Ich habe es heute tatsächlich geschafft, vier Kapitel in
Het psalmenoproer von
Maarten ´t Hart zu lesen.
Ich hatte das Buch schon im Juni begonnen, und fasse mal kurz zusammen, worum es geht: Hauptperson ist Roemer Stroombreker, der ein relativ wohlhabender Reeder im Maassluis des 18. Jahrhunderts ist. Seine Mutter ist früh verwitwet und drängt ihn dazu, um den Schiffsbesitz der Familie zu mehren, eine ungeliebte Frau (Diderica, auch eine Reederstochter) zu heiraten. Er wird tatsächlich ein angesehener Mann, führt aber eine kinderlose und nicht besonders glückliche Ehe (was die Planungen seiner Mutter ad absurdum führt, denn was nutzt ein vermehrtes Familienvermögen, wenn niemand da ist, der es später mal erben kann). Und Diderica tut mir leid, aber sie trägt ihr Schicksal mit Fassung).
Roemer ist ein freundlicher Mann, der seine Verantwortung gegenüber den Schiffsmannschaften, die er beschäftigt, sehr ernst nimmt und von der Last bedrückt ist.
Übrigens hat er im geheimen einen unehelichen Sohn aus einem Seitensprung mit Anna, einer Jugendliebe, die aber für ihn nicht standesgemäß ist. Sein Sohn ist ein ziemlich aggressiver Mensch und mittlerweile schreiben wir das Jahr 1775, der Sohn (Gilles) ist ein junger Bursche, fast erwachsen, und er ist einer der Haupträdelsführer des beginnenden
Psalmenstreits. Dieser Streit dreht sich darum, wie die Psalmen zu singen sind: es gibt wohl eine neue Vertonung/Umsetzung, bei der die Psalmentexte kürzer sind als bei der alten Variante. Mit der Zeit wird mir klar, daß die neue, kurze Singvariante von den reichen/einflußreichen Leuten eingeführt wurde, und die meisten armen, einfachen Leute möchten lieber bei der langen Variante bleiben. Warum das so wichtig ist, ist mir unklar, aber in Maassluis gibt es regelrechte Krawalle, es werden Gottesdienste gestört, es gibt Randale auf den Straßen. Gerade kristallisieren sich Gilles, also Roemers heimlicher Sohn auf der einen Seite und Diderica, Roemers Frau auf der anderen Seite als die "Lieblingsfeinde" heraus. Ich bin gespannt wie das noch eskalieren wird und habe dabei kein gutes Gefühl.
Ich lese ziemlich flüssig und muß kaum mal ins Niederländisch-Wörterbuch schauen. Wenn ich mal ein Wort nicht weiß, sind das meistens Tierbezeichnungen. Typisch für ´t Hart ist, daß immer wieder sehr konkret bezeichnete Tiere vorkommen. Die stehen dann aber auch nicht in meinem Wörterbuch. So weiß ich z.B. nicht, was ein
stuntel ist, oder
knoetjes (sind beides Vögel). Manches kann ich mir auch direkt erschließen: z.B. die
witvleugelmoeraszwaluwe - also Weißflügelsumpfschwalbe (ob die auf Deutsch so heißt, weiß ich nicht, aber jedenfalls kann ich mir was drunter vorstellen).
Lustig sind auch die bei ´t Hart immer wiederkehrenden Stellen, wo Bibelzitate mal etwas detaillierter betrachtet werden. Roemer ist ein Mensch, der seit früher Kindheit gerne nachdenkt und rechnet. So drückt er in einem Gespräch mit einem Freund sein Unverständnis über das zweite Buch der Chronik, 18. Kapitel, Vers 6 aus. Dort heißt es, daß Perach 120.000 feindliche Krieger an einem Tag tötete. Unter der Annahme, Perach war 24 Stunden lang aktiv, ergibt das nach Roemers Rechnung 84 zu tötende Männer pro Minute, und das hält er für unrealistisch.

Schmunzeln mußte ich auch an der Stelle, wo Roemers Frau fragt, wieso es beim Abendmahl nur Brot und Wein gab, wenn Jesu Jünger doch Fischer waren. Wieso also gab es da keinen Hering?

Roemer hält dagegen, daß es in Galiläa nur Süßwasserfische gibt, sie also gar keinen Hering hätten fangen können, sondern höchstens Karpfen und Bleie. Woran sich eine Fachsimpelei ünber Schiffe, Fangmethoden und Netze anschließt und beide ihren Unmut darüber äußern, wieso das in der Bibel nur so ungenau steht...

Soweit meine Leseeindrücke, ich denke ich schaffe heute abend noch ein paar Seiten. Seit ich wieder "drin" bin, möchte ich unbedingt schnell wissen, wie es weitergeht.
Grüße, kaluma