
InhaltRose hat eine besondere Begabung: Sie kann aus Essen die Gefühle des Kochs herausschmecken. Kurz vor ihrem neunten Geburtstag bemerkt sie zum ersten Mal die Traurigkeit ihrer Mutter im selbstgemachten Zitronenkuchen. Von diesem Tag an kann sie nichts mehr zu sich nehmen ohne Wut, Freude oder Einsamkeit in ihrem Essen zu schmecken. Doch was noch viel schlimmer ist: durch ihre Fähigkeit erfährt sie Dinge über ihre Familie, die sie lieber nicht gewusst hätte. Denn nicht nur sie trägt ein Geheimnis mit sich herum.
Der erste SatzDas erste Mal passierte es an einem Dienstagnachmittag.Meine MeinungSobald ich das Cover das erste Mal gesehen hatte, wusste ich, dass ich das Buch haben musste. Auch der Inhalt hat mich angesprochen und so landete es schon sehr bald auf meinem Nachtkästchen. Leider hat das Buch nicht ganz meine Erwartungen erfüllt, gefallen hat es mir aber trotzdem.
Ich hätte erwartet, dass intensiv auf die Begabung von Rose eingegangen wird, auf ihre Gefühle
beim Essen und auf die Gefühle
im Essen. Ich habe mich auf die Beschreibung der Geschmacksrichtungen und auf das Eintauchen in die verschiedenen Gefühlswelten gefreut. Leider spielt die Fähigkeit von Rose eine eher untergeordnete Rolle. Natürlich wird immer wieder darauf eingegangen, aber die Gefühle, die Rose herausschmeckt, werden nur mit wenigen Worten umschrieben. Das Hühnchengericht der Mutter schmeckt hohl, der Keks wütend und das Essen in der Mensa traurig. Mehr nicht, ein tiefes Eingraben in die Gefühle der Menschen gibt es nicht und auch sehr selten Beschreibungen des Geschmacks.
Außerdem tritt Roses Fähigkeit immer mehr in den Hintergrund. Sie wird zwar immer wieder eingestreut, aber eigentlich geht es in dem Buch um etwas ganz anderes. Es geht um eine Familie, die nach außen hin das perfekte Leben führt, aber innerlich zerbricht. Jeder trägt ein Geheimnis mit sich herum, niemand spricht wirklich mit dem anderen und so richtig normal ist in dieser Familie auch keiner. Mich hat das Buch manchmal richtig traurig gemacht, weil zwischen den Zeilen eine Hoffnungslosigkeit und Einsamkeit hervorschien, die mich als Leser mitgerissen hat.
Aimee Bender mischt hier einen Familienroman mit mystischen Elementen. Rose hat die schon erwähnte Fähigkeit des "Gefühlsschmeckens" und auch ihr Bruder Joseph verhält sich geheimnisvoll. Ein bisschen hat mich der Stil an Haruki Murakami erinnert, denn wie bei ihm bleibt vieles in der Schwebe und der Leser muss sich selbst überlegen, was passiert sein könnte. Die Sprache hat mir übrigens positiv aufgefallen, mal abgesehen von der etwas einfallslosen Beschreibung der "Essensgefühle".
Insgesamt ein gutes Buch, aber leider nicht ganz das, was ich erwartet habe. Deswegen