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Autor Thema: Charlotte Roche - Schoßgebete  (Gelesen 989 mal)

Anja

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Re: Charlotte Roche - Schoßgebete
« Antwort #15 am: 23. September 2011, 22:39:24 »

Kurzbeschreibung:

>>>Am liebsten tagsüber und Fenster zu wegen der Nachbarn. So mag es Elizabeth. Ihr Mann macht die Heizdecken auf dem Bett an, dann kann’s losgehen. Sie fährt sofort mit der Hand rein in Georgs XXL-Yogahose. Und ab hier betrügt sie ihre Männer hassende Mutter, die ihr beibringen wollte, dass Sex etwas Schlechtes sei. Hat aber nicht geklappt, Glück für Elizabeth, Glück für Georg. Aber Sex ist ja nicht alles, es gibt auch noch das Essenkochen für ihre Tochter Liza, und es gibt den Exmann, Lizas Vater. Keine geringe Rolle spielen auch ihre Ängste und ihre schrecklichen Eltern. Wobei diese Themen für Elizabeth seit dem Unfall immer zusammengehören. – »Schoßgebete« erzählt von Ehe und Familie wie kein Roman zuvor. Radikal offen, selbstbewusst und voller grimmigem Humor ist es die Geschichte einer so unerschrockenen wie verletzlichen jungen Frau. <<<

Meine Meinung:

Zuerst dachte ich, "Schoßgebete" sei ein belangloses Buch und hätte es u.a. wegen der abstoßenden Sex-Szene am Anfang fast gleich wieder abgebrochen.

Doch als Charlotte Roche über den Unfall schreibt, der der Hauptperson Elizabeth Kiehl (wie der Autorin 2001) drei ihrer Geschwister genommen hat, da merkt man plötzlich, dass Roche wirklich schreiben kann. Dass Herzblut darin steckt, im Schock, der Hilflosigkeit, der Trauer angesichts des Unfalls und in der Wut über die "Druck"-Zeitung. Ebenso, dass Roche eben nicht, wie ihr einige Kritiker vorwerfen, ihr Familiendrama vermarktet, sondern darüber schreibt, weil sie darüber schreiben muss, um es zu verarbeiten.

Sehr interessant fand ich auch die Beziehung zwischen Elizabeth und ihrer Therapeutin, und die Erkenntnisse, die Elizabeth aus der Therapie gewinnen kann.

Trotzdem: das Wettern gegen die böse, feministische Mutter und Elizabeth totale (sexuelle) Unterordnung gegenüber ihrem Mann haben mich genervt.
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Ich kenne "Feuchtgebiete" nicht, denke aber, nach allem, was ich darüber bisher gehört habe, dass die Eröffnungsszene von "Schoßgebete" wohl die (männlichen) Leser anlocken sollte, die "Feuchtgebiete" schon toll fanden. Nur leider hat genau das "Schoßgebete" zu einem schlechteren Buch gemacht, als es hätte sein können.

Mein Fazit:

Einige Stellen haben mich abgestoßen (ich sage nur Würmer :rollen:), manches hat mich wütend gemacht, bei vielen Dingen hatte ich Mitleid mit der so unglücklichen Elizabeth und an einigen wenigen Stellen sagt Elizabeth in ihrem Bewusstseinsstrom so etwas Philosophisch-Wahres, dass es wunderbar zu lesen war. Deswegen habe ich große Schwierigkeiten, was die Gesamtbewertung des Buches betrifft. Also vergebe ich hier auch keine Ratten, sondern sage nur, dass ich trotz aller Kritik froh bin, dieses Buch gelesen zu haben.
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Wendy

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Re: Charlotte Roche - Schoßgebete
« Antwort #16 am: 24. September 2011, 10:50:03 »

Trotzdem: das Wettern gegen die böse, feministische Mutter und Elizabeth totale (sexuelle) Unterordnung gegenüber ihrem Mann haben mich genervt.
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Naja, diese Dinge zeigen ja auch, dass sie innerlich völlig kaputt ist und ihrem Mann um jeden Preis gefallen will. Bis zu einem gewissen Grad kann ich das sogar nachvollziehen. In meiner letzten Beziehung habe ich auch sehr gekämpft um die "coole Freundin" zu sein, der es nichts ausmacht, wenn der Mann lechzend andere Frauen bewundert. Ich schätze das hängt mit fehlendem Selbstbewusstsein zusammen.  :redface:
Das Bordell und die zweite Sache, die du in dem Spoiler ansprichst, sind für mich aber noch zwei Paar sehr unterschiedlicher Schuhe. Das eine - und das kann man ja am Ende des Buches lesen - macht ihr ja selbst dann auch Spaß. Das ist für sie offenbar ein Kick, für den sie anfangs etwas Überwindung braucht.
Das zweite - dazu schüttele ich auch nur den Kopf. Krank!

Anti-Feministisch finde ich es nicht. Eher Neo-feministisch. Das Wettern gegen Alice Schwarzer ist da, glaube ich, deshalb so übertrieben, damit es eben ankommen. Überzeichnen, um eine Message rüberzubringen... das macht Frau Roche ja schon seit Feuchtgebiete.  :breitgrins:

Deinem Fazit kann ich aber vollkommen zustimmen.
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Anja

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Re: Charlotte Roche - Schoßgebete
« Antwort #17 am: 30. September 2011, 12:22:36 »

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Anja

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Re: Charlotte Roche - Schoßgebete
« Antwort #18 am: 30. September 2011, 13:08:20 »

Naja, diese Dinge zeigen ja auch, dass sie innerlich völlig kaputt ist und ihrem Mann um jeden Preis gefallen will. Bis zu einem gewissen Grad kann ich das sogar nachvollziehen. In meiner letzten Beziehung habe ich auch sehr gekämpft um die "coole Freundin" zu sein, der es nichts ausmacht, wenn der Mann lechzend andere Frauen bewundert. Ich schätze das hängt mit fehlendem Selbstbewusstsein zusammen.  :redface:

Mich hat das zwar genervt, aber Du hast schon Recht damit, was das zeigen soll. Ich kenne das auch von meinen früheren Beziehungen, aber das so schwarz auf weiß zu lesen war für mich nochmal was anderes, ich hätte Elizabeth da manches Mal am liebsten geschüttelt.

Zitat
Das Bordell und die zweite Sache, die du in dem Spoiler ansprichst, sind für mich aber noch zwei Paar sehr unterschiedlicher Schuhe. Das eine - und das kann man ja am Ende des Buches lesen - macht ihr ja selbst dann auch Spaß. Das ist für sie offenbar ein Kick, für den sie anfangs etwas Überwindung braucht.

Auch, wenn es ihr letztlich doch Spaß macht, finde ich es nicht besonders toll von Georg, dass er sich so über ihre Wünsche hinwegsetzt. Elizabeth schreibt ja seitenlang, welche Probleme ihr das jedesmal im Vorhinein macht.

Edit: schaue mir gerade die Sendung mit Roche bei "Literatur im Foyer" an und da sagt sie ziemlich am Anfang, dass sie mit diesem Buch eine Lanze brechen wollte für Männer, die es aushalten, mit neurotischen Frauen zusammenzuleben. Für mich kam Georg allerdings nicht als ein sympathischer Held dank neurotischer Partnerin rüber...
« Letzte Änderung: 30. September 2011, 13:20:07 von Anja »
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Re: Charlotte Roche - Schoßgebete
« Antwort #19 am: 30. September 2011, 16:06:23 »

Naja, diese Dinge zeigen ja auch, dass sie innerlich völlig kaputt ist und ihrem Mann um jeden Preis gefallen will. Bis zu einem gewissen Grad kann ich das sogar nachvollziehen. In meiner letzten Beziehung habe ich auch sehr gekämpft um die "coole Freundin" zu sein, der es nichts ausmacht, wenn der Mann lechzend andere Frauen bewundert. Ich schätze das hängt mit fehlendem Selbstbewusstsein zusammen.  :redface:

Kein Grund rot zu werden, finde ich. Ihr macht mich inzwischen doch sehr neugierig auf das Buch. Scheint ja etwas mehr Hirn dahinter zu stecken als in Feuchtgebiete. Ich habe inzwischen die Erfahrung gemacht, dass es unglaublich viele Frauen gibt, die sich selbst verändern, um ihren Partnern zu gefallen - auf die eine oder andere Art. Ich bin nun seit zwei Jahren ohne Freund und ich fühle mich so befreit und glücklich wie seit Jahren (oder Jahrzehnten) nicht mehr, obwohl ich nie den Eindruck hatte, dass ich Dinge tue, die ich gar nicht will. Tatsächlich waren das immer Kleinigkeiten (z.B. der Besuch von lauten Konzerten, obwohl ich solche Menschenmassen, den Krach und Gestank hasse), aber in Summe macht das halt auch unglücklich.

O.k... ich habe es nun lange genug vermieden, aber nun wandert "Schoßgebete" doch auf meine Wunschliste  :rollen:
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Re: Charlotte Roche - Schoßgebete
« Antwort #20 am: 30. September 2011, 16:47:08 »

O.k... ich habe es nun lange genug vermieden, aber nun wandert "Schoßgebete" doch auf meine Wunschliste  :rollen:

 :klatschen: Ich bin jetzt schon gespannt auf Deine Meinung!
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Re: Charlotte Roche - Schoßgebete
« Antwort #21 am: 30. September 2011, 17:02:25 »

O.k... ich habe es nun lange genug vermieden, aber nun wandert "Schoßgebete" doch auf meine Wunschliste  :rollen:

 :klatschen: Ich bin jetzt schon gespannt auf Deine Meinung!

Jaaaaa, ich auch! :klatschen:
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Re: Charlotte Roche - Schoßgebete
« Antwort #22 am: 30. September 2011, 17:38:07 »

Kinners, es ist schon ein weiter Weg von meinem SUB zum Gelesen werden. Aber von der Wunschliste aus ist der Weg noch länger  :breitgrins:
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Re: Charlotte Roche - Schoßgebete
« Antwort #23 am: 05. Oktober 2011, 14:53:19 »

Interessante (negative) Rezi aus literaturkritik 10/2011:

http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=15951&ausgabe=201110

Gruß, Thomas
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hilde

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Re: Charlotte Roche - Schoßgebete
« Antwort #24 am: 22. Januar 2012, 16:14:52 »

Eigentlich wollte ich es ja nicht lesen, aber die Neugier war stärker...

Die klare, direkte Sprache hat mir gut gefallen. Charlotte Roche bleibt dicht an ihrer Protagonistin Elizabeth Kiel und schildert deren zerrütteten Seelenzustand mit fast erschreckender Authentizität.
Elizabeth ist neurotisch, zweifellos. Doch, hier möchte ich Lovenbergs FAZ-Rezension zitieren, „eben weil von dieser Frau nichts bedrohlich Modellhaftes ausgeht, lässt man sich auf sie ein - und wird gewahr, dass Elizabeth zwischen ihren ureigenen Extremen Fragen verhandelt, die die meisten Frauen ihrer Generation in der ein oder anderen Form ebenfalls umtreiben“.
Die Stärke des Buches liegt meines Erachtens in der Schilderung, wie stark der Unfalltod ihrer drei Bücher Elizabeth noch nach Jahren belastet und ihren Alltag bestimmt. Sie kann ihre Trauer immer noch nicht zulassen. Stattdessen versucht sie, das Leben zu kontrollieren, und kann daran nur scheitern.
@MrsDalloway
Daher finde ich auch die von Dir beschriebenen Ambivalenzen nicht störend, im Gegenteil.

Als quasi stellvertretend für die nicht gelebte Trauer nehme ich die große Wut auf die Boulevard-Presse wahr, auch ein interessanter Aspekt.

Grundsätzlich fand ich die S.e.x.szenen in diesem Zusammenhang nicht unpassend. S.e.x ist für Elizabeth das Mittel, um einen Rausch zu erzeugen und ihren verstörenden Gedankenkreisen für einige Zeit zu entfliehen.
Ab der Mitte des Buches nimmt dieses Thema aber zu viel Raum ein und wird dadurch nervig. Es ist, als wollte Elizabeth die Leser/innen nun nicht mehr an ihrer inneren Entwicklung teilhaben lassen und diese, wie sich selbst, ablenken.

Würde Charlotte Roche den Austausch von Körperflüssigkeiten etwas weniger wichtig nehmen, würde ich sicher noch weitere Bücher von ihr lesen.
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