Hallo Ihr Lieben,
ja, alles in allem war das hier ein eindeutiges Wohlfühlbuch!

Ich habe es sehr genossen, hatte aber ehrlich gesagt auch gar keine Erwartungen an das Buch, da ich vorher noch nie einen Roman von Alex Capus gelesen habe.
Ob die Darstellungen und ganzen vielen Zufälle mit denen Léon durch's Leben stolpert realistisch sind, wage ich auch zu bezweifeln, andererseits ist es wirklich so, dass Menschen, die eher naiv wirken und immer nur an das Gute glauben und danach handeln, oft auch wirklich dann ganz viel Glück haben und man der Meinung sein kann, ihnen fällt alles in den Schoß. So ganz ist es dann ja doch immer nicht!

Léon wagt auch weiterhin seine Boykott-Versuche, wird aber wieder erwischt. Was ich dabei erschreckend fand, dass er anscheinend überhaupt der Einzige ist, der das versucht!!!

Oder stellen die anderen sich geschickter an? Aber wie will man das geschickt machen? Klar, nur bei einer gewissen Anzahl an Karteikarten einen Fehler einbauen, aber wie entscheidet man, wen man damit rettet und wen nicht???
Die Verwandlung von Yvonne zu Ende des Krieges fand ich sehr erschreckend. Für mich ergibt sie sich in ihr Schicksal: Sie hat ihre Familie beschützt und zusammengehalten, jetzt fällt alle Spannung von ihr und sie will sich überhaupt gar nicht mehr für irgendetwas engagieren. Auch nicht für die Treue ihres Mannes! Traurig, aber irgendwie fand ich es gut und nachvollziehbar dargestellt.
Mich freut der "Zuckerguss"

und dass Léon und Louise dann doch anscheinend einige Jahre zusammen verbringen. Etwas irritiert war ich auch wegen dem Prolog, aber die Erklärung, dass sie sich weiterhin nur fernab von der Familie gemeinsam getroffen haben, macht ein bisschen Sinn. Obwohl ich mir fast nicht vorstellen kann, dass das wirklich möglich ist: Ich halte eine Beziehung über 20 Jahre vor meinen Kindern geheim?

Gut, die engste Beziehung hatte Léon ja irgendwie eh nicht zu seinen Kindern, aber das finde ich schon hart. Obwohl ich gerade so überlege und so eine Aktion meinem Vater sogar auch zutrauen würde...

Léon will das Geld auch nicht. Nochmal Überraschung.
Und hortet es in der Schublade. Saudoof.
Eine freundliche Idee hat er ja, als er das Geld zu verteilen beginnt. Als Caron aufkreuzte, dachte ich kurzfristig an eine Falle. Im Haus scheint man insgesamt viel zu gut über Léons Geschäfte Bescheid zu wissen! Aber Caron benötigt wirklich Hilfe - zu diesem Wohlfühlroman (bei diesem Urteil bin ich auch angelangt) hätte eine Falle auch nicht so recht gepasst.
Mh, das hat mich auch etwas irritiert, aber ich denke da spielt ganz viel mit, dass das Geld von dem Kaffee kommt, den ihm der Deutsche ja quasi als Erpressung gibt. Wenn er den Kaffee trinkt oder auch das Geld davon ausgibt, gilt er als Verräter und was viel wichtiger für Léon ist: Er fühlt sich auch als Verräter! Und Menschen können wirklich einen unglaublichen Stursinn entwickeln, wenn sie sich im Recht fühlen und ich denke bei Yvonne und Léon ist genau das der Fall!
Alles in allem ein tolles Wohlfühlbuch zum Träumen.

Liebe Grüße
Tammy
