
Klappentext:Auf der Insel Mompracem führt Sandokan, der "Tiger von Malaysia", zusammen mit seiner todesmutigen Piratenbande und seinem treuen Gefährten Yanez einen Rachefeldzug gegen die britische Kolonialmacht. Diese hat seine Familie ermordet und ihn seines Thrones beraubt. Als er von der geheimnisvollen Perle von Labuan erfährt, entscheidet sich nicht nur sein Schicksal neu, sondern auch das von ganz Mompracem.
Sandokan, der verwegenste, tapferste, stärkste und überhaupt in jeder erdenklichen Hinsicht beste Pirat aller Zeiten sieht sich plötzlich einem übermächtigen Gegner gegenüber: Gegen die Liebe ist selbst er machtlos und mit der gleichen Leidenschaft wie dem Rauben und Morden gibt er sich auch ihr hin, als er ihr in Gestalt der wunderschönen 16- oder 17-jährigen (und damit halb so alten) Marianna Guillonk begegnet. Zum Glück erwidert sie seine Liebe und so vergeht der Rest des Buches mit dem Versuch Sandokans, Marianna den Klauen ihres Onkels zu entreißen, um ein neues, unpiratisches Leben mit ihr zu beginnen.
Dabei stellt er sich irgendwie nicht besonders geschickt an, denn es fehlt ihm in erstaunlichem Maße an Selbstkontrolle. Er kennt nur einen Weg, nämlich den direkten, auch einer überwältigenden Übermacht gegenüber. Ohne seinen getreuen Yanez, dem es doch ab und zu gelingt, den "Tiger" zu besonnenerem Verhalten zu überreden, wäre seine Mission - und möchte ich annehmen, seine früheren piratischen Unternehmungen auch - von vorne herein zum Scheitern verurteilt, aber so geht es ... naja, das will ich jetzt lieber nicht verraten.
Auf der Rückseite des Buches wird Volker Breidecker von der Süddeutschen Zeitung zitiert:
Drei Dinge sind aus dem Erzählkosmos des Emilio Salgari ausgeschlossen: die Langeweile, die Moral und die Wahrscheinlichkeitsrechnung.
Ich bin versucht, ihm darin weitgehend zuzustimmen. Langeweile kam bei der Lektüre nicht auf. Salgari erzählt mit überaus hohem Tempo ohne Verschnaufpausen und man kann das nicht besonders komplexe Buch leicht in einem Rutsch durchlesen. Dass dabei die Charakterzeichnung etwas kurz kommt, kann nicht überraschen. Sandokan ist ein übermenschlich großer Held, der sich allerdings aus dem Einheitsheldenbrei durch seine Maßlosigkeit hervortut, Marianna ebenso übermenschlich schön, Yanez der perfekte Sidekick, die Gegner kennen nur ein Ziel, nämlich Sandokan zu erledigen und die "Tigerchen", Sandokans Gefolge, sind Kanonenfutter.
Ob es dem Roman wirklich an Moral fehlt, lässt sich diskutieren. Zwar ist Sandokan ein rücksichtsloser Pirat, der so einige Menschenleben auf dem Gewissen hat, aber das haben auch andere Abenteuerhelden. Da die Geschichte aus seiner Perspektive erzählt wird, und auch darauf hingewiesen wird, dass er die Engländer nicht ohne Grund hasst, und diese ihm natürlich auch an den Kragen wollen, sehe ich keinen großen Unterschied zu anderen Helden. Ungewöhnlicher ist es da schon, dass es zwar keine Nackenbeißerszenen gibt, diese aber doch stark impliziert werden. Old Shatterhand war in seiner Anbetung von Nscho-tschi doch prüder, will mir scheinen.
Was aber die fehlende Wahrscheinlichkeitsrechnung angeht, hat Breidecker voll ins Schwarze getroffen! Fängt man an, die Handlung auf Logik und Realitätsnähe zu untersuchen, bleibt nicht viel übrig. Immer wieder musste ich ungläubig den Kopf schütteln ob der an den Haaren herbeigezogenen Verwicklungen. Nur muss ich auch zugestehen, dass das die völlig falsche, dem Roman nicht gerecht werdende Herangehensweise ist. in dieses Buch muss man sich hereinfallen lassen, das logische Denken ausschalten und sich nur von der Handlung mitreißen lassen - dann liest man einen wunderbaren Roman!
Ich bedaure es, auf dieses Buch nicht vor Jahrzehnten zu meinen May-, Treller- und Gerstäckerzeiten gestoßen zu sein. So konnte ich das Buch nur mit fasziniertem Entsetzen (oder entsetzter Faszination) lesen. Entsprechend unmöglich ist mir die Bewertung. Je nach angelegtem Maßstab könnte ich alles zwischen 2 und 5 Ratten vergeben. So bleibe ich bei

, zu denen ich, da ich die Lektüre weiterer Romane von Salgari tatsächlich erwäge, eigentlich noch ein

hinzufügen müsste.