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Autor Thema: William Shakespeare - König Lear/The Tragedy of King Lear  (Gelesen 788 mal)

Doris

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Re: William Shakespeare - König Lear/The Tragedy of King Lear
« Antwort #30 am: 26. Juli 2011, 22:48:59 »

Ich denke nicht, dass Edgar verrückt ist.

Dann kann er sich aber gut verstellen, wenn ihn der eigene Vater nicht erkennt!  :zwinker:

Ich habe heute den 4. Akt gelesen. Auch hier geht es hoch her. Wenn man es nicht wüsste, würde man nicht vermuten, dass hier eigentlich lauter Familienmitglieder gegeneinander angehen. Intrigen, Lügen, gegeneinander ausspielen und mit Waffen aufeinander losgehen - Shakespeare schöpft hier aus dem Vollen. Lear findet sich wohl langsam mit seiner Situation ab, denn er resigniert allmählich und will nicht mehr aufbegehren: " O habt Geduld mit mit! Bitte vergesst, vergebt, denn ich bin alt und kindisch." Seine Töchter können sich unterdessen gar nicht mehr bremsen und reißen sich um den betrügerischen Edmund. So finden sich wie im richtigen Leben die Guten und die Bösen auf ihrer jeweiligen Seite.

Ich bin schon gespannt, wie das ausgeht und wie Shakespeare die Handlung wieder auf ein ruhiges Niveau herunterfährt. Tragödie bedeutet ja nicht unbedingt, dass es ein glückliches Ende gibt.
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tina

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Re: William Shakespeare - König Lear/The Tragedy of King Lear
« Antwort #31 am: 27. Juli 2011, 11:34:10 »

4. Akt

1. Szene
Gloster wird blind vor die Tür gesetzt und trifft seinen Sohn Edgar, welcher sich immer noch nicht zu erkennen gibt. Gloster möchte nach Dover und wenn ich das richtig verstanden habe, mit dem Vorsatz, sich dort von den Klippen zu stürzen.

2. Szene
Nun, zumindest Albanien hat Skrupel und ist entsetzt von den kaltblütigen Taten seiner Frau Goneril und ihrer Schwester. Cornwall hat seine gerechte Strafe erhalten und es ist immer wieder gut zu sehen, dass es noch treue Menschen gibt, welche sich für andere einsetzen. Mir fällt auf, dass es bei Shakespeare oft die Frauen sind, die zu bösen Gräueltaten anstiften und keine Reue zeigen. Warum nur hat William ein so schlechtes Bild von uns Mädels, dass er uns immer mit dem Teufel vergleicht.  :teufel:

3. Szene
Hier erfahren wir, dass der Brief von Kent an Cordelia übergeben wurde und sie ist entsetzt über den Zustand ihres Vaters. Der König selbst schämt sich zu sehr, um seiner Tochter Cordelia unter die Augen zu treten. Darum kann ich nach wie vor sagen, dass mir dieser Mann nicht wirklich unsympathisch ist.

4. Szene
Nun erfahren wir von Cordelia persönlich, dass sie ihrem Vater verziehen hat und alles erdenkliche in die Wege leitet, um ihn zu helfen. Ich habe auch die Ausgabe in welcher sie alleine, d.h. ohne König auf dem (Schlacht)feld steht, aber es sieht nicht so aus, als wolle Frankreich England angreifen.

5. Szene
Regan erweist sich nach wie vor, als kaltherziges, böses Weib, welches keine Skrupel hat jeden, der ihm Weg steht, aus dem selbigen räumen zu lassen. Jetzt scheinen sich die beiden Zicken auch noch um den intriganten Edmund zu streiten und wieder wird jedes Klischee bezüglich Frauen und Macht hervorgeholt.

6. Szene
Edgar und Gloster sind auf den Weg zu den Klippen von Dover, zumindest macht dies Edgar Gloster weis, aber anscheinend stehen sie eben nicht an einem Abgrund, sondern Gloster fällt, in dem Glauben sich von den Klippen zu stürzen eher sanft auf die Nase und den Boden direkt vor ihm. Habe ich das jetzt richtig verstanden, dass Gloster tatsächlich glaubt gesprungen zu sein? Er müsste doch zumindest an Edgars Stimmer erkennen, dass immer noch sein getreuer Begleiter neben ihm steht und schwerlich mitgesprungen sein kann.

7. Szene
Hier endlich, hat Lear seine Tochter erkannt und zumindest diese beiden können sich verzeihen und unterstützen. Jetzt warte ich nur noch darauf, dass sich auch Edgar seinem Vater zu erkennen gibt. Ich glaube auch nach wie vor, dass Kent nicht aus purem Eigennutz gehandelt hat, sondern weil er wirklich den König wieder auf den Rechten Weg und zu seiner Tochter Cordelia führen wollte.

Dieser Akt hat mir besonders gut gefallen, weil die Bösen so schön böse sind und allesamt gemeine Intrigen schmieden.


5. Akt

Es ist einfach widerlich, wie sich diese beiden Weiber um dieses Ekelpaket Edmund streiten. Zumindest der Herzog von Albanien hat es durchschaut und ich hoffe er kann das Ruder herumreisen. Mir gefiel übrigens sehr gut die Szene, als Lear sich ausmalte, wie wunderschön die Zeit mit seiner Tochter Cordelia werden würde, auch wenn sie beide im Kerker sitzen.
Nun leider kommt es weder zu dem einen noch zu dem anderen.  Diese Tragödie hat wirklich ein dramatisches Ende und ich kann mir vorstellen dass, wenn es wirklich gut gespielt ist, dieses letzte Szene sehr bewegen kann. Dass sich dieses beiden grässlichen Schwestern gegenseitig in die ewigen Jagdgründe befördern fand ich nicht weiter schlimm und auch mit Edmund hatte ich kein Mitleid, auch wenn er am Schluss ansatzweise so etwas wie Reue zeigte, aber ich bin mir noch nicht einmal sicher, ob es  überhaupt ernst war, oder nur weil er eh schon am Boden lag.

Alles in allem, war auch dieses ein spannendes auf alle und ereignisreiches Stück, aber ich muss sagen, an Richard der III. kommt es für mich nicht heran. Auf alle Fälle hat es mir Spaß gemacht, es zu lesen.
« Letzte Änderung: 27. Juli 2011, 12:03:26 von tina »
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Re: William Shakespeare - König Lear/The Tragedy of King Lear
« Antwort #32 am: 27. Juli 2011, 12:19:41 »

Warum nur hat William ein so schlechtes Bild von uns Mädels, dass er uns immer mit dem Teufel vergleicht.  :teufel:

King Lear ist wohl generell das "frauenfeindlichste" Stück. Ist euch die krasse Stelle aufgefallen, als Lear über den weiblichen Unterleib spricht?

The fitchew, nor the soiled horse, goes to't with a more riotous appetite. Down from the waist they are centaurs, though women all above. But to the girdle do the gods inherit, beneath is all the fiend's: there's hell, there's darkness, there is the sulphurous pit, burning, scalding, stench, consumption! Fie, fie, fie! Pah, pah! (4.6.120 ff.)

Interessant ist auch, dass Shakespeare Queen Lear komplett rausgeschnitten hat. In seiner Quelle zu King Lear teilt der König aus Trauer über den Tod seiner Frau sein Reich auf. Hier gibt es überhaupt keine Erklärung. Das einzige Mal, dass eine Mutter in King Lear erwähnt wird ist an dieser Stelle:

Lear:
O, how this mother swells up toward my heart!
Hysterica passio, down, thou climbing sorrow,
Thy elements below
(2.2.246)

An der Stelle wird klar, dass Lear denkt, dass er an Hysterica Passio leidet. Das ist eine Krankheit, bei der man damals davon ausging, dass es im männlichen Körper auch einen Uterus geben kann und dieser frei beweglich ist. Wenn er zu weit nach oben wandert, dann drückt er gegen das Herz. Die Krankheit war auch als „Suffocating Mother“ (Erstickende Mutter) bekannt. Das wird so interpretiert, dass Lear seinen Frauenhass so sehr verinnerlicht hat, dass er sich sowohl in ihm selbst als diese Krankheit, als auch um ihn herum in der Natur verdeutlicht. Der Sturm wird auch als sehr weiblich beschrieben:
And thou, all-shaking thunder,
Strike flat the thick rotundity o’the world,
Crack nature’s moulds, all germens spill at once
That make ungrateful man!
(3.2.6 ff.)
Die Welt ist so rund als wäre sie schwanger und Lear spricht von Samen, der verspritzt wird. :zwinker:

Außerdem ist Lear wohl das Stück in dem am häufigsten das Wort „nothing“ vorkommt, was damals ein umgangssprachliches Synonym für Vagina war. Männer haben ein „thing“ und Frauen eben „no-thing“. (Das erklärt auch die Doppeldeutigkeit vom Titel des Stücks „Much Ado About Nothing“. :zwinker:) Das Stück ist einfach besessen von weiblicher Intrige und weiblicher Identität überhaupt.
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Re: William Shakespeare - König Lear/The Tragedy of King Lear
« Antwort #33 am: 27. Juli 2011, 22:03:54 »


King Lear ist wohl generell das "frauenfeindlichste" Stück. Ist euch die krasse Stelle aufgefallen, als Lear über den weiblichen Unterleib spricht?

The fitchew, nor the soiled horse, goes to't with a more riotous appetite. Down from the waist they are centaurs, though women all above. But to the girdle do the gods inherit, beneath is all the fiend's: there's hell, there's darkness, there is the sulphurous pit, burning, scalding, stench, consumption! Fie, fie, fie! Pah, pah! (4.6.120 ff.)

Ja, diese Stelle fand ich auch heftig, aber ich musste auch grinsen.

An der Stelle wird klar, dass Lear denkt, dass er an Hysterica Passio leidet. Das ist eine Krankheit, bei der man damals davon ausging, dass es im männlichen Körper auch einen Uterus geben kann und dieser frei beweglich ist. Wenn er zu weit nach oben wandert, dann drückt er gegen das Herz. Die Krankheit war auch als „Suffocating Mother“ (Erstickende Mutter) bekannt. Das wird so interpretiert, dass Lear seinen Frauenhass so sehr verinnerlicht hat, dass er sich sowohl in ihm selbst als diese Krankheit, als auch um ihn herum in der Natur verdeutlicht. Der Sturm wird auch als sehr weiblich beschrieben:
And thou, all-shaking thunder,
Strike flat the thick rotundity o’the world,
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(3.2.6 ff.)
Die Welt ist so rund als wäre sie schwanger und Lear spricht von Samen, der verspritzt wird. :zwinker:
Das gefällt mir immer so an Deinen Beiträgen, Mrs Dalloway. Deine Beiträge helfen immer sehr, das Stück richtig zu verstehen und in einem ganz anderen Zusammenhang zu sehen. Dass der Sturm sehr weiblich ist, ist mir übrigens nicht aufgefallen.

Außerdem ist Lear wohl das Stück in dem am häufigsten das Wort „nothing“ vorkommt, was damals ein umgangssprachliches Synonym für Vagina war. Männer haben ein „thing“ und Frauen eben „no-thing“. (Das erklärt auch die Doppeldeutigkeit vom Titel des Stücks „Much Ado About Nothing“. :zwinker:) Das Stück ist einfach besessen von weiblicher Intrige und weiblicher Identität überhaupt.

Nun werde ich wohl immer grinsen müssen, wenn ich diesen Titel lese.  :breitgrins:

Viele Grüße Tina
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Re: William Shakespeare - König Lear/The Tragedy of King Lear
« Antwort #34 am: 28. Juli 2011, 00:22:29 »

 :winken: Theoretisch bin ich auch noch da, praktisch funktioniert allerdings mein Internetzugang mal wieder nicht. :sauer: Da ich nicht weiterlesen wollte, bevor ich was zum 2. Akt geschrieben habe, stecke ich dort immer noch fest. Hoffentlich lässt mir die Arbeit genug Zeit dazu, was zu schreiben.

Also zu Akt II:
Den Kent habe ich gefressen! So ein arroganter, gemeiner Schnösel! Stürzt sich, sobald er nur die Möglichkeit bekommt auf Oswald und beleidigt ihn auf's Gröbste. Die beleidigungen sind natürlich amüsant zu lesen und sorgen im Theater sicher für einige Lacher, aber was fällt ihm eigentlich ein?
Und dann stilisiert er sich gar noch zum Opfer, dass gaaanz unschuldigerweise in Fußblöcke gelegt wird. Dabei hat er doch gar nichts getan :rollen:, nicht wahr? Ich denke, diese Szene soll zeigen, wie böse Regan und Cornwall sind. Bestrafen sie diesen Unschuldsknaben doch so grausam. (Ich hoffe, ihr versteht meine Ironie.)

Natürlich ist die Handlungsweise der Töchter und deren Gatten auch nicht gerade nett, aber wie sehr Lear sich immer noch vormacht, die andere würde ihn aber besser behandeln, spricht nicht gerade für eine kluge, realistische Einschätzung der Situation. Als ihm diese dann endlich richtig klar wird, rastet er total aus, brüllt rum, schwört Rache, rennt weg und erinnert mich an ein kleines Kind, das seinen Willen nicht bekommt.
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Doris

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Re: William Shakespeare - König Lear/The Tragedy of King Lear
« Antwort #35 am: 28. Juli 2011, 22:02:44 »

Dieses Stück hat die Bezeichnung "Tragödie" wirklich verdient. Im 5. Akt spitzt sich die Situation nochmal richtig zu. Auch wenn die Bösewichte alle ihr Schicksal verdienen, muss ich doch sagen, dass es mich im Fall von Regan und Goneril richtig freut. Dieses hinterhältige gegenseitige Ausspielen ist furchtbar, aber das sind eben die Waffen der Frauen, die keine anderen Mittel haben. Leider sterben zuletzt nicht nur die Bösen, wobei es für Lear eine Erlösung sein dürfte, da er letztlich wirklich alles verloren hat bis hin zu seinem Glauben. Und alles nur, weil er vorzeitig abdankte.

Wie ist denn der letzte Ausspruch von Kent zu verstehen:
"Ich muss zur Reise bald gerüstet sein;
Mein Meister ruft, ich darf nicht sagen: nein!"

Soll das bedeuten, dass er nun ebenfalls Selbstmord begeht?
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Re: William Shakespeare - König Lear/The Tragedy of King Lear
« Antwort #36 am: 29. Juli 2011, 11:52:50 »

@Doris: Ja, Kent begeht Selbstmord. Er ist so sehr der treue Diener, dass er ohne Meister nicht leben will.

Ist euch eigentlich aufgefallen, dass der Narr einfach verschwindet? Das passiert sehr selten. Die, die Richard III gelesen haben, haben das schon bei Margaret erlebt. Auch sie war ja eher eine Kommentatorin der Handlung als eine Akteurin und durfte die Bühne daher auch unbeschadet und in Ruhe verlassen.
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Re: William Shakespeare - König Lear/The Tragedy of King Lear
« Antwort #37 am: 29. Juli 2011, 12:49:04 »

@Doris: Ja, Kent begeht Selbstmord. Er ist so sehr der treue Diener, dass er ohne Meister nicht leben will.

Ist euch eigentlich aufgefallen, dass der Narr einfach verschwindet? Das passiert sehr selten. Die, die Richard III gelesen haben, haben das schon bei Margaret erlebt. Auch sie war ja eher eine Kommentatorin der Handlung als eine Akteurin und durfte die Bühne daher auch unbeschadet und in Ruhe verlassen.

Ohh, das ist mir gar nicht aufgefallen, weder das eine noch das andere. Mmm, dass Kent sich tötet, finde ich doch etwas übertrieben, aber nun ja, wenn er ansonsten keinen Sinn mehr in seinem Leben sieht, der Arme.
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Re: William Shakespeare - König Lear/The Tragedy of King Lear
« Antwort #38 am: 29. Juli 2011, 17:38:52 »

Eine Stelle wollte ich noch ganz besondern hervorheben, weil sie meine Lieblingsstelle in Shakespeares Gesamtwerk ist:

Lear
And my poor fool is hanged. No, no, no life!
Why should a dog, a horse, a rat have life
And thou no breath at all? Thou'lt come no more,
Never, never, never, never, never.


Ich empfehle euch, die Stelle jetzt mal laut zu lesen. Das ist nämlich so, dass die ersten drei Zeilen ganz streng im jambischen Pentameter sind (Rhythmus: 5mal da-DUM). Und die letzte Zeile dreht das Versmaß dann komplett um (5mal DUM-da). Das wirkt auf der Bühne, wenn man einen guten Schauspieler hat, wirklich sehr gut und kann dann als der Moment dargestellt werden, wo der arme alte Lear komplett zusammenbricht, keine Beherrschung mehr über seine Sprache hat und einfach nur noch aufgibt.

Hier ist Lears Todesszene aus dem Fernsehfilm mit Laurence Olivier, der übrigens komplett auf youtube ist. Da merkt man auch, dass er sehr darauf bedacht ist, zu betonen, wie regelmäßig das Versmaß in den Versen vor "Never, never..." ist, finde ich.

Schauspieler beschweren sich übrigens immer darüber, wie schwierig Lear zu spielen ist, weil man dafür ja doch schon recht alt sein muss und dann steht man 3 Stunden auf der Bühne (manchmal sogar im Regen) und hat Wutanfälle etc. und dann muss man am Schluss noch Cordelia auf die Bühne tragen. Das ist oft hart für Schauspieler.

Und noch etwas interessantes: In der gerade zitierten Stelle steht ja: "And my poor fool is hanged" Das ist eine Anspielung darauf, dass Cordelia und der Narr traditionell gedoublet werden. Damals hatte man nie genug Schauspieler und musste manche Rollen dann an einen Schauspieler vergeben und Cordelia und der Narr wurden dann von einem Schauspieler gespielt, da sie in keiner Szene gemeinsam auftreten. Heutzutage hat man ja meistens genug Schauspieler und ich hab es dann schon öfter gesehen, dass der Narr auch die erste Szene schon als stiller, allwissender Zuschauer aus dem Hintergrund beobachtet.
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Re: William Shakespeare - König Lear/The Tragedy of King Lear
« Antwort #39 am: 29. Juli 2011, 19:55:50 »

Ist euch eigentlich aufgefallen, dass der Narr einfach verschwindet?

Jetzt, wo du es sagst...

Schauspieler beschweren sich übrigens immer darüber, wie schwierig Lear zu spielen ist, weil man dafür ja doch schon recht alt sein muss und dann steht man 3 Stunden auf der Bühne (manchmal sogar im Regen) und hat Wutanfälle etc. und dann muss man am Schluss noch Cordelia auf die Bühne tragen. Das ist oft hart für Schauspieler.

Um so besser nachvollziehbar, wie schlimm es sein muss, wenn man das im wirklichen Leben ertragen muss. Zu all der physischen Anstrengung auch noch die psychische Belastung - da ist es verständlich, wenn man sich aus dem Leben verabschieden möchte.

Ich stelle wieder einmal fest, dass mir ohne diese Leserunden einiges von der Faszination entgehen würde, die die Shakespeare-Dramen entfachen.   :smile:
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Re: William Shakespeare - König Lear/The Tragedy of King Lear
« Antwort #40 am: 31. Juli 2011, 01:34:54 »

So, wie im Buchvorschlagsthread erwähnt, habe ich mir nun ENDLICH eine brauchbare Ausgabe zugelegt, und zwar das zweisprachige orange Reclam.
Allerdings finde ich die Originalversion jetzt plötzlich gar nicht mehr so schwierig wie zu Beginn. Ok, bei manchen Stellen bin ich wirklich froh, dass ich ganz unkompliziert auf die rechte Seite gucken kann, aber im Großen und Ganzen geht's auch auf Englisch recht flüssig. :smile:

Weit bin ich noch nicht: 1. Akt, 3. Szene, und deswegen konnte ich auch noch nicht allzu viele eurer Beiträge lesen. Aber bis jetzt gefällt es mir super, da geht ja ganz schön was ab!

In Bezug auf Cordelia ist das Lager ja sehr zweigeteilt. Ich muss sagen, dass ich mich sehr gut in sie hineinversetzen kann, weil ich mich wahrscheinlich ganz ähnlich verhalten hätte. Mit irgendwelchen hochtrabenden Prinzipien oder so hat das aber erst in zweiter Linie zu tun ... in erster ist es doch eher so, dass wenn man verbal sowieso nicht so der überschwängliche Typ ist, man sich mit solchen pathetischen Ausbrüchen generell schwer tut. Und wenn man dann noch in Verzückung über etwas verfallen soll, das man grundsätzlich für falsch hält (womit wir wieder bei den Prinzipien wären), ist es wahrscheinlich total hoffnungslos. Ich kann das schon irgendwie nachvollziehen, und dass sie sich nicht einmal mit einem Drittel vom Königreich ködern lässt, zeigt ja nur, wie wenig sie tatsächlich aus ihrer Haut kann (ob man das nun gut oder schlecht findet, ist ja offenbar eine ganz individuelle Sache).

Was mich aber auch sehr fesselt, ist die Geschichte um Edmund, Edgar und Gloucester ... wow! :boah:
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Re: William Shakespeare - König Lear/The Tragedy of King Lear
« Antwort #41 am: 15. August 2011, 19:53:40 »

Ähem, also mit mir wird das wohl nix mehr ... ich bin zwar schon :redface: im 2. Akt, komme aber momentan nur wenig zum Lesen und greife dann eher zu ganz leichter Kost. Ich werde das Stück also erst später fertig lesen können, weil ich es ja nicht nur unkonzentriert überfliegen möchte ... sorry! :blume:
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