Auf dieses Buch bin ich (vermutlich) durch Aldawens literarische Afrikarundreise aufmerksam geworden und habe es mir zwar recht zügig gekauft, braucht aber noch einen weiteren Anstoß, um endlich mit dem Lesen zu beginnen, den es in Form des SLWs und einer kleinen Leserunde gab. Die Erläuterungen, die es dadurch zu dem Buch gab, waren recht interessant und halfen, die Hintergründe noch etwas besser zu verstehen, „Narben des Himmels ließe sich aber auch ohne diese Hilfestellung gut lesen. Praktisch war auch das Wörterbuch, das Aldawen erstellt hat, der Verlag hat sich da nämlich nicht besonders hervorgetan, die 6 (!) Begriffe, die am Ende des Buches erläutert werden, hätte man auch gleich weglassen können, da sie ja nur ein Bruchteil der vorhandenen fremdsprachlichen Ausdrücke sind. Über solche Miniwörterbücher ärgere ich mich mehr, als wenn es gar keins gibt.
Anfänglich war ich etwas kritisch, da mich keine der Figuren so wirklich begeistern konnte. Baba Pesa ist der inoffizielle Herrscher des Dorfes, denn er ist der Einzige, der tatsächlich Geld hat und nutzt seine Stellung weidlich aus. Sein Sohn Juda missbilligt das, hält aber lieber volltrunken aufwiegelnde Reden, denen niemand folgen kann, als sich einen Platz im Leben zu suchen. Sein Hund Konfuzius, der Einzige, der ihm zuhört, ist mein heimlicher Held in diesem Buch. Insgesamt wirken fast alle Figuren in ihrem Handeln übertrieben, so dass sich für mich zwischendurch immer mal wieder der Eindruck eines Schelmenromans ergibt. Dabei sind die Themen, die Mwangi behandelt eigentlich sehr ernst: Es geht um Machtmissbrauch und den Verlust von Traditionen.
Tatsächlich zeigt Mwangi positive und negative Effekte sowohl des traditionellen Lebens wie auch der modernen Lebensweise auf und macht klar, dass man sich seinen Weg irgendwo in der Mitte suchen muss und auch, dass selbst der Mächtigste manchmal die Hilfe anderer braucht. Das klingt jetzt sehr moralbeladen, aber Mwangi versteckt diese Moral geschickt in einer abwechslungsreichen Geschichte. Offensichtlich wird nur, dass gerade die im Vordergrund stehenden Männer manchmal geschickt von ihren Frauen gelenkt werden, die einfach deutlich pragmatischer mit dem Leben umgehen.
Das Ende war zwar in sich passend, hat mich aber trotzdem enttäuscht. Nachdem Mwangi es zunächst so wirken lässt, als würden sich sämtliche Probleme in Wohlgefallen auflösen und ein freundschaftliches Miteinander aller avisiert wird, zerstört er sicherheitshalber die Idylle. Nun gut, vielleicht waren es wirklich ein paar positive Entwicklungen zu viel, aber ein offenes Ende ohne vorhergehende Katastrophe wäre mir lieber gewesen.
Entgegen meiner unterbewussten Befürchtungen hat mir "Narben des Himmels" jedenfalls viel Spaß gemacht und ich habe vor, demnächst mehr von Mwangi zu lesen.
