Also dafür, wie sehr ich mich durch die ersten zehn, fünfzehn Seiten gekämpft habe, geht es jetzt nur so dahin. Mittlerweile habe ich schon zwei Drittel gelesen!
Ein bisschen geht es mir allerdings schon wie stefanie_j_h:
Es gefällt mir nach wie vor, aber manche Personen interessieren mich einfach nicht so wahnsinnig und ich bin froh, wenn die Reise weitergeht in einen anderen Kopf.
Und
wie dieses "von Kopf zu Kopf reisen" funktioniert, gefällt mir außerordentlich gut - Virginia Woolf wechselt nicht einfach die Szene, sondern arrangiert es wie das Abklatschen bei einem Staffellauf.
Dass mir die Charaktere sonderlich fremd bleiben, könnte ich nicht behaupten - es stimmt zwar, dass die Sympathieträger ziemlich in der Unterzahl sind, aber gerade zur Titelfigur habe ich z.B. sehr wohl einen guten Zugang gefunden.
Zur filmischen Umsetzung: was die inneren Monologe betrifft, kann ich mir auch nicht so recht vorstellen, dass ein Film dem gerecht werden könnte. Aber zwei oder drei Szenen kamen bereits vor, bei denen ich eine ganz bestimmte Filmtechnik vor Augen hatte und gar nicht glauben konnte, dass Virginia Woolf solche Bilder erzeugt, ohne jemals einen modernen Kinofilm gesehen zu haben.
Und zwar beschreibt sie manchmal, wie Figuren völlig reglos in einer bestimmten Position verharren, während sich im Hintergrund bzw. in ihrer Umgebung alles normal bewegt.
Einmal z.B. streckt ein Mann seinen Hut grotesk in die Luft, während ein Flugzeug Buchstaben in die Luft schreibt ... ein anderes Mal sitzen, glaube ich, Septimus und Lucrezia auf einer Parkbank (Virginia Woolf beschreibt das wesentlich weniger banal als ich

). Ich stelle mir das nicht so vor, dass die Figuren einfach nur stillhalten, sondern eher wie ein DVD-Standbild (mit bewegtem Hintergrund) ... das Ganze denke man sich dann noch nicht statisch gefilmt, sondern mit einer Kamerafahrt, sodass die "Standbilder" an Dreidimensionalität gewinnen (während das Flugzeug weiter seine Kreise zieht oder rund um das Pärchen Blätter zu Boden fallen o.ä.) ... kann man sich ungefähr vorstellen, was ich meine?
Also wie gesagt, inhaltlich halte ich das Buch für sehr schwierig zu verfilmen, aber optisch schreien manche Szenen geradezu danach.
Worüber ich mir ganz oft Gedanken machte, war die Tatsache, dass in diesem Buch sehr oft vom Tod die Rede ist und auch von einer gewissen Todesehnsucht und ich frage mich, ob das nicht vielleicht schon sehr frühe Hinweise darauf waren, dass Virginia Woolf ebenfalls eines Tages freiwillig aus dem Leben schied.
Zumindest taucht diese Todessehnsucht wohl nicht von ungefähr immer wieder im Roman auf. Ob man das allerdings schon als konkreten Hinweis interpretieren kann, lasse ich mal dahingestellt ... vielleicht war es zu diesem frühen Zeitpunkt auch noch ein sehr diffuses Empfinden, dass sich genauso gut noch in eine ganz andere Richtung entwickeln hätte können. Aber dazu kenne ich mich mit Woolfs Biographie zu wenig aus.
Dies Buch habe ich vor zwei Jahren versucht zu lesen, bzw. die Übersetzung. Ich fand das Buch total langweilig und geschwätzig. Ich wundere mich, ob das in der Übersetzung lag. Danach probierte ich auch die englische Version, Mist. Werke von dieser Bloomsberry Group mag ich nicht.
Auch wenn's mir selber zum Glück nicht so geht, kann ich schon nachvollziehen, wenn das Buch auf jemanden "geschwätzig" wirkt. Was deinen englischen Versuch betrifft, Hut ab, ich bin mit der deutschen Version absolut ausgelastet und würde mir das Original nur mit Ach und Krach zutrauen (und mein Englisch ist alles andere als übel).
Das "Mist" interpretiere ich jetzt mal optimistisch als "Mist, dass ich es probiert habe" und nicht "die Originalversion ist Mist", denn so eine Präpotenz will ich dir nur ungern unterstellen.

Übrigens glaube ich, dass mir trotzdem noch einiges entgeht, auch wenn ich mich nun schon sehr gut eingelesen habe und nicht mehr so oft abdrifte. Und ich glaube auch, dass ich (obwohl Ende 20) vielleicht für manche Aspekte doch noch etwas zu jung bin, um sie in ihrer Gesamtheit zu erfassen.