"Die achte Plage" habe ich ja auch auf meinem Wunschzettel und will es, wie die anderen des Autors auch noch lesen (der Stil des Autors gefällt mir wirklich gut), dieses Buch hier hatte ich einfach als erstes erwischt.
Mir gefällt Mwangi vor allem auch deshalb, weil er zwar Kritik übt, dies aber auf eine immer noch humorvolle Weise tut. Er macht sich nicht über die Menschen lustig, nimmt sie mit ihren manchmal unorthodoxen Sitten und Vorstellungen ernst, aber er schafft es trotzdem, den Finger in die Wunde zu legen. In dieser Beziehung trifft er sich durchaus mit Ken Saro-Wiwa, bei dem ich das auch immer so empfinde, oder mit Ousmane Sembène.
Ja, die Opferziegen sind mir auch gleich negativ aufgefallen. Und ich habe mich auch gefragt, ob sie das Offensichtliche wirklich nicht sehen oder es nicht sehen können/wollen, weil es für sie einfach in Ordnung ist, dass die "Herren" Recht haben mit ihren ganzen Erklärungen, warum etwas so und so ist und zu sein hat.
Es ist ja nicht so, als würden die Reichen zum Fest nichts spenden. Aber natürlich sind ein paar Kalebassen Honigbier etwas anderes als eine Ziege, je weniger man von letzteren hat, desto bedeutsamer wird der Unterschied. Die Menschen spüren den Unterschied und die Ungerechtigkeit schon, das merkt man an dem Kneipengespräch durchaus, aber sie können es nicht so präzise artikulieren und wissen vor allem auch nicht, wie sie dagegen angehen können.
Deshalb fand ich es bei diesem Geldsammelfest auch so klasse, dass die Leute ihm für ihn wertlose Münzen in die Körbe warfen, auch wenn ich mich frage, ob sie das bewusst gemacht haben oder einfach keine anderen Münzen übrig hatten.
Das wird vielfach Absicht gewesen sein. Mwangi beschreibt ja auch, daß die Leute in den Taschen schon mal die Scheine aussortieren, als ihnen klar wird, daß es jetzt ans Sammeln geht
So, ich bin schon seit Sonntag Abend fertig fertig und noch etwas mitgenommen von dem Ende,
Das ist bei Mwangis Romanen nicht ungewöhnlich, sowohl in
Die achte Plage als auch in
Nairobi, River Road gibt es auch eher gemischte Enden.
aber trotzdem geht es mir nah. Wahrscheinlich, weil sich gerade erst einiges doch eher unerwartet in eine positive Richtung geschoben hatte und Margarets Tod so wirkte, als müsse gerade dies gleich wieder zunichte gemacht werden, als dürfte es nicht sein, dass sich etwas positiv verändert. Vielleicht übertreibe ich hier, aber so empfand ich es beim Lesen.
Nein, ich glaube nicht, daß Du übertreibst, es ist schon völlig ok, das so zu empfinden. Aber diese Wendung macht natürlich besonders deutlich, wie lächerlich und kleinlich einiges von den vorherigen „Problemen“ war. Da Baba Pesa schon zuvor einen Dreh in die richtige Richtung bekommen hat, läßt das doch hoffen, daß er unter diesen Umständen den Wert von Geld vs. Freundschaft zukünftig ein bißchen anders ansetzt.
Wird er das noch ohne sie tun oder keinen Sinn mehr darin sehen?
Gute Frage, ich bin da auch etwas hin- und hergerissen.
(Ja, er sagte, er helfe nur, weil er dann ja auch den Pflug für seine Felder haben möchte, aber den hätte er sich ja sicher auch "ausleihen" können, ohne die vorherige schweißtreibende Arbeit auf Braus Feld, oder? ) Oder empfinde ich hier nur etwas, was ich vielleicht sehen möchte?
Wenn er hinreichend bestimmt auf Baba Baru zugegangen und den Pflug verlangt hätte, wäre es diesem vermutlich schwergefallen abzulehnen. Aber es hätte im Dorf kein gutes Licht auf Baba Pesa geworfen. Irgendwie muß er sich da schon erkenntlich zeigen. Und da es Barus Pflug ist, hat er ein Anrecht darauf, daß sein Feld zuerst damit gepflügt wird. Baba Pesa ist da tatsächlich ein bißchen unter Zugzwang.
Aber wie geht es weiter? Hat Margarets Tod und die Geburt der Kinder, die ja nun eine Verbindung zwischen den Familien darstellen, das Verhältnis der beiden Familien zueinander verändert? Oder fällt Baba Pesa später wieder in sein altes Verhalten zurück, weil er nicht anders kann oder will? Wie beeinflusst das Geschehen oder evtl. alte Traditionen nun das weitere Leben der beiden Familien? Gehört nun vielleicht Baru mit seiner Familie wegen der Kinder zu Pesas eigener Familie und bekommt dann von ihm eine ganz andere Achtung oder freut er sich später vielleicht, dass er damit einen ganz neuen Ansatz finden könnte, Barus Land doch noch zu bekommen, wenn Barus Familie nun quasi zu ihm gehört? Oder beides?
Für den Landbesitz der Barus sind die Kinder zunächst einmal egal, das Land geht unter normalen Umständen von Baba Baru auf Moses über. Im Falle einer Heirat hätte Baba Pesa (oder Juda) eigentlich sogar Brautgeld für Margaret zahlen müssen, denn sie hätten den Barus ja eine Arbeitskraft fortgenommen. Die Frage ist jetzt eher, wer von den Pesas sich tatsächlich offiziell als Vater bekennt, weil sich danach entscheidet, welche Perspektiven der Junge im Hinblick auf das Pesa'sche Land haben wird. Möglicherweise wird sich Baba Pesa unter diesen Umständen dafür entscheiden, Juda doch nicht zu enterben, wenn dieser die Vaterschaft übernimmt. Immerhin ist dort die Linie dann schon gesichert. Da sich Mama Pesa und Mama Baru aber auch schon immer ganz gut an ihren Männern vorbei arrangiert haben, werden die beiden bestimmt auch eine Lösung finden, die für die Zwillinge gut ist

Schmunzeln musste ich immer wieder über die Beschreibungen der Menschen und ihre Dialoge. Z. B. Juda und der Polizeichef, die Marktfrauen, die Juda schützten und die Geschichten über Judas Abwehr der Kugeln, die bis hoch in die Wolken flogen, und den alten Ziegenhirten immer wieder dazu veranlassten, in den Himmel zu schauen. Diese Kleinigkeiten machten die Menschen und die Handlung das ganze Buch über sehr bunt und lebendig finde ich. 
Tja, so entstehen Legenden

Dein Eindruck gibt das wieder, was ich oben schon sagte: Mwangi hat eine sympathische Art, mit seinen Figuren umzugehen. Selbst wenn sie sich manchmal dumm benehmen, er läßt ihnen durchaus ihre Würde und verunglimpft sie nicht. Ich habe bei ihm auch nie das Gefühl von Überheblichkeit, eher könnte ich mir vorstellen, daß er das ein oder andere Verhalten auch an sich selbst beobachtet hat und so über sich selbst schmunzelt.