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Autor Thema: Susanne Falk - Das Wunder von Treviso  (Gelesen 156 mal)

mondy

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Susanne Falk - Das Wunder von Treviso
« am: 23. August 2011, 20:42:49 »



Inhalt
Gott sieht alles ... außer Treviso! Denn in diesem Buch geht es nicht um die Großstadt Treviso, sondern um ein kleines Dorf in Norditalien, das mit seiner Bedeutungslosigkeit hadert. Der Friseur Luigi geht das immer gleiche Geschnatter seiner Kundinnen auf die Nerven, Massimo serviert jeden Tag das gleiche Essen in seiner Trattoria und der Blumenladen musste sogar schließen. Auch dem Pfarrer Don Antonio ist ziemlich langweilig und diese Langeweile bringt ihn auf dumme Gedanken. Ein Wunder muss her, welches Treviso bis über die Landesgrenzen hinaus berühmt macht und jede Menge Touristen anlocken soll. Und da Wunder nicht einfach vom Himmel fallen, wird halt etwas nachgeholfen.

Meine Meinung
Ich bin positiv überrascht: der Autorin ist ein nettes kleines Büchlein gelungen, dass mich gut unterhalten hat. Die Bewohner von Treviso sind mir ans Herz gewachsen, denn obwohl sie alle ziemlich durchtrieben sind, sind sie doch alle auf ihre eigene Art sympathisch. Ein bisschen verrückt , aber liebenswert. Don Antonio steht seinen Schäfchen übrigens in nichts nach, denn von geistlichen Tugenden ist bei ihm wenig zu spüren. Zusammen mit seiner Schwester Maria und dem Holzschnitzer Salvatore bringt er eine Madonna zum Weinen (natürlich nicht auf legale Art), allerdings immer mit dem gutmütigen Wunsch, sein Dorf wieder auf Vordermann zu bringen.

Eine kleine Liebesgeschichte gibt es auch. Die Schwester der Pfarrers, Maria, und der Friseur Luigi kommen sich näher. Wie sich die zwei älteren Herrschaften einander umschwärmen und sich schließlich nächer kommen, ist wirklich süß zu beobachten. Am Ende habe ich mich gefragt, ob das Wunder von Treviso vielleicht etwas anderes als eine weinende Madonna war: nämlich die Liebe und das Glück zweier Menschen, die schon gar nicht mehr damit gerechnet haben.   

Insgesamt ein schönes Buch, dass mir aber wahrscheinlich nicht ewig im Gedächtnis bleiben wird, dafür ist es einfach zu sehr vor sich hingeplätschert. Aber mal für Zwischendurch, zum Schmunzeln oder Treibenlassen, ist es genau das Richtige.
 3ratten       
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Valentine

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Re: Susanne Falk - Das Wunder von Treviso
« Antwort #1 am: 24. August 2011, 11:07:12 »

Das hört sich doch ganz gut an. Ich habe kürzlich eine Leseprobe bekommen und fand sie auch ganz ansprechend. Kaufen werde ich das Buch eher nicht, aber wenn es mir mal leihweise übern Weg laufen sollte ...
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The best piety is to enjoy--when you can. You are doing the most then to save the earth's character as an agreeable planet. And enjoyment radiates. It is of no use to try and take care of all the world; that is being taken care of when you feel delight--in art or in anything else. Would you turn all the youth of the world into a tragic chorus, wailing and moralising over misery?
George Eliot: Middlemarch

mondy

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Re: Susanne Falk - Das Wunder von Treviso
« Antwort #2 am: 24. August 2011, 21:49:14 »

Das hört sich doch ganz gut an. Ich habe kürzlich eine Leseprobe bekommen und fand sie auch ganz ansprechend. Kaufen werde ich das Buch eher nicht, aber wenn es mir mal leihweise übern Weg laufen sollte ...

Wenn du magst, läuft es dir recht flott leihweise über den Weg und zwar von mir. Wenn du magst, kannst du es sogar behalten. Schreib mir einfach eine PN, falls du Interesse hast. :winken:
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Mrs.MiaWallace

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Re: Susanne Falk - Das Wunder von Treviso
« Antwort #3 am: 23. Februar 2012, 15:48:46 »


"Das Wunder von Treviso" ist mir gestern Abend in die Hände gefallen.
Ich brauche Platz in meinen Regalen und habe sie nach Bücher durchforstet, die ich nicht unbedingt behalten möchte. Dem "Wunder von Treviso" werde ich bestimmt nicht nachtrauern.

Da es hier noch nicht viele Meinungen zu dem Buch gibt, stelle ich hier mal noch eine leicht gekürzte Fassung meiner damaligen Vorablesen-Rezi rein.

Die Leseprobe fand ich genial und ich hatte mich sehr auf das Buch gefreut.
Doch trotz lockerem und flüssigem Schreibstil und einiger witziger Mono- und Dialoge von und mit dem erfrischend menschlichen Pfarrer Don Antonio wollte sich die Lesefreude nicht richtig einstellen.

Der Pfarrer heckt einen Plan aus, um das italienische Örtchen Treviso über seine engen Ortsgrenzen hinaus bekannt zu machen. Ein wenig öffentliche Aufmerksamkeit täte dem verschlafenen Nest und seinen beschaulichen und einfach lebenden Bewohnern auch wirklich gut. Da geschieht das Wunder, bei dem Pfarrer Don Antonio und der ortsansässige Tischler zugegebenermaßen ein wenig nachgeholfen haben: die hölzerne Mutter Gottes weint blutige Tränen! Endlich, damit wird Treviso in der ganzen Welt berühmt!

Als Leserin habe ich an dieser Stelle einen wahren Aufruhr erwartet: ungläubige, begeisterte, aufgeregte Dorfbewohner, die ihr Glück gar nicht fassen können! Aber stattdessen wird dem Leser nur die nüchterne Berichterstattung in der Presse serviert. Kein Wort über die freudige Reaktion der Bewohner. Auch die Veränderungen für das Dorf und die Bewohner wie die einfallenden Pilgerströme oder der florierende Souvenierverkauf werden nur kurz und enttäuschend sachlich beschrieben. Sehr sehr schade, das hätte ich mir anders gewünscht. So plätschert die bisher sowieso nur leidlich spannende Geschichte nur weiter stumpf vor sich hin.

Erst als der vatikanische Gesandte auf den Plan tritt, keimt etwas Spannung auf. Was wird sich der findige Pfarrer nun einfallen lassen? Doch auch dieser Teil der Geschichte beinhaltet nur platte und profane Versuche, den Gesandten vom genaueren Untersuchen der Madonna abzuhalten und ihn später auf eine falsche Fährte zu locken.
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Auch auf die letzte Episode, den Gerichtsprozeß, hätte nach meinem Empfinden verzichtet werden können. Ein Ende der Geschichte nach der Abreise des Gesandten hätte dem Buch genüge getan. Diese letzten Seiten machten auf mich den Eindruck, als hätte zum Erreichen eines akzeptablen Gesamtumfangs noch einige Seiten gefehlt, die mit Mutwillen irgendwie gefüllt werden müssen. Den gleichen Eindruck hatte ich beim Lesen der Mini-Episoden um Giorgio und die finnische Touristin - man hat ein paar Lückenfüller gebraucht. Hätte man lieber an den oben kritisierten Stellen ein wenig ausschweifender geschrieben, das hätte der Geschichte gut getan.

Die zarte Liebesgeschichte zwischen Maria und Luigi war durchaus in Ordnung und schön zu lesen, sie hat gut in die Geschichte gepaßt. Auch sehr schön fand ich die Herausarbeitung der "Moral von der Geschicht´", der Tatsache, daß das, was man sich sehnlichst wünscht oder was man lange erstrebt, nach dem Erreichen nicht immer unbedingt glücklich macht.

Trotz der innovativen Grundidee und einiger toller Elemente innerhalb der Geschichte haben für mich die negativen Aspekte leider deutlich überwogen. Die gute Grundidee - fingiertes sakrales Wunder und die Folgen für alle - hätte man meiner Meinung nach ein wenig gelungener umsetzen können.
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