Ich haber jetzt auch Tranströmer gelesen, allerdings nicht diesen Wälzer, sondern ein etwas kürzeres Buch, nämlich
Fängelse. Nio haikudikter från Hällby ungdomsfängelse, und das sogar mehrmals. Selten (bzw. noch nie) habe ich einen Nobelpreisträger so schnell "abhaken" können. Auf Deutsch sind die neun (

) Haikus (Dreizeiler

) in diesem zweisprachigen Band enthalten:
Das große Rätsel

Tranströmer hatte die neun Haikus schon 1959 geschrieben, nachdem er einen Freund, der damals Chef des Jugendgefängnisses von Hällby war, besucht hatte. Er schenkte sie ihm zu Weihnachten. Erst 2001 erschienen sie im Druck. (ISBN 91-89352-10-6)
So, und jetzt sollte ich etwas Kluges über sie sagen

. Ich lese eigentlich sehr ungerne Gedichte, aber die japanische Gedichtform
Haiku bildet eine im wahrsten Sinne des Wortes kleine Ausnahme. Sie lassen im Bestfall ausdrucksvolle Bilder in meinem Kopf erscheinen, was Tranströmer aber nur mit zweien gelingt. Die anderen empfinde ich entweder als angestrengt originell oder nichtssagend. Allerdings muss ich sagen, dass sie bei der Zweit- und Drittlektüre gewannen. Und ein Gedicht wie
Felstavade liv -
skönheten kvarlever som
tatueringar.
kann mich sogar berühren, da es mir die Tragik eines jugendlichen Straffälligen gut zusammenzufassen scheint.
Die deutsche Übersetzung hatte ich mir in einer Buchhandlung angucken können, war aber enttäuscht. Ein Haiku "lebt" ja gerade durch seine strenge Form mit 17 Silben verteilt auf die 3 Zeilen mit 5 - 7 - 5 Silben. In der Übersetzung wurde das Versmaß allerdings nicht eingehalten, was ich nicht akzeptieren kann. Das ist ja, als ob man einem Sonett eine weitere Zeile verpassen würde! Zwar steht im verlinkten Wikipediaartikel, dass sich die deutschen Haikudichter in letzter Zeit von der strengen Form zunehmend trennen, aber da sich Tranströmer daran gehalten hat, erwarte ich es auch von einem Übersetzer.
Für das schwedische Original vergebe ich
