Nachdem ich meinen Abbruch bewußt etwas habe sacken lassen, fasse ich meine Gründe dafür hier noch einmal zusammen, da sicher nicht jeder irgendwann mal die Leserunde nachlesen will und es als Meinung ja auch eher hier in den Buchthread gehört.
Für den Abbruch waren mehrere Aspekte ausschlaggebend und die Reihenfolge, in der ich sie hier anführe, beinhaltet keine Wertung. Letztlich hätte wohl keiner dieser Punkte allein ausgereicht, aber in Kombination waren sie mir einfach zu viel. Da ist zum einen die ungeheure Weitschweifigkeit. Sicher, diese ist ausgesprochen barocktypisch, aber Stephenson übertreibt es trotzdem an vielen Stellen. Etwas Straffung wäre dem Plot sehr zugute gekommen. Es mag sein, daß vieles von dem mir überflüssig Erscheinenden im Gesamtkontext des Zyklusses relevant ist, aber trotzdem bin ich sicher, daß mehr „Zug“ möglich gewesen wäre, ohne Entscheidendes zu verlieren. Ich habe nichts gegen dicke Bücher und auch nichts gegen zweckfreie Umwege, aber Umfang nur um des Umfangs willen ist für mich kein Qualitätskriterium.
Das nächste Problem hatte ich mit den Figuren, vor allem Eliza und Jack. Ich nenne sie bewußt Figuren, denn besonders lebensecht menschlich wirkten sie auf mich nicht, eher wie Marionetten, denen Stephenson Wissen andichtete und (im Falle Jacks manches Mal) eine Sprache in den Mund legte, die einfach nicht zu ihrem bisherigen Leben paßten. Und wenn er ihnen schon Informationen verschafft, die sie eigentlich nicht haben konnten, dann hätte es konsistenter in der Ausführung sein müssen, denn gerade dort, wo es dem Autor dann mal in den Kram paßte, wird Jack zum völligen Idioten, obwohl es dort um Dinge ging, die er auf Grund seines Lebenslaufes eher wissen konnte als anderes, das er vorher von sich gegeben hatte. Besser gelungen war da sicher der Umgang der Personen miteinander im ersten Buch, der von einer Vielzahl gesellschaftlicher Spielregeln bestimmt wurde und damit gut in die Zeit eingefügt war.
Darüber hinaus gab es eine Reihe inhaltlicher Zusammenstöße. Historische Korrektheit ist ja immer ein Thema bei historischen Romanen und dazu gibt es hier im Forum auch schon ausgiebige Diskussionen. Ich überlese sicher in vielen dieser Bücher viele Fehler, weil sie einfach nicht Epochen und/oder Aspekte betreffen, in denen ich sattelfest bin. Das Mittelalter ist keineswegs mein Spezialgebiet, und dort kann ein Autor mir auch manches „verkaufen“. Mit dem 17. Jahrhundert erreichen wir hier aber eine Zeit, die mir näher liegt, und dummerweise hat Stephenson auch noch Gebiete erwischt, mit denen ich z. T. schon recht intensiv auseinandergesetzt habe, und daher fallen mir eben auch mehr Fehler auf. Das betrifft z. B. den transatlantischen
Sklavenhandel, den deutschen
Bergbau (hier allerdings geht auch ein Vorwurf an den Übersetzer) und das
Piratenwesen an der Barbareskenküste (ich habe mal meine Beiträge in der Leserunde, wo ich diese Punkte jeweils anspreche, verlinkt, die sollte man auch lesen können, ohne zu sehr verspoilert zu werden

). Mit Ausnahme des Sklavenhandels sind diese Aspekte nicht hochgradig zentral für die Geschichte, aber ich kann nun einmal leider nicht so tun, als wüßte ich es nicht besser.
Und zu guter Letzt übertreibt es Stephenson mit dem Stilmittel der Kursivsetzung, um die Betonung anzuzeigen. Ich halte mich durchaus für fähig, einen Dialog auch ohne diese Handreichung des Autors „richtig“ zu lesen, und fühle mich von dergleichen mindestens gegängelt, wenn es derart exzessiv betrieben wird, und auf Dauer für dämlich gehalten – und das schätze ich überhaupt nicht. Stephenson hat es geschafft, mich abwechselnd zu langweilen und aufzuregen im Sinne von

, und so blieb dann nur der Abbruch des Buches als sinnvolle Lösung des Konfliktes zwischen ihm und mir.
Für den von mir gelesenen Teil gibt es bis dahin deshalb auch nur

Schönen Gruß,
Aldawen