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Autor Thema: Charlotte Roche - Schoßgebete  (Gelesen 989 mal)

Mrs.Dalloway

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Charlotte Roche - Schoßgebete
« am: 17. August 2011, 08:37:16 »



Charlotte Roche - Schoßgebete

Klappentext:

Sie liegt immer auf der Lauer, ist immer kontrolliert, immer aufs Schlimmste gefasst. Nur beim Sex ist Elizabeth Kiehl plötzlich frei, nichts ist ihr peinlich. Dann vergisst sie alle Pflichten und Probleme. Und hat nur ein Ziel vor Augen - mit der Liebe ihres Lebens für immer zusammenzubleiben.

In ihrem Roman "Feuchtgebiete" bewies Charlotte Roche neben drastischer Offenheit auch ungestümen Witz. "Schoßgebete" erzählt von Ehe und Familie wie kein Roman zuvor. Und erkundet wagemutig und voll grimmigem Humor jeden Winkel im Leben einer so unerschrockenen wie verunsicherten jungen Frau.


Meine Meinung:

Auch wenn das Cover den Vergleich mit Roches Erstlingswerk "Feuchtgebiete" nahelegt, so ist ihr zweiter Roman meiner Meinung nach meilenweit von "Feuchtgebiete" entfernt. Obwohl "Schoßgebete" mit einer detailliert beschriebenen Sexszene beginnt, sind solche Beschreibungen eher eine Seltenheit. Teilweise kam es mir so vor, als hätte Charlotte Roche dieses Mal eigentlich über komplett andere Themen schreiben wollen, fühlte sich aber gezwungen, immer wieder mal kurz auf Sex, Körperflüssigkeiten und Intimkrankheiten zurück zu kommen. Man muss seinem Image ja treu bleiben.  :rollen:

"Schoßgebete" beschreibt die Ehe von Elizabeth Kiehl, die aufgrund eines Familiendramas, welches der Leidensgeschichte der Autorin selbst sehr nahe kommt, stark traumatisiert und unsicher ist. Da sie schon seit Jahren in therapeutischer Behandlung ist, hat Elizabeth Kiehl allerdings gelernt, sich selbst gut zu analysieren... was genau das Problem ist: Der ganze Roman ist im Grunde ein innerer Monolog über die Gefühle von Elizabeth und die Protagonistin seziert dabei jede einzelne Gefühlsregung. Elizabeth Kiehl ist die Verkörperung aller weiblicher Neurosen, Unsicherheiten und Emotionen, was mir auf die Dauer einfach zu viel wurde: Sie empfindet sich im einen Moment als gute Mutter und im nächsten wünscht sie ihrer Tochter den Tod; in einen Moment sieht sie ihren Mann als die große Liebe ihres Lebens und im nächsten würde sie ihn gerne betrügen; in einem Moment fühlt sie sich als stolze Feministin und im nächsten besucht sie mit ihrem Mann ein Bordell, um ihm zu beweisen, wie cool sie ist obwohl sie sich dabei extrem unsicher fühlt; im einen Moment ist sie im Einklang mit ihrem Körper und im nächsten verbietet sie ihrem Mann die Musik seiner Lieblingssängerin zu hören, weil diese größere Brüste hat als sie selbst.
Und diese Alltagsschizophrenien werden auf Hunderten von Seiten totgetreten, weshalb es mir tatsächlich irgendwann zu blöd wurde und ich 70 Seiten übersprungen habe.

"Schoßgebete" hat stellenweise schon den Roche'schen Witz und Humor, aber im Grunde ist es nicht mehr als der Selbstanalyseversuch einer emotional verwirrten Frau, die jeden Mann (und leider wohl auch viele Leser) in den Wahnsinn treiben würde.

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Ophelia

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Re: Charlotte Roche - Schoßgebete
« Antwort #1 am: 23. August 2011, 20:09:39 »

Mich hätte es auch arg gewundert, Mrs Dalloway, wenn dein Urteil weniger negativ ausgefallen wäre. Ich denke, in den Büchern von Frau Roche steckt jede Menge (vielleicht zu viel?) von ihr selbst drin - dieser Eindruck hat sich nur bestätigt, als ich das lange Interview mit ihr in Die Zeit gelesen habe. Sie versucht scheinbar, ihre eigenen Psychosen und Unzulänglichkeiten zu verarbeiten - und das sehr medienwirksam. Sie weiß eben, wie man aus Sch*** Bonbon macht.  :zwinker:
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Mrs.Dalloway

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Re: Charlotte Roche - Schoßgebete
« Antwort #2 am: 24. August 2011, 00:47:53 »

Wobei ich Feuchtgebiete eigentlich ganz gut fand. Es war eben mal was radikal anderes und sehr offen. Und Schoßgebete bekommt auch irgendwie überall recht gute Kritiken... Vielleicht ist das so ein Buch, das ich einfach nicht verstehe...  :breitgrins:
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Wendy

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Re: Charlotte Roche - Schoßgebete
« Antwort #3 am: 24. August 2011, 08:00:19 »

Naja, Schoßgebete ist wohl einfach im Moment sehr präsent.

Ich war kürzlich bei Thalia, da hatten sie es direkt an den Kassen stehen und als ich mein Buch bezahlt habe, meinte die Verkäuferin zu ihrem Kollegen, sie habe heute schon dermaßen viele Exemplare davon verkauft. Ich hatte ja auch eines in der Hand und hab mir den Klappentext durchgelesen.
Ich schätze, es wird auch dieses Roche-Buch wieder ein Bestseller, einfach weil es so gehypt wird. Bei den "Feuchtgebieten" habe ich mich noch hinreißen lassen (auf die Empfehlung einer Bekannten hin), aber ich glaube hier muss ich passen.  :breitgrins:
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Ophelia

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Re: Charlotte Roche - Schoßgebete
« Antwort #4 am: 25. August 2011, 16:45:58 »

Warum wird es wohl gehypt? Die Gute hat eben ein paar wichtige Freunde in der Medienlandschaft.  :zwinker: Ich bin generell bei Büchern, die so dermaßen gepusht werden und auf den Bestsellerlisten stehen, sehr misstrauisch. Bisher habe ich damit nur daneben gegriffen und ich schätze, hier wäre es nicht anders. Daher spare ich das Geld lieber für bessere Bücher.  :breitgrins:
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Klassikfreund

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Re: Charlotte Roche - Schoßgebete
« Antwort #5 am: 25. August 2011, 17:59:37 »

Warum wird es wohl gehypt?

Woran machst du das fest? Gab es einen Vorabdruck in der Bildzeitung? Ich glaube nicht. Und auch sonst nehme ich Frau Roche in den Medien kaum wahr. Also wo ist der Hype?

Gruß, Thomas
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Anja

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Re: Charlotte Roche - Schoßgebete
« Antwort #6 am: 25. August 2011, 18:49:34 »

Du hast Recht mit dem Hypen, Ophelia, aber ich muss zugeben, dass ich dadurch wirklich neugierig wurde und mir das Buch jetzt in der Bücherei vorbestellt habe. Immerhin habe ich es nicht gekauft und im schlimmsten Fall schreibe ich halt freudig einen Verriss! :zwinker:

("Feuchtgebiete" habe ich damals trotz medialer Dauerberieselung übrigens nicht gelesen; das Thema von "Schoßgebete" hört sich für mich viel interessanter an.)
« Letzte Änderung: 25. August 2011, 18:52:57 von Anja »
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MacOss

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Re: Charlotte Roche - Schoßgebete
« Antwort #7 am: 25. August 2011, 19:21:01 »

Gab es einen Vorabdruck in der Bildzeitung?

Dort ja nun gerade nicht, denn die gesamte Springerpresse wird von Roche boykottiert, weil die Bildzeitung wohl vor einigen Jahren den Tod ihrer Brüder bei einem Autounfall auf dem Weg zu ihrer (also Roches) geplanten Hochzeit mit dubiosen Methoden medial auszuschlachten versuchte. Was übrigens auch im neuen Buch thematisiert werden soll.

Ansonsten muss ich aber auch feststellen, dass Charlotte Roche derzeit ziemlich oft zu sehen ist und über sie berichtet wird. Zwar war es vor Veröffentlichung des Buches recht ruhig, aber nun taucht sie schon recht häufig auf: Hier in Berlin gibt es einige großformatige Anzeigetafeln, die für "die neue Roche" werben, vergangene Woche war sie bei Lanz, vorgestern bei Thadeusz, und morgen soll sie bei der NDR-Talkshow dabei sein. Mediale Zurückhaltung sieht für mich anders aus... :zwinker:

Nicht zuletzt nach ihrem Auftritt bei Lanz bin ich aber sehr interessiert an dem Buch. Wie und was sie über die Verarbeitung ihres Verlustes gesagt hat, war sehr fesselnd und ergreifend. Ich glaube, mit den "Feuchtgebieten" hat Charlotte Roche ein Image verpasst bekommen, das ihr nicht gerecht wird.
« Letzte Änderung: 25. August 2011, 19:45:32 von MacOss »
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Mrs.Dalloway

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Re: Charlotte Roche - Schoßgebete
« Antwort #8 am: 25. August 2011, 20:12:46 »

Nicht zuletzt nach ihrem Auftritt bei Lanz bin ich aber sehr interessiert an dem Buch. Wie und was sie über die Verarbeitung ihres Verlustes gesagt hat, war sehr fesselnd und ergreifend. Ich glaube, mit den "Feuchtgebieten" hat Charlotte Roche ein Image verpasst bekommen, das ihr nicht gerecht wird.

Mir hat die "Feuchtgebiete"-Roche besser gefallen. Traumaverarbeitung ist schön und gut, und es ist ein ernstes Thema, aber 300 Seiten Selbstanalyse waren mir zu hart. Interessant finde ich, dass ihre Familie ihr jetzt vorwirft, das Familienunglück genauso auszubeuten wie es damals die Bildzeitung gemacht hat.
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Ophelia

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Re: Charlotte Roche - Schoßgebete
« Antwort #9 am: 25. August 2011, 20:38:37 »

Warum wird es wohl gehypt?

Woran machst du das fest? Gab es einen Vorabdruck in der Bildzeitung? Ich glaube nicht. Und auch sonst nehme ich Frau Roche in den Medien kaum wahr. Also wo ist der Hype?

Gruß, Thomas

Kann etwa nur die BLÖD-Zeitung hypen? Nö. Ich lese keine Bildzeitung, daher kann ich dir das nicht beantworten, ob es einen Vorabdruck gab. Ich fand es nur sehr erstaunlich, dass ihr Buch in eher "anspruchsvolleren" Zeitungen wie DIE ZEIT so dermaßen angepriesen bzw. einem quasi angebiedert wurde, dass ich es schon zu auffällig und einfach nervig fand. Ganz zu schweigen von den o. g. Talkshowauftritten. Aber seht ihr, sie hats doch schon geschafft - man redet drüber, auch wenn man es nie lesen würde.  :zwinker:
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Wendy

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Re: Charlotte Roche - Schoßgebete
« Antwort #10 am: 28. August 2011, 10:08:53 »

So, ihr Lieben.

Ich habe gestern das Hörbuch - gelesen von Charlotte Roche selber - kostenlos ergattert (Freunde sind was Schönes) und habe daher beschlossen, diesem Buchdoch eine Chance zu geben (trotz oben genannter Einwände). Die ersten eineinhalb Stunden hab ich auch tatsächlich noch gestern Abend gehört.



Mein erstes Urteil: Man merkt schon, dass Frau Roche ein wenig als Schreiberin gewachsen ist (ich mag irgendwie nicht Schriftstellerin sagen...). Sie hat ihre Hauptperson dermaßen überzeichnet, dass es fast schon ein humorvolles Element in die Geschichte bringt. Die Dame hat Angst vor allem und ist so bio, dass jeder normale, gesundheits- und naturbewusste Mensch den Kopf schüttelt. Ihr Hauptziel scheint es zu sein, sich nicht umzubringen und "eine gute Mutter" für ihr kleines Mädchen zu sein - dafür spielt sie auch gerne mal eine Rolle, die sie selbst gar nicht wählen würde. Sie hat Erziehungsbücher gelesen und Jonathan Safran Foers Buch "Tiere essen", daher auch der rabiate Vegetarismus.

An Plot ist bisher noch nichts zu erkennen. Außer dass das Buch mit einer haarklein ins Detail geschilderten Blow-Job-Szene beginnt (darf ich das sagen im Forum?), scheint sie diesmal nicht ganz so sehr auf Skandalmache abzuzielen.
Was mir als etwas seltsam aufgallen ist: Sie nennt es auch "blasen", wenn der Mann bei ihr Oralsex performt (gar nicht so leicht, das weniger unschön auszudrücken).

Der Unfall der Brüder wurde bereits erwähnt. In der Therapie, in der sich die Hauptperson seit 8 Jahren befindet. Diese Szene hat mir auch ein paar Schmunzler entlockt, da sie jedes Mal, wenn die Therapeutin etwas sagt, dass sie nicht so gut nachvollziehen kann, einfach schreibt: Die hat das ja studiert.  :breitgrins:

Begeistert bin ich bisher nicht und schon gar nicht hätte ich 17 Euro dafür bezahlt, aber weiterhören werde ich sicher mal. Alleine schon, um mir eine ordentliche Meinung bilden zu können.

Liebe Grüße,
Wendy
« Letzte Änderung: 07. September 2011, 16:11:32 von Wendy »
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Anja

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Re: Charlotte Roche - Schoßgebete
« Antwort #11 am: 29. August 2011, 17:48:50 »

Interessant finde ich, dass ihre Familie ihr jetzt vorwirft, das Familienunglück genauso auszubeuten wie es damals die Bildzeitung gemacht hat.

Roches Stiefvater will ja sogar gerichtlich gegen das Buch vorgehen. Aber warum? Es ist imho schon etwas anderes, ob die Blöd-Zeitung mal wieder "Witwenschütteln" betreibt, oder ob eine Hinterbliebene schreibend ihre Erlebnisse verarbeitet. Ich zweifle einfach an den hehren Motiven des Stiefvaters...
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Re: Charlotte Roche - Schoßgebete
« Antwort #12 am: 07. September 2011, 16:16:10 »

Interessant finde ich, dass ihre Familie ihr jetzt vorwirft, das Familienunglück genauso auszubeuten wie es damals die Bildzeitung gemacht hat.

Ich bin im Hörbuch jetzt weit genug, dass ich diese Stelle kenne. Charlotte Roche verarbeitet da klar und deutlich die Erfahrung, das Unglück, das ihr selbst widerfahren ist. Und ich finde, dass diese Stelle wirklich gut geschrieben ist. :entsetzt: Ich war schockiert. Da ist von Ekelschocker nicht die Rede.
Vor allem ihre Abrechnung mit der BILD-Zeitung fand ich irgendwie befriedigend. Das grauenvolle Empfinden, das sie überkommen hat, als sie von dem Unfall gehört hat, waren bisher die beste Stelle in diesem Buch.
Als Ausbeutung des Familienunglück empfinde ich es aber nicht. Im Gegenteil. Sie ist da ziemlich hart zu sich selbst, erwähnt kaum Verwandte und wenn dann wirklich nur am Rande und absolut nicht negativ. Dass es passiert ist, ist ja offenbar bekannt (ich hatte vor Schoßgebete nichts davon gehört) und in Interviews hat Charlotte Roche ja gesagt, diese Geschichte  stecke seitdem so tief in ihr drinnen, dass sie einfach irgendwann mal rausmuss.
Das kann man jetzt als billige Ausrede bzw. Vorwand für den neuen Skandalroman ansehen, aber ich persönlich glaube das schon. Sowas verarbeitet man wahrscheinlich nicht so leicht, das kann auch mal Jahrzehnte in einem festsitzen.

So, dreieinhalb Stunden habe ich noch übrig, dann gibt's eine ordentliche Rezi.  :breitgrins:
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bello999

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Re: Charlotte Roche - Schoßgebete
« Antwort #13 am: 08. September 2011, 09:46:29 »

Ich bin schon ganz neugierig auf das Buch... hatte leider noch keine Zeit es zu kaufen. "Feuchtgebiete" haben mir auch gefallen, ich hab´s an einem Abend gelesen. Es ist ja auch kein konventionelles Buch und viele mögen sich nicht angesprochen fühlen, das dürfen sie auch, ich war allerdings positiv überrascht  :breitgrins:
Jetzt, wo der Sommer fast zu ende ist, da freue ich mich auf einen schönen Abend im Bett mit einem Glas Wein, am besten wenn es ein  Weissburgunder ist  :zwinker: und dazu "Schoßgebete". Na das wird aber ein gelungener Abend  :klatschen:
Vielleich entsteht daraus noch eine Trilogie... wer weiß...?

Edit: Kommerzielle Links entfernt. Beim nächsten Mal gibts eine Rechnung - die Preise sind den Mediadaten von Literaturschock.de zu entnehmen. Gruß nimue
« Letzte Änderung: 13. September 2011, 21:23:38 von nimue »
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Wendy

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Re: Charlotte Roche - Schoßgebete
« Antwort #14 am: 13. September 2011, 12:20:55 »

Soooo, fertich!  :breitgrins:



Meine Meinung:
Bereits nach nur einem veröffentlichten Roman erwartet man sich von Frau Roche Ekel- und Skandalbücher. Auf den ersten Seiten ihres neuen Romans "Schoßgebete", versucht sich offenbar, zumindest teilweise diesem Image gerecht zu werden und berschreibt in akribischem Detail ihren Hauptcharakter Elisabeth Kiel beim Blow-Job mit ihrem Mann. Dass da keine auch noch so kleinsten Anatomieteile vernachlässigt werden, war zu erwarten. Das Ganze las sich für mich aber eher klinisch (auch wenn sie Ausdrücke wie Schwanz verwendet) als erotisch oder skandalös.
Danach schlägt das Buch aber eine ganz andere Richtung an. In einem schier endlosen inneren Monolog von Elisabeth Kiel - der nur selten durch Handlung unterbrochen wird, wenn sie etwa zur Therapie fährt - erfahren wir alles, aber auch wirklich alles, über das verkorkste Innenleben einer Mittdreißigerin mit Mann, Kind und Stiefkind und jeeeeder Menge Problemen.

Sie hat nicht nur einen Öko- und Bio-Tick, sie sieht die einzige Freiheit im Leben in hemmungslosem Sex. Sie tut alles, um für ihre Tochter die perfekte Mama zu sein, auch wenn das bedeutet, dass sie sich biederer benehmen muss als sie es eigentlich will.
Man lernt in diesem Buch, wie man Zwiebel schneidet ohne zu weinen (hab's getestet, 1x mit Erfolg, 1x hab ich trotzdem geweint. :traurig:), wie man mit Kindern umgeht, die unter dem Bett Monster und Hexen vermuten und wie man mit seinem Mann gemeinsam ins Bordell geht.

Dass der tragische Unfall die drei Brüder der Hauptperson getötet hat, lässt darauf schließen, dass Elisabeth Kiel praktisch Charlotte Roche ist. In Interviews sagt sie selbst, dass diese Person so nahe an ihr dran ist wie es nur geht, dass aber doch ein bisschen Fiktion dabei ist. Ich hab das Buch trotzdem gelesen wie eine nur schein-fiktive Autobiographie. Wenn wirklich alles, oder auch nur große Teile, von dem was beschrieben wird, dem echten Leben der Autorin entsprechen, könnte ich Empörung von seiten ihres Mannes verstehen. Den Unfall behandelt sie aber - wie ich schon weiter oben sagte - sehr gut. Zumindest konnte ich mich gut in die Situation reinfühen und das aufgewühlte Innenleben Elisabeth Kiels verstehen.

Insgesamt war ich positiv überrascht. An manchen Stellen wurde mir das ewige Komplex-Blabla zwar auch weit zu viel, aber man merkt, dass sich Frau Roche, was Schreiben an sich betrifft, doch ein wenig weiterentwickelt hat. So schlecht geschrieben wie "Feuchtgebiete" war dieses Buch nicht.
Und das Hörbuch hat sie meiner Meinung nach auch sehr gut gesprochen. Das machte das "Lesen" für mich natürlich noch mehr zu einer Biographie als einem Roman.
Für alle Neugierigen bzw. Leute, die gerne über völlig neurotische Menschen lesen, würde ich das Buch durchaus empfehlen.

3ratten

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