


Band 1 der Trilogie hat mich beeindruckt, das Buch war zwar nicht ganz einfach zu lesen, klang aber viel versprechend, was das Gesamtkonzept der Trilogie anging. Band 2 hat meine Erwartungen gewaltig gedämpft und durch diesen dritten Band nun musste ich mich regelrecht kämpfen. Da war ich schon froh, dass das Buch sich als dünner als erwartet entpuppte, von den 610 Seiten entfielen nämlich nur 460 auf die eigentliche Geschichte, der Rest ist Anhang. Ich habe ja noch nicht einmal generell etwas dagegen einzuwenden, wenn der Autor seinen Leser mit Zusatzinformationen versorgt, aber hier hatte ich leider das Gefühl, dass der Anhang nicht nur eine interessante Beigabe ist, sondern tatsächlich notwendig zum Verständnis des Buches. Da ich aber lese, um mich zu unterhalten und nicht um eine imaginäre Welt mit all ihren Strukturen ernsthaft zu studieren, bin ich natürlich unzufrieden mit diesem Konzept.
Die tendenziell interessant angelegten Figuren konnten dann auch nichts mehr retten, da sie zum einen in der Flut von Nebensächlichkeiten untergingen und zum anderen in diesem Band auch keine echte Entwicklung durchmachten.
Ich hatte ja darauf gehofft, wenigstens mit einem fulminanten Ende für mein Durchhaltevermögen belohnt zu werden, aber nicht einmal diese Hoffnung konnte Bakker erfüllen. Am Ende ist zwar die letzte Schlacht geschlagen, die letzte Stadt erobert, der letzte Feind besiegt, aber es ist beileibe kein Abschluss. Ich hatte nicht den Eindruck das Ende einer Reihe zu lesen, sondern es hätte sich genauso gut ein weiterer Band anschließen können. Vielleicht habe ich aber auch die entscheidende Wendung verpasst, so gelangweilt, wie ich von dem Buch war. Nach meinem Eindruck erzählte höchstens 25% des Textes eine Geschichte, der Rest diente philosophischen Betrachtungen, denen ich ungefähr so viel Interesse entgegen bringen konnte, wie den Abschnitten der Bibel, die seitenlang nur aus "... und David ehelichte Rahel und sie gebaren Noah und er ehelichte Lea und sie gebaren..." bestehen.
Mein Gesamteindruck ist, dass „Der Krieg der Propheten“ einfach zu überladen ist, Bakker hat sich zu sehr darauf konzentriert, ein Meisterwerk der Fantasyliteratur zu schaffen, um ein Buch zu schreiben, an dem man seinen Spaß haben kann.