Hallo Ihr Lieben,
und bin schon fertig mit dem Buch! Was so eine längere Zugfahrt alles möglich macht...

Hier also
meine Meinung:Nach dem Tod von Addie müssen ihr Mann Tom und ihre Tochter Scarlet nicht nur mit dem Verlust klar kommen, sondern sich auch noch Gedanken darüber machen, wie sie ihren letzten Wunsch erfüllen können. Addie war nämlich fast die Hälfte ihres Lebens aktive Umweltschützerin und will auch noch mit ihrem Tod einem Bauunternehmer, der für eine neue Siedlung einen ganzen Wald niedermachen möchte, das Leben schwer machen. Daher hat sie sich gewünscht, dass sie auf dem Land, das bebaut werden soll, begraben werden möchte. Jedoch müssen Tom, Scarlet und die beiden Freundinnen von Addie nicht nur das klären, sondern auch ihre gemeinsame Vergangenheit bewältigen, um ihr eigenes Leben wieder genießen zu können.
Im Fokus des Buches stehen Vögel: Tom und Addie sind leidenschaftliche Vögelbeobachter und geben diese Leidenschaft auch an ihre Tochter weiter. Viele Handlungen und Gespräche nehmen daher auch immer wieder Bezug auf Vögel und oft gibt irgendein Vogel eine Metapher für einen Lebensabschnitt. Darüber hinaus sind Tom und Addie auch sehr umweltbewusst, was sich bei Addie jedoch im Laufe der Zeit bald zu einer regelrechten Obsession auswirkt. Dabei ist mir das gesamte Buch über nicht klar geworden, ob es ihr wirklich um die Umwelt geht oder ob sie mit ihrem Eifer etwas anderes versucht zu kompensieren.
Denn zum anderen zeigt das Buch auch anhand von Addie und ihren beiden Freundinnen Frauenschicksale in den 60er und 70er Jahren. Junge motivierte Studentinnen, die nach der Uni heiraten, Kinder bekommen und irgendwann einen Sinn in ihrem Leben suchen. Während Addie ihre gesamte Energie in Umweltschutzaktivitäten steckt, bleibt Cora still im Hintergrund und gibt sich an etwas die Schuld, das sie doch nie hätte ändern können. Die laute und verführerische Lou dagegen fährt ihre Krallen aus und schlägt um sich, ohne zu bemerken, dass sie sich dabei am meisten selber verletzt.
Scarlet, die nächste Generation, scheint diejenige zu sein, die ausbricht und es vielleicht doch schon schafft ihr Leben nach ihren Vorstellungen zu gestalten.
Das Buch hat sich dabei sehr schnell lesen lassen und ich konnte es oft gar nicht aus der Hand legen. Dabei hat es mich oft sehr aufgewühlt und auch am Ende sehr melancholisch zurück gelassen. Teilweise fand ich es sehr deprimierend , dann wieder war es wunderschön. Obwohl der Erzählstil eher distanziert ist, ist mir das Buch sehr nahe gegangen und hat mir viel Stoff zum Nachdenken gegeben.
Alles in allem ein sehr bewegendes Buch, dass noch lange nachwirkt und wahrscheinlich für jeden Leser andere Botschaften enthält.
Dafür gibt es

Liebe Grüße
Tammy
