
KurzbeschreibungRosie Winter ist auf dem Weg in die Südsee. Zusammen mit ihrer Freundin Jayne und einer Gruppe Tänzerinnen soll sie in diesem Juni 1943 bei den Soldaten an der Front für gute Laune sorgen. Doch das erweist sich als gar nicht so einfach: Die Überfahrt ist turbulent, die Feldbetten hart und das Essen schlecht. Außerdem stiehlt der Hollywood-Star Gilda DeVane den anderen Frauen die Show, und Rosies große Liebe Jack gilt seit Wochen als vermißt. Während Rosie zwischen Tanzeinlagen und Luftangriffen versucht, mehr über Jacks Verschwinden herauszufinden, wird Gilda bei einem ihrer Auftritte erschossen.
Meine EindrückeWährend vieler Kriegsjahre organisierte die US-amerikanische USO zahlreiche Tourneen, auf denen verschiedene Künstler an den Einsatzorten der Truppen für ein bisschen Ablenkung sorgten. Die sonst am Broadway tätige Rosie Winter und deren Freundin Jayne Hamilton schließen sich einer Tournee in die Südsee an - nicht jedoch aus patriotischen Gründen. Rosies Ex-Freund Jack wird immer noch vermisst und sein Einsatzgebiet lag irgendwo in der Südsee. Und so hält Rosie den USO-Einsatz für eine gute Idee, um ein bisschen nach Jacks Verbleib zu forschen. Auch wenn's der Ex-Freund ist, so ganz loslassen kann sie nicht.
"Ich hatte gehofft, wir würden einen Bon-Voyage-Champagner bekommen. Stattdessen bekamen wir eine Leiche." Dieser Einstieg zieht! Zuerst muss eine Tote muss aus dem Hafenbecken gefischt werden und ganz selbstverständlich fängt Rosies Kopf an zu arbeiten: Wer war die Tote und hatte sie irgendwie mit der Reise zu tun? Rosie, inzwischen zum dritten Mal aus heiterem Himmel mit Mord konfrontiert, geht die Tote nicht aus dem Kopf. Schon gar nicht, als herauskommt, dass diese selber erst vor kurzem in der Südsee und zudem Schauspielerin war. Ein paar Zufälle zuviel sind das nicht nur für den Geschmack von Miss Winter.
Die Reise in die Südsee birgt Tücken, über die sich die New Yorkerin Rosie nicht im Klaren war. Während der Krieg bisher zwar spürbar die Berufschancen senkte oder die Versorgungslage schmälerte, gerät sie diesmal ins Gefechtsgebiet. Die Passagiere des Schiffs erfahren unter anderem nicht, wohin es überhaupt geht. Rosie begreift während dieser Reise, was der Krieg für die Soldaten und deren Angehörige wirklich bedeutet. Kathryn Miller Haines fängt diese Atmosphäre gut ein, obgleich sie ihren lockeren Erzählstil insgesamt nicht aufgibt. Mit dem skalpiert sie zugleich den Mythos Hollywood, der schon 1943 hinter den Kulissen mehr Ähnlichkeit mit einer unersättlichen Krake statt mit irgendeiner Kunstform zu tun hatte.
Der Stil von Miller Haines Romanen erinnert mich an die Filme dieser Zeit: Egal, was passiert, die Menschen haben meist irgendeinen spöttischen Spruch auf den Lippen. Trotzdem spart der Roman nicht mit Gefühlen oder Authentizität. Die USO-Girls besuchen unter anderem ein Lazarett und müssen ziemlich schlucken, bevor sie den ersten Schritt in den Raum tun können, um sich mit den Soldaten zu unterhalten (sofern das überhaupt möglich ist) und ihre Show zwischen Metallbetten und Infusionsständern zu geben. Speziell dieses Ambiente hat mich beeindruckt, da es vermutlich vielen Menschen so ging, wie Rosie zu Beginn ihres Einsatzes (und Lesern vor Beginn der Lektüre): Man kann auf Wikipedia nachlesen, wie unglaublich viele Schiffe in der Nähe von Rosies Camp auf Tulagi versenkt wurden und zu harmlosen Tauchzielen geworden sind, aber ohne den Einblick in den Alltag vor Ort bleibt der Schauplatz ansonsten abstrakt.
Es versteht sich von selbst, dass Rosie einer Menge Dinge auf die Spur kommt und sich von den garstigen Spielchen der Militärs mit den Campbewohnern nicht von ihren Recherchen abbringen lässt. Selbst, wenn man zur Strafe Latrinen putzen muss, kann man nebenher grübeln oder kurz zu einer Verfolgung aufbrechen. Das Ende stimmt traurig, macht aber auch sehr neugierig darauf, wie Rosie und Jayne nach ihrer Rückkehr von den Solomonen weitermachen werden. Es ist keine Zeit gewesen, die spurlos an einem vorübergeht.
