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Autor Thema: Kristín Marja Baldursdóttir - Sterneneis  (Gelesen 300 mal)

mondy

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Kristín Marja Baldursdóttir - Sterneneis
« am: 24. September 2011, 12:40:10 »



Inhalt
Nach einem Einbruch in ihre Wohnung flieht Gunnur geschockt in ihr Landhaus, sie braucht Abstand von der Stadt. Mit im Gepäck: ein 14-jähriges Mädchen, die Tochter eine Bekannten. Doch wie beschäftigt man einen Teenager, der ein ganzes Wochenende lang ohne Internet und Fernsehen auskommen muss? Gunnur unternimmt einige Ausflüge mit dem „Reh“, wie sie das Mädchen liebevoll nennt, aber wirklich nahe kommen sich die beiden erst, als Gunnur von ihrer eigenen Kindheit erzählt.

Meine Meinung
Wundervoll … das war das erste Wort, das mir nach dem Zuschlagen der letzten Seite zu diesem Buch eingefallen ist. Ich konnte es kaum aus der Hand legen und habe bis tief in die Nacht gelesen. Der Autorin gelingt es einfach perfekt, die Emotionen der beiden Charaktere (hauptsächlich die Gunnurs) mit der Landschaft Islands zu verweben und dabei keine Sekunde langweilig zu werden.

Die Charaktere bleiben dabei glaubwürdig und sympathisch. Okay, das Reh ist ein typischer Teenager und manchmal kaum zu ertragen, aber da man alles aus der Sicht Gunnurs mitbekommt, ist es nicht nervig. Im Laufe der Geschichte bekommt man auch immer mehr mit, warum das Mädchen so abweisend und kalt ist. Über Gunnur selbst erfährt man sehr viel, schließlich erzählt sie von ihrer Kindheit in Islands Hauptstadt. Aber einige Dinge bleiben bis zum Schluss im Dunkeln, so dass man sich selbst überlegen muss, was wohl passiert ist.

Ein großes Thema dieses Buches ist der Generationenkonflikt, aber auch Islands Landschaft und dessen Einfluss auf die Menschen, die dort leben. Es ist unglaublich schön, mit den beiden durch den Schnee zu fahren, nachts auf dem Eis Schlittschuh zu laufen oder den Blick über die weite Landschaft schweifen zu lassen. Wer also Island näher kommen möchte, dem kann ich dieses Buch nur empfehlen.

Ich bin hin und weg von „Sterneneis“ und werde bestimmt noch mehr Romane der Autorin lesen. Bis dahin kann ich zumindest dieses Buch jedem nur ans Herz legen, es ist dieses Jahr eines meiner Lesehighlights.
Wundervolle 5ratten
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tina

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Re: Kristín Marja Baldursdóttir - Sterneneis
« Antwort #1 am: 25. September 2011, 00:41:20 »

Na, dann freue ich mich schon darauf, denn ich habe es mir heute bestellt. Auch meine Buchhänderlin ist begeistert davon, wie übrigens generell mit dieser Autorin. Sie legte mir auch das Buch "Die Eismalerin" ans Herz.

Viele Grüße Tina
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Fandorina

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Re: Kristín Marja Baldursdóttir - Sterneneis
« Antwort #2 am: 25. September 2011, 08:07:47 »

Hm, "Die Eismalerin" liegt auf meinem SUB. "Sterneneis" klingt ja auch erst einmal nicht schlecht von der Geschichte her. Der Schreibstil von "Sterneneis" macht mir aber noch zu schaffen. Die kurzen, knappen Sätze ziehen sich tatsächlich durch das ganze Buch? Irgendwie bin ich noch unschlüssig, ob mich das nicht nerven würde.
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Spatzi79

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Re: Kristín Marja Baldursdóttir - Sterneneis
« Antwort #3 am: 25. September 2011, 10:20:08 »

Sterneneis ist aufgrund des schönen Covers und der Beschreibung auch gleich auf meine Wunschliste gewandert  :zwinker:
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mondy

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Re: Kristín Marja Baldursdóttir - Sterneneis
« Antwort #4 am: 25. September 2011, 11:18:48 »

Wie gesagt, ich kanns jedem nur ans Herz legen. Kurze Sätze sind mir jetzt nicht besonders aufgefallen, zumindest nicht negativ.
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Fandorina

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Re: Kristín Marja Baldursdóttir - Sterneneis
« Antwort #5 am: 25. September 2011, 16:08:14 »

Bald kann ich mir selbst ein Bild davon machen, denn ich habe den heutigen verkaufsoffenen Sonntag hier gleich ausgenutzt. :zwinker:

Die Sätze an sich sind übrigens tatsächlich nicht kurz. Es wirkte nur durch viele Kommata, etc. auf den ersten Blick so.
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tina

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Re: Kristín Marja Baldursdóttir - Sterneneis
« Antwort #6 am: 24. Februar 2012, 17:36:17 »

Kristín Marja Baldursðottir – Sterneneis


OT: Karlsvagninn
OA: 2009
238 Seiten
ISBN: 978-3810502667

Inhalt:
In der Nacht waren Einbrecher gekommen und hatten sie beraubt. Hatten in ihren Sachen gewühlt, ihren Schmuck entwendet. Hatten sie wahrscheinlich im Schlaf beobachtet. Die Vorstellung, eine weitere Nacht in diesem Haus zu verbringen, war ihr unerträglich. Deshalb wollte sie fort, in ihr Sommerhaus.
Mit der 14jährigen Tochter einer Bekannten fährt sie aufs Land. Doch wie verbringen eine Frau in den Fünfzigern und ein Mädchen im Teenageralter, das an Handy, PC und Fernsehen gewöhnt ist, drei Tage in völliger Abgeschiedenheit miteinander? (Quelle: Amazon)

Eigene Meinung:
Gunnur und die 14jährige Hurgún haben so einige Konflikte auszutragen, aber dennoch kommen sie sich nah und während sie sich gegenseitig annähern, nähert sich jeder auch sich selbst. Das lesend mitzuerleben ist faszinierend. Gunnur wird durch beständiges fragen von Hugrún immer wieder an ihre Kindheit und ihre Jugend erinnert und es gibt einen Einblick in die Seele der emotional vernachlässigten 14jährigen Zuhörerin. Dies alles aber steht eher zwischen den Zeilen und so muss man sich für dieses außergewöhnliche Buch in einer außergewöhnlichen, winterlichen, isländischen Atmosphäre Zeit und Ruhe nehmen. Genau diese Umgebung, welche die Autorin vor unseren Augen entstehen lässt, bettet die ganze Geschichte in einen fast ästhetischen Rahmen. Obwohl ich noch niemals in Island war, so sah und fühlte ich doch diese Umgebung, die so abgegrenzt von der „normalen“ Welt, fast wie ein Gemälde vor einem liegt. Diese Ruhe greift auch auf den Leser über und gibt ihm so die Möglichkeit sich voll und ganz auf die gesprochenen wie auch verschwiegenen Worte zu konzentrieren.
So schlimm dieses 14jährige auch ist, so dass man sie manchmal schütteln könnte, so sensibel und extrem verletzlich ist sie auch. So wird dem Leser vor Augen gehalten, wie viel Schaden man in einer jugendlichen Seele anrichten kann, wenn sie nicht den Nährboden einer überschwänglichen Mutterliebe erhält. Es ist ein Buch, dass die ganz besondere Bindung von Müttern und Töchtern zum Thema hat.
Es ist kein Wohlfühlbuch, aber es ist ein gutes Buch.

 4ratten

Tina
« Letzte Änderung: 25. Februar 2012, 22:38:19 von tina »
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Re: Kristín Marja Baldursdóttir - Sterneneis
« Antwort #7 am: 24. Februar 2012, 19:44:43 »

Das Cover sieht ja wunderschön aus :smile: Schade, dass hier Frühlingsstimmung herrscht, ich denke nicht, dass ich jetzt noch einen solch "winterlichen" Titel lesen kann...
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tina

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Re: Kristín Marja Baldursdóttir - Sterneneis
« Antwort #8 am: 24. Februar 2012, 19:54:11 »

Naja, dann hast Du aber etwas auf das Du Dich für einen schönen kalten Vorweihnachtsabend freuen kannst. Am besten vor dem Kamin.  :breitgrins:
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Re: Kristín Marja Baldursdóttir - Sterneneis
« Antwort #9 am: 24. Februar 2012, 20:10:11 »

Oh, das klingt toll! Notiert ist es. Für nächsten Winter bzw. den nächsten Wintereinbruch :zwinker:
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kaluma

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Re: Kristín Marja Baldursdóttir - Sterneneis
« Antwort #10 am: 29. März 2012, 15:17:42 »

Dieses Buch läßt mich zwiegespalten zurück. Es gibt einerseits sehr schöne Passagen. Wenn Gunnur sich an ihre Kindheit erinnert und davon erzählt, ist das sehr interessant, fesselnd und atmosphärisch geschildert. Das Leben als Kind in Island, auf dem Lande, in einer Familie der plötzlich der Vater fehlt. Mir ist auch klar, was ihr Anliegen ist: daß ein glückliches Kind nicht notwendig eines ist, das gut versorgt ist und alles Lebensnotwendige hat. Auch in reichen gutsituierten Familien (und aus einer solchen kommt Gunnur) sind Kinder unglücklich, werden Kinder emotional vernachlässigt. Gunnur kommt ihrer Mutter und ihren Schwestern niemals wirklich nahe.

Nun zu meinen Kritikpunkten. Dem Buch fehlt der rote Faden, es liest sich wie ein Flickwerk, das nur mühsam durch die Handlung in der Gegenwart zusammengehalten wird. Die Gegenwartshandlung (die über 50jährige Gunnur nimmt ein 14jähriges, völlig fremdes Mädchen mit in ihr Wochenendhaus) erscheint mir allzu konstruiert. Mir ist nicht klargeworden, warum Gunnur anfängt, gerade zu diesem Mädchen über ihre Vergangenheit zu sprechen. Was löst gerade dieses Mädchen (Hugrún) in ihr aus? Sieht sie Parallelen zu ihrer eigenen Kindheit, obwohl sie zunächst kaum etwas über Hugrún weiß? Warum arbeitet sie all das erst mit über 50 auf? Außerdem verhalten sich beide, Gunnur und Hugrún, oft ziemlich unnachvollziehbar, egoistisch, launisch. Gunnur wirkt auf mich (so, wie sie mit dem Mädchen umgeht) nicht wie eine Frau von über 50, die verheiratet ist und erwachsene Kinder hat. Ihre Kinder spielen in ihren Gedanken übrigens kaum eine Rolle: der Sohn wenig, die Tochter gar nicht (was für mich nicht zu Gunnurs angeblich so emanzipierter Einstellung paßt). Gunnurs Ehemann kommt nur am Rande vor. Auf mich wirkt Gunnur wie eine unzufriedene, einsame alleinstehende Frau, die ein Spielball ihrer eigenen Launen ist. Auch wegen ihrer Ansichten z.B. zum Thema Gleichberechtigung/Emanzipation, die ich seltsam finde. Insgesamt ist mir das Buch überhaupt zu frauenzentriert.

Stellenweise war das Buch recht wirr geschrieben und auch größere sprachliche Schnitzer fielen mir auf (wobei letzteres vielleicht an der Übersetzung liegt).

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Ich lese gerade: Fred Vargas "Die Nacht des Zorns"

SLW 2012 Cover: 3/10 (gelesen 6/10)
SLW 2012 Brandaktuell: 4/5     Dick+dünn: 3/5