Kurzbeschreibung:
>>>Am liebsten tagsüber und Fenster zu wegen der Nachbarn. So mag es Elizabeth. Ihr Mann macht die Heizdecken auf dem Bett an, dann kann’s losgehen. Sie fährt sofort mit der Hand rein in Georgs XXL-Yogahose. Und ab hier betrügt sie ihre Männer hassende Mutter, die ihr beibringen wollte, dass Sex etwas Schlechtes sei. Hat aber nicht geklappt, Glück für Elizabeth, Glück für Georg. Aber Sex ist ja nicht alles, es gibt auch noch das Essenkochen für ihre Tochter Liza, und es gibt den Exmann, Lizas Vater. Keine geringe Rolle spielen auch ihre Ängste und ihre schrecklichen Eltern. Wobei diese Themen für Elizabeth seit dem Unfall immer zusammengehören. – »Schoßgebete« erzählt von Ehe und Familie wie kein Roman zuvor. Radikal offen, selbstbewusst und voller grimmigem Humor ist es die Geschichte einer so unerschrockenen wie verletzlichen jungen Frau. <<<
Meine Meinung:
Zuerst dachte ich, "Schoßgebete" sei ein belangloses Buch und hätte es u.a. wegen der abstoßenden Sex-Szene am Anfang fast gleich wieder abgebrochen.
Doch als Charlotte Roche über den Unfall schreibt, der der Hauptperson Elizabeth Kiehl (wie der Autorin 2001) drei ihrer Geschwister genommen hat, da merkt man plötzlich, dass Roche wirklich schreiben kann. Dass Herzblut darin steckt, im Schock, der Hilflosigkeit, der Trauer angesichts des Unfalls und in der Wut über die "Druck"-Zeitung. Ebenso, dass Roche eben nicht, wie ihr einige Kritiker vorwerfen, ihr Familiendrama vermarktet, sondern darüber schreibt, weil sie darüber schreiben muss, um es zu verarbeiten.
Sehr interessant fand ich auch die Beziehung zwischen Elizabeth und ihrer Therapeutin, und die Erkenntnisse, die Elizabeth aus der Therapie gewinnen kann.
Trotzdem: das Wettern gegen die böse, feministische Mutter und Elizabeth totale (sexuelle) Unterordnung gegenüber ihrem Mann haben mich genervt.
Elizabeth geht mit Georg regelmäßig in ein Bordell, obwohl sie das gar nicht will, und hat am Anfang der Beziehung ihrer beider Kind abgetrieben, obwohl sie auch das nicht wollte - hallo???
Ich kenne "Feuchtgebiete" nicht, denke aber, nach allem, was ich darüber bisher gehört habe, dass die Eröffnungsszene von "Schoßgebete" wohl die (männlichen) Leser anlocken sollte, die "Feuchtgebiete" schon toll fanden. Nur leider hat genau das "Schoßgebete" zu einem schlechteren Buch gemacht, als es hätte sein können.
Mein Fazit:
Einige Stellen haben mich abgestoßen (ich sage nur Würmer

), manches hat mich wütend gemacht, bei vielen Dingen hatte ich Mitleid mit der so unglücklichen Elizabeth und an einigen wenigen Stellen sagt Elizabeth in ihrem Bewusstseinsstrom so etwas Philosophisch-Wahres, dass es wunderbar zu lesen war. Deswegen habe ich große Schwierigkeiten, was die Gesamtbewertung des Buches betrifft. Also vergebe ich hier auch keine Ratten, sondern sage nur, dass ich trotz aller Kritik froh bin, dieses Buch gelesen zu haben.