Autor Thema: Joyce Hinnefeld - Die Luft die uns trägt  (Gelesen 276 mal)

Offline HoldenCaulfield

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Joyce Hinnefeld - Die Luft die uns trägt
« am: 19. Juli 2011, 18:33:21 Nachmittag »


Titel: Die Luft die uns trägt
Autor: Joyce Hinnefeld

Allgemein:
352 S.; btb Verlag, 2011

Inhalt:
2002: Die Vogelmalerin Adeline genannt Addie stirbt an Krebs. Ihre Tochter Scarlet, ihr Mann Tom, ein bekannter Ornithologe und ihre besten Freundinnen Cora und Lou kommen zusammen um sich zu beraten. Denn Adeline hat einen ganz besonderen Wunsch für ihre Beerdigung... Die Erinnerungen an die Verstorbene bringen ans Licht was jeder von ihnen schon weiß: sie vermissen sie schrecklich. Scarlet versucht auf ihre Art auf zu schreiben was sie über die Mutter und ihre Liebe zu Tom, ihrer Freundschaft über die Jahre zu Cora und Lou weiß.

Meine Meinung:
Schon das Cover hat irgendwie suggieriert das Buch könnte mir gefallen. Mein Gefühl hat mich nicht getäuscht. Die Luft, die uns trägt, ist ein ganz wunderbarer Roman, der mich schon auf den ersten Seiten bezaubern konnte. Joyce Hinnefeld erzählt ihre Geschichte in eher leisen Tönen und lässt Zeit ohne dabei längen in der Handlung zu produzieren. Irgendwie ist jeder Satz und jede Szene an der genau richtigen Stelle zur genau richtigen Zeit.

Besonders hat mir die Art und Weise gefallen, wie die Figuren miteinander in Zusammenhang stehen, was zwischen ihnen geschieht. Zudem sind sie menschlich und nicht zu erfunden. So ist die Liebe zwishen Addie und Tom nicht ohne Fehler und vielleicht gerade deshalb auch so wahr und schön. Meine persönliche Lieblingsfigur ist Scarlet, obwohl sie im Roman eher im Hintergrund agiert und in der Handlung nicht so oft auftritt. Irgendwie ist sie eben doch präsent. Im Grunde mochte ich jede Figur – was mir recht selten in einem Roman passiert, irgendjemanden mag man ja immer nicht ;) Hier wuchs mir jede Figur ans Herz. Vielleicht, weil die Autorin allen Figuren den Raum lässt, den sie brauchen um Glaubhaft zu sein. Die Verbindung zwischen den drei Freundinnen Lou, Addie und Cora ist immer spürbar. Zugleich wird nicht ausgespart, in welcher Zeit die Drei Frauen studieren , heiraten Kinder kriegen. Das läuft aber eher nebenher, so das es nicht übertrieben ist (der Fokus liegt auf den Figuren und nicht auf dem historischen) , aber trotzdem zeigt wie sich vielleicht auch andere Frauen gefühlt haben könnten. Es vermischt sich mit der Handlung und wirkt daher passend, weil es eben auch so unaufdringlich beschrieben wird. 
Und nebenbei geht es eben auch um die Vögel, vor alllem um Addies und Toms Zugang dazu. Mehr als einmal hatte ich die Zeichnungen die Addie malt richtig vor Augen. Sie werden zwar nicht detailgenau beschrieben aber rigendwie kann man sie sich trotzdem vorstellen, weil ihre Leidenschaft für das Zeichnen dieser Tiere eine wichtige Rolle für ihre Persönlichkeit spielt und daher auch in der Geschichte immer wieder thematisiert wird.
Die luft die uns trägt ist wirklich ein sehr schöner Roman, der unaufdringlich daher gekommt, in dem aber so viel mehr steckt als man auf den ersten Blick denken könnte. Für mich jedenfalls ein Lesehiglight!

4ratten
« Letzte Änderung: 27. Juli 2011, 11:19:17 Vormittag von HoldenCaulfield »
Seltsam im Nebel zu wandern.... H.Hesse

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Mein Interview mit Gail Carriger :elch:
Sonnenschirm

Offline Tammy1982

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Re: Joyce Hinnefeld - Die Luft die uns trägt
« Antwort #1 am: 22. Oktober 2012, 21:33:30 Nachmittag »
Hallo Ihr Lieben,

nachdem du Holden:winken: - mich so neugierig auf den Roman gemacht hast, habe ich heute mit dem Buch begonnen. Die ersten paar Seiten war ich mir ja nicht so sicher, ob der Roman wirklich etwas für mich ist. Ich bin jetzt nicht so der Naturkundeliebhaber und gerade Vögel sind nicht mein Spezialgebiet, aber das Thema mit den Vogelbeobachtungen tritt ja immer mehr in den Hintergrund und dafür die Figuren immer mehr in den Vordergrund. Und die Geschichte der einzelnen Personen interessiert mich sehr.

Im Grunde mochte ich jede Figur – was mir recht selten in einem Roman passiert, irgendjemanden mag man ja immer nicht ;) Hier wuchs mir jede Figur ans Herz. Vielleicht, weil die Autorin allen Figuren den Raum lässt, den sie brauchen um Glaubhaft zu sein.

Ja, dem kann ich mir bisher nur anschließen: Ich mag im Moment auch einfach alle auftretenden Personen und begleite einfach jede gerne.

Toller Tipp, Holden:klatschen:

Liebe Grüße
Tammy  :winken:
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Offline tjaa

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Re: Joyce Hinnefeld - Die Luft die uns trägt
« Antwort #2 am: 22. Oktober 2012, 23:07:35 Nachmittag »
Tammy, ich bin auch mittendrin  :zwinker:

Mir ging es anfangs wie dir und zwischendurch gibt es noch immer Passagen, die mich nicht so interessieren. Kann halt wenig mit Vögeln anfangen. Die Rundumgeschichte finde ich aber interessant und das mit den Vögeln passt eigentlich gut rein.

Offline Tammy1982

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Re: Joyce Hinnefeld - Die Luft die uns trägt
« Antwort #3 am: 24. Oktober 2012, 18:24:30 Nachmittag »
Tammy, ich bin auch mittendrin  :zwinker:

 :breitgrins: Sehr cool!

Mir ging es anfangs wie dir und zwischendurch gibt es noch immer Passagen, die mich nicht so interessieren. Kann halt wenig mit Vögeln anfangen. Die Rundumgeschichte finde ich aber interessant und das mit den Vögeln passt eigentlich gut rein.

Ja, ich bin mittlerweile bei über der Hälfte des Buches angekommen und empfinde die Vögel gar nicht mehr als störend. Sie passen wirklich gut hinein. Außerdem bin ich mittlerweile so gefesselt von den Schicksalen der Protagonisten, dass ich die Vögel kaum noch wahrnehme. Nur Addie bleibt mir irgendwie ein Rätsel.  :gruebel:

Liebe Grüße
Tammy  :winken:
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Offline Tammy1982

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Re: Joyce Hinnefeld - Die Luft die uns trägt
« Antwort #4 am: 27. Oktober 2012, 17:25:28 Nachmittag »
Hallo Ihr Lieben,

und bin schon fertig mit dem Buch! Was so eine längere Zugfahrt alles möglich macht...  :breitgrins: :zwinker:

Hier also meine Meinung:
Nach dem Tod von Addie müssen ihr Mann Tom und ihre Tochter Scarlet nicht nur mit dem Verlust klar kommen, sondern sich auch noch Gedanken darüber machen, wie sie ihren letzten Wunsch erfüllen können. Addie war nämlich fast die Hälfte ihres Lebens aktive Umweltschützerin und will auch noch mit ihrem Tod einem Bauunternehmer, der für eine neue Siedlung einen ganzen Wald niedermachen möchte, das Leben schwer machen. Daher hat sie sich gewünscht, dass sie auf dem Land, das bebaut werden soll, begraben werden möchte. Jedoch müssen Tom, Scarlet und die beiden Freundinnen von Addie nicht nur das klären, sondern auch ihre gemeinsame Vergangenheit bewältigen, um ihr eigenes Leben wieder genießen zu können.

Im Fokus des Buches stehen Vögel: Tom und Addie sind leidenschaftliche Vögelbeobachter und geben diese Leidenschaft auch an ihre Tochter weiter. Viele Handlungen und Gespräche nehmen daher auch immer wieder Bezug auf Vögel und oft gibt irgendein Vogel eine Metapher für einen Lebensabschnitt. Darüber hinaus sind Tom und Addie auch sehr umweltbewusst, was sich bei Addie jedoch im Laufe der Zeit bald zu einer regelrechten Obsession auswirkt. Dabei ist mir das gesamte Buch über nicht klar geworden, ob es ihr wirklich um die Umwelt geht oder ob sie mit ihrem Eifer etwas anderes versucht zu kompensieren.

Denn zum anderen zeigt das Buch auch anhand von Addie und ihren beiden Freundinnen Frauenschicksale in den 60er und 70er Jahren. Junge motivierte Studentinnen, die nach der Uni heiraten, Kinder bekommen und irgendwann einen Sinn in ihrem Leben suchen. Während Addie ihre gesamte Energie in Umweltschutzaktivitäten steckt, bleibt Cora still im Hintergrund und gibt sich an etwas die Schuld, das sie doch nie hätte ändern können. Die laute und verführerische Lou dagegen fährt ihre Krallen aus und schlägt um sich, ohne zu bemerken, dass sie sich dabei am meisten selber verletzt.

Scarlet, die nächste Generation, scheint diejenige zu sein, die ausbricht und es vielleicht doch schon schafft ihr Leben nach ihren Vorstellungen zu gestalten.

Das Buch hat sich dabei sehr schnell lesen lassen und ich konnte es oft gar nicht aus der Hand legen. Dabei hat es mich oft sehr aufgewühlt und auch am Ende sehr melancholisch zurück gelassen. Teilweise fand ich es sehr deprimierend , dann wieder war es wunderschön. Obwohl der Erzählstil eher distanziert ist, ist mir das Buch sehr nahe gegangen und hat mir viel Stoff zum Nachdenken gegeben.

Alles in allem ein sehr bewegendes Buch, dass noch lange nachwirkt und wahrscheinlich für jeden Leser andere Botschaften enthält.

Dafür gibt es  4ratten

Liebe Grüße
Tammy  :winken:
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Offline tjaa

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Re: Joyce Hinnefeld - Die Luft die uns trägt
« Antwort #5 am: 28. Oktober 2012, 19:09:19 Nachmittag »
Ich habe das Buch heute Mittag fertig gelesen...

Weiß noch gar nicht so recht wie ich es fand. Stellenweise hat es mir sehr gut gefallen und ich habe es schnell und zügig gelesen, und dann gab es wieder Stellen, die ich eher langweilig fand. Ich habe auch teilweise gar nicht mehr durchgeblickt mit den Zeitsprüngen, aber das lag wohl eher an mir selbst ;)

Anfangs hatte ich Schwierigkeiten, in die Geschichte reinzukommen. Irgendwie fand ich den Schreibstil nicht ganz angenehm. Kann es schwer beschreiben. Aber auch nicht immer. Es gab tatsächlich Kapitel, die mir mehr, und manche, die mir weniger lagen. Vielleicht lag es auch daran, wie sie mir gefallen haben.

Sympathisch fand ich die Charaktere auch, wobei ich sagen muss, dass ich mit Addie nie ganz warm geworden bin. Ich konnte sie einfach nie richtig einschätzen. Am ehesten vielleicht noch als sie jung war als Studentin.
Scarlet war mir lieber.

Vielleicht schreibe ich noch eine ganze Rezi, bis dahin müssen die paar Sätze genügen  :zwinker:

 

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