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Autor Thema: Horst Eckert - Schwarzer Schwan  (Gelesen 126 mal)

Spatzi79

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Horst Eckert - Schwarzer Schwan
« am: 13. November 2011, 18:51:12 »



Bankerin Hanna Kaul steht kurz vor Abschluss eines großen Deals, was für sie einen Karrieresprung bedeuten wird. Ein junges Pärchen hangelt sich nach dem Studienabschluss von Praktikum zu Praktikum und versucht, mithilfe von Diebstahl und Erpressung zu Geld zu kommen. Ein eher unwichtiges Mitglied des Bundestags trifft eine Jugendfreundin wieder, die offensichtlich dabei ist, ihr Leben zu ändern und dabei mit einigen wichtigen Persönlichkeiten abrechnen will. Ein junger Polizist versucht seit Jahren, über den Tod seiner Frau hinwegzukommen. Ein junges Mädchen wurde entführt und wird in einem Keller gefangen gehalten.

All diese Handlungsstränge werden im Verlauf des Buches zusammengefügt und zeichnen ein erschreckendes Bild unserer Republik. Der Macht der Banken scheint nichts und niemand mehr entgegenstehen zu können, die Politik steckt entweder tief mit drin, muss faule Kompromisse schließen oder wird als dumm verkauft. Eine spannende Lektüre, die einerseits frustriert, andererseits wütend macht, denn nur zu gut kann man sich vorstellen, dass es in der Realität wirklich so oder zumindest ähnlich zugeht!

Gegen Ende hätte man einige Punkte noch etwas detaillierter aufklären können, aber auch so war der Schluss für mich stimmig und passend.

Dieser Krimi war das erste Buch des Autors für mich. Aber wohl nicht das letzte, denn das sprachliche Können und der topaktuelle Bezug zum politischen und wirtschaftlichen Geschehen haben mich einfach überzeugt.

 4ratten
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Miramis

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Re: Horst Eckert - Schwarzer Schwan
« Antwort #1 am: 13. November 2011, 20:32:07 »

Meine Meinung:

Die Grenzen sind bei Horst Eckert ja immer fliessend - ob man am Ende einen Kriminalroman oder doch eher eine Polithriller gelesen hat, lässt sich nicht immer so genau sagen. Aber eines haben seine Romane immer gemeinsam: erst mal damit angefangen, kann man sie nicht mehr aus der Hand legen!

So ging es mir auch mit dem neuesten Buch aus seiner Feder, "Schwarzer Schwan", in dem einmal mehr topaktuelle Themen aufgegriffen werden und dennoch eine solide Krimihandlung zugrunde liegt. War es zuletzt in "Sprengkraft" der islamistische Terror, so ist es nun die Finanzkrise, die die Protagonisten in Atem hält. Dementsprechend spielt sich die Geschichte auch nicht nur in Düsseldorf ab, sondern auch in Berlin.

Das war für mich auch der interessanteste Aspekt; die politischen Intrigen und Verwicklungen, in die sich der Bundestagsabgeordnete Lothar Mierscheid verstrickt und die uns einen abgrundtiefen, fast schon zynischen Blick auf die gewählten Volksvertreter werfen lassen. Aber auch die Machenschaften der Finanzhaie werden uns durch die Perspektive einer jungen Nachwuchsbänkerin gnadenlos offenbart, was der Handlung einen weiteren spannenden Strang beschert. Schön, dass trotzdem auch die Arbeit der Düsseldorfer Polizei ihren Spielraum behält, denn was wäre denn ein Krimi von Horst Eckert ohne mindestens einen Düsseldorfer Polizisten, der nicht ganz astrein ist und Dreck am Stecken hat? Diesmal wird in Sachen Mord und Entführung ermittelt - oder auch nicht, wie man es nimmt...

Aus diesen ganzen Komponenten hat der Autor eine Geschichte wie aus einem Guss geschaffen; die Verknüpfungen und Verzahnungen sind verblüffend, das Tempo rasant und die Wirkung auf den Leser unwiderstehlich. Ein Höhepunkt war für mich der Auftritt der Bundeskanzlerin - eine tolle Szene! Und überhaupt, bei mir hat sich im Laufe der Lektüre das irre Gefühl ergeben, dass "Schwarzer Schwan" total überspitzt geschrieben und dennoch inzwischen von der Realität eingeholt wurde. Um so etwas zu erreichen, muss man schon brillant sein - Horst Eckert ist es!

Daher:  5ratten und  :tipp:
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:lesen: Kai Meyer - Die Gebannte

HoldenCaulfield

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Re: Horst Eckert - Schwarzer Schwan
« Antwort #2 am: 14. November 2011, 11:41:49 »

Bisher hat mich Horst Eckert mit seinen Romanen ja noch nie enttäuscht. Wird mal wieder Zeit für mich einen Roman von ihm zu lesen. :)
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Seltsam im Nebel zu wandern.... H.Hesse

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Alfa_Romea

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Re: Horst Eckert - Schwarzer Schwan
« Antwort #3 am: 21. April 2012, 19:01:15 »

Ich kann mich den begeisterten Stimmen hier anschliessen  :smile:

Inhalt:
Dominik Roth ist Polizist auf einem Abstellgleis. Eigentlich wäre er gerne bei der Mordkommission, muss stattdessen aber Betrugsfällen nachgehen. Deshalb hat er nichts dagegen, in der Freizeit verbotenerweise für die Detektei seines Kumpels Jochen Urban zu arbeiten. Er observiert Hanna Kaul, eine aufstrebende Bankerin, die grade Besuch von ihrer Nichte Leonie hat. Als Leonie entführt wird, bekommt Roth ein schlechtes Gewissen und bietet Kaul Hilfe an, zumal bei der Polizei davon ausgegangen wird, dass die Halbwüchsige einfach abgehauen ist.
 
Doch die entführte Nichte ist nicht Hanna Kauls einziges Problem. Sie hat den Verdacht, dass das oberste Bankmanagement in unsauberen Geschäften steckt. Als sie mehr darüber herausfinden möchte, wird sie von ihrem Chef gestoppt. Der Mann scheint Angst zu haben, fragt sich nur, wovor...
 
Meine Meinung:
Auch in «Schwarzer Schwan» mixt Horst Eckert gekonnt verschiedene Handlungsstränge und Fälle, die auf gewisse Art zusammenhängen. Einmal mehr empfiehlt es sich auch hier, an dem Krimi dranzubleiben, um nicht den Überblick zu verlieren.
 
Diesmal hat sich Eckert die Finanzbranche vorgenommen. Ob Eurorettung oder neue Spielregeln, um den nächsten Bankencrash zu verhindern: der Krimi ist hochaktuell und wahrscheinlich näher an der Realität als sich das so mancher Steuerzahler wünschen würde. Eckert lässt Bankenbosse und Politiker zynisch und kriminell agieren, er zeigt die enge Verflechtung von Politik und Wirtschaft auf, ohne dabei in Verschwörungstheorien abzugleiten. Er kann Wirtschaftskapitäne über Leichen gehen lassen und seine Story im Grossen und Ganzen trotzdem glaubwürdig gestalten. Das Agieren der Mächtigen ist dabei fast spannender als die zu lösenden Kriminalfälle.
 
Trotzdem konnte mich «Schwarzer Schwan» nicht so begeistern wie «Sprengkraft», das mir in den Details ausgefeilter schien. Grade was die Charaktere anbelangt, konnte mich dieses Buch nicht ganz überzeugen. Da gab es mir in den Nebenrollen zu viele Klischees und im Entführungsfall hatte ich die richtige Lösung ziemlich schnell erraten. Mir scheint, dass Eckert vor lauter Aktualitätsbezug und Zwischen-den-Zeilen-auf-Manager-Einhauen das Handwerk ein wenig vernachlässigt hat. Allerdings ist das in diesem Fall immer noch auf sehr hohem Niveau gejammert. Auch «Schwarzer Schwan» ist vollgepackt mit Geschichten und Geschichtchen und bietet Spannung auf mehreren Ebenen. Dazu kommt noch indirekte, wenn auch kaum verhehlte Kritik an der Finanzbranche und den Politikern, die den Geldspielen feige zusehen.
 
Fazit:
Ein sehr aktueller Krimi, der aufgrund der Bezüge zu realen Geschehnissen der letzten Monate so schnell wie möglich gelesen werden sollte.

8 von 10 Punkten
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illy

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Re: Horst Eckert - Schwarzer Schwan
« Antwort #4 am: 21. April 2012, 19:25:47 »

Ich habe das Buch kürzlich auch begonnen - allerdings wirklich nur begonnen. Ich bin bis ca. Seite 80 gekommen und habe das Buch danach aussortiert. Dabei glaube ich nicht einmal, dass es ein schlechtes Buch ist, der Beginn war gut zu lesen, die Figuren wirkten realistisch, eigentlich könnte ich mich nicht beschweren. Allerdings war mir das Buch dann doch zu sehr auf die schlimmen Verzahnungen innerhalb der Wirtschaft und zwischen Wirtschaft und Politik ausgerichtet und auf einen "Bankerkrimi" hatte ich gerade nun wirklich keine Lust. Wer dieser Ausrichtung aber etwas abgewinnen kann bzw. sich für Wirtschaftsthemen interessiert, bekommt mit "Schwarzer Schwan" vermutlich ein gutes Buch geliefert. Für mich war es das falsche Thema und dann noch zu einem Zeitpunkt, an dem ich mit so etwas gerade keine Geduld habe.
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Alfa_Romea

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Re: Horst Eckert - Schwarzer Schwan
« Antwort #5 am: 23. April 2012, 09:17:52 »

Allerdings war mir das Buch dann doch zu sehr auf die schlimmen Verzahnungen innerhalb der Wirtschaft und zwischen Wirtschaft und Politik ausgerichtet und auf einen "Bankerkrimi" hatte ich gerade nun wirklich keine Lust.

Das kann ich gut nachvollziehen. Mir war der Krimi auch öfter sehr unangenehm, weil über fiktiven Filz geschrieben wird, der sicher nicht allzu weit von der Realität weg ist. Gerade als Steuerzahlerin nerve ich mich auch über die scham- und hemmungslosen Methoden von gewissen Wirtschaftsführern (nicht nur im Bankensektor), da kommt der Eckert und streut noch ein bisschen Salz in die Wunden... Das fand ich streckenweise auch sehr unangenehm zu lesen, weil einem klar die eigene Ohnmacht gegenüber diesen Missständen vor Augen geführt wird... Das fand ich schlimmer als so manche Schweinerei, die sonst in dem Buch vorkommt.
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