Hallo, ihr Lieben!
Mondy, dass ich dieses Buch (in einem Rutsch, wohlgemerkt) gelesen habe, ist ganz alleine deine Schuld.

Und ich muss dir ein dickes Danke dafür aussprechen.

Inhalt:Mike Lancaster ist nur der Herausgeber des Buches, das wir hier lesen. Er schreibt darin die Geschichte von Kyle Straker nieder, die er auf drei alten Kassetten gehört hat. Dieses Buch wird in einer nicht genauer definierten Zukunft veröffentlicht und erzählt eine schockierende und spannende Geschichte.
Nachdem sich Kyle und drei weitere Personen bei einer Talentshow von ihrem Freund hypnotisieren lassen, hat die Welt sich verändert. Die Zuschauer, ja die ganze Stadt, scheint wie eingefroren. Kein Mensch bewegt sich, die Telefone sind tot, Computer spielen verrückt. Und nur vier Menschen sind übrig, um herauszufinden, was mit der Welt geschehen ist.
Meine Meinung:Beginnen wir am Anfang. Ich habe das Buch auf englisch gelesen und muss ein riesiges Kompliment zur Covergestaltung aussprechen. Nicht nur finde ich es wesentlich ansprechender als das (etwas nach Boylove-Science Fiction aussehende) deutsche Cover. Der Coverdesigner hat offenbar auch das Buch gelesen.

Die Rahmenhandlung ist großartig umgesetzt. Ganz zu Beginn lesen wir erst einmal, wie ein Buch eigentlich funktioniert, dass man von links nach rechts und von oben nach unten liest, dass die aneinandergereihten Buchstaben Wörter ergeben und dass diese in unserem Kopf in Bilder umgewandelt werden. Was für eine Welt muss das sein, in der Menschen nicht mehr wissen, was ein Buch ist?

Und somit ist man schon vor dem eigentlichen Anfang gespannt, was da auf einen zukommt.
Die Kapitel unterteilen sich in Kyles Erzählung auf den jeweils zwei Seiten von drei alten Kassetten. Er erzählt in jugendlicher Sprache - er ist ja auch 15 Jahre alt - und scheint in unserer Zeit zu leben. Es gibt iPods und Computer, McDonald's und Amazon, soziale Netzwerke im Internet und alles, was wir sonst aus unserem Alltag kennen.
Offenbar sind viele dieser Dinge den fiktiven Leuten, für die dieses Buch publiziert wurde, aber nicht mehr so bekannt. Denn immer wieder setzt der Herausgeber kleine Kästen mit Erklärungen in die Handlung. Darin erläutert er etwa, was Golf ist und zieht wenn es um Redewendungen geht so manchen Fehlschluss. Der für mich aber höchst amüsant zu lesen war.
Mir persönlich hat der Titel ein bisschen zu viel verraten. Das große Geheimnis war mir also schon beinahe vor der Lektüre klar, spätestens als die ersten Hinweise gefallen sind. Das hat der Spannung aber keinen Abbruch getan, sondern sie fast noch gesteigert. Immerhin will man ja wissen,
wie der Autor diese Idee erklärt, wie sie tatsächlich wahr sein könnte. Hier wurde ich leider ein wenig enttäuscht, denn Erklärungen gibt es kaum. Theorien, ja. Und diese sind erschreckend und haarsträubend zugleich. "Eine perfekte neue Welt" heißt der Untertitel (auf Englisch "it's a brave new world"), angelehnt an Aldous Huxleys Science Fiction Klassiker. Und ebenso verstörend ist die Geschichte allemal. Allerdings eher, weil sie mich zum Nachdenken über die echte Welt gebracht hat. Und hier muss ich ein bisschen spoilern:
Dass die 0.4 völlig unsichtbar werden für die "upgegradeten" Menschen, ist hier vielleicht Tatsache. In unserer Welt erinnert mich das an meine Großeltern. Die haben zwar einen Flachbildschirm-Fernseher und ein Schnurlostelefon, aber das war's dann auch. Sie wissen nicht was an iPod, iPad oder iSonstwas ist, brauchen keine Handys und trauen Computern keinen Schritt über den Weg. Und damit fällt nicht nur viel Gesprächsstoff weg, sondern sie werden selbst auch ein bisschen unsichtbar.
Dieser Denkanstoß ist es auch, der dem Buch von mir eine Extra-Ratte einbringt. Die sehr einfache und teilweise ungeschickte Sprache kann man zwar dem jugendlichen Erzähler zuschreiben, sie hat mich aber doch zeitweise ein wenig gestört. Es wird sehr viel wiederholt, Sätze immer und immer wieder identisch abgedruckt und das meiner Meinung nach oft unnötig. Die Stimmung hätte auch so gepasst. Die Charaktere bleiben, inklusive Ich-Erzähler, sehr flach. Ich denke, man hätte aus der Geschichte mehr rausholen können, aber ich hatte damit ein paar sehr kurzweilige und spannende Stunden und würde es jedem weiterempfehlen, der nichts gegen Jugendliteratur hat, die sich auch wie solche liest.

Danke für den Tipp, mondy!

Liebe Grüße,
Wendy