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Autor Thema: [Nigeria] Adaobi T. Nwaubani – Die meerblauen Schuhe meines Onkels Cash Daddy  (Gelesen 187 mal)

Aldawen

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   Autor: Adaobi Tricia Nwaubani
Titel: Die meerblauen Schuhe meines Onkels Cash Daddy
Originaltitel, Jahr: I do not come to you by chance, 2009
Übersetzung aus dem Englischen: Karen Nölle
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-24861-4
Ausgabe: Broschiert
Seiten: 495


Inhalt: Kingsley hat ein Problem, oder eigentlich mehrere. Zwar hat er sein Studium abgeschlossen, aber er findet einfach keine Stelle. So kommt er auch mit seinen 25 Jahren seinen Verpflichtungen als Erstgeborener noch nicht nach. Diese verlangen nämlich von ihm, seinen Eltern finanziell unter die Arme zu greifen und seinen jüngeren Geschwistern ihre Ausbildung zumindest mitzufinanzieren. Seine prekäre Lage bringt ihn auch um seine Freundin Ola, die sich ihrer Mutter beugt und einen reichen, älteren Mann heiratet. Kingsleys Eltern sind selbst so stolz auf ihre Universitätsabschlüsse, daß sie Kingsley nicht auf einem „minderwertigen“ Job sehen wollen. Als der Vater ins Krankenhaus muß, sind die Reserven der Familie bald erschöpft, und widerstrebend wird Kingsley zu seinem Onkel Boniface, genannt Cash Daddy, geschickt. Boniface läßt sich gar nicht lange um Geld bitten, und zudem bietet er Kingsley an, bei ihm zu arbeiten. Seine Mutter ist entsetzt, denn jeder weiß, daß Boniface sein Vermögen als Scammer gemacht hat: Betrugsgeschäfte, bei denen vornehmlich Europäer und Amerikaner unter Vorspiegelung falscher Tatsachen abgezockt werden. Kings ist aber inzwischen so frustriert, daß er Bonifaces Angebot annimmt, und schon bald gefallen ihm auch die Annehmlichkeiten und der Luxus, den er sich leisten kann. Die Geschwister finden die neue Geldquelle gleichfalls praktisch, nur seine Mutter lehnt alles ab, was auf diesem Weg erworben wurde und drängt Kings immer wieder, sich doch eine ordentliche Stelle zu suchen. Als Cash Daddy auch noch für den Gouverneursposten kandidieren will, scheinen weitere Höhenflüge für das Unternehmen vorprogrammiert, aber dann stürzen ein paar unvorhergesehene Dinge auf Kings ein ...


Meine Meinung: Nwaubani gelingt hier eine gute Mischung aus einem an sich ernsten Thema mit einer so gehörigen Prise Humor, daß es trotzdem oft zum Schmunzeln anregt. Letzteres geschieht vor allem dadurch, daß die Personen, besonders Cash Daddy, aber auch einzelne Situationen bei den Betrügereien fast schon überzeichnet wirken. Wer allerdings glaubt, so dämlich könne doch niemand sein, um auf die hier gezeigten Maschen hereinzufallen, der irrt, und sobald man sich das klarmacht, kann man über die Gier der „Geschäftspartner“ von Boniface nur noch den Kopf schütteln. Die Fassaden, die hier errichtet werden, sind teilweise wirklich beeindruckend, und gerade deswegen und wegen der unverhohlenen Gier neigte ich während der Lektüre mehr als einmal zu einer „Geschieht Dir recht!“-Haltung den „Opfern“ gegenüber. Dem Roman sind eigentlich viele Leser zu wünschen, damit die Dummen irgendwann vielleicht doch mal aussterben.

Man sollte aber nicht glauben oder hoffen, hier tiefere Einblicke in nigerianisches Leben zu bekommen. Kings und seine Familie gehören auf Grund ihrer Ausbildung und weil der Vater Beamter war, durchaus zur städtischen Mittelschicht, auch wenn die finanziellen Verhältnisse das wenig glaubhaft scheinen lassen. Boniface schwebt in Regionen, die selbst hierzulande keinesfalls die Regel sind, so daß es zum Vergleich kaum taugt. Über das Leben eines Durchschnittsnigerianers wird man hier kaum etwas erfahren, nur wenige Szenen lassen erahnen, daß sich der Leser hier mit den Protagonisten noch in besseren Verhältnissen bewegt. Nichtsdestotrotz gibt es auch hier Situationen, die durchaus ein Bewußtsein dafür schaffen können, wie bequem und gut vieles in Europa ist, egal, ob es sich um das Gesundheitssystem oder die Postenbesetzung in Unternehmen handelt. Bei Interesse empfehle ich einen Blick in unsere Leserunde, wo ich versucht habe, die aufgekommenen Fragen zu solchen Aspekten zu beantworten.

 4ratten

Schönen Gruß
Aldawen
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Kinywa ni jumba la maneno.
Der Mund ist der Palast der Worte. – Sprichwort aus Ostafrika

marimirl

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Ich habe das " Die meerblauen Schuhe meines Onkels Cash Daddy" auch in der Leserunde gelesen.

Normalerweise schreibe ich immer sofort eine Rezi, wenn ich ein Buch beendet habe. Hier sind nun doch schon einige Tage vergangen, aber ich weiß einfach nicht, was ich darüber schreiben soll. Irgendwie habe ich nichts mehr zu dem Buch zu sagen.

Ich hatte mich mit dem Buch überhaupt nicht auseinandergesetzt bevor ich zu lesen begonnen habe. Darüber bin ich auch froh, denn ich hatte keine Ahnung, was das eigentlich Thema ist. Dadurch barg das Buch doch einige Überraschungen für mich. Deshalb will ich das hier auch nicht erwähnen. Nur soviel: Kings lebt in Nigeria und hat studiert, findet aber keinen angemessenen Job. Nach dem Tod seines Vaters muss er sich um die Familie kümmern. Da kommt sein reicher Onkel ins Spiel, dessen Methode Geld zu verdienen mehr als umstritten ist.

Mir fehlt das Hintergrundwissen, das Aldawen hat, um beurteilen zu können, wie gut der Einblick in das nigerianische Leben ist. Schockiert hat mich wenig bis gar nichts, denn eigentlich hätte ich mir die Lebensumstände viel schlimmer vorgestellt. Natürlich darf man nicht vergessen, dass der Protagonist Kings studiert hat und auch seine Eltern bzw. seine ganze Familie sehr viel Wert auf Bildung legt. Schon alleine deshalb leben sie sicher nicht so schlecht wie viele andere.

Grundsätzlich hat mir das Buch gut gefallen, weil man viel dabei lernt und neues erfährt. Es ist nicht schwierig geschrieben und man braucht auch kein Hintergrundwissen über Afrika oder ähnliches, um gut mitzukommen. Es ist stellenweise witzig, traurig, und spannend, dennoch aber sehr informativ. Die volle Punkteanzahl kann ich leider nicht vergeben, da mir am Schluss einiges zu schnell ging. Während viele Kapitel lange ausgedehnt werden, passiert dann plötzlich zu viel auf einmal . Davon abgesehen bleiben einige Fragen offen.

 4ratten
« Letzte Änderung: 10. November 2011, 12:53:48 von marimirl »
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Heimfinderin

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So, hier kommt auch noch meine Meinung:

Erster Satz: In den Dörfern, so hatte man den Eindruck, wussten die Leute alles.

Inhalt
Kingsley stammt aus einer Familie, für die Bildung das A und O ist und so hat auch er erfolgreich ein Studium absolviert und erwartet nun, die Früchte seiner Mühen zu ernten. Doch er wird bitter enttäuscht, denn er findet keine Arbeit und kann somit der Verpflichtung, für seine Familie zu sorgen, nicht nachkommen, und auch seine Freundin wendet sich von ihm ab und sucht sich einen reichen Mann. Ernüchtert und aus der Not heraus schließt er sich seinem Onkel an und lernt von diesem, wie man wirklich Geld verdient. Viel Geld!

Trotz der Anflehungen seiner Mutter, doch eine ehrliche Arbeit zu suchen, wird Kingsley in der Scam-Szene  immer erfolgreicher und die Geldsorgen für die ganze Familie gehören der Vergangenheit an. Doch Kingsleys Mutter leidet unter der Veränderung ihres Sohnes und lehnt seine Arbeit weiterhin vehement ab. Auch eine neue Liebe ist dadurch in Gefahr und sie ist nur ein Vorbote der negativen Ereignisse, die Kingsley auf einmal überfallen. Aber ob sie ihn davon abhalten werden, auf den Luxus, den das viele Geld aus den Betrügereien bringt, zu verzichten?


Meine Meinung
Mir hat das Buch sehr viel Spaß gemacht. Locker und spritzig erzählt die Autorin hier ein doch ernstes Thema, ohne banal zu wirken. Die Figuren wirkten teilweise sogar etwas überspitzt, besonders Cash Daddy war für mich meist filmreif. Immer wenn er auftrat, hatte ich das Gefühl, es müsste Musik und Glimmer ins Bild kommen, so sehr stach seine Persönlichkeit hervor.

Viele Szenen und Dialoge brachten mich zum Lachen und manche der betrügerischen Aktionen ließen  mich nur noch staunen. Allein aus dem E-Mail-Verkehr, der innerhalb der Geschichte entstand, hätte man noch ein weiteres Buch machen können, das für sich alleine schon spannend gewesen wäre.  Wie weit die Autorin die Vorgänge im Einzelnen hier überspitzt dargestellt haben mag, kann ich nicht sagen, aber grundsätzlich ist die Art und Weise, wie die Scammer hier in der Geschichte vorgehen, offensichtlich schon lange erfolgreich, denn man braucht nur in seinen Spam-Ordner zu schauen und findet dort vielleicht genau die gleiche Art E-Mails, mit denen auch Kingsley und seine Kollegen angefangen haben.  So traurig es ist, entwickelte ich teilweise kein Mitleid mit den Opfern und fragte mich eher, wie man so blöd-gierig sein kann, auf  solche E-Mails hereinzufallen.

Kingsley und seine Familie gehörten zwar trotz ihrer Armut noch zu den besser gestellten Familien im Land, noch ärmere Dörfer wurden nur kurz erwähnt , aber die Schwierigkeiten, mit denen sie kämpften, wurden doch sehr deutlich. Allein die Szenen im Krankenhaus waren erschreckend und ließen mich unser eigenes Gesundheitssystem  mit Erleichterung betrachten. Aber das Buch vermittelt auch viel über die Bedeutung der Familie, nämlich die Familienzugehörigkeit und Selbstverständlichkeit, füreinander zu sorgen.  Man lässt sich nicht im Stich.

Ein Lesevergnügen, das gleichzeitig auch nachdenklich macht . Ich bin gespannt, ob es von der Autorin noch mehr zu lesen geben wird.

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LIEBE GRÜßE
HEIMFINDERIN

Doris

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Für mich brachte das Buch aufschlussreiche Neuigkeiten über eine Email-Betrugsmasche, mit der ich selbst auch schon in Berührung gekommen bin, allerdings nur theoretisch. Über Afrika selbst erfährt man eher wenig, wenn man von den Familienbeziehungen absieht. Das Umfeld, in dem Kingsley lebt, ist von gehobenem Standard, und wenn man es nicht wüsste, würde man streckenweise gar nicht vermuten, dass sich die Geschichte auf dem schwarzen Kontinent zuträgt. Um den Erwartungen seiner Familie nachzukommen, lässt sich Kingsley auf einen fragwürdigen Job ein, der ihm einen Wohlstand beschert, an dem auch seine zahlreichen Verwandten teilhaben können, und das ist nicht der einzige Grund, warum er seine Moralvorstellungen von sich selbst neu definiert. Es ist spannend, mitzuerleben, welchen Weg Kingsley einschlägt, in welche Richtung er sich entwickelt und wie sich seine Vorstellungen umsetzen lassen.

Die schillernde Figur der Handlung ist zweifellos Cash Daddy. Er ist mit dem Email-Betrug reich geworden und genießt die Möglichkeiten, die ihm das Geld bringt. Das bedeutet in seinem Fall aber nicht nur, seinen Reichtum zur Schau zu stellen, sondern auch, andere daran teilhaben zu lassen. Seine Starallüren waren für einige Schmunzler gut.

Geld regiert die Welt, das wird hier ganz deutlich. Erst die nötigen Schmiergelder bei Behörden und der Obrigkeit eröffnen den Scammern die Möglichkeit, ihre Methoden gewinnbringend umzusetzen. Auch die ärztliche Versorgung in Nigeria hängt in einem beängstigenden Ausmaß davon ab, ebenso die Möglichkeiten zu studieren. Obwohl Kingsley und Cash Daddy ihre Macht ausnutzen, um sich zu bereichern, indem sie gutgläubige (wenn auch habgierige) Menschen betrügen, kann man ihnen eigentlich nicht böse sein. Zumindest ist man geneigt, eine Entschuldigung für sie zu finden.

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Es ist nicht wenig Zeit, was wir haben,
sondern es ist viel, was wir nicht nützen.
Lucius Annaeus Seneca

Bettina

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Meine Eindrücke

Kingsleys Familie legt seit jeher Wert auf eine gute Ausbildung, ordentliche Arbeit, Zuverlässigkeit. Kingsley wurde auf Wunsch seines Vaters Chemieingenieur, doch der erfolgreiche Abschluss nutzt wenig. Es hagelt Absagen, denn den grundehrlichen Leuten fehlen zum Einen die Beziehungen und zum Anderen der Wille und die Möglichkeiten, finanziell nachzuhelfen. Der Vater verdient als Beamter kaum noch etwas und das Übel bricht endgültig herein, als die mageren Ersparnisse für einen Krankenhausaufenthalt gesammelt werden müssen. Der letzte Ausweg ist der unfassbar reiche Onkel Boniface - dessen Gewinne jedoch maßgeblich aus Scammer-Betrug generiert wurden. Boniface sorgt mit Mails, Briefen und Faxen dafür, dass reiche Ausländer investieren, um vermeintliche Vermögen von Nigerianern zu retten oder winidige Wirtschaftsprojekte zu finanzieren. Kein Wunder, dass die Familie da nicht gerne um Hilfe bittet. Doch Kingsleys Gewissensbisse halten nicht lange; er steigt wegen des Geldmangels bald selbst ein und erweist sich als gewitzter "Investment-Berater". Mit seinem Tun eckt er zu seinem Leidwesen jedoch nicht nur bei der entsetzten Mutter an.

Nwaubanis Buch um den so genannten 419-Betrug faszinierte mich von Beginn an. Sie bietet einen interessanten Einblick in die nigeranische Gesellschaft, wo Familienzusammenhalt groß geschrieben wird und innerhalb der Familien strikte Rangordnungen herrschen. Die Rahmenbedingungen ansonsten sind weit von dem entfernt, was man in Europa gewohnt ist: Selbst im Notfall leistet das Krankenhaus nur dann eine Behandlung, wenn vorab bezahlt wird und für jede simple Tablette, jeden Verband oder die Kanülen werden die Angehörigen mit einer Einkaufsliste in die Stadt geschickt. Taxis mögen so voll sein wie hier die Busse, doch Schlaglöcher sind dort keine Sensation, die in die Zeitung gehört. Und eine Familie, die hartnäckig an ihren hehren Grundsätzen festhält, passt nicht so recht in ein Umfeld, das lebhaft organisiert, improvisiert und Beziehungen unterhält.

Auf der anderen Seite steht einer wie Boniface "Cash Daddy", der sich einen umfangreichen Schuhfundus in fantasievollen Farben leistet, mehrere Autos und einen Prunkpalast als Wohnsitz. Doch so viel Geld er für sich ausgibt, so viel stiftet er gleichzeitig für Stipendien, für Kinder, für Straßen, für die Familie. Cash Daddy handelt fast wie ein moderner Robin Hood und angesichts der Rahmenbedingungen, von denen man erzählt bekommt, schwindet das Mitleid mit den Betrogenen Seite um Seite. Es ist und bleibt Betrug, doch man erkennt auch, dass all die Tricks aus Verzweilung heraus geboren wurden und dass der eine oder andere bei suspekten Gelegenheiten zugreift, um seine Situation zu verbessern. Genug Nigerianer lehnen Scammer ab, doch die böse Buben haben ausreichend Geld, um nötigenfalls die Polizei milde zu stimmen: Bei guter Getränkeversorgung und mit ein paar Spielkarten versorgt warten die Beamten gerne mit einer Verhaftung, bis der Delinquent fertig gebadet hat.

Mir gefällt sehr gut, wie Nwaubani Sympathien und Ärgernis ausbalanciert. Kingsley durchlebt erst die Verzweiflung zu Hause, dann einen Erfolgsrausch bei Cash Daddy und er schlittert zwischen den geteilten Reaktionen auf seine Arbeit hin und her. Obwohl er für seine Familie nun den Verpflichtungen als Ältester nachkommen kann, schämt er sich und sagt den meisten Bekannten nicht die Wahrheit über seinen Job. Völlig konsterniert muss Kingsley auch noch feststellen, dass Scammer keinen ungefährlichen Bürjob haben.
Nwaubani bietet letzten Endes keine perfekte Lösung für Probleme jedweder Art. Ihr Kingsley erweist sich als lernfähig, anpassungsfähig und er stellt auf eine ganz eigene Lösung um, um seinen Lebensunterhalt zu sichern. Einfach ist das Leben in Nigeria nicht, und einfach macht es Nwaubani dem Leser folgerichtig auch nicht. Aber sie macht es mit Gefühl und Humor und die Geschichte lässt einen bis ans Ende nicht mehr los.

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Ich lese mich rund um die Welt.

stefanie_j_h

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Auf meiner literarischen Weltreise habe ich mich vor kurzem nach Nigeria begeben und einen sehr interessanten Roman über Scammer gelesen. Jeder hat wohl schon einmal eine E-Mail bekommen, in der man in schlechtem Englisch um Hilfe gebeten wird. Man wird gebeten, bei einem Millionentransfer zu helfen und als Belohnung winkt ein dicker Anteil an eben diesem Geld. Wenn man auf dieses Angebot eingeht, muss man allerdings erst größere Beträge für den Verwaltungsaufwand ausgeben. Und ich muss wohl niemandem erklären, dass man von den versprochenen Millionen nie etwas zu sehen bekommen wird.

Dieser Roman erzählt von dem Nigerianer Kingsley, der wie seine Eltern ein Studium an der Universität abgeschlossen hat und trotz allem keine Arbeit finden kann. Jede Bewerbung wird abgewiesen, seine Freundin trennt sich von ihm und schließlich wird auch noch der Vater schwer krank. In dieser Notsituation wendet Kingsley sich an seinen reichen Onkel Cash Daddy, der sein Geld durch Betrug verdient.

Adaobi Tricia Nwaubani zeichnet hier kein sehr positives Bild von Nigeria und mehr als einmal muss man sich fragen, ob das Leben dort wirklich so schlimm sein kann. Ein Gesundheitssystem ist praktisch nicht vorhanden, selbst mit einem Universitätsabschluss kann man nicht genug Geld für seine Familie finden, Frauen können sich nicht erlauben, aus Liebe zu heiraten, sondern müssen in erster Linie auf finanzielle Absicherung schauen. Und trotzdem ist das Buch nicht in erster Linie bedrückend oder traurig. Eigentlich fand ich es sogar sehr unterhaltsam und stellenweise witzig. Nur wenn man eben über das Buch hinaus denkt und sich die Situation genauer vor Augen führt, werden einem die Schrecken richtig bewusst.

Ich habe jedenfalls viel aus diesem Buch gelernt und sehe diese E-Mail-Betrüger jetzt auch in einem anderen Licht. Natürlich ist es nach wie vor ein Verbrechen, was sie da machen, andererseits ist es für die Betrüger oft der einzige Weg, sich aus dem Elend zu retten und etwas Geld für sich und die Familie zu verdienen. Sehr schön fand ich im Buch auch, dass die reich gewordenen Betrüger ihr Geld nicht ausschließlich für sich selbst behalten, sondern ihre Verwandten und Freunde in allen Notlagen unterstützen. uzu

Sehr interessant und lehrreich war für mich auch die Leserunde zu dem Buch. Die Diskussionen und Aldawens Hintergrundwissen haben viel dazu beigetragen, dass ich Spaß mit diesem Buch hatte.
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bella*

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Jetzt schaffe ich es auch endlich mal eine kleine Rezi zu dem Roma zu schreiben. Ich bin eher durch Zufall auf die Leserunde aufmerksam geworden und da ich bis jetzt mit meinen spontanen Entscheidungen bei Leserunden Glück hatte, habe ich es auch hier wieder probiert und wurde nicht enttäuscht!
Die Geschichte spielt zudem noch in einem Land, in dem noch nie eines meiner Bücher gespielt hat, also wieder mal eine neue Weltreisestation abgehakt. Die Geschichte von und mit Kingsley und seiner Familie hat mir wirklich sehr gut gefallen. Adaobi T. Nwaubani schreibt sehr schön und man wird zwar langsam aber irgendwie in diese Welt mit hineingezogen, die ich zumindest gar nicht kannte. Außerdem war es zudem spannend von den Betrügermails zu lesen, die man teilweise wirklich selbst einmal bekommt, wie wir unschwer in der Leserunde festgestellt haben! ;)
Mir haben der Roman, aber auch die Leserunde, sehr gut gefallen. :) Vielen Dank euch allen!

Von mir gibt es dafür

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"Twenty years from now you will be more disappointed by the things that you didn't do than by the ones you did do. So throw off the bowlines. Sail away from the safe harbor. Catch the trade winds in your sails. Explore. Dream. Discover." - Mark Twain

 :lesen:
Andreas Altmann - Unterwegs auf einem einsamen Kontinent
Al Gore - Wege zum Gleichgewicht

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