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Autor Thema: [Georgien] Tschabua Amiredschibi - Data Tutaschchia  (Gelesen 122 mal)

Saltanah

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[Georgien] Tschabua Amiredschibi - Data Tutaschchia
« am: 31. Juli 2011, 00:29:39 »

 :gruebel: Den Wikipediaartikel hatte ich beim Überfliegen so gedeutet, dass eine deutsche Übersetzung des Werkes existiere, ich konnte aber in keinem Bibliothekskatalog einen Hinweis darauf finden. Es scheint aber eine in Moskau erschienene englische Übersetzung zu geben: Data Tutashkhia. Und dann existiert natürlich noch eine schwedische Übersetzung, die ich gelesen habe: Chabua Amiredzjibi - Den fredlöse.

Wörtlich übersetzt bedeutet der schwedische Titel Der Vogelfreie. Vogelfrei erklärt wurde im Jahre 1885 der junge Georgier Data Tutaschchia nachdem er seien Gegner in einem inoffiziellen Duell erschossen hatte. Die nächsten Jahrzehnte wird er von der russischen Gendarmerie (Georgien ist ein Teil des russischen Zarenreichs) gejagt. Federführend dabei sind Graf Szegedi, der Chef der georgischen Geheimpolizei, und sein Untergebener Muschni Sarandia, der nicht nur Datas Cousin und Ziehbruder ist, sondern auch der Leiter des "Desinformationsbüros", das mit Hilfe eines ausgeklügelten Spionage- und Gerüchtverbreitungssystems die größten Verbrecher der Gegend erfolgreich auszuschalten versucht.

Nur mit Data Tutaschchia haben sie Probleme. Er ist unglaublich geschickt, entdeckt auch die ausgeklügelsten Fallen und entkommt mehrfach eigentlich ausweglosen Situationen. Das gelingt ihm unter anderem deswegen, weil er über die Unterstützung großer Teile der Bevölkerung verfügt. Diese kann nämlich ebenso wie der Leser nicht ganz verstehen, wieso Data ein so großer Verbrecher sein soll, denn eigentlich versucht er hauptsächlich, Gutes zu tun. Oder zumindest versucht er das anfänglich - immer wieder muss er nämlich die Erfahrung machen, dass Leute, denen er gegen deren Unterdrücker selbstlos geholfen hat, andere hinterher ebenso unterdrücken, wie es ihnen selbst geschehen war. Lohnt es sich unter diesen Umständen überhaupt, seinen Mitmenschen helfen zu wollen? Oder geschieht dadurch im Endeffekt nicht noch mehr Übel? Das fragt sich Data, aber gegen seine eigene Natur kommt er nicht an. Immer wieder handelt er auf Seiten des Guten.

Erzählt wird diese Geschichte in zwei Strängen. Der eine besteht aus den Tagebuchaufzeichnungen des schon erwähnten Grafen Szegedi. Mit den Aufzeichnungen wechseln sich Zeugenaussagen von Personen, die Data zu einem oder anderen Zeitpunkt getroffen hatten, ab. Diese Zeugenaussagen, die eng um die Person Datas kreisen, konnten mich immer wieder fesseln. Amiredschibi (und seinem schwedischen Übersetzer) gelang es, den verschiedenen Zeugen ihre ganz eigene Stimme zu verleihen. Zudem ergaben sich ganz unterschiedliche Darstellungen der interessanten Persönlichkeit des Vogelfreien, je nachdem, ob ein Freund oder Feind von ihm erzählte.

Die Aufzeichnungen des Grafen - wie gesagt Chef der Geheimpolizei - jedoch waren über lange Strecken hinweg eher zäh zu lesen. Hier fehlte mir die Fokussierung auf die Hauptfigur. Viel zu viel erzählt der Graf auch von seiner sonstigen Arbeit. Interessant könnte diese Lektüre sicher für Georgier sein, die einen Teil ihrer Vergangenheit in diesem Buch dargestellt finden, aber mich langweilten diese Teile ziemlich. Hier fehlte es mir auch an der Lebendigkeit des Stils, der mich in den anderen Abschnitten bei der Stange hielt.

Ein teils zähes, teils aber auch sehr interessantes Buch ergibt eine Wertung von
3ratten
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Aldawen

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Re: [Georgien] Tschabua Amiredschibi - Data Tutaschchia
« Antwort #1 am: 31. Juli 2011, 06:31:51 »

:gruebel: Den Wikipediaartikel hatte ich beim Überfliegen so gedeutet, dass eine deutsche Übersetzung des Werkes existiere, ich konnte aber in keinem Bibliothekskatalog einen Hinweis darauf finden.

Es ist mir schon oft aufgefallen, daß Leute, die der jeweiligen Sprache mächtig sind, wohl zumindest eine Übersetzung des Titels im Artikel angeben. Ob die Bücher tatsächlich übersetzt sind, sieht am immer am besten bei der Deutschen Nationalbibliothek und bei viele Autoren findet sich ein entsprechender Link (der heißt immer Literatur von und über XY im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek) direkt im Wikipedia-Artikel. Manchmal ist aus diesem Link zur DNB auch ersichtlich, daß diese nicht mehr als einen Personendatensatz hält, dann ist schon klar, daß es kein ins Deutsche übersetztes Werk gibt.

Immerhin gibt es aber die englische Übersetzung in einer deutschen Bibliothek, vielleicht werde ich da noch mal nach schauen, auch wenn ich Georgien schon besucht habe. Ich mag ja solche „Robin-Hood“-Geschichten ...
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Kinywa ni jumba la maneno.
Der Mund ist der Palast der Worte. – Sprichwort aus Ostafrika