für die ganze Inszenierung schon etwas dünn, aber gut, die Geschichte ist schlüssig und ich hätte damit gut leben können.
Was dann aber meinen Blutdruck endgültig hoch trieb, war das vorletzte Kapitel, in dem Paul ohne jegliches Unrechtsbewusstsein und mitleidheischend seine traurige Kindheit beichtet – als ob das Aufwachsen bei einer allein erziehenden Mutter, ohne Kontakt zum Vater für alles Kriminelle eine Rechtfertigung bieten würde. *schnarch* Klischee hoch drei!
Schade, das hat mir die Freude am Buch doch noch vergällt.
Meine Bewertung:

Viele Grüße von Annabas
