Den ersten Abschnitt des Buches
17 Gedichte (1954) habe ich gelesen, manche Gedichte gleich zweimal, da ich mich erst hineinfinden musste.
Erster Eindruck: sehr "nordisch".
Heißt: viel Meer, Wind, Wellen, Schiffe, Wracks, Moor und Nebel.
Das ist für mich, die ich den sonnenverwöhnten Süden Deutschlands gewohnt bin, erst einmal nicht besonders nah, und das meine ich sowohl räumlich als auch emotional. Die Stimmung erreicht mich schon, aber eben nicht so, als wenn ich in solch einer Gegend aufgewachsen wäre. Aber ich verstehe, dass Tomas Tranströmer in Schweden bzw. vermutlich auch im weiteren skandinavischen Raum bekannt und beliebt ist.
Ein bisschen zucken muss ich dabei, wenn Tranströmer "technische" Begriffe (z. B. Turbine, Boxen oder Dieselmotor) in seinen Gedichten verwendet, das mag ich generell nicht so und das passt für mich nicht zu Lyrik. Ich hatte schon die Befürchtung, dass sich dies durch sein ganzes Werk zieht, ist aber nicht so, er setzt diese Begriffe nur punktuell ein. Ich habe mir schon überlegt, ob sich das in den Gedichten der späteren Jahre vielleicht noch verstärkt. Mal sehen.
Bisher haben mir die kurzen Gedichte am besten gefallen. Sie entwerfen teilweise sehr schöne Bilder in meinem Kopf. Bei den längeren Gedichten hatte ich manchmal das Gefühl, dass Anspielungen enthalten sind, die ich nicht verstehe. Manchmal taucht ein Begriff auf, nach dem ich googeln konnte, z. B. "Väinämöinen", eine Figur aus einem finnischen Epos, wie ich jetzt weiß. Aber mir blieb öfters der Sinn verschlossen - oder ich vermute einen Sinn, wo es keinen gibt?
Was mir gut gefällt ist ein Thema, das Tranströmer wohl öfter aufgreift: die ewige Wiederholung am Beispiel von Tag und Nacht oder von den Wellen am Strand. Dies ist mir in verschiedenen Bildern aufgefallen und wie gesagt, das mochte ich sehr.
Wiedererkannt habe ich mich in einem Abschnitt des Gedichtes "Erregte Meditationen" (was für ein blöder Titel!):
Ein Sturm bringt die Flügel der Mühle dazu, sich wild zu
drehn im Dunkel der Nacht, nichts mahlend. - Du
wirst aus denselben Gesetzen wachgehalten. (...)
Das hat mich sehr genau an eine durchwachte Nacht der letzten Zeit erinnert, in denen sich meine Gedanken genauso leer drehten wie die hier beschriebenen Mühlflügel.
Sehr schön fand ich auch diese Passage aus "Die Steine":
Dort fallen
all unsre Taten
glasklar
auf keinen andern Boden
als uns selbst.
Grüße von Annabas
